mini|hochkant |Dorfkirche Gelmeroda aus einer von Lyonel Feininger gewählten Perspektive mini|Innenraum (2023) mini|Blick zur Orgel

Die Dorfkirche Gelmeroda steht im Ortsteil Gelmeroda der Stadt Weimar in Thüringen und gehört zum Kirchengemeindeverband Buchfart-Legefeld im Kirchenkreis Weimar der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland.

Lage Die Kirche befindet sich südlich des Dorfes und nördlich der Anschlussstelle der Bundesautobahn 4 zur Bundesstraße 85. Sie liegt auf einer erhöhten nach Süden ansteigenden Ebene, wie das Dorf im Ackerbaugebiet um Weimar.

Geschichte Anfang des 13. Jahrhunderts wurde der älteste Teil der Chorturmkirche errichtet. Wenige Jahre später erweiterte man den Chor nach Osten. Dort befinden sich Reste der mittelalterlichen Seccomalerei. Das Langhaus ist im 14/15. Jahrhundert erbaut und später noch einmal umgebaut worden. Zu Zeiten der DDR war die Kirche dem Verfall preisgegeben. Bürger des Dorfes und Umfelds wurden als Mitglieder eines Vereines aktiv und retteten das Gebäude vor dem Verfall. Nach umfassender Sanierung wurde die Kirche 1991 wieder eingeweiht und erhielt 1994 als erste Kirche in den damals neuen Bundesländern den Status einer Autobahnkirche.

Glocken 1999 konnte eine zweite Glocke angeschafft werden: Entworfen wurde sie von Glockengießermeister Peter Schilling (1930–2001) und Margarete Schilling; der Künstler und Glockengestalter Horst Jährling schuf den Glockenschmuck dieser letzten Glocke der Glockengießer-Dynastie Schilling aus Apolda. Gegossen wurde sie als großes öffentliches Ereignis auf dem Markt in Weimar von der Glockengießerei Rudolf Perner aus Passau.Viola-Bianka Kießling: Himmlische Instrumente. Ein Glocken-Führer durch die Region Weimar und Weimarer Land. Hrsg. vom Landratsamt Weimarer Land in Kooperation mit dem Kirchenkreis Apolda-Buttstädt, Weimar/Apolda 2012, . Foto Gießer/ Gießort Gussart Jahr Ø (mm) Gewicht (kg) Nominal Glockenzier undInschriften GlockengeschichteAngabe, welche Vorgängerglocken existierten und wo sich die hängende Glocke während ihres Daseins befand sowie Angaben zu weiteren Glocken, deren Läutegefache heute leer sind bzw. deren Verbleib nicht geklärt werden konnte. zentriert|160x160px Carl Friedrich Ulrich (Apolda) Bronze 1864 728 260 cis2 Hals Fries aus hängenden Akanthuspalmetten Schulter Zierband geometrischer Bandfries mit sich wiederholenden Motiven aus parallel angeordneten liegenden Palmenblättern auf Rautengrund [eingefasst von zwei Bändern, die sich in gleichmäßigen Abständen zu einem Flechtwerk auf halber Höhe des Frieses kreuzen]; breites Zierband; einem Kreuzbogenfries nachempfundener gewundener Bandfries aus spitzbogenförmigen Bandwindungen mit je drei Quasten an den Bandspitzen und sich zu Schleifen vereinenden Bogenenden mit kleinen stehenden Palmetten auf diesen Bandschleifen Flanke Flanke (andere Seite) Wolm Waldbeerenfries Schlag zwischen zwei runden Reifen Fries, sog. „Laufender Hund“, die gerundete Variante eines Mäanders, wobei Teile der wellenförmigen Bögen durch stilisiere Blätter ersetzt sind und zusätzlich eingeschlossene Blüten die kreisförmigen Enden der einzelnen Böge verzieren 1613 Bronzeglocke Hieronymus Möhring[k]; 1743 Palmsonntag zersprungen; 1743 Bronzeglocke Johann Christoph Rose (Apolda); 1893 bei Lehfeld vorhanden; Verlust (?); 1927 Bronzeglocke Franz Schilling Söhne (Apolda) Nr. 10590; 1942 Verlust; 1950 aus Glockenfonds zugeteilt zentriert|160x160px Karlsruher Glocken- und Kunstgießerei GmbH & Co. KG auf Marktplatz Weimar gegossen Bronze 1999 621 162 dis2 gestaltet von Horst Jährling; Schulter . Flanke Wolm 1630 Bronzeglocke Johannes Berger (Weimar); 1832 [Lehfeld] / 1864 Bronzeglocke; Verlust Erster Weltkrieg; 1931 Bronzeglocke Franz Schilling Söhne (Apolda); 1942 abgenommen und eingeschmolzen

Orgel Die kleine Orgel auf der Empore mit sechs Registern auf einem Manual und Pedal wurde 1972 als Meisterstück von Klaus Kopetzki aus Steinheim an der Murr erbaut und 1990 in Gelmeroda aufgestellt, zunächst als Dauerleihgabe. 2012 folgte der Kauf durch die Kirchengemeinde.Informationen zur Orgel auf Organ index, abgerufen am 25. Dezember 2023.

Jährlich besuchen etwa 10.000 Gäste die Kirche. mini|Die Kirche als Teil der Lichtskulptur

Feiningerkirche Die Gestalt des Turmes hat den deutsch-amerikanischen Maler Lyonel Feininger inspiriert und durchzieht wie ein Leitmotiv alle seine Schaffensperioden. Daher trägt die Kirche den Beinamen Feiningerkirche. Seine Gemälde erwarben Weltruhm. Dies war u. a. Anlass die Lichtskulptur Gelmeroda 9803 als eine mit dem Gebäude und der umgebenden Lufthülle kommunizierende Lichtkunst zu kreieren. Als temporäres Kunstwerk, das immer wieder neu entsteht, ist sie der Kulturhauptstadt Weimar 1999 gewidmet.

Literatur Porträt in: Michael von Hintzenstern: Kirchen im Weimarer Land – 22 Porträts. Fotos: Bert Zander. Hain-Verlag, Rudolstadt 1999, ISBN 978-3-930215-84-3, S. 62 ff. Viola-Bianka Kießling: Himmlische Instrumente. Ein Glocken-Führer durch die Region Weimar und Weimarer Land. Hrsg. vom Landratsamt Weimarer Land in Kooperation mit dem Kirchenkreis Apolda-Buttstädt, Weimar/Apolda 2012, . Viola-Bianka Kießling: Königin der Instrumente. Ein Orgel-Führer durch die Region Weimar und Weimarer Land. Hrsg. Landratsamt Weimarer Land, Fagott-Orgelverlag, Friedrichshafen 2007, ISBN 978-3-00-021071-6.

Siehe auch Autobahnkirche Liste der Autobahnkirchen und -kapellen in Deutschland Liste der Kirchen in Weimar Liste von Glocken im Landkreis Weimarer Land und in Weimar

Weblinks

Einzelnachweise

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