mini|hochkant=1.2|St. Fides und Markus in Sölden St. Fides und Markus ist die römisch-katholische Pfarrkirche von Sölden, einer Gemeinde des Landkreises Breisgau-Hochschwarzwald südlich von Freiburg im Breisgau. Die Kirche gehört zur Seelsorgeeinheit Batzenberg-Obere Möhlin im Dekanat Breisach-Neuenburg des Erzbistums Freiburg. Ursprünglich war sie Bestandteil eines Benediktinerinnenklosters „St. Fides“. Das ehemalige Propsteigebäude beherbergt heute die Zentrale des Familienwerks Sölden e.V (bis 2023: Dorfhelferinnenwerks Sölden e.V.)

Geschichte des Priorats Im Jahr 1087 gründete der später heiliggesprochene Benediktinermönch Ulrich von Regensburg („von Regensburg“ nach seinem Geburtsort), der der Cluniazensischen Klosterreform anhing, im einsamen Tal der Möhlin als Priorat der Abtei Cluny, also Cluny unterstellt, ein kleines Kloster mit einer Kirche, die er den Aposteln Petrus und Paulus weihte. Daraus entwickelte sich das Dorf St. Ulrich im Schwarzwald, heute Ortsteil der Gemeinde Bollschweil. Nach dem alten Namen des Ortes „Zell“ (cella)Amtliche Kreisbeschreibung 1972, S. 930. wird Ulrich auch Ulrich von Zell genannt. Wenig später, kurz vor seinem Tod 1093, errichtete Ulrich in Bollschweil ein Priorat für Frauen.Als Gründungsjahr wird unplausiblerweise auch 1076 angegeben, so Amtliche Kreisbeschreibung 1972 S. 1032 und Hermann 2002. 1115 wurde es nach Sölden verlegt. Philipp Jakob Steyrer, Abt des Klosters St. Peter auf dem Schwarzwald, der Sölden förderte, beschrieb den Vorgang 1756:zitiert nach Kern 1995, S. 24. „Das Frauen-Closter, welches der hl. Ulrich zu Bollschweyl gestüftet hat, wurde 1115 von Gerald, Grafen zu Schertzingen, in sein Alodial- oder eigen- und freyes Gut, Selden genannt (so eine halbe Stund von Bollschweyl, und eine von dem Priorat St. Ulrich ligt) übersetzt. Dises Gut schenkte er dem Closter.“ Gerald von Scherzingen besaß Land von Zähringen im Norden bis Bürgeln im Süden und hatte in Sölden auf der „Bürgle“ genannten Bergkuppe seine Burg. Das Söldener Frauenpriorat wurde direkt Cluny unterstellt und von einem Propst aus Cluny betreut. Es erhielt von Cluny Reliquien der heiligen Fides von Agen, die nach ihrer Legende um 300 in Agen in Südfrankreich durch Brennen auf einem Rost und Enthauptung den Märtyrertod erlitt, und hieß danach von Anfang an auch „Fideskloster“. Schutzvögte waren zunächst wohl die Scherzinger, dann die Grafen von Nimburg und, mit ihnen konkurrierend, die Zähringer, nach deren Aussterben 1218 die Grafen von Freiburg, nach der Loslösung Freiburgs von den Grafen 1368 die Habsburger mit ihrer vorderösterreichischen Verwaltung in Ensisheim im Elsass.

mini|Verwaltungszentrum des Dorfhelferinnenwerks, Verbindungsbau, Kirche und das Pfarrhaus von 1957 Im Jahr 1269 beherbergte das Priorat 22 Schwestern. 1468 verbrannten Kirche und Klostergebäude. 1493 waren es noch drei Schwestern. 1525 wurde, was wieder aufgebaut worden war, im Deutschen Bauernkrieg erneut zerstört. 1570 nannte die Regierung in Ensisheim das Kloster „beschwerlich verarmet und verderbt“; wenn von Cluny immer nur ein Französisch sprechender Propst geschickt werde, sei eine Erholung nicht möglich. Schon 1568 war die Niederlassung im Möhlintal von Cluny getrennt und dem Kloster St. Peter auf dem Schwarzwald eingeordnet worden. Vorläufig 1587, endgültig 1598 wurde auch das Fideskloster St. Peter inkorporiert. Philipp Jakob Steyrer schrieb:zitiert nach Kern 1995, S. 53. „Gedachtes Kloster stund zu Selden neben einer Cluniacenser-Probstey bis beyläufig Anno 1500, um welche Zeit es in völligen Verfall gerathen ist, und blieb allein die Probstey noch übrig. Da aber auch diese von Tag zu Tag abnahm ..., ist dieselbe dem Gotteshaus St. Peter auf dem Schwartzwald Anno 1598 von Papst Clemens VIII. einverleibt worden.“ Damals wurde der Evangelist Markus zweiter Kirchenpatron. Mit der Säkularisation endete 1806 die Zugehörigkeit zu St. Peter und die Geschichte des Priorats. Die Kirche blieb, was sie von Anfang zusätzlich gewesen war, Pfarrkirche. Das ehemalige Propsteigebäude wurde zunächst Pfarrhaus; 1957 zog nach dem Bau eines neuen Pfarrhauses die Dorfhelferinnenschule Sölden ein. Es war die erste Schule dieser Art in der Bundesrepublik. 2001 wurde sie geschlossen, und an ihre Stelle trat das Verwaltungszentrum des Dorfhelferinnenwerks Sölden e.V., das zum Deutschen Caritasverband gehört.

