Die Sinfonie F-Dur Hoboken-Verzeichnis I:79 komponierte Joseph Haydn im Jahr 1784 während seiner Anstellung als Kapellmeister beim Fürsten Nikolaus I. Esterházy.

Entstehung der Sinfonien Nr. 79, 80 und 81 mini|hochkant|Joseph Haydn (Gemälde von Ludwig Guttenbrunn, um 1770)

Die wahrscheinlich im Jahr 1784 Informationsseite der Haydn-Festspiele Eisenstadt, siehe unter Weblinks. komponierten und (wie Nr. 76, 77 und 78) als „Serie“ Michael Walter: Haydns Sinfonien. Ein musikalischer Werkführer. C. H. Beck-Verlag, München 2007, ISBN 978-3-406-44813-3, S. 73. für den öffentlichen Markt konzipierten Sinfonien Nr. 79, 80 und 81 haben eine unklare Entstehungs- und verworrene Publikationsgeschichte: Haydn bot die Sinfonien im Oktober 1784 dem Verleger Boyer an, aber noch 1784 erschien Nr. 80 und 81 zusammen mit der Ouvertüre zur Oper Armida beim Verleger Forster, und Anfang 1785 wurden sie vom Verleger Toricella in Wien angekündigt, der sie aber wegen finanzieller Schwierigkeiten an Artaria verkaufen musste, bei dem sie im März erschienen. In Paris vertrieb Le Duc Ende 1785 die Ausgabe von Artaria in Kommission, und wohl ebenfalls um 1785 erschienen wahrscheinlich nicht autorisierte Ausgaben bei Hummel und (nur Nr. 80 und 81, als drittes Werk eine Sinfonie von Karl von Órdonez) bei Guera in Lyon und Paris.Ludwig Finscher: Joseph Haydn und seine Zeit. Laaber-Verlag, Laaber 2000, ISBN 3-921518-94-6, S. 309–310 und 317–318.

Haydn schrieb im Brief vom 25. Oktober 1784, der möglicherweise Nicht Nadermann, sondern Boyer hatte ein Jahr vorher die drei Sinfonien Nr. 76, 77 und 78 angenommen und veröffentlicht. Vielleicht war Nadermann, der 1796 Boyers Nachfolger wurde, schon früher in dessen Verlag tätig, obwohl er auch schon einen eigenen Verlag besaß (van Hoboken 1957, S. 125). an den Pariser Verleger Nadermann gerichtet war:

Der niedrige Preis von 15 Dukaten für die drei Sinfonien kann nach Anthony van Hoboken (1957) damit zusammenhängen, dass die Werke vorher schon von Artaria angenommen waren, und Haydn nun noch trachtete, „einigen Gewinn“ daraus zu erhalten.

In Haydns Entwurf-Katalog hat er nur die Sinfonie Nr. 81 im Anschluss an Nr. 76, 77 und 78 eingetragen. Anthony van Hoboken (1957) vermutet insgesamt, dass Nr. 81 als erste und Nr. 79 als letzte vollendet wurde.

Zur Musik Besetzung: Querflöte, zwei Oboen, zwei Fagotte, zwei Hörner, zwei Violinen, Viola, Cello, Kontrabass. Über die Beteiligung eines Cembalo-Continuos in Haydns Sinfonien bestehen unterschiedliche Auffassungen.Beispiele: a) James Webster: On the Absence of Keyboard Continuo in Haydn's Symphonies. In: Early Music Band 18 Nr. 4, 1990, S. 599–608); b) Hartmut Haenchen: Haydn, Joseph: Haydns Orchester und die Cembalo-Frage in den frühen Sinfonien. Booklet-Text für die Einspielungen der frühen Haydn-Sinfonien., online (Abruf am 26. Juni 2019), zu: H. Haenchen: Frühe Haydn-Sinfonien, Berlin Classics, 1988–1990, Kassette mit 18 Sinfonien; c) Jamie James: He'd Rather Fight Than Use Keyboard In His Haydn Series. In: New York Times, 2. Oktober 1994 (Abruf am 25. Juni 2019; mit Darstellung unterschiedlicher Positionen von Roy Goodman, Christopher Hogwood, H. C. Robbins Landon und James Webster). Die meisten Orchester mit modernen Instrumenten verwenden derzeit (Stand 2019) kein Cembalocontinuo. Aufnahmen mit Cembalo-Continuo existieren u. a. von: Trevor Pinnock (Sturm und Drang-Sinfonien, Archiv, 1989/90); Nikolaus Harnoncourt (Nr. 6–8, Das Alte Werk, 1990); Sigiswald Kuijken (u. a. Pariser und Londoner Sinfonien; Virgin, 1988 – 1995); Roy Goodman (z. B. Nr. 1–25, 70–78; Hyperion, 2002).

Aufführungszeit: ca. 20 bis 25 Minuten (je nach Einhalten der vorgeschriebenen Wiederholungen).

