Die Schlacht um Arawe, auch Schlacht um Kap Merkus genannt, fand zwischen alliierten und japanischen Truppen während des Pazifikkriegs statt. Sie bildete den Auftakt des Neubritannienfeldzugs und war Teil der alliierten Operation Cartwheel. Ziel war es, von der später im selben Monat stattfindenden Landung bei Cape Gloucester abzulenken. Die japanischen Streitkräfte erwarteten eine feindliche Landung im Westen Neubritanniens und waren beim Beginn der Landung bei Arawe noch mit der Verstärkung ihrer dortigen Positionen beschäftigt. Nach einem Monat sporadischer Kämpfe gelang es den Alliierten, die zahlenmäßig deutlich unterlegenen Japaner aus dem Gebiet um Arawe zu vertreiben.

Ursprüngliches Ziel der Schlacht um Arawe war neben der Ablenkung der Japaner die Eroberung eines Hafens für PT-Schnellboote. Da ein solcher Hafen an dieser Stelle später als unnötig angesehen wurde, kam es nie zu seinem Bau. Zur Zeit der Landung befanden sich nur schwache, auf ausstehende Verstärkung wartende japanische Kräfte im Gebiet. Die erste Landung am 15. Dezember 1943 war trotz verschiedener organisatorischer Schwierigkeiten ein Erfolg. Die amerikanischen Truppen konnten schnell einen Brückenkopf errichten und befestigen. Japanische Lufteinheiten griffen die alliierten in den Tagen nach der Landung wiederholt großangelegt an. Ende Dezember traten auch die Bodeneinheiten des japanischen Heeres zu einem umfangreichen Gegenangriff an, der abgewehrt wurde. Mitte Januar, nach der Anlandung weiterer Infanteristen und Panzer führten die amerikanischen Truppen einen eigenen kurzen Angriff durch, mit dem sie die Japaner zurückdrängten. Diese zogen sich gegen Ende Februar im Zuge einer generellen Evakuierung Westneubritanniens zurück.

Historiker sind sich uneins, ob die Landung bei Arawe notwendig war. Während einige sie als nützliches Ablenkungsmanöver für die Landung bei Kap Gloucester sehen, argumentieren andere, dass die gesamte Schlacht um Neubritannien unnötig war und die eingesetzten Truppen an anderer Stelle mehr hätten bewirken können.

Hintergrund Militärische Situation Im Juli 1942 entschieden die amerikanischen Joint Chiefs of Staff (JCS, Vereinigte Stabschefs), dass das Hauptziel in den alliierten Befehlsbereichen South Pacific Area (SPA) und Southwest Pacific Area (SWPA) die Eroberung des wichtigen japanischen Stützpunktes Rabaul an der Ostspitze Neubritanniens sei. Ab August führten amerikanische und australische Streitkräfte eine Reihe von Offensiven auf Neuguinea und den Salomonen durch, um die dortigen japanischen Verbände zurückzudrängen und Flugfelder in Reichweite auf Rabaul zu errichten. Trotz starken Widerstands gelang es den Japanern langfristig nicht, die alliierten Offensiven zu stoppen.Robert W. Coakley: American Military History. 1989, S. 504–507.

Im Juni 1943 begann die großangelegte alliierte Offensive Operation Cartwheel mit dem Ziel, Rabaul auszuschalten. Während der nächsten fünf Monate rückten amerikanisch-australische Truppen unter dem Oberbefehl von General Douglas MacArthur entlang der Nordostküste Neuguineas vor und eroberten den strategisch wichtigen Ort Lae und die Huon-Halbinsel. Amerikanische Einheiten unter dem Befehl von Admiral William F. Halsey gingen parallel, von Guadalcanal ausgehend, auf den Salomonen vor und errichteten im November ein Flugfeld auf Bougainville.Robert W. Coakley: American Military History. 1989, S. 510–511. Bereits im Juni waren die JCS zu dem Schluss gekommen, dass eine tatsächliche Eroberung Rabauls kein vorrangiges Ziel sein müsste, da der japanische Stützpunkt durch eine Seeblockade und wiederholte Luftangriffe neutralisiert werden könne. MacArthur stand dieser Entscheidung kritisch gegenüber, musste sich aber schlussendlich dem Urteil der Combined Chiefs of Staff (CCS, Gemeinsame Stabschefs) beugen, die auf der Quadrant-Konferenz im August zu dem Schluss kamen, dass die JCS mit ihrer Einschätzung richtig lägen.John Miller junior: CARTWHEEL. The Reduction of Rabaul. 1959, S. 224–225.

