mini|Franziskus-Marterl mit dem „Kreuz von Wackersdorf“ im Taxölderner Forst mini|Franziskus predigt zu den Vögeln (Marterl-Kapelle) Das Franziskus-Marterl befindet sich in Altenschwand im bayerischen Landkreis Schwandorf. Der Kapellen-Bildstock war Ausgangspunkt für Gegner der Wiederaufarbeitungsanlage Wackersdorf (WWA).Wiederaufbereitungsanlage Wackersdorf. In: Stiftung Orte der deutschen Demokratiegeschichte (SODG) verorten Bild "Das Franziskus-Materl bei Altenschwand mit dem Kreuz von Wackersdorf" in Karte #12921. Nach den sonntäglichen Andachten am Franziskus-Marterl machten die Teilnehmer einen „Sonntagsspaziergang“ zum WAA-Bauzaun, um gegen die Anlage zu demonstrieren.Wiederaufbereitungsanlage Wackersdorf. In: (Historisches Lexikon Bayerns)
Das WAA-Widerstands-Marterl ist dem Heiligen Franz von Assisi gewidmet und wird umrahmt von einigen weiteren Protest-Denkmälern wie dem Kreuz von WackersdorfDas Kreuz von Wackersdorf. In: Chrismon, August 2011. und Der zerrissene Mensch.
Geschichte Baugeschichte mini|Gedenktafel „Zum Dank für das Aus der WAA“ Anfänglich errichteten WAA-Gegner nahe dem Baugelände einen hölzernen Glockenturm, der einen Tag später von der Polizei zersägt wurde.Claus Bößenecker über die Errichtung eines hölzernen Glockenturms nahe des Geländes der WAA Wackersdorf. - (Zeitzeugeninterview vom 12. April 2015, Haus der Bayerischen Geschichte) Nachdem 1983 ein Kapellenbau gescheitert war, bauten WAA-Gegner 1984 ein einen Quadratmeter großes Marterl, da dies genehmigungsfrei war.Symbol des WAA-Widerstandes – Mit einer Jubiläumandacht am Franziskus-Marterl gedachten rund 100 frühere Weggefährten ihrem langen Kampf gegen die Wiederaufbereitungsanlage. In: Mittelbayerische Zeitung vom 4. Oktober 2014. Der kleine kapellenähnliche Bau wurde auf dem von Michael Meier aus Altenschwand gestifteten Grundstück errichtet. In: Mittelbayerische Zeitung vom 6. Oktober 2014. Der arbeitslose Nebenerwerbslandwirt weigerte sich, sein Grundstück an die WAA-Betreiberfirma zu verkaufen, obwohl diese ihm Millionen dafür bot.Wackersdorf-Urteil: Der Sieg des Michael Meier – Ein Mann hat standgehalten. In: Die Zeit vom 5. Februar 1988. Anfänglich wollte man eine Kapelle bauen, entschied sich dann aber für ein genehmigungsfreies Marterl mit nur einem Quadratmeter Grundfläche.Ein Quadratmeter Widerstand. In: Oberpfalznetz vom 6. Oktober 2014. "Der Lehrer Fritz Brandl hatte die Idee eine kleine genehmigungsfreie Kapelle zu bauen." in: Franziskus-Marterl wurde vor 40 Jahren errichtet In: Oberpfalz-Bote vom 7. Oktober 2024 Der Architekt Dieter Meiler plante den Bau, der von Berndt Trepesch (Franziskusbild), Pfarrer Richard Salzl (gelernter Fliesenleger) u. a. innerhalb von 14 Tagen errichtet wurde.Christlicher Widerstand - Das Franziskusmarterl wird gebaut (Uli Otto, Kultur gegen die WAA, 2023) Franziskusmarterl besteht seit 40 Jahren. Ehemaliger Treffpunkt für WAA-Gegner im Taxölderner Forst wird als 3D-Modell im Freilandmuseum Neusath ausgestellt. In: Mittelbayerische Zeitung vom 6. Oktober 2024Claus Bößenecker über die Errichtung des Marterls in der Nähe des Bauzauns und die Bedeutung der Religion im Widerstand gegen die WAA Wackersdorf. - (Zeitzeugeninterview vom 12. April 2015, Haus der Bayerischen Geschichte) Am 30. September 1984 segneten der katholische Pfarrer SalzlTrauer um WAA-Pfarrer Richard Salzl – 30 Jahre wirkte er in Penting und Seebarn. In: Mittelbayerische Zeitung vom 14. September 2023. und der evangelische Geistliche Matthias Kietz das Franziskus-Marterl im Blaubeerwald des Taxölderner Forstes.Distanz zu Amtskirchen – Der christliche Widerstand gegen die Wiederaufarbeitungsanlage bekam vor 30 Jahren ein Symbol: Das Franziskus-Marterl. In: Oberpfalznetz (Neuer Tag) vom 6. Oktober 2014. Die Kirchenleitungen hatten sich ausdrücklich gegen die dort stattfindenden „wirtschaftsfeindlichen“ Veranstaltungen ausgesprochen.Christlicher Widerstand - (Kultur gegen die WAA) Pfarrer Salzl meinte dagegen, man solle sich zur Wehr setzen, wenn die Heimat kaputt gemacht werde.Widerstand gegen die Atomfabrik in Wackersdorf. Die Geschichte einer Eskalation. Auf: Bayerischer Rundfunk in 2017, 6/45 Minuten.Schüler haben Franziskus-Marterl restauriert - Pfarrer Salzl erklärt das Franziskus-Bild. Auf: Oberpfalz TV vom 18. April 2018
1988 wollte der Bund Naturschutz in Bayern e. V. (BN) am Franziskus-Marterl eine Waldkapelle für alle Gläubigen errichten, die gegen die Wiederaufarbeitungsanlage beten wollten. Der Gemeinderat von Bodenwöhr lehnte das Vorhaben wegen Verschandelung des Landschaftsbildes und Eingriffs in die Natur ab.Keine Kapelle im Wald. In: Der Spiegel vom 21. März 1988.
Am 24. April 2016 wurde am Franziskus-Marterl eine, vom Landkreis Schwandorf errichtete, Gedenktafel auf Grundstück mit Flurnummer 368/63 (Teilfläche) in Gemarkung (4932) Altenschwand enthüllt, die die Baufortschritte sowie die Entwicklung des Widerstandes gegen die geplante Wiederaufarbeitungsanlage bis hin zur Aufgabe des Projekts dokumentiert. In: Mittelbayerische Zeitung vom 2. Mai 2016.
2024 wurde das Marterl vom Freilandmuseum Oberpfalz mit einem 3D-Scanner digitalisiert, um die Geschichte für kommende Generationen festzuhalten.40 Jahre Widerstands-Symbol: Franziskus-Marterl digital konserviert. In: Oberpfalzecho vom 24. September 2024Projekt „hand.gemacht“ konserviert Geschichte des Franziskus-Marterls bei Wackersdorf - Widerstand mit Marterl. Von: Bistum Regensburg. Text und Bilder: Freilandmuseum Oberpfalz (to). Wackersdorf, 25. September 2024.
