mini|Das Stadion Rajko Mitić in Belgrad mini|Begeisterung bei den Grobari auf der Südtribüne, den Ultras von Partizan mini|Anhänger von Vojvodina in Wien Fußball (, früher Лоптање Loptanje oder Лоптање ногом Loptanje nogom) ist die in Serbien beliebteste Sportart, die dort seit dem 19. Jahrhundert gespielt wird und einen bedeutenden Stellenwert innerhalb der serbischen Gesellschaft hat. Er wird nicht nur in Fußballvereinen, sondern auch auf Bolz- und Fußballplätzen, Straßen, Hinterhöfen und Parks gespielt, sowie in Sporthallen, wo er als Mali fudbal bezeichnet wird. Auch nicht aktive Spieler sind in der Regel Fan eines bestimmten serbischen Vereins oder zumindest der serbischen Nationalmannschaft. Bei weiten Teilen der Bevölkerung nimmt der Fan- oder der Ultraskult einen wichtigen Stellenwert im täglichen Leben ein.
Wichtige Turniere wie die Welt- und Europameisterschaft, sowie die Derbys zwischen den wichtigsten Mannschaften, vor allem des Večiti derbi, das „Ewige Derby“ zwischen den Belgrader Vereinen Roter Stern und Partizan, ziehen große Menschenmassen an, die die Spiele entweder im Stadion oder im Fernsehen verfolgen. Die größten Vereine konzentrieren sich in Belgrad, Novi Sad und Niš. Die erfolgreichsten Vereine sind Roter Stern, Partizan und OFK aus Belgrad, Vojvodina aus Novi Sad, sowie Radnički Niš.
In Serbien besteht ein Ligasystem, an dessen Spitze die Super liga und die Prva liga stehen. In der Super iga wird der Serbische Meister ermittelt. Zugleich gibt es nationale Turniere wie den Serbischen Pokal. Nationaler Fußballverband ist der Fudbalski savez Srbije, der Serbische Fußball-Bund.
Einführung Der Fußballsport verbreitete sich seit den 1860er-Jahren von England aus und erreichte Serbien im späten 19. Jahrhundert.Dejan Zec: The Origin of Soccer in Serbia – Introduction. In zahlreichen Ländern führten ihn Engländer ein, doch im damaligen Königreich Serbien waren es Schüler und Studenten die zum ersten Mal mit dem Fußball in Berührung kamen, als sie gewöhnlich ins Ausland geschickt wurden, häufig in das damalige Deutsche Kaiserreich, in die Schweiz oder in die österreichisch-ungarische Doppelmonarchie. Die Tatsache, dass junge Serben ein Teil ihrer Ausbildung in Städten wie Zürich, München, Wien oder Prag verbrachten und nach ihrer Rückkehr dieser Sportart weiter nachgingen, spielte ebenso eine wichtige Rolle in der Entstehung des serbischen Fußballs wie dessen Engagement für die Weiterentwicklung des nationalen Sports. Obwohl Fußball als unterhaltsam und dynamisch galt, war anfangs vor allem die ältere und konservative Bevölkerung gegenüber der neuen Sportart kritisch.Dejan Zec: The Origin of Soccer in Serbia, S. 139. Sie sahen darin mehr einen kindischen Zeitvertreib, anstatt eine ernsthafte körperliche Aktivität und so musste der Fußball zu Beginn um seine gesellschaftliche Anerkennung ringen. In Serbien war man der Ansicht, dass eine sportliche Aktivität nur zur Stärkung der Muskulatur und der allgemeine Leistungsfähigkeit diente, zur Verbesserung der Gesundheit oder als moralisch-pädagogische Maßnahme zur Erhöhung des patriotischen Geistes, um somit junge Menschen für den Militärdienst vorzubereiten.
