mini|hochkant=1.4|Choschen als Schmuckelement der sefardischen Hauptsynagoge von Ramat Gan mini|Ornat des jüdischen Hohenpriesters, Rekonstruktionsversuch (Brigham Young University)
Als Choschen () wird eine Brusttasche bezeichnet, die zum Ornat des jüdischen Hohenpriesters gehörte.
Biblische Beschreibung
Der Choschen wurde nach biblischer Darstellung für Aaron, den Bruder des Mose, angefertigt ().
Grundmaterial des Choschen war ein textiles Material, näher definiert als „Kunstweber-Machart“. Gemeint ist eine Webtechnik. Der Hohepriester trug ein violettes Obergewand, zu dem die buntgemusterten Textilien Efod und Choschen einen Kontrast bildeten. Farblich entsprach der Ornat der Farbgebung des Heiligtums (Mischkan), wodurch die Zugehörigkeit Aarons und seiner Amtsnachfolger zur göttlichen Sphäre augenfällig war.
Der Choschen erfüllte seine Funktion nur, wenn er am Efod, einem weiteren Stück des hohepriesterlichen Ornats, befestigt war.
Der Text ist sehr daran interessiert, dass der Choschen fest sitzt. An den vier Ecken der Tasche sind deshalb goldene Ringe angebracht. Durch die beiden oberen Ringe gehen goldene Kettchen, denn der Choschen ist durch seine zwölf Schmucksteine relativ schwer. Zur Befestigung an den beiden unteren Ringen sind dagegen Purpurschnüre vorgesehen. Sie sollen verhindern, dass der Choschen verrutscht.
Der Ornat des Hohenpriesters, wie er hier beschrieben ist, entspricht den Gegebenheiten des Zweiten Tempels, auch wenn einzelne Elemente älter sein können. Einige Exegeten nehmen an, dass der Choschen in der komplizierten Form von Ex 28 eine kreative Leistung der Priesterschrift ist, die damit mehrere Zwecke verfolgt:
Lostasche für die Urim und Tummim. Zur Zeit des Zweiten Tempels war das Losorakel längst außer Gebrauch. Die Lose, deren Gestalt unbekannt ist (vielleicht Stäbchen), sind aber wegen ihrer Namen (Luther übersetzte: „Licht und Recht“) symbolisch interessant. Der Hohepriester brachte im Ritual die gerechte Weltordnung vor JHWH. Ähnliches ist, bezogen auf die Ma’at, aus dem ptolemäischen Ägypten bekannt. Feste Verbindung der Lostasche mit dem Efod: Die Utensilien für das Orakel sind damit im Wortsinn an den Hohenpriester gebunden. Der Hohepriester trägt bei seinem Dienst am Heiligtum die Namen der zwölf Stämme „über seinem Herzen“ – eine Art stummes Gebet für die ganze Gemeinde (nach Benno Jacob).
Identifikationsversuche der Edelsteine Für jeden der zwölf Stämme Israels war an der Brusttasche ein Edelstein befestigt (drei Steine in vier Reihen), auf dem der Name des Stammes eingraviert war. Es gibt verschiedene Modelle, wie die Stämme auf die einzelnen Edelsteine verteilt werden; nach Raschi und Ramban waren sie nach dem Alter geordnet. Name des Stammes Masoretischer Text Septuaginta Septuaginta Deutsch Identifikation der Steine nach der jüdischen Tradition (Ludwig Philippson) Zürcher Bibel Einheitsübersetzung 2016 Lutherbibel 2017RubenOdem SarderEin roter Stein.RubinRubinSarderSimeonPitda TopasDa der Topas in der Antike als goldgelb oder grün bezeichnet wird, wird dieser Stein mit dem grünlichen Chrysolith aus Ägypten identifiziert.ChrysolithTopasTopasLeviBareqet SmaragdSmaragd: grasgrün, glänzend und durchsichtig.SmaragdSmaragdSmaragdJudaNofech KarbunkelIn der Antike ein Stein wie eine glühende Kohle, daher mit Rubin oder Granat identifiziert.MalachitKarfunkelRubinDanSappir SaphirEin himmelblauer Stein.LapislazuliSaphirSaphirNaftaliJahalom JaspisVöllig ungewiss, vielleicht eine Varietät des Chalcedon: fleischfarben mit milchweißen Streifen.JaspisJaspisDiamantGadLeschem LigyrionHyazinth: „ponceauroth“ und durchsichtig.HyazinthAchatLynkurerAscherSchvo AchatAchat: mit allen Grundfarben und Streifen.AchatHyazinthAchatIsascharAchlama AmethystAmethyst: violettblau und durchsichtig.AmethystAmethystAmethystSebulonTarschisch ChrysolythChrysolyth: blassgrün oder gelb. Nach Plinius in Spanien zu finden, was zum hebräischen Namen passt (vgl. die Stadt Tarschisch).TopasChrysolithTürkisJosefSchoham kleiner BeryllSchohamstein: Beryll oder Onyx.KarneolKarneolOnyxBenjaminJaschfe OnyxJaspis: verschiedene Farben, undurchsichtig. Ägyptischer Jaspis ist braun.OnyxOnyxJaspis
Rezeption Choschen ha-Mischpat, „Brusttasche des Rechtsentscheids“, heißt der vierte Teil des Schulchan Aruch.
Die Vulgata übersetzt den Choschen mit rationale: „Rationale quoque judicii facies opere polymito juxta texturam superhumeralis...“ (Ex 28,15a). „Vom B(rustschild) des Hohepriesters ist offenbar abhängig ein bischöflicher Brustschmuck, der vom 11. bis zum 13. Jh. mehrfach in den Schriftquellen als Rationale erwähnt und auf Denkmälern dargestellt, aber in keinem einzigen Beispiel erhalten ist.“
Literatur Claudia Bender: Die Sprache des Textilen. Untersuchungen zu Kleidung und Textilien im Alten Testament. Kohlhammer, Stuttgart 2008, ISBN 978-3-17-020102-6. Othmar Keel: Die Brusttasche des Hohenpriesters als Element priesterschriftlicher Theologie. In: Frank-Lothar Hossfeld, Ludger Schwienhorst-Schönberger (Hrsg.): Das Manna fällt auch heute noch. Beiträge zur Geschichte und Theologie des Ersten Testaments (FS Erich Zenger). Freiburg 2004, S. 379–391. Thomas Staubli: Kleider in biblischer Zeit. Bibel & Orient Museum Fribourg, Stuttgart 2012, ISBN 978-3-940743-77-0.
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Religiöse Kleidung (Judentum) Kategorie:Jerusalemer Tempel