mini|hochkant|Andreas Peham (2019)
Andreas Peham (* 1967 in Linz) ist ein österreichischer Rechtsextremismus- und Antisemitismusforscher, der auch unter dem Namen Heribert Schiedel publizierte.
Leben und Wirken
Andreas Peham wuchs in Oberösterreich auf. Sowohl die räumliche Nähe zur KZ-Gedenkstätte Mauthausen als auch die nicht immer unproblematische Vergangenheitsaufarbeitung seiner Familie und seines Umfeldes weckten nach eigenen Aussagen sein Interesse an Geschichte und Politik.Kerstin Kellermann: Der tragische Held geht vielen Jugendlichen nahe. Interview mit Andreas Peham. In: Wiener Zeitung, Nr. 218, 8. November 2014, S. 38. Er studierte von 1990 bis 2000 Politikwissenschaften an der Universität Wien.Vorstellung der Diskutanten der Podiumsdiskussion zur Fachtagung „Neue Töne von rechts?“, die als Audio von der Bundeszentrale für politische Bildung vertrieben wird online Später veröffentlichte er u. a. in der Zeitschrift PolitiX des Wiener Instituts für Politikwissenschaft.
Seit 1996 ist er als Mitarbeiter im Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes (DÖW), Abteilung Rechtsextremismusforschung (Betreuer der Sammlung), tätig mit den Forschungsschwerpunkten Rechtsextremismus, Neonazismus unter Jugendlichen, Burschenschaften, Antisemitismus und Rassismus, Holocaust-Education sowie Islamismus. Dort veröffentlicht er etwa über rechtsextreme Aktivitäten in der Rubrik Neues von ganz Rechts (u. a. mit Anton Maegerle) und ist in Beiträge für das Jahrbuch des DÖW eingebunden. Er betreut außerdem die 1995 gegründete Aktion gegen den Antisemitismus in Österreich. auf der Website des Dokumentationsarchivs des österreichischen Widerstandes Peham war langjähriger Berichterstatter für das Stephen Roth Institut für die Erforschung des zeitgenössischen Antisemitismus und Rassismus an der Universität Tel Avivvgl. Roni Stauber (Hrsg.): Antisemitism Worldwide 2010, General Analysis. Tel Aviv University (The Stephen Roth Institute for the Study of Contemporary Antisemitism and Racism / The Kantor Center for the Study of Contemporary European Jewry), o. S. und arbeitete als Redakteur und Autor des Wiener Magazins Context XXI.vgl. Karl Pfeifer: "Christentum und Islam": Die Wiener Zeitschrift Context XXI. hagalil.com, 5. Januar 2005. Fachbeiträge von ihm erschienen überdies sowohl in wissenschaftlichen Zeitschriften (u. a. den Blättern für deutsche und internationale Politik), als auch in antifaschistischen Organen wie Der Rechte Rand, Antifaschistisches Infoblatt und Lotta sowie beim Informationsdienst gegen Rechtsextremismus, auf hagalil.com und in der linken Wochenzeitung Jungle World. Seit Ende der 1990er Jahre ist er zudem in der Lehrerfortbildung und im Rahmen der politischen Bildung an Schulen tätig mit den Schwerpunkten Rassismus und Antisemitismus, Adoleszenz und pathologische Gruppenbildungen.Andreas Peham, Elke Rajal: . Die Internationale Schule für Holocaust-Studien (ISHS), abgerufen am 4. April 2016. Überdies ist er seit 2016 als Experte des Mauthausen Komitees Österreich für thematische Rundgänge zu Denkmälern und Gedenkstätten in der Inneren Stadt tätig., denkmalwien.at, abgerufen am 1. April 2016.