mini|Serbische Sokol-Einheit bei Herceg Novi im Jahr 1912. Der Wehrdienst hatte einen hohen Stellenwert in Serbien, sowie das Konzept der serbischen Abteilung der Sokol-Turnbewegung, die neben der körperlichen Ertüchtigung und der nationale Zusammenhaltes, auch serbische Bräuche und Folklore pflegte, sowie ein Ausdruck des Panslawismus war, wodurch der Fußball anfangs einige Hürden zu überwinden hatte. Die Entwicklung war auch durch Mangel an materiellen Spielbedarf gehemmt. Für ein ordentliches Spiel benötigt man einen guten Lederball, ein flaches mit Gras bewachsenes Grundstück von beträchtlicher Größe, und speziell angefertigten Lederstiefel mit Nieten an den Sohlen. Diese Notwendigkeiten waren um das 19. Jahrhundert sehr teuer, und vor allem schwer zu bekommen. Jovan Ružić, einer der begabtesten Fußballer während dieser Periode, liefert ein anschauliches Zeugnis über die Knappheit, mit der die damalige Jugend konfrontiert war, sowie deren Lösung durch Improvisation:
Nach Überwindung einiger Hindernisse und trotz der anfänglichen, jedoch relativ kurzen Akzeptanzschwierigkeiten bei einem Teil der Bevölkerung wurde Fußball in ganz Serbien schnell beliebt, sodass es unmittelbar zu Bildung von Fußballabteilungen innerhalb vorhandener Sportvereine kam. Die ersten Pioniere des serbischen Fußballs waren Studenten, Athleten und Sportler, doch schon bald schlossen sich ihnen Kaufleute und Ingenieure an, sowie Juristen und Bürokraten. Gleichzeitig wurde es zu einem äußerst beliebter Zeitvertreib der Kinder, Schüler und Studenten, vor allem in Turnhallen und an den Handelsschulen, sodass dieses Spiel zu einem regelmäßigen Anblick in den Hinterhöfen und Parks zahlreicher Dörfer und Städten wurde. Bereits wenige Jahre nach der Einführung der neuen Sportart wurden die ersten unabhängigen Fußballvereine gegründet.Dejan Zec: The Origin of Soccer in Serbia – The First Clubs, S. 140. Es wurden Vereinsstatuten und -regeln verfasst, sowie eine angemessene Finanzierung und Einrichtungen erworben. Anfangs spielten die Clubs zahlreiche Freundschaftsspiele und Turniere, besuchten und halfen sich gegenseitig und tauschten Erfahrungen aus.Dejan Zec: The Origin of Soccer in Serbia – The First Clubs, S. 142. Die Gründung des SK Soko und FK Šumadija, sowie des Srpski mač, legten den Grundstein für einen organisierten Fußball in Serbien. Deren größter Beitrag neben dessen Popularisierung war das Beispiel dafür, wie ein Fußballverein funktionieren sollte und die Vereinbarung einheitlicher Fußballregeln, die von Anastas Hristodulo, einem Rechtsanwalt und Gymnastikenthusiasten, 1905 in seinem Buch Loptanje nogom veröffentlicht wurden.
Geschichte 1891–1904: Die Anfänge im 19. Jahrhundert mini|Flugzeugaufnahme des Tempelhofer Feldes von 1933. Hier machte der serbische Fußball seine ersten Schritte, den Hugo Buli 1896 in Serbien einführte. Die Fußballgeschichte Serbiens reicht bereits über 120 Jahre zurück. Alles nahm 1891 seinen Lauf, als die Studenten Hugo Buli und Andra Nikolić in Belgrad einen Gymnastikverein namens Soko („Der Falke“) gründeten, womit der Weg zur späteren Entstehung der ersten Fußballabteilung in der Region geebnet wurde.Srbislava Todorović, Fudbal u Srbiji 1896–1918, SOFK Zvezdara, 1996, S. 9. Der Fußballsport erreichte Serbien im Frühjahr 1896, als Buli den ersten Fußball aus dem deutschen Kaiserreich in die Hauptstadt mitbrachte.Dejan Zec: The Origin of Soccer in Serbia, S. 138.tempelhoferfeld.info: Gründung des ältesten noch existierenden deutschen Fussball-Vereins
Das Sportgerät stammte ursprünglich aus Berlin, wo er sein Auslandsstudium verbrachte und für den BFC Germania 1888 spielte, den heute ältesten noch existierenden Fußballverein Deutschlands. Höchstwahrscheinlich brachte Buli den Ball aus dem Ortsteil Tempelhof mit, der Gründungsort des Berliner Clubs, und erlernte das Fußballspielen auf dem Tempelhofer Feld, das Germania anfänglich nutzte, bevor er die neue Sportart in Serbien einführte. Somit machte der serbische Fußball seine ersten Schritte auf dem Feld, auf dem sich heute der Flughafen Tempelhof und der Tempelhofer Park befindet.
mini|links|1896 fand in der Parkanlage Kalemegdan im Bereich des Nebojša-Turms das erste Fußballspiel auf serbischen Boden statt. Am 12. Mai 1896 gründete Buli die Fußballabteilung des Gymnastikvereins Soko, die heute als aller erste Fußballsektion in Südosteuropa gilt. Sieben Jahre später ging daraus der Fußballclub SK Soko hervor, der heute älteste noch existierende serbische Fußballverein, bei dessen Entstehung Buli ebenfalls eine Rolle spielte. Somit ist der heute älteste noch existierende serbische Fußballverein über Buli indirekt mit dem ältesten noch existierenden Verein Deutschlands verbunden.
