Eine Erinnerungsstätte für die Euthanasie-Tötungsaktion (Beverstedt) begangen an Käthe Spreen ist am Eingang zum Beverstedter Friedhof eingerichtet worden.Die Aufstellung der Tafel und der Text wurde am 23. April 2013 vom Ausschuss für Umwelt und öffentliche Einrichtungen der Gemeinde Beverstedt beschlossen. Siehe auch: "Gedenkstätte für Euthanasie errichtet" in Beverstedter Rundschau, hrsg. von der Gemeinde Beverstedt und dem Gewerbeverein Beverstedt, Herbstausgabe 2013, S. 19. Sie besteht aus einer Gedenkplatte auf der Grabstelle der Familie Spreen.
Gedenkstätte auf dem Beverstedter Friedhof mini|Enthüllung der Gedenkplatte für Käthe Spreen auf dem Beverstedter Friedhof (durch Bürgermeister Ulf Voigts[links] und Altbürgermeister Martin Bensen) in Gegenwart Henrita Lindner, der Nichte Käthe Spreens
Der frühere Bürgermeister Martin Bensen sammelte Spenden für eine Erinnerungsstätte, die am 8. Juni 2013 von ihm und dem Bürgermeister der Gemeinde Beverstedt, Ulf Voigts, in Gegenwart von Henrita Lindner, der Cousine Käthe Spreens, und anderer Personen des öffentlichen Lebens eingeweiht wurde.
Leben Käthe Marie Spreen war eine Beverstedter Bürgerin (geb. 27. April 1911 in Bremerhaven-Lehe, gest. am 28./29. oder 30. Mai 1941 in Hadamar), die in der Tötungsanstalt Hadamar im Rahmen von Euthanasie-Tötungsaktionen ums Leben gekommen ist. Sie wuchs in Bremerhaven (Buchtstr. 27) im Stadtteil Geestemünde auf. Ihr Vater war Sattlermeister Georg Spreen, ihre Mutter Bernhardine Spreen. Im Dezember 1930 wurde sie „von einem Mann angesprochen und ging mit diesem in den Geestemünder Bürgerpark. Als der Mann sich ihr unsittlich häherte, hat sie sich gesträubt, kehrte nach längerem Umherirren ... mit zerrissenen Kleidern ohne Hut nach Hause zurück. Hat kein Verständnis dafür, dass sie sich nicht jedem fremden Mann anvertrauen darf.“ Sie wurde am 26. Mai 1931 in die Heil- und Pflegeanstalt Lüneburg eingewiesen.NS-Euthanasie am Beispiel der Kinderfachabteilung der Landes-Heil- und Pflegeanstalt Lüneburg Der Arzt hatte manisch-depressives Irresein diagnostiziert.So steht es in einem "kreisärztlichen Gutachten", verfasst vor Mai 1931, Bensen, siehe Literatur, S. 1. Am 19. Juli 1931 wird Käthe Spreen als „gebessert“ wieder entlassen.
mini|Gedenkplatte für Käthe Spreen auf dem Beverstedter FriedhofAuf der Gedenkplatte des Beverstedter Friedhofes steht "In Erinnerung an Käthe Spreen – In der Euthanasie-Gaskammer der 'Heil- und Pflegeanstalt' Hadamar wurde Käthe Spreen aus Beverstedt auf Befehl des NS-Staates Ende Mai 1941 ermordet – wie die 70.000 Opfer in den Gaskammern in ganz Deutschland. – Erinnern soll neues Unrecht verhindern -" Am 1. September 1931 zogen ihre Eltern mit den beiden Töchtern Käthe und Elfriede nach Beverstedt zunächst in die Meyerhofstraße und kurz danach in die Logestr. 13, das die Beverstedter dann „Spreen-Kasten“ (= plattdt. Starenkasten) nannten.
Am 18. November 1932 wurde Käthe Spreen erneut in die Lüneburger Anstalt eingewiesen. Im September 1934 wurde sie sterilisiert und am 22. Oktober 1934 wieder als „gebessert“ entlassen.Bensen, siehe Literatur, S. 2.
Eine dritte Aufnahme in die Anstalt in Lüneburg erfolgte am 16. April 1935 – „Polizeilich“ ist diesmal auf der Akte vermerkt. Eine nochmalige Entlassung ist nicht dokumentiert. Ob sie ihre Familie in Beverstedt noch einmal wiedergesehen hat, ist nicht bekannt.