Christlicher Widerstand gegen die WAA mini|Votivtafel in der Kreuzbergkirche Am Marterl trafen sich Mitte der 1980er Jahre jeden Sonntag um 14 Uhr WAA-Gegner zu einer ökumenischen Andacht und zogen danach ins Gelände bzw. zum Bauzaun. Die Andachten wurden von Laien wie dem Kirchengeschichts-Professor Norbert Brox, evangelischen und vor allem katholischen Pfarrern wie Leo Feichtmeier, Richard Salzl, Andreas SchlagenhauferZeitzeugeninterviews mit Andreas Schlagenhaufer (HdBG): Interview 1, Interview 2, Interview 3 u. a. gehalten, manche wurden danach mit Versetzungen oder Repressalien belegt.Christlicher Widerstand - (Kultur gegen die WAA) Das Bayerische Kultusministerium versuchte vergeblich, den Religionslehrer Leo Feichtmeier mit Disziplinarverfahren einzuschüchtern.Der erste Schritt zum Atomaustieg - 25 Jahre Baustopp WAA Wackersdorf - (Der Freistaat, Bayerische Schriften für Soziale Demokratie, S. 12) Atom-Streit in Wackersdorf - Die Geschichte einer Eskalation. Auf: ARD alpha vom 8. März 2021, ab Min. 10. 2021 bekam „WAA-Pfarrer“ Feichtmeier die Schwandorfer Landkreisverdienstmedaille.Als „WAA-Pfarrer“ ist Leo Feichtmeier aus Nittenau unvergessen. In: Mittelbayerische Zeitung vom 31. Juli 2023. Atom-Streit in Wackersdorf - Die Geschichte einer Eskalation. Auf: ARD alpha vom 8. März 2021, ab Min. 8.
Das Franziskus-Marterl war auch Ausgangspunkt für Bittgänge, Kreuzwege und Lichterprozessionen. Bei einer Bittprozession zur Wallfahrtskirche im nahen Schwandorf wurde eine Votivtafel übertragen und in der dortigen Gnadenkapelle aufgehängt.Alois Döring: Franziskus in Wackersdorf: Christliche Symbolik im politischen Widerstand. Religiöse Riten und Formen in ökologischen und friedensethischen Protestbewegungen. S. 435–449. In: Rolf Wilhelm Brednich, Heinz Schmitt (Hrsg.): Symbole – Zur Bedeutung der Zeichen in der Kultur. 30. Deutscher Volkskundekongreß in Karlsruhe vom 25. bis 29. September 1995. Waxmann Verlag 1997, S. 435–449, ISBN 978-3-89325-550-4 Am Marterl waren Treffen unterschiedlicher Widerstandsgruppen ohne Anmeldung einer Demonstration möglich. Nach den sonntäglichen Andachten am „Franziskusmarterl“ ging es zu einem „Sonntagsspaziergang“ zum Bauzaun, der oft unter einem besonderen Motto stand wie „Fasching am Bauzaun“, „Nikolausaktion“ usw.
Bis heute trifft sich die „Marterlgemeinde“ viermal im Jahr zu einer Andacht – an den Tschernobyl-Kritik an Politik und Wirtschaft. In: Mittelbayerische Zeitung vom 30. April 2009. In: (Mittelbayerische Zeitung vom 25. April 2011) und Hiroshima-Atomkraft spaltet immer und stetig – "Marterlgemeinde" nimmt Hiroshima-Tag zum Anlass, Kernenergie-Renaissance zu kritisieren. In: Oberpfalznetz vom 13. August 2008. Gedenktagen, Gedenktag des Marterl-Patrons Franz von Assisi, dem 3. Oktober, In: Oberpfalznetz vom 7. Oktober 2013. und am Heiligen Abend.Die Botschaft ist gleichgeblieben – Rund 250 Menschen bei der ökumenischen Andacht am Franziskus-Marterl. In: Oberpfalznetz vom 27. Dezember 2005.Furchtlos mit Gott-Vertrauen – Marterl-Gemeinde feiert den Heiligen Abend. In: Oberpfalznetz vom 26. Dezember 2013. Ein Stück WAA zu Weihnachten. Angelika-Heller Wolfstein rettete vor 40 Jahren die Krippenfiguren aus dem Hüttendorf - Heute im Museum. In: Mittelbayerische Zeitung vom 23. Dezember 2025. Die „Ökumenische Marterlgemeinde“Demut gefordert – Marterlgemeinde besteht seit 20 Jahren. In: Oberpfalznetz vom 6. Oktober 2005. engagiert sich auch nach dem WAA-Aus in ökologischen Fragen.Alois Döring: Franziskus in Wackersdorf: Christliche Symbolik im politischen Widerstand. Religiöse Riten und Formen in ökologischen und friedensethischen Protestbewegungen. S. 449. In: Rolf Wilhelm Brednich, Heinz Schmitt (Hrsg.): Symbole – Zur Bedeutung der Zeichen in der Kultur. 30. Deutscher Volkskundekongreß in Karlsruhe vom 25. bis 29. September 1995. Waxmann Verlag, 1997, ISBN 978-3-89325-550-4, S. 435–449.