Bei den hier benutzten Begriffen der Sonatensatzform ist zu berücksichtigen, dass dieses Schema in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts entworfen wurde (siehe dort) und von daher nur mit Einschränkungen auf die Sinfonie Nr. 79 übertragen werden kann. – Die hier vorgenommene Beschreibung und Gliederung der Sätze ist als Vorschlag zu verstehen. Je nach Standpunkt sind auch andere Abgrenzungen und Deutungen möglich.

Erster Satz: Allegro con spirito F-Dur, 4/4-Takte, 155 Takte mini|500px|Beginn des Allegro con spirito

Das erste, gesangliche Thema (Takt 1–8) in periodischer Struktur wird piano mit Stimmführung von Fagott und 1. Violine vorgetragen. Takt 1 und 2 (entsprechend 5 und 6) sind legato gehalten, Takt 3 und 4 (entsprechend 7 und 8) weisen eine abgesetzte, rhythmische Figur mit Sechzehntel-Drehfloskel auf, die für den weiteren Satzaufbau prägend ist: Bereits im Forte-Block ab Takt 9 tritt die Drehfloksel als Variante auf, teils im Unisono des ganzen Orchesters, teils in den Ober- und Unterstimmen. Die Drehfloskel wird dann zunächst ab Takt 19 mit vierfacher Tonrepetition zu einem neuen Motiv kombiniert, ehe sie ab Takt 24 dominant in Erscheinung tritt unter rhythmisch auflockernder Begleitung aus Akzenten und Synkopen.

Das zweite Thema (Dominante C-Dur, ab Takt 29) beginnt als signalartiger Unisono-Dreiklang abwärts und ist von seinem Motiv aus vierfacher Tonrepetition (ähnlich Takt 19) und Trillerfloksel geprägt, am Ende des Themas (Takt 36/37) tritt aber wiederum die Drehfloksel dazu. Nach weiteren Akzenten folgt ab Takt 43 eine weitere Passage mit der Drehfloksel, die echohaft im Piano wiederholt wird. Die Schlussgruppe (ab Takt 52, forte) greift die Figur aus drei aufsteigenden Noten vom Ende der vorigen Forte-Passage (Takt 46) auf und beendet die Exposition mit drei Akkordschlägen in C-Dur.

Die Durchführung (ab Takt 61) wiederholt die Akkordschläge vom Ende der Exposition in A-Dur und d-Moll und greift dann das erste Thema in B-Dur (Subdominante) auf. Der Forte-Block aus Takt 9 mit der Drehfloksel im Unisono beginnt in g-Moll und wechselt dann über A-Dur nach d-Moll, wo ab Takt 82 kurz das zweite Thema erscheint. Abrupt auf Es abbrechend, isoliert Haydn dann die rhythmische Schlussfloskel des zweiten Themas, zunächst im Piano der 1. Violine, dann im Forte-Unisono des ganzen Orchesters. Mit dieser Schlussfloskel leitet Haydn auch zur Reprise über.

Die Reprise (ab Takt 101) ist gegenüber der Exposition verändert und setzt teils die Verarbeitung aus der Durchführung fort: Beim ersten Thema ist die Flöte mit stimmführend, der Nachsatz ist im kontrastierenden f-Moll gehalten und spinnt das Material dann bis Takt 116 fort, wo nun das zweite Thema (F-Dur) einsetzt. Anschließend wird das Motiv aus vierfacher Tonrepetition mit der Drehfloksel (aus Takt 19) verarbeitet, zunächst im zögerlichen Piano Nach Howard Chandler Robbins Landon (1978 S. 566) eine Passage „atemberaubender Originalität“: „Even in a coll work like No. 79 in F, there are touches of beauty in every movement: the passage in the first movement at bars 123 ff. is of breathtaking originality.“, dann forte im mehrstimmigen Einsatz. Auch das Dreinotenmotiv der Schlussgruppe wird nun noch einer Verarbeitung unterzogen (ab Takt 133, anfangs kombiniert mit der Drehfloksel im Bass). Nach Wiederholung der Passage entsprechend Takt 43 beendet die reguläre Schlussgruppe den Satz. Exposition sowie Durchführung und Reprise werden wiederholt. Die Wiederholungen der Satzteile werden in einigen Einspielungen nicht eingehalten.