Spurensuche Das Schicksal von Käthe Spreen hat ihre 15 Jahre jüngere Cousine Henrita Lindner nie losgelassen. Sie hatte sie von Bremerhaven aus oft in Beverstedt besucht. Käthe Spreen spielte gern mit den jüngeren Kindern und alberte mit ihnen herum. Sie hatte aber oft Kopfschmerzen, deshalb mahnten die Eltern: „Ärgert Käthe nicht, sie hat Kopfschmerzen, sie ist krank.“ In dem Gutachten von 1931 heißt es: „Sie war nur körperlich zart und blutarm und in geistiger Hinsicht zurückhaltend ängstlich, menschenscheu. Hatte nie Freundinnen, nahm nie an Kinderspielen teil,“Bensen, siehe Literatur, S. 1.
Lindner verlangte im Alter von 7 bis 8 Jahren nach einer Antwort, warum ihre Cousine so plötzlich aus ihrem Leben verschwunden war.
Spuren in Hadamar Aus der Gedenkstätte Hadamar bekam Henrita Lindner einen Brief. Nun erfuhr sie, dass ihre Cousine zu einem „uns unbekannten“ Datum in die Anstalt Lüneburg aufgenommen wurde. Zu einem ebenfalls unbekannten Datum wurde sie in die Anstalt Herborn (als „Zwischenanstalt“ für die Tötungsanstalt Hadamar) gebracht. Von dort kam sie am 28. Mai 1941 mit 79 weiteren Patienten nach Hadamar.
Da aber am gleichen Tag ein weiterer Transport mit 132 Patienten ankam, „und die tägliche Tötungskapazität der Tötungsanstalt maximal 100 Personen betrug“, sei es möglich, dass Käthe Spreen erst am 29. Mai oder sogar erst am 30. Mai ermordet wurde.
Weg in den Tod
Aus der Anstalt in Lüneburg wurde Käthe Spreen in eine der neun „Zwischenanstalten“ nach Herborn gebracht. Der Abtransport geschah ohne Vorankündigung und ohne Zielangabe, damit die Angehörigen ihre Kranken nicht aus der Anstalt nahmen. Erst nach der Ankunft in der Tötungsanstalt erhielten die Angehörigen eine – standardisierte – Nachricht: „Hier gut angekommen“. Die Verlegung sei „infolge kriegswichtiger Maßnahmen“ notwendig geworden. In der neuen Anstalt seien Besuche aus Gründen, „die mit der Reichsverteidigung im Zusammenhang stehen“, leider nicht möglich. Der nächste Brief enthielt die Todesnachricht und das weitgehend standardisierte Beileidsschreiben.nach: Hans-Henning Scharsach, Die Ärzte der Nazis, Wien 2000, ISBN 978-3-7015-0429-9, S. 124, zitiert bei Bensen, siehe Literatur, S. 4. Die Transport zwischen den verschiedenen Anstalten wurden durchgeführt von der GeKraT. Vorweg fuhren Transportleiter mit der Namensliste der Abzuholenden und dann die Busse, in denen die Fenster verhangen oder schwarz bemalt waren, mit dem Begleitpersonal. In Hadamar fuhren die Busse in eine speziell dafür gebaute Garage im Hinterhof. Über einen Schleusengang in einen großen Saal geführt wurden die Kranken vom Begleitpersonal ausgezogen und über den Flur in ein Arztzimmer geführt. Ein Bürobeamter bestätigte die Identität, und ein Arzt entschied sich für eine von 61 falschen Todesursachen auf dem Totenschein.Alle Vernichtungsanstalten hatten Sonder-Standesämter (in Hadamar: Mönchberg), um Probleme mit uneingeweihten Behörden zu vermeiden. In einem Fotoraum wurden von jeder Person drei Aufnahmen gemacht: eine Gesamtaufnahme, ein Brustbild und eine Profilaufnahme. Außerdem wurden sie gewogen.nach: Hans-Henning Scharsach, Die Ärzte der Nazis, Wien 2000, ISBN 978-3-7015-0429-9, S. 124, zitiert bei Bensen, siehe Literatur, S. 4.
Literatur Inga Hansen: Grausamer Tod in der Gaskammer in Nordsee-Zeitung vom 16. August 2008 Luise Bär: Auf Befehl der Nazis ermordet. Gedenktafel erinnert an das Schicksal der Beverstedterin Käthe Spreen und die Opfer der Euthanasie in Osterholzer Kreisblatt vom 22. Juni 2013 Mahnmal auf dem Friedhof, Bürgermeister enthüllen Gedenktafel für die von den Nazis ermordete Beverstedterin Käthe Spreen in Nordsee-Zeitung vom 25. Juni 2013
Weblinks Im Gedenken an die Beverstedter Juden in Bremervörder Anzeiger vom 24. Februar 2012
Einzelnachweise
Kategorie:Gedenkort der Aktion T4 Kategorie:Beverstedt Kategorie:Denkmal in Niedersachsen Kategorie:Kultur (Landkreis Cuxhaven)