Die zwei „Kreuze von Wackersdorf“ mini|Erstes „Gestohlenes Kreuz von Wackersdorf“Bild: "Gestohlenes Kreuz von Wackersdorf" Der Kampf gegen die WAA in Bildern - Bildergalerie: Bund Naturschutz
Erstes Kreuz im Hüttendorf Vom 26. bis 29. Dezember 1985 fertigte der Burglengenfelder Holzbildhauer Stefan PreislZeitzeugeninterviews mit Stefan Preisl vom 11. April 2015 über sein Engagement gegen die WAA Wackersdorf, die Wackersdorfer Christusfigur, Ängste der Bevölkerung, das Ende der Bauarbeiten und die SPD-Tradition in der Region. , , , , - (Haus der Bayerischen Geschichte) aus einem Fichtenstamm eine 1,60 m große Christusfigur an einem zehn Meter hohen Fichtenkreuz, das im zweiten Anti-WAA-Hüttendorf „Freies Wackerland“ im Taxölderner Forst aufgestellt wurde.Vor 20 Jahren kam das Aus für die WAA – Foto von der Kreuzaufstellung in der Mittelbayerischen Zeitung vom 23. April 2009. Das geweihte Kruzifix stand eine Woche lang. Bei der Räumung des Hüttendorfes am 7. Januar 1986 wurde das Kruzifix von der Polizei abgesägt und weggetragen. Ein Polizeipfarrer beaufsichtigte seinen würdevollen Transport. Die kurz darauf zurückgegebene Christusfigur wurde von Demonstranten zum Franziskus-Marterl gebracht. In der Nacht zum 20. Februar 1986 verschwand die Christusfigur. Die zurückgebliebenen abgebrochenen Hände wurden neben dem neueren Kreuz von Wackersdorf aufgehängt.Bischof für wen? Die Amtskirche hatte es schwer mit WAA-Gegnern in den eigenen Reihen (PDF; 3,4 MB) - (Bund Naturschutz in Bayern e. V. In: Mittelbayerische Zeitung vom Juli 1989, S. 31 f.)
Zweites Kreuz neben der Marterl-Kapelle mini|Zweites „Kreuz von Wackersdorf“Bild: "Kreuz von Wackersdorf" Der Kampf gegen die WAA in Bildern - Bildergalerie: Bund Naturschutz
Das etwa sieben Meter hohe zweite „Kreuz von Wackersdorf“ wurde 1986 ebenfalls von Stefan Preisl aus Weymouth-Kiefer (Pinus strobus) geschaffen. Am Ostersonntag 1986, an dem 100.000 Menschen beim Ostermarsch nach Wackersdorf demonstrierten, wurde das Kruzifix neben dem Franziskus-Marterl aufgestellt. Nach dem WAA-Baustopp steckten Unbekannte eine Dornenkrone aus Stacheldraht vom Wackersdorfer Bauzaun auf den gesenkten Kopf des Christus.
Kreuzweg von Wackersdorf nach Gorleben mini|Kreuzweg von Wackersdorf nach Gorleben 1988 Ein kleines Gedenkkreuz aus Metall, das unten am großen Kreuz befestigt wurde, erinnert an den „Kreuzweg für die Schöpfung“ der Marterl-Gemeinde zum Endlager Gorleben 1988. 6.000 Menschen beteiligten sich daran.