Świebodzice [] (deutsch Freiburg in Schlesien) ist eine Stadt im Powiat Świdnicki der Woiwodschaft Niederschlesien in Polen.
Geographie mini|Stadtbild mit den barocken Türmen des Rathauses und der ehemals evangelischen Stadtkirche Die Stadt liegt im südwestlichen Niederschlesien, an der Polsnitz (), etwa zehn Kilometer nördlich von Wałbrzych (Waldenburg) und 60 Kilometer südwestlich von Breslau. Südlich liegt im Fürstensteiner Grund das Schloss Fürstenstein.
Geschichte Von der Stadtgründung bis zur frühen Neuzeit mini|Rathaus, erbaut 1790 mini|Ring
Das urkundlich erstmals 1242 erwähnte „Vriburg“ wurde vermutlich vor 1228 von Freyburg an der Unstrut aus gegründet. Sein Weichbild, zu dem u. a. die vor 1221 entstandenen Dörfer um Salzbrunn gehörten, war zunächst Schweidnitz unterstellt. 1243 besaß das Freiburger Burglehen Merbot von Czettritz (Czetteras). Für das Jahr 1268 ist eine Filialkirche belegt, die zur Pfarrkirche in Polsnitz gehörte.
Bis 1274/77 gehörte Freiburg zum Herzogtum Liegnitz und gelangte nach dessen Teilung 1278 an das Herzogtum Jauer. 1279 besaß Freiburg das Magdeburger Recht. Die herzogliche Burg wurde unter Herzog Bolko I., der von 1291 bis 1301 regierte, auf den günstiger gelegenen Fürstenstein verlegt. Er verlieh 1337 Freiburg das Privileg des Bierausschanks sowie das Meilenrecht über die Dörfer Zirlau, Adelsbach, Salzbrunn, Liebichau (Lubiechów), Sybottendorf und Kunzendorf (Mokrzeszów). Nach dem Tod des Herzogs Bolko II. 1364 gelangte Freiburg zusammen mit dem Herzogtum Schweidnitz-Jauer erbrechtlich an den noch minderjährigen böhmischen König Wenzel, der ein Sohn von Bolkos II. verstorbener Nichte Anna von Schweidnitz war. Allerdings stand Bolkos Witwe Agnes von Habsburg bis zu ihrem Tod 1392 ein Nießbrauch über das Herzogtum zu. Anschließend gelangte Freiburg, das eine Ackerbürgerstadt war, an die Burgherrschaft des Fürstensteins, der im Jahre 1400 vom späteren Landeshauptmann Jan von Chotěmice erworben wurde. Er stiftete 1412 der Stadt Freiberg ein Hospital.Hospital St. Johannes (polnisch)
Im 15. Jahrhundert wurde Freiburg mit einer Stadtmauer umgeben, in der sich das Schweidnitzer, das Nieder- bzw. Striegauer und das Ober- bzw. Bolkenhainer Tor befanden. Mit einem in Ofen ausgestellten Dokument erteilte der böhmische König Vladislav II. im Jahre 1492 der Stadt Freiburg die Genehmigung zur Abhaltung eines Jahrmarkts. Zusammen mit der Burg und Herrschaft Fürstenstein gelangte Freiburg 1509 an Conrad von Hohberg, der nachfolgend Landeshauptmann des Erbfürstentums Schweidnitz-Jauer wurde. 1510 erteilte König Vladislav II. die Erlaubnis zur Abhaltung eines Wochen- und Roßmarktes. 1528 nahmen die Freiburger das evangelische Glaubensbekenntnis an. Für das Jahr 1599 sind in Freiburg 20 Bäcker, 32 Züchner und 28 Schuhmacher belegt. Im Dreißigjährigen Krieg wurde Freiburg fast vollständig zerstört. 1653 wurde die Pfarrkirche, die seit der Reformation im 15. Jahrhundert als evangelisches Gotteshaus diente, den Katholiken zurückgegeben und die Evangelischen an die Schweidnitzer Friedenskirche verwiesen.
Schlesischer Krieg und Industrialisierung mini|1869 erbautes Empfangsgebäude des Freiburger Bahnhofs Nach dem Ersten Schlesischen Krieg fiel Freiburg 1742 mit dem größten Teil Schlesiens an Preußen. Schwere Schäden richtete 1781 ein Feuer an, wobei mehr als 300 Häuser, die Pfarrkirche und das Rathaus mit einem wertvollen Archiv zerstört wurden. Auf Befehl des Königs Friedrich II. wurde das Rathaus 1781 wieder aufgebaut. 1776 erhielten die evangelischen Gläubigen eine eigene Kirche. Mit den Preußischen Reformen von 1807/10 wurde Freiburg von der Grundherrschaft gelöst. 1816 wurde es in den Landkreis Schweidnitz eingegliedert, mit dem es bis 1945 verbunden blieb.
Zu einem wirtschaftlichen Aufschwung kam es mit der Inbetriebnahme der Eisenbahnverbindung Breslau–Schweidnitz–Freiburg, die 1844 eröffnet und 1853 bis Waldenburg und Hirschberg verlängert wurde. 1869 wurde das Bahