mini|250px|Das Karlburger Tal im Mai 2005 mini|250px|Karlburg am frühen Abend des 3. März 2006

Karlburg (unterfränkisch: Kalleberch) ist ein Gemeindeteil der Kreisstadt Karlstadt im unterfränkischen Landkreis Main-Spessart in Bayern. Die Gemarkung Karlburg hat eine Fläche von 13,324 km². Sie ist in 4165 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Fläche von 3199,11 m² haben.

Das Pfarrdorf hat seinen dörflichen Charakter bis heute bewahrt und liegt gegenüber der Stadt am linken Flussufer nördlich der Karlsburg. Weitaus größere Bedeutung hatte Karlburg jedoch im frühen und hohen Mittelalter. Einer Sage nach sollen hier sogar Karl Martell und dessen Enkel Karl der Große geboren worden sein.

Lage und topographische Situation Es handelt sich um eine sehr verkehrsgünstige und ‑bestimmende Lage im fränkischen Altsiedelland. Das Maintal weitet sich dort zu einem flachen, nach Westen hin ansteigenden Kessel. Entlang des Mains sowie in West-Ost-Richtung verliefen wichtige Straßen bzw. Altstraßen zu den Zentren des fränkisch-karolingischen Reiches. Sie kreuzten den Fluss in zwei, rund zwei Kilometer voneinander entfernten Furten. Der Komplex von Burg und Siedlung bildete die letzte Station auf dem Weg mainaufwärts nach Würzburg zum Marienberg,Vgl. Christine Demel u. a.: Leinach. Geschichte – Sagen – Gegenwart. Gemeinde Leinach, Leinach 1999, S. 68–74 (Straßen durch das Leinachtal), insbesondere S. 70 f. (zur Altstraße Marienberg–Karlburg). dem ehemaligen Sitz des Herzogs Heden und Bischofsstadt seit 742. Ebenfalls eine Tagesreise entfernt liegen flussabwärts das Kloster Neustadt am Main und in nördlicher Richtung Hammelburg. Dies zeigt die wichtige Position Karlburgs auf dem Weg durch das damalige Ostfranken.

Die zur Karlsburg gehörende Siedlung lag unterhalb des Bergsporns, weniger als einen Kilometer entfernt, im Tal an einer der beiden Furten. Ausgrabungen und Luftbilder zeigten, dass die früh- und hochmittelalterliche Siedlung wesentlich größer war als der heutige Ort Karlburg. Sie erstreckte sich in nördlicher und vor allem südlicher Richtung auf einem flachen, hochwasserfreien Geländerücken entlang des Mainufers auf etwa 1,4 Kilometer Länge und durchschnittlich 130 Meter Breite (maximal 200 Meter) und nahm eine Fläche von circa 20 Hektar ein. Der Bereich des heutigen Ortes bildete das Zentrum mit dem Marienkloster und den Schiffsanlegestellen, wie archivalische Untersuchungen, historische und archäologische Forschungen ergaben. Topographisch zeichnet er sich durch eine Geländeerhebung und die Lage an der ehemaligen Mainfurt aus.

Die archäologischen Geländeprospektionen und die Ausgrabungen seit 1989 Ab 1986 machte die Archäologische Arbeitsgruppe Karlstadt erstmals auf reiche früh- und hochmittelalterliche Funde aufmerksam, die sie bei planmäßigen Geländeprospektionen bergen konnte.

Eine erste kleinere Notgrabung wurde wegen der Erweiterung des Schützenhauses bereits im Frühjahr 1990 notwendig. 1991/92 wurde eine präventive Testgrabung im Vorfeld geplanter Bebauungsmaßnahmen südlich des heutigen Ortes in der „Flur In der Au“ durchgeführt. 1993/94 konnten nach Abriss eines Gebäudes erstmals Ausgrabungen im Ortskern vorgenommen werden. Die 30 mal 14 m große Grabungsfläche, die unmittelbar an die Kirche St. Johannes anschloss, lieferte in erster Linie Hinweise zur hoch- und spätmittelalterlichen Bebauung. 1994 kam es außerdem zu zwei kleineren Baubeobachtungen in der nördlich gelegenen Flur „Krautgarten“ und im Zentrum des Siedlungsbereiches. 1996/97 wurde am Nordrand des heutigen Dorfes die rund ein Hektar große Fläche für ein Neubaugebiet untersucht.