mini|Das Gebiet, in dem die Operation Cartwheel lief

Das japanische Generalhauptquartier bewertete die Situation im Südwestpazifik Ende September 1943 und sah in den alliierten Offensiven einen Versuch, über die nördlichen Salomonen und den Bismarck-Archipel durch den äußeren strategischen Verteidigungsring zu dringen und in den folgenden Monaten im westlichen und zentralen Pazifik auf den inneren vorzustoßen. Um dies zu verhindern oder den feindlichen Vormarsch zumindest zu verlangsamen, wurden strategisch wichtige Orte identifiziert und gezielt mit Truppen verstärkt. Da die Japaner Rabaul für eines der Hauptziele hielten, wurden besonders dort starke Verbände stationiert. Zu dieser Zeit bestanden die japanischen Positionen im westlichen Neubritannien aus kleineren Flugfeldern bei Kap Gloucester und mehreren Zwischenstationen, in denen kleinere Schiffe, die zwischen Neubritannien und Neuguinea verkehrten, sich vor alliierten Luftangriffen verbergen konnten.Henry I. Shaw, Douglas T. Kane: Isolation of Rabaul. 1963, S. 324–325.

Am 22. September 1943 erteilte MacArthurs General Headquarters (GHQ, Generalhauptquartier) der Alamo Force unter Lieutenant General Walter Krueger den Befehl, den Westen Neubritanniens und die umliegenden Inseln zu sichern. Der Befehl umfasste zwei Ziele: Erstens sollten Stützpunkten für PT-Schnellboote und Fliegereinheiten errichtet und zweitens so die Vitiaz-Straße und die Dampierstraße zwischen Neubritannien und Neuguinea für alliierte Konvois gesichert werden, die die Operationen an der Nordküste letzterens unterstützten. Zu diesem Zweck sollten Kap Gloucester und Gasmata an der Südküste Neubritanniens erobert werden. Dieser Teil der Schlacht um die Insel erhielt den Codenamen Operation Dexterity.John Miller junior: CARTWHEEL. The Reduction of Rabaul. 1959, S. 272–273. Für die Landung bei Kap Gloucester wurde die 1st Marine Division und für Gasmata ein Teil der 32nd Infantry Division ausgewählt.

Bereits vor dem Beginn der Operationen kam es unter höheren alliierten Befehlshabern zu Diskussion über die Sinnhaftigkeit einer Landung in Westneubritannien. Generallieutenant George Kenney, Befehlshaber der alliierten Luftstreitkräfte im Südwestpazifik sprach sich klar gegen eine Landung aus und begründete dies damit, dass seine Flieger die Flugfelder bei Kap Gloucester nicht benötigten. Die bestehenden Stützpunkte in Neuguinea reichten aus, um die geplanten Operationen in der Region zu unterstützen. Im Gegensatz hierzu unterstützten Vice Admiral (Vizeadmiral) Arthur S. Carpender, Befehlshaber der United States Seventh Fleet (7. US-Flotte) und der alliierten Seestreitkräfte im Südwestpazifik und Rear Admiral (Konteradmiral) Daniel E. Barbey, Kommandeur der Task Force 76 (TF 76) die Kap-Gloucester-Landung, um beide Seiten der dortigen Meerengen besetzt zu halten. Die Operation bei Gasmata lehnten sie wie Kenney ab, da der Ort zu nahe an den japanischen Flugfeldern bei Rabaul läge und eine Landung so unabwägbare Risiken berge. Die Bedenken Kenneys und der Marineoffiziere führten gemeinsam mit Aufklärungsberichten über eine Verstärkung der dortigen Garnison zur Absage der Pläne gegen Gasmata.John Miller junior: CARTWHEEL. The Reduction of Rabaul. 1959, S. 273–274.

Am 21. November trafen sich das GHQ, Kenney, Carpender und Barbey in Brisbane und beschlossen dort, eine kleinere Einheit bei Arawe anzulanden.John Miller junior: CARTWHEEL. The Reduction of Rabaul. 1959, S. 274. Sie beschlossen dort ebenfalls drei grundsätzliche strategische Ziele der Landung. Erstens sollten die Japaner dazu gebracht werden, unter anderem von Kap Gloucester Truppen abzuziehen, ein Stützpunkt für PT-Schnellboote und ein Verteidigungsring zur dauerhaften Sicherung des Brückenkopfes sollten entstehen. Von diesem Verteidigungsring ausgehend sollte nach deren Landung so schnell wie möglich Kontakt zu den Marineinfanteristen bei Kap Gloucester aufgebaut werden.Kevin C. Holzimmer: General Walter Krueger. Unsung Hero of the Pacific War. 2007, S. 117. Die Schnellboote sollten von Arawe aus den japanischen Kleinschiffsverkehr an der Südküste Neubritanniens unterbinden und so die Verlegung von Truppen und Material über See verhindern.Samuel Eliot Morison: Breaking the Bismarcks Barrier. 2001, S. 372.