Zweiter Satz: Adagio cantabile – Un poco allegro B-Dur, 3/4-Takt, 106 Takte

Im Adagio cantabile wird ein Hauptthema vorgestellt und anschließend sechsmal nahezu unverändert bis graduell variiert wiederholt. Vorstellung des periodisch strukturierten Themas in den Streichern. Das Thema ist durch seine punktierten Rhythmen, die mehrfachen Pausen und die Akzente in Takt 3 und 7 gekennzeichnet. Das Thema weist Ähnlichkeiten zum Hauptthema des zweiten Satzes aus Wolfgang Amadeus Mozarts Sinfonie Es-Dur KV 543 auf.Walter Lessing: Die Sinfonien von Joseph Haydn, dazu: sämtliche Messen. Eine Sendereihe im Südwestfunk Baden-Baden 1987-89, herausgegeben vom Südwestfunk Baden-Baden in 3 Bänden. Band 2, Baden-Baden 1989, S. 238 bis 239. Variation 1 (Takt 9 bis 16): Flöte mit stimmführend, die Bläser füllen die Pausen der ersten Themenhälfte. Variation 2 (Takt 17 bis 25): Stimmführung in Flöte und Streichern, erste Themenhälfte in der Dominante F-Dur (mit Septime) und von kontinuierlicher Tonrepetition in Viola / Bass unterlegt. Variation 3 (Takt 26 bis 32): wie Variation 2, aber Bläser füllen die Pausen der ersten Themenhälfte. Variation 4 (Takt 33 bis 40): Beginnend forte im ganzen Orchester, dann Figuration des Themas in der 1. Violine. Variation 5 (Takt 41 bis 48): Wie Variation 3, aber in der ersten Themenhälfte vertauschte Rollen von Bläsern und Violinen, zweite Hälfte mit Figuration des Themas in Flöte und 1. Violine. Variation 6 (Takt 49 bis 56): Wie Variation 5 mit graduell anderer Instrumentierung (z. B. Flöte im Thementakt 4, Fagotte im Thementakt 5 / 6). Das Adagio klingt als deklamierende Phrase der 1. Violine aus. Überraschend folgt nun mit dem Tempowechsel zu „un poco allegro“ ein neues, rondoartiges Thema in der Struktur A-B-A´, wobei der A-Teil und B mit A´ wiederholt werden. Das Thema erinnert durch seinen Auftakt und die Tonrepetition etwas an den Beginn des ersten Satzes von Haydns Sinfonie Nr. 39. Nach Vorstellung des Rondothemas folgt ab Takt 85 eine kurze mehrstimmige Piano-Fortspinnung der Streicher, ehe das Thema wie am Ende vom A´- Teil nochmals forte im ganzen Orchester gebracht wird. Das Satzende hat Haydn so gestaltet, dass die Musik im Pianissimo sich zunächst verlangsamt und abzubrechen scheint, ehe ein paar kräftige Akkordschläge im Fortissimo den Satz abrupt abschließen.

Die Verbindung eines Adagios mit einem „kehrausartigen“ Allegro-Anhang ist einzigartig in sämtlichen Sinfonien Haydns.

Dritter Satz: Menuetto. Allegretto F-Dur, 3/4-Takt, mit Trio 64 Takte

Das Menuett ist durch Wechsel und Kombination gleichmäßiger Viertel- und abgesetzter Achtelbewegung in Phrasierung aus 4+2-taktigen Einheiten geprägt. Der erste Teil beginnt auftaktig mit Stimmführung in Flöte, 1. Oboe, 1. Violine und Bass. Die übrigen Instrumente begleiten, 2. Violine und Viola in abgesetzter Achtelbewegung. In den Folgetakten ist teils die Viertel-, teils die Achtelbewegung dominant (in Takt 5–8 treten auch die Hörner solistisch hervor). Der letzte Zweitakter wiederholt die Schlusswendung des vorigen Viertakters echohaft im Piano. Der Mittelteil beginnt wieder als Viertakter mit Trübung nach d-Moll im ersten Takt. Ab Takt 17 treten zunächst die Fagotte, dann die 1. Oboe solistisch hervor mit einer ähnlichen Passage wie vorher die Hörner. Beim Wiederaufgreifen des Hauptteils ist die Verteilung von Stimmführung und Begleitung geändert (nun stimmführend: Flöte, 1. Oboe, Violinen, Achtelbegleitung in Fagott, Viola, Bass).

Das tänzerisch-volksliedhafte Trio (ebenfalls F-Dur) ist durch den Wechsel von Triobesetzung in drei Instrumenten (piano) und ganzem Orchester (forte) geprägt. Im ersten Teil aus zwei viertaktigen Phrasen besteht die „Triobesetzung“ aus 1. Oboe, 1. Violine und begleitender 2. Violine (in durchlaufenden Achteln ähnlich wie vorher im Menuett). Der zweite Teil verkürzt anfangs die Phrasen auf Zweitakter und tauscht in der Triobesetzung die Oboe durch die Flöte. Beim Wiederaufgreifen des Hauptteils in der Instrumentierung gibt die Flöte in der „Triopassage“ kurze Einwürfe. Das Thema des Trios weist mit seinem Auftakt und der Tonrepetition Ähnlichkeiten auf zum Schlusssatz aus Mozarts Hornkonzert KV 412Peter A. Brown: The Symphonic Repertoire. The first golden age of the Vienese Symphony: Haydn, Mozart, Beethoven and Schubert. Volume II. Indiana University Press, 2002, ISBN 0-253-33487-X, S. 202–203. sowie zum Allegro-Teil des zweiten Satzes.Klaus Schweizer, Arnold Werner-Jensen: Reclams Konzertführer Orchestermusik. 16. Auflage. Philipp Reclam jun., Stuttgart, ISBN 3-15-010434-3, S. 143.