Durch den Bau einer Umgehungsstraße mit neuer Mainbrücke wurden 2002 erneut großflächige Rettungsgrabungen südlich des Stadtteils Karlburg notwendig. Von April 2002 bis Mai 2003 untersuchten Mitarbeiter der Außenstelle Würzburg des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege einen Streifen von etwa 135 m Länge und 12 m Breite in der zukünftigen Straßentrasse. Sie wurden von vielen freiwilligen Grabungshelfern und ‑helferinnen aus dem weiteren Umland Karlstadts und Studierenden des Bereichs für Ur- und Frühgeschichte der Friedrich-Schiller-Universität Jena unterstützt.

Die bisherigen Ausgrabungen erfassten jedoch nur einen kleinen Ausschnitt der villa. Mit den Rettungsgrabungen 2002/03 sind bisher lediglich rund zehn Prozent von mindestens zehn Hektar potentiell erforschbarer Siedlungsfläche untersucht.

Ergebnisse dieser Ausgrabungen wurden vom 12. August bis 16. November 2008 in der Ausstellung „Eine Welt in Bewegung – Unterwegs zu Zentren des Mittelalters“ in den Mainfränkischen Museen in Würzburg gezeigt. Dies war eine Gemeinschaftsausstellung über die beiden, im Mittelalter wichtigen, Orte Karlburg und Ballhorn bei Paderborn.

Geschichte Vorgeschichte, Kaiser- und Völkerwanderungszeit Insbesondere die am Heidenrain und Gnockenweg entdeckten Bodenfunde sowie einige jungsteinzeitliche Hügelgräber weisen auf die sehr frühe Besiedlung des Karlburger Tals hin. In der Nähe der Karlsburg wurden sogar vereinzelte Funde aus der Alt- und Mittelsteinzeit gemacht. In der Nähe des heutigen Dorfes wurden des Weiteren Hügelgräber aus der Bronzezeit um 1000 v. Chr. gefunden.

Viele Gegenstände der frühen Eisenzeit wurden im Karlburger Tal nördlich des Friedhofs sowie in der weiter südlich gelegenen Au freigelegt. Sie bestätigen die keltische Besiedlung des Karlburger Tals. Neben auf nahezu allen Flächen auftretenden vorgeschichtlichen Funden aus der Bronze- und Eisenzeit ist besonders auf kaiser- und völkerwanderungszeitliche Funde aus dem Nordbereich der Siedlung hinzuweisen. Der Umfang der frühgeschichtlichen Besiedlung und deren Bedeutung für die Entstehung und Entwicklung des Karlburger Siedlungskomplexes können jedoch noch nicht genau bestimmt werden.

Bedeutung der Siedlung im Früh- und Hochmittelalter Mit langjährigen archäologischen Forschungen in Karlburg war es erstmals in Unterfranken möglich, Strukturelemente eines Königshofes zumindest zum Teil archäologisch zu erfassen. Hier existierte ein Komplex von Höhenburg, Talsiedlung und Kloster. Die Siedlung gewährleistete die Versorgung der politisch bedeutenden Burg, die im Gegenzug dem Marienkloster und der Siedlung Schutz bot.

Die ungewöhnlich große Talsiedlung zeigt eine kontinuierliche Besiedlung vom ausgehenden 6. Jahrhundert bis zur Mitte des 13. Jahrhunderts. In ihr bestanden ein Kloster, Hafenanlagen, ein handwerklich-gewerblich genutztes Areal mit Grubenhäusern im östlichen Teil und ein Bereich mit ebenerdiger Pfostenbebauung als Wohnhäuser oder Ställe bzw. Scheunen westlich davon. Damit war sie weit mehr als nur eine „ins Tal verlagerte Vorburg“ oder ein reiner Wirtschaftshof. Es handelte sich um einen überregional bedeutenden Zentralort bzw. Handels- und Umschlagsplatz, der durchaus Vergleiche mit frühstädtischen Anlagen bzw. Entwicklungen im frühmittelalterlichen Ostseebereich, bei westfränkischen Klöstern oder karolingisch-ottonischen Königshöfen und Pfalzen zulässt.

Späte Merowingerzeit Die Grabung westlich der Pfarrkirche in den Jahren 1993/94 erbrachte einzelne Keramikfunde aus dem Ende des 6. Jahrhunderts. Danach handelt es sich hier um den ältesten bisher nachgewiesenen Siedlungskern. Bebaut war das Gebiet mit Sicherheit im 7. Jahrhundert. Funde dieser Zeit liegen auch aus Grabungen und Prospektionen in den nördlich und südlich anschließenden Flächen vor und belegen die intensive Nutzung des Geländes. In der südöstlichen, zum Main hin gelegenen Fläche bestand ein hauptsächlich handwerklich genutztes Areal, wie Halbfabrikate, Werkzeuge, Gussformen, Schlacken und zwei Grubenhäuser anzeigen. Dagegen wurden im Westteil eher Siedlungs- und Pfostengruben angetroffen, die auf eine ebenerdige Bebauung mit Ställen, Speichern, Scheunen und Wohngebäuden hinweisen. Diese zunächst nur in einem kleinen Grabungsausschnitt belegte Funktionstrennung blieb auch in den späteren Nutzungsperioden bestehen. Die gleiche Unterscheidung in zwei verschieden genutzte Bereiche hat offenbar auch im nördlichen Bereich der villa bestanden.