Baugeschichte mini|Ältestes Datum, 1382, am Durchgang zum Friedhof mini|Datum einer Wiederherstellung, 1494, am Scheitelfenster des Chors Die erste Kirche stand wohl an der Stelle der heutigen, ebenso das erste Propsteigebäude für die betreuenden Mönche aus Cluny oder St. Peter. Das Gebäude für die Nonnen vermutet der in Sölden geborene katholische Priester und Heimatforscher Franz Kern an der Stelle des heutigen Pfarrhauses, bei dessen Errichtung 1956 man in ungefähr ein Meter Tiefe auf eine Brand- und Ziegelschicht stieß.Kern 1995, S. 35.

Nach dem Brand von 1468 wurde das Haus für die Nonnen nicht wieder aufgebaut.Kern 1995, S. 50. Die wenigen verbleibenden Schwestern kamen vermutlich im Propsteigebäude unter. Die älteste Jahreszahl am Bau trägt ein 1970 gefundenes Sandstein-Werkstück: „Anno Domini MCCCLXXXII“ – 1382. Zeugen der Wiederherstellung sind eine ins Ostfenster der Sakristei eingemeißelte Jahreszahl „1487“ und eine ins Ostfenster des Chors eingemeißelte Jahreszahl „1494“. 1509 wurde die wiederhergestellte Kirche vom Bischof von Konstanz konsekriert. Die Äbte von St. Peter nahmen sich ihrer neuen Propstei an, so Gallus Vögelin, Abt von 1585 bis 1597.Kern 1959, S. 75. 1592 wurde der Friedhof mit einer dem Erzengel Michael anvertrauten Kapelle geweiht. Das Propsteigebäude entstand fast neu. Über dem östlichen Eingang ließ der Abt sein Wappen mit der Jahreszahl „1595“ anbringen. 1640 brannten im Dreißigjährigen Krieg das Kirchendach und die Häuser des Dorfs. 1649 wurde das Kirchendach erneuert und erhielt einen neuen Dachreiter. 1676 brannte im Holländischen Krieg das Propsteigebäude. Erst dreiundzwanzig Jahre später wurde es einigermaßen renoviert – die Jahreszahl „1698“ über dem westlichen Eingang erinnert daran. mini|Die Propstei im Jahr 1808A: PfarrhausC: MichaelskapelleD: Scheuer mit StallungE: MeierhofF: Zehntscheuer

Die für das heutige Aussehen entscheidende Phase der Baugeschichte begann mit der Wahl Jakob Philipp Steyrers zum Abt 1749. Er blieb Abt für 46 Jahre. „Am 11. Februar 1752 beschlossen die Mönche von St. Peter, auf Anregung ihres jungen Abtes, das Gotteshaus in Sölden total zu erneuern. Es sei zwar groß genug, aber infolge seines gotischen Stiles finster, habe nicht genügend Licht und weise kaum Auszierung auf. Ja, die das ganze Mittelalter beherrschende Sandsteingotik hatte längst aus verschiedenen Gründen ausgespielt und keine Verteidiger mehr. Eine neue Kunstrichtung hatte nach dem Dreißigjährigen Krieg in den katholischen Landen von Süddeutschland sich durchgesetzt: Barock wurde jetzt der neue Stil.“Kern 1995, S. 74.

Steyrer beauftragte den schon zuvor für St. Peter tätigen Maurer Hans Willam mit dem Umbau. Aus den gotischen Fenstern mit Ausnahme des östlichen Chorfensters wurde das Maßwerk herausgeschlagen. In das Schiff wurde eine Gipsdecke eingezogen. Die an die nördliche Chormauer angebaute Fideskapelle wurde abgebrochen. 1757 wurde der aufsteigenden Feuchtigkeit wegen der Fußboden um 1,10 Meter aufgefüllt. In den Folgejahren erhielt die Kirche durch die besten St. Peter verbundenen Künstler, wie den Bildschnitzer Matthias Faller und den Maler Franz Ludwig Hermann, ihre heutige Ausstattung. 1764 errichtete Willam einen neuen Verbindungsbau zwischen Kirche und Propstei. Im selben Jahr schenkte St. Ulrich im Möhlintal der Söldener Kirche das in St. Ulrich nicht mehr benötigte Zwiebeltürmchen des Baumeisters Peter Thumb. 1786 schenkte Abt Steyrer eine Monstranz des Augsburger Silberschmieds Caspar Xaver Stippeldey. „So erfuhr auch die Propstei, wenn auch nicht in dem Maße wie das Priorat St. Ulrich, des Abtes Förderung und Liebe.“Kern 1959, S. 80.