Von deutschen, österreichischen und Schweizer überregionalen Qualitätsmedien wie Die Presse, Der Standard, ORF, Die Zeit, Der Spiegel, die tageszeitung und NZZ wurde Andreas Peham als Experte zu den Themen Rechtsextremismus in Österreich, FPÖ und deutschnationale Burschenschaften interviewt und zitiert.vgl. Die Zeit und Zeit Online; Ralf Leonhard: "Stänkern gegen die da oben" (Interview). In: die tageszeitung, 7. Oktober 2006, S. 11; Jutta Sommerbauer: "Diese Fraktion will einen Bürgerkrieg in ganz Europa" (Interview). In: Die Presse, 16. November 2011, S. 9; Barbara Gansfuß: Die Normalisierung des Rechtsextremismus: Vormarsch via Anti-Islamismus (Gespräch). Im Journal zu Gast (OE1.ORF.at), 20. Juli 2007; Red.: Schiedel: "Islamismus ist der fremde Rechtsextremismus" (Interview), derStandard.at, 27. August 2007; Red.: "Die FPÖ ist in der Neuen Rechten so etwas wie die Avantgarde" (Interview), derStandard.at, 25. Juli 2011; Charles Hawley: The Likud Connection: Europe's Right-Wing Populists Find Allies in Israel. Spiegel Online, 31. Juli 2011; Colette M. Schmidt: Experte: "Sie führen ein Rückzugsgefecht" (Interview), derstandard.at, 15. Februar 2014; Meret Baumann: Rechtsextremismus: Braune, Flecken in Oberösterreich. NZZ Online, 23. Mai 2013. U. a. nahm er 2011 an der Tagung „‚Und was hat das mit mir zu tun?‘ – Perspektiven der Geschichtsvermittlung zu Nazismus und Holocaust in der Migrationsgesellschaft“Tagungsbericht: „Und was hat das mit mir zu tun?“: Perspektiven der Geschichtsvermittlung zu Nazismus und Holocaust in der Migrationsgesellschaft, 17. – 20. November 2011 Wien, in: H-Soz-Kult, 17. Jänner 2012, . des Wiener Wiesenthal Instituts für Holocaust-Studien teil und 2013 an der Podiumsdiskussion „‚Frei.Wild‘ – Die Erben der ‚Böhsen Onkelz‘?“politikorange: "Frei.Wild" - Die Erben der "Böhsen Onkelz"?. BpB, 3. Dezember 2013. der deutschen Bundeszentrale für politische Bildung.
Nina Horaczek nennt ihn in einer Rezension im Falter einen „der führenden Experten zum Thema Rechtsextremismus im deutschsprachigen Raum“.Nina Horaczek: Vom Antisemitismus zum Antiislamismus und zurück. In: Falter 47/11, 23. November 2011, S. 13. Nach Katharina Schmidt von der Wiener Zeitung ist er einer „der wenigen ausgewiesenen Experten“ auf dem Gebiet des Rechtsextremismus in Österreich.Katharina Schmidt: In Reih' und Glied gegen Roma, Juden und Homosexuelle. In: Wiener Zeitung, Nr. 323, 30. November 2011, S. 11. Dem Sozialwissenschaftler Samuel Salzborn gilt er als „einer der besten und intimsten Kenner des österreichischen Rechtsextremismus“.Samuel Salzborn: Schiedel, Heribert: Der Rechte Rand. Extremistische Gesinnungen in unserer Gesellschaft. In: DÖW-Mitteilungen, Folge 185, Februar 2008, S. 7.
Positionen mini|Im Interview mit dem ORF Vorarlberg (2019)
Andreas Peham unterscheidet bei der extremen Rechten begrifflich zwischen (1) Rechtspopulismus (als junge Form des Rechtsextremismus), (2) Rechtsextremismus und (3) Faschismus/Nazismus. Diese unterschieden sich vor allem in der Bezugnahme auf den (historischen) Nationalsozialismus bzw. den Faschismus. Während erstere eher distanziert seien, hätten zweitere ein gespaltenes Verhältnis und letztere stimmten eher zu. Weiterhin sind nach Peham folgende Tendenzen zu beobachten:
„die unterschiedliche soziale Ausrichtung (je rechter, desto sozialdemagogischer), die ideologische Grundierung der Tagespolitik (je rechter, desto weltanschaulicher), die Existenz von Antisemitismus (je rechter, desto antisemitischer), das Verhältnis zu den USA (je rechter, desto antiamerikanischer) und die Einstellung zum Demokratischen (je rechter, desto antidemokratischer).“Bernhard Weidinger: "Im nationalen Abwehrkampf der Grenzlanddeutschen": Akademische Burschenschaften und Politik in Österreich nach 1945. Böhlau, Wien 2014, ISBN 978-3-205-79600-8, S. 37.