Karolingerzeit Die erste Erwähnung von Karlburg 742 steht im direkten Zusammenhang mit der Gründung des Bistums Würzburg. Der karolingische Hausmeier Karlmann schenkte dem von Bonifatius begründeten Bistum neben 25 königlichen Eigenkirchen auch ein Marienkloster mit zugehörenden Gütern und Rechten in der villa Karloburgo, wovon drei spätere Bestätigungsurkunden berichten. In einer zweiten Schenkung im selben Kontext übergab König Pippin der Jüngere 751/53 dem ersten Würzburger Bischof Burkard Burg und Königshof mit zugehörigem Fiskalbezirk und allen daraus zu beziehenden Einkünften (castellum … Karloburg … cum fisco regali). Spätestens in der Mitte des 8. Jahrhunderts bestand damit ein Zentralort mit Befestigung, Königshof und einem Kloster, der zunächst in königlicher Hand beziehungsweise der karolingischen Hausmeier war und erst danach an das Bistum übergeben wurde. Die historischen Nachrichten kennzeichnen Karlburg als einen wichtigen Zentralort in der frühmittelalterlichen Landesgeschichte Mainfrankens. In dem von Würzburg nach Karlburg verlegten kleinen Marienkloster (monasterium in honore sanctae Mariae) lebte und wirkte die schon in Würzburg ab 700 als Äbtissin tätige Immina, die Tochter des letzten in Würzburg residierenden thüringischen Herzogs (dux) Heden des Jüngeren. Nach ihrem Tod im Jahr 750 wurde sie in der Klosterkirche bestattet, die der Legende zufolge bereits die heilige Gertrud von Nivelles (626–659) gegründet haben soll (Passio sancti Kiliani maior, 9. Jahrhundert und Vita sancti Burkardi, 12. Jahrhundert).

Danach schweigen die schriftlichen Quellen für lange Zeit. 1133 ist erstmals ein Heinrich als noster ministerialis de Karlburg belegt; bis 1245 werden weitere fünf Ministeriale de Karlburg genannt. Um 1200 wurde auf der gegenüberliegenden Mainseite die Stadt Karlstadt von Bischof Konrad von Querfurt (1198–1202) gegründet. Gleichzeitig setzte ein Bedeutungsverlust der alten Siedlung gegenüber der neuen Gründung ein. Während der Rienecker Fehde, einer Auseinandersetzung zwischen dem Hochstift Würzburg und den Grafen von Rieneck, einem örtlichen Adelsgeschlecht, wurde die Talsiedlung im Jahr 1236 zerstört. Das 741/42 an das Bistum Würzburg geschenkte Marienkloster wird aufgrund von archivalischen Quellen, anzunehmender Ortskonstanz der sakralen Anlagen und archäologischen Anhaltspunkten auf einer Fläche von 150 × 45–80 m zwischen der heutigen Pfarrkirche, die seit 1133 belegt ist, und dem Südostrand der spätmittelalterlichen Ortsbebauung vermutet. Der engere Klosterbereich lag nicht in der 1993 untersuchten Fläche, ist jedoch nicht weit davon entfernt zu suchen. Dies verdeutlichen besonders Lesefunde aus dem südwestlichen und südlichen Umfeld dieses Areals, die klösterliches Leben und eine zugehörige Klosterschule anzeigen: das Fragment einer 15 mm dicken, allseitig geschliffenen Porphyrit-Platte mittelmeerischer Herkunft, vermutlich Teil eines Tragaltars; ein vergoldeter Zierbesatz aus Bronze mit dreipassförmigem Flechtbandmuster und roten Glaseinlagen, der möglicherweise zu einem Reliquiar oder einem Codex-Einband gehörte, und ein Kammfragment mit flüchtig eingeritzten lateinischen Buchstaben.

Aufgrund von Karten des 19. Jahrhunderts wird außerdem angenommen, dass bereits in karolingischer Zeit Schiffsanlegestellen östlich der Kernsiedlung bestanden haben. Hier wurde vermutlich eine künstliche Bucht als Hafen mit einer Ausdehnung von 400 × 75 m angelegt. Ein archäologischer Nachweis steht jedoch noch aus.

Ottonisch-frühsalische Zeit