mini|Bericht über Leichhardt mit einem Porträt über seine erste Expedition auf der Titelseite des Illustrirten Magazins. Nr. 47 und 48 von 1847

Die Expedition von Leichhardt in den Jahren 1844 bis 1845 führte Ludwig Leichhardt und seine Mannschaft von Queensland in das Northern Territory bis zur damaligen Militärstation Port Essington. Seine erste Australien-Expedition dauerte nicht wie geplant sechs, sondern vierzehneinhalb Monate.

Die erste Entdeckungsreise von Leichhardt war kurzfristig vorbereitet, sie musste durch Spenden finanziert werden. Es fehlten ihm auch Expeditionserfahrungen in der Führung einer Mannschaft. Die Auswahl der Expeditionsmitglieder erfolgte nach dem Zufallsprinzip und nicht nach festgelegten Kriterien. Gefahren, wie kampfbereite Aborigines und das Vorankommen in der Wildnis, wurden von ihm erheblich unterschätzt. Ferner hatte Leichhardt nicht berücksichtigt, geeignete Gastgeschenke für die Aborigines mitzuführen. Da Leichhardt das Verhalten der indigenen Bevölkerung nicht genau kannte, ließ er nächtliche Lager nicht stets überwachen. Dies führte u. a. dazu, dass bei einem nächtlichen Überfall das Expeditionsmitglied John Gilbert getötet wurde und zwei weitere schwer verletzt wurden. Mehrmals verirrten sich Teilnehmer und waren dem Verdursten nahe. Der Vorrat an Verpflegung war zu gering, die Ausrüstung und auch die Bekleidung waren für die lange Expedition teilweise ungeeignet. Der größte Teil der naturwissenschaftlichen Sammlung musste gegen Ende der Expedition wegen mangelnder Transportmöglichkeiten aufgegeben werden. Ferner war die von Leichhardt mitgeführte technische Ausrüstung hinsichtlich einer genauen Kartierung wenig geeignet.

Die Leichhardt-Expedition entdeckte zahlreiche Flüsse, Gebirge und Berge. Seine größte Leistung war allerdings die Entdeckung einer Ost-Nord-Route über Land durch den australischen Kontinent. Seine Expedition war für die Entwicklung der Besiedlung des Nordostens Australiens von großer Bedeutung, da sie zeigte, dass es dort landwirtschaftlich nutzbares Land und Kohlevorkommen gab. Nach der Rückkehr hielt er in Sydney Vorträge über diese Expedition, und die koloniale Besiedlung im Nordosten von Australien setzte ein.

Vorgeschichte Am 14. Februar 1842 kam Ludwig Leichhardt nach einer Schiffsreise aus England in Sydney in New South Wales an. In Sydney bewarb er sich erfolglos um den Posten eines Direktors des Botanischen Gartens und als Landvermesser. Nach diesen Misserfolgen reiste er am 19. September 1843 mit einem Dampfschiff nach Newcastle am Hunter River. Von dort unternahm er allein naturkundliche Reisen zu Fuß und zu Pferd und sammelte dabei erste Erfahrungen im Outback Australiens. Er kam bis in die Liverpool Range, zum Mount Royal, an die Moreton Bay, auf die Darling Downs und an den Condamine River. Nach etwa 20 Monaten kehrte er am 3. März 1844 wieder nach Sydney zurück.Heinz Haufe: Die Entdeckungsreisen in Australien. S. 139Ludwig Leichhardt, Franz Braumann (Hrsg.): Die erste Durchquerung Australiens 1844–1846. S. 13–25.leichhardt.sub.uni-goettingen (PDF; 125 kB): Biographische Übersicht, abgerufen am 19. Mai 2013

Reisevorbereitung mini|Route der ersten Expedition von Ludwig Leichhardt durch Australien Nach Sydney zurückgekehrt, stellte Leichhardt fest, dass die staatliche Bereitschaft für eine Expedition in den Nordwesten Australiens gestiegen war. Die britische Kolonialregierung hatte Sir Thomas Livingstone Mitchell 1000 Pfund Sterling für eine Entdeckungsreise nach Port Essington im heutigen Northern Territory in Aussicht gestellt. Mitchell wollte Leichhardt als Mitglied für diese Reise gewinnen. Doch dieser lehnte ab, weil er nicht länger warten wollte, und plante seine erste Expedition.