Gelände mini|Geländekarte des Gebiets um Arawe

Arawe und seine Umgebung liegen an der Südküste Neubritanniens, etwa 160 km von der Westspitze der Insel entfernt. Geographisch bestimmend ist das Kap Merkus, das in der L-förmigen Arawe-Halbinsel ausläuft. Mehrere kleinere Inseln, die als Arawe-Inseln bezeichnet werden, liegen südwestlich des Kaps.Gordon L. Rottman: World War II Pacific Island Guide. A Geo-Military Study. 2002, S. 186.

Ende 1943 war die Arawe-Halbinsel mit Kokospalmen bewachsen, die Teil der Amalut-Plantage waren. Weiter im Inland dominierte sumpfiges Terrain. Die Küstenlinie bestand an den meisten Abschnitten aus Kalksteinklippen, was Landungen nur in einem eingeschränkten Bereich ermöglichte.Henry I. Shaw, Douglas T. Kane: Isolation of Rabaul. 1963, S. 334. Ein kleines ungenutztes Flugfeld lag 6,4 km östlich der Halbinsel und ein Küstenweg erstreckte sich von Kap Merkus bis zum Fluss Pulie, wo er sich in einen an der Küste weiter und einen ins Inland führenden Weg aufteilte. Das Gelände westlich der Halbinsel war nicht erschlossen und bestand aus Dschungel und Sümpfen, was Truppenbewegungen erheblich erschwerte. Als am besten für die Landung geeignet wurden ein House Fireman genannter Strandabschnitt im Westen und die Küste bei dem Dorf Umtingalu im Osten der Halbinsel identifiziert.John Miller junior: CARTWHEEL. The Reduction of Rabaul. 1959, S. 283.

Vorlauf Planungen Die Alamo Force zeichnete verantwortlich für die Koordination der Pläne zur Invasion Westneubritanniens. Sie legte den 15. Dezember als Datum der Landung bei Arawe fest, da dieses als frühestmöglicher Zeitpunkt der Inbetriebnahme der Flugfelder um Nadzab auf Neuguinea galt, von wo aus Luftunterstützung geflogen werden sollte. Es lag darüber hinaus so weit in der Zukunft, dass es den geplanten Truppen genügend Zeit gab, sich ausreichend auf den Einsatz vorzubereiten.John Miller junior: CARTWHEEL. The Reduction of Rabaul. 1959, S. 274–275. Da er Arawe für nur schwach verteidigt hielt, entschied sich Krueger dafür, weniger Truppen einzusetzen als dies noch bei Gasmata geplant war. Die Einheit, die den Einsatznamen Director Task Force erhielt, wurde auf der Goodenough-Insel konzentriert, wo sie sämtliche nicht unmittelbar für die bevorstehenden Kämpfe benötigte Ausrüstung abgeben musste. Logistiker empfahlen den Angriffskräften, Verpflegung für 30 und Munition für drei Tage intensiver Kämpfe mitzuführen. Nach der Landung sollten die Vorräte auf 60 Tage Verpflegungsrationen und sechs Tage allgemeine Munition ohne solche für Flugabwehrgeschütze, deren Bevorratung zehn Tage betragen sollte, aufgestockt werden.John Miller junior: CARTWHEEL. The Reduction of Rabaul. 1959, S. 279. Die Landung sollte von schnellen Schiffen aus erfolgen, die schnell entladen werden konnten, um sich zügig von der Küste zurückzuziehen.Henry I. Shaw, Douglas T. Kane: Isolation of Rabaul. 1963, S. 335.

Der Befehlshaber der PT-Schnellboote im Südwestpazifik, Morton C. Mumma hielt die Errichtung eines Stützpunktes für seine Boote bei Arawe für unnötig, da er bereits über ausreichende Kapazitäten in der Region verfüge und die japanischen Küstentransporte in der Regel die Nordküsten nutzten. Er trug diese Einschätzung Barbey und Carpender vor, die ihm hiernach zustimmten. Sie beschlossen, dass anstelle dessen sechs Schnellboote jede Nacht von Dreger Harbor auf Neuguinea und Kiriwina aus entlang der Südküste östlich Arawes patrouillieren und bei Arawe selbst nur Anlagen zur Betankung der Boote im Notfall eingerichtet werden sollten.