Mit der Säkularisation wurde die ehemalige Propstei Pfarrhaus. 1811 wurde die Michaelskapelle auf dem Friedhof abgebrochen, vier Jahre später an ihre Stelle ein Steinkreuz von Franz Anton Xaver Hauser (1739–1819) gestellt. 1937–1938 wurden unter Pfarrer Ernst Föhr und dem Konservator der kirchlichen Denkmäler in Baden, Joseph Sauer, die Wandgemälde restauriert und ergänzt und die barocke Farbigkeit der Altäre wiederhergestellt. 1957 wurde das neue Pfarrhaus gebaut, 1970 die Sakristei erneuert. Von 1959 bis 1977 wurden an der Stelle der alten Scheuer mit Stallung Erweiterungsbauten für die Dorfhelferinnenschule errichtet, nach deren Schließung aber wieder abgerissen und durch einen Ziergarten ersetzt. 1995 schuf Frido Lehr einen Zelebrationsaltar und Ambo. Bei der jüngsten Erneuerung von 2005 bis 2012 wurden unter anderem der Candidaschrein, das Heilige Grab, Reliquienbehälter und Messgewänder restauriert.

Kirchengebäude mini|Inneres nach Osten in Richtung Altarraum mini|Inneres nach Westen in Richtung Orgel Die Wände enthalten noch gotisches Mauerwerk. Das Langhaus ist ein Saal mit beiderseits vier Fenstern und westlicher Orgelempore. Östlich folgt der eingezogene, polygonal schließende Chor mit Strebepfeilern. Das Scheitelfenster des Chors mauerte Willam unter Erhaltung des gotischen Maßwerks zu; das Maßwerk ist heute wieder freigelegt. Die übrigen Fenster schließen mit flachen Bögen. Der Dachreiter Peter Thumbs „zeigt eine elegant gestaltete, kraftvoll geformte Zwiebel und ein doppeltes, vergoldetes Turmkreuz.“Hermann 2002, S. 11. Die flache Decke des Schiffs sitzt einer Hohlkehle auf.

Ausstattung Wandbemalung und Deckenbilder Dank der großen, mit Butzenscheiben verglasten Fenster und der weißen Wände wirkt das Innere hell. Die reiche Bemalung der Hohlkehle, die Umrahmungen der Fenster mit bekrönenden Muscheln und die Umrahmungen der alten Deckengemälde wurden bei der Restaurierung 1937–1938 aufgefrischt und ergänzt. Dabei wurde „der Stil-Charakter des Saalraumes verändert: Lorbeer-Gehänge, Girlanden und Konsolen unter der Hohlkehle geben dem Raum einen klassizistischen Charakter, den er so vorher nicht hatte und der eine Zutat darstellt. Bei der letzten Renovation 1993–96 wollte man jedoch diese Ausschmückung der Kirche beibehalten.“Hermann 2002, S. 14.

Alle Deckenbilder – für den Kunsthistoriker Franz Xaver Kraus 1904 noch „die unbedeutenden Deckengemälde“Kraus 1904, S. 352. – stammen von Franz Ludwig Hermann. Das riesige, die Decke fast füllende Hauptgemälde im Schiff, wegen der Höherlegung des Bodens kaum zu überschauen, signiert „Franc. Ludovic. Herrmann inv. et pinxit 1764“,Kern 1978 und Kern 1995, S. 77; die Signatur ist heute (2013) nicht mehr zu sehen. verherrlicht den Evangelisten Markus. Gemalte Sockel, Säulen und Gesimse und eine gemalte Kassettendecke täuschen eine stattliche Kuppelkirche vor. Markus predigt auf einer Kanzel im Osten, die die Gesetzestafeln des Moses trägt und unter der ein Löwe, Attribut des Evangelisten, kauert. Locker im Rund verteilt lauschen neunundzwanzig Personen, ein Mann in blauem Mantel gleich rechts der Kanzel vielleicht der Künstler selbst. „Die zwei hübschen Schönheiten zur Linken unter dem geöffneten Fenster, unter dem draufsitzenden Vögelchen, sollen die Töchter des im letzten Jh. abgegangenen Heidenhofbauern gewesen sein, welche dem Meister neugierig zuschauten und dann von ihm mit dem Pinsel verewigt wurden.“Kern 1995, S. 78.