Die öffentliche Meinung in Sydney über das Expeditionsvorhaben war gespalten. Es gab Fürsprecher und andere hielten die erfolgreiche Durchführung für unmöglich. Sydney setzte damals auf den Handel und nicht auf eine weitere Entdeckung von Land. Im Gegensatz dazu hatte sich in Brisbane und Umgebung die Auffassung durchgesetzt, dass die Erkundung sinnvoll sei und dass das Ziel Port Essington erreicht werden könne. Die dort lebenden Siedler hatten ein Interesse an weiterem Land für ihre Viehwirtschaft.Ludwig Leichhardt, Franz Braumann (Hrsg.): Die erste Durchquerung Australiens 1844–1846. S. 26–27

Mannschaft Leichhardt konnte die Expedition nicht aus eigenen Mitteln finanzieren und auf staatliche Unterstützung hoffte er vergeblich. Er war auf Spenden angewiesen und entschlossen, sein Vorhaben auch ohne öffentliche Unterstützung durchzuführen.

In Sydney wählte der 31-jährige Leichhardt fünf Expeditionsteilnehmer aus; vier weitere kamen in Brisbane hinzu. Unter den fünf Teilnehmern, die in Sydney ausgewählt wurden, waren John Roper (ein 19-jähriger Brite), James Snowden Calvert (ein 19-jähriger Brite), William Phillips (ein 44-jähriger britischer Sträfling), John Murphy (ein 14-jähriger Ire) und Harry Brown, ein Aborigine des Native-Police-Corps. Es waren Teilnehmer aus unterschiedlichen Nationen und bis auf Leichhardt hatte keiner Reiseerfahrungen im Outback. Allerdings hatte Leichhardt keine Erfahrungen mit dem Verhalten und den Gepflogenheiten der Aborigines.

In Brisbane kamen der Naturforscher John Gilbert, der Schafzüchter Christopher Pemberton Hodgson, der afroamerikanische Koch Caleb sowie der Aborigine Charley Fisher hinzu. Die Aborigines sollten als einheimische Fährtensucher und Jäger eingesetzt werden. Gilbert, der Outback-erfahren war, wurde im Verlauf der Expedition Ende Dezember 1844 zum stellvertretenden Expeditionsführer für die Zeit der Abwesenheit im Lager durch Leichhardt bestimmt. Gilbert war allerdings nicht mit allen Entscheidungen von Leichhardt einverstanden.A. H. Chisholm: Gilbert, John (1810–1845). adb.edu.au, in englischer Sprache, abgerufen am 23. August 2013

Anreise nach Jimbour Zur Anreise der Expeditionsmannschaft auf dem Dampfer Sovereign von Sydney nach Brisbane sicherte die Hunter’s River Steam Navigation Company eine kostenfreie Passage zu. Sie begann am 13. August 1844. Die Überfahrt dauerte nicht wie üblich drei Tage, sondern eine Woche. Die 13 Pferde litten auf der Überfahrt unter Wasser- und Futtermangel. In Brisbane wurde die Expeditionsgruppe gastfreundlich empfangen und beschenkt. Der Milchbauer John Campell riet Leichhardt, dass er sich auf seinem Weg an der Küstenlinie orientieren sollte, allerdings im Inland entlang der Wasserläufe. Er gab ihm auch den Ratschlag, Ochsen sowohl als Transporttiere als auch zur Verpflegung mit Fleisch mitzunehmen und keine Schafherde.George Baisch: Ludwig Leichhardt – the Life and the Legend (PDF; 249 kB), fig.net, in englischer Sprache, abgerufen am 23. August 2013 Um die Ochsen, die als Transportmittel dienen sollten, nicht zu überlasten, musste ein Teil der Geschenke der Siedler abgelehnt werden. Leichhardt nahm vier Stiere und einen Ochsen an.Ludwig Leichhardt, Franz Braumann (Hrsg.): Die erste Durchquerung Australiens 1844–1846. S. 155 Am 28. August verließ die Expedition Brisbane. Kurz vor ihrem Aufbruch hatte es stark geregnet und die Flüsse waren angeschwollen, deshalb gab es bereits erste Schwierigkeiten beim Übersetzen.Ludwig Leichhardt, Franz Braumann (Hrsg.): Die erste Durchquerung Australiens 1844–1846. S. 138 Sie hatten einen gefederten Wagen und einen Ochsenwagen zum Transport von Ausrüstung bis in die Darling Downs zur Verfügung. Der leichte gefederte Wagen erwies sich als ungeeignet und wurde nach einem kurzen Einsatz im Gelände schwer beschädigt. Leichhardt tauschte ihn später gegen drei Mastochsen ein und kaufte weitere fünf Zugochsen hinzu, die er an die Packsättel gewöhnen wollte.Ludwig Leichhardt, Franz Braumann (Hrsg.): Die erste Durchquerung Australiens 1844–1846. S. 31