Rechtsextremismus sei im Allgemeinen eine „Biologisierung des Sozialen“.Bernhard Weidinger: "Im nationalen Abwehrkampf der Grenzlanddeutschen": Akademische Burschenschaften und Politik in Österreich nach 1945. Böhlau, Wien 2014, ISBN 978-3-205-79600-8, S. 237. Für den traditionellen Rechtsextremismus in Österreich sei primär der Bezug auf das „völkische“ (deutsche) kennzeichnend.Bernhard Weidinger: "Im nationalen Abwehrkampf der Grenzlanddeutschen": Akademische Burschenschaften und Politik in Österreich nach 1945. Böhlau, Wien 2014, ISBN 978-3-205-79600-8, S. 275. Dabei hätten der „parteiförmige Rechtsextremismus“ und vor allem „der Rechtspopulismus“ ein Arrangement mit der Demokratie als Form getroffen.Bernhard Weidinger: "Im nationalen Abwehrkampf der Grenzlanddeutschen": Akademische Burschenschaften und Politik in Österreich nach 1945. Böhlau, Wien 2014, ISBN 978-3-205-79600-8, S. 306 f.
Nach Peham zerfällt der österreichische „parteiförmige Rechtsextremismus in eine neoliberale (postfordistische) und eine nationalsoziale (fordistische) Fraktion“, womit er einerseits das BZÖ und andererseits die FPÖ verbinde.Gudrun Hentges: „Brücken für unser Land in einem neuen Europa?“. Minderheiten- und Volksgruppenpolitik in Österreich. In: Christoph Butterwegge, Gudrun Hentges (Hrsg.): Zuwanderung im Zeichen der Globalisierung: Migrations-, Integrations- und Minderheitenpolitik (= Interkulturelle Studien. Bd. 5). 3., aktualisierte Aufl., VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2006, ISBN 978-3-531-14957-8, S. 200. Peham führe auf die Regierungsbeteiligung der FPÖ und die damit einher gegangene größere Gewichtung von insbesondere Burschenschaften zurück, dass seit den 2000er Jahren kein gesonderter „Rechtsextremismusbericht“ des österreichischen Innenministeriums mehr erscheine, da dort die Querverbindungen zwischen FPÖ und einschlägigen Korporationen dargestellt worden waren.Matthias Falter: Critical Thinking Beyond Hufeisen. »Extremismus« und seine politische Funktionalität. In: Forum für kritische Rechtsextremismusforschung (Hrsg.): Ordnung. Macht. Extremismus: Effekte und Alternativen des Extremismus-Modells. VS Verlag, Wiesbaden 2011, ISBN 978-3-531-17998-8, S. 94. Wesentlich für die Wahl Haiders zum Parteivorsitzenden war das Verhalten der Burschenschaften, die noch in den 1950er und 1960er Jahren die Träger rechtsextremer, ja, neonazistischer, Ideologie an den Hochschulen gewesen und in denen FPÖ-Politiker sozialisiert worden waren.Brigitte Bailer: Partei- statt Metapolitik. „Neue Rechte“ und FPÖ in Österreich. In: Wolfgang Gessenharter, Thomas Pfeiffer (Hrsg.): Die neue Rechte - eine Gefahr für die Demokratie?. VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2004, ISBN 3-8100-4162-9, S. 169.