Am 19. Mai fand das erste Fußballspiel auf serbischem Boden statt, als Buli, seine Freunde und mehrere Mitglieder der Fußballabteilung Soko, die neue Sportart den Bürgern in der Parkanlage Kalemegdan im Bereich des Nebojša-Turms demonstrierten. 1898 gründete das Subotičko sportsko društvo („Suboticer Sportverein“) auf Initiative von Nikola Matković, ein Gymnasiallehrer und Trainer des Vereins, sowie Zoltán Vágner, einem aktiven Fußballspieler aus Budapest, in Subotica eine weitere Fußballabteilung und somit die zweite in der Region.
Durch weitere Bemühungen von Buli sowie Andra Nikolić, der bereits zum Außenminister aufgestiegen war, und einigen weiteren Mitgliedern der Gymnastikvereins Soko, allesamt junge Juristen, Beamte und Geschäftsleute, fand am 1. Mai 1899 die Gründungsversammlung des ersten unabhängigen Fußballclubs Südosteuropas namens Prvo Srpsko društvo za igru loptom (Erster serbischer Verein für Ballspiele) bzw. Srpsko loptačko društvo (Serbischer Ballverein) statt, die in einem Belgrader Restaurant namens Trgovačka kafana gehalten wurde.Srbislava Todorović, Fudbal u Srbiji 1896–1918, SOFK Zvezdara, 1996, S. 10. Der erste gewählter Präsident wurde Feti Bey, ein Konsul des Osmanischen Reiches, während der Rechtsanwalt Mihailo Živadinović Vizepräsident wurde. Der Verein wurde jedoch nach nur einem Spiel bzw. wenigen Monaten wieder aufgelöst, dennoch wurde die spätere Errichtung eines Spielfelds in Guberevac durchgesetzt, einem Vorort der sich heute im Belgrader Stadtbezirk Sopot befindet.
mini|hochkant|Im Vereinswappen des heutigen BASK befindet sich ein Falke, serbisch Soko, was eine Anspielung auf den SK Soko ist. Die Zahl der Fußballspieler wuchs seitdem ständig und im Laufe der Jahre entstanden weitere Vereine. So wurde 1901 der heutige FK Bačka 1901 gegründet. Zwei Jahre später entstand der SK Soko, dessen Gründung Stevan Stefanović, Sohn eines wohlhabenden Konservenfabrikinhabers, mit der Unterstützung von Buli und Nikolić einleitet, und der somit praktisch Nachfolger der 1896 gegründeten Fußballabteilung der Gymnastikgesellschaft Soko wurde. Stefanović kehrte 1903 aus der Schweiz zurück, wo er zuvor für einen Amateurverein namens Concordia spielte, und brachte gleich auch ein paar Bälle und einen Satz Trikots mit.
Unter den Gründern befand sich auch Ljubomir Jovanović, der spätere Justizminister, sowie Präsident der Nationalversammlung.Dejan Zec: The Origin of Soccer in Serbia – The First Clubs, S. 141. Als erstes Ziel setzte sich die Vereinsführung die Erbauung eines Spielfeldes, das schließlich im Mai 1904 eröffnet werden sollte, als zwei Mannschaften des SK Soko gegeneinander antraten, um das 100-jährige Jubiläum des ersten serbischen Aufstandes gegen die osmanische Besatzung zu feiern, zugleich auch dessen erstes offizielles Spiel, und somit als erster Fußballplatz in der Geschichte des Landes einging.
1903 wurde in Kragujevac der zweite Verein im Königreich Serbien ins Leben gerufen, als Danilo Stojanović, ein Ingenieur des Rüstungsunternehmens Zastava, den FK Šumadija gründete. Der heutige FK Bačka 1901, der SK Soko, der heute unter dem Namen BASK bekannt ist, sowie der FK Šumadija sind heute die drei ältesten noch existierenden Fußballvereine Serbiens. Im selben Jahr entstand der Subotički SK, ein Verein aus Subotica. Interessanterweise haben der SK Soko und FK Šumadija ihr erstes offizielles Spiel unabhängig voneinander im Mai 1904 absolvierten, beide zur Feier des 100-jährigen Jubiläums des ersten serbischen Aufstandes.
1905–1914: Weiterentwicklung und erster Wettbewerb mini|hochkant|Vereinswappen des Belgrader SK.