Da keiner der Expeditionsteilnehmer Erfahrung im Umgang mit Ochsen hatte, mussten sie diesen erst erlernen. Später stellten sie fest, dass die Ochsen lediglich 150 Pfund (75 kg), anstatt der geplanten 250 Pfund (125 kg), auf Dauer tragen konnten. Auch das Beladen der Ochsen und Pferde nahm mehr Zeit als geplant in Anspruch. Ferner warfen die Ochsen ihre Ladung häufig ab und dabei rissen die Gurte der Packsättel. Häufig liefen die Ochsen nachts bis zu ihrem letzten Weideplatz zurück. Dies setzte sich im Verlauf der Expedition fort und kostete Zeit. Am 30. September kam die Expedition in dem kleinen Ort Jimbour an, dem letzten Vorposten der Zivilisation im Outback.Ludwig Leichhardt, Franz Braumann (Hrsg.): Die erste Durchquerung Australiens 1844–1846. S. 32–33Heinz Haufe: Die Entdeckungsreisen in Australien. S. 139–140

Ausrüstung und Verpflegung Auf aufwendige und teure Gerätschaften wie Barometer und Kochapparat zur Bestimmung der Geländehöhen musste Leichhardt verzichten. Er hatte lediglich einen Sextanten, Chronometer, tragbaren Kompass und ein kleines Thermometer wie auch eine australische Landkarte von Aaron Arrowsmith dabei.Ludwig Leichhardt, Franz Braumann (Hrsg.): Die erste Durchquerung Australiens 1844–1846. S. 28 Das Thermometer zerbrach bereits in der ersten Zeit der Expedition.

Zu Beginn verfügte die Mannschaft über 17 Pferde, 16 Rinder (Mast-, Zugochsen und Stiere) sowie mehrere Hunde. Die Mastochsen und Stiere dienten als lebende Nahrungsquelle, aus denen Trockenfleisch hergestellt werden sollte. Die Herstellung von Trockenfleisch erforderte zwei bis drei Tage Aufenthalt an einem Lagerort. Gejagt werden sollten Wildtiere, beispielsweise Känguru, Wallaby und auch Vögel. Zur weiteren Verpflegung standen 1200 Pfund Mehl (600 kg), 200 Pfund Zucker (100 kg), 80 Pfund Gelatine (40 kg) und weitere Ausrüstungsgegenstände zur Verfügung.

Ihre Munition bestand aus 20 Pfund Pulver (10 kg) und vier Beuteln Schrot. Es gab auch kleine Zelte für jedes Expeditionsmitglied. Jeder hatte zwei feste Hosen, zwei Kaliko-Ponchos, die geölt gut wasserdicht waren, drei derbe Hemden und zwei Paar Schuhe.Ludwig Leichhardt, Franz Braumann (Hrsg.): Die erste Durchquerung Australiens 1844–1846. S. 32 Diese Bekleidung war für eine lange Reise nicht optimal.

Tagesablauf der Expedition Der Tagesablauf war geregelt. Durch den Vogel Lachender Hans wachte Leichhardt nach seinen Angaben auf und weckte anschließend seine Mannschaft. Brown hatte Tee zu kochen, Calvert das Fleisch mit Salz und Majoran zu würzen. Nachdem sich die Expeditionsmitglieder gewaschen hatten, wurde das Frühstück zubereitet, das aus zweieinhalb Pfund Fleisch (1,25 kg) bestand. Das Fleisch war am Abend zuvor in einem Topf über dem Feuer geschmort worden. Es wurde Tee gereicht. Die Zuteilung nahm Calvert vor. Danach brachte Charley die gesattelten Pferde. Nach der Beendigung des Frühstücks brachten Charley und Murphy gegen sieben Uhr die Ochsen, die anschließend beladen wurden, sofern weiter gereist werden sollte.Ludwig Leichhardt, Franz Braumann (Hrsg.): Die erste Durchquerung Australiens 1844–1846. S. 98–99 Die Tagesstrecke hatte Leichhardt mit einem seiner Begleiter einen Tag zuvor erkundet.Heinz Haufe: Die Entdeckungsreisen in Australien. S. 151

Nach der Tagesarbeit wurde nach Reisen das Lager aufgeschlagen. Leichhardt hatte das Feuer zu entzünden, Brown das Wasser für den Tee zu holen. Wenn der Topf Tee geleert war, war es die Aufgabe von Calvert ein und ein halbes Pfund Mehl (0,75 kg) für einen Damper oder Fettkuchen abzuwiegen. Dies war die letzte Tagesmahlzeit.

Am abendlichen Lagerfeuer wurden die Erlebnisse des Tages ausgetauscht. Leichhardt, Brown und Charley schliefen meist im Freien, die anderen in ihren Zelten.Ludwig Leichhardt, Franz Braumann (Hrsg.): Die erste Durchquerung Australiens 1844–1846. S. 98–99

Expeditionsverlauf 1844 mini|Hodgsons Karte zum Expeditionsverlauf 1844 mini|Lagerplatz am Dried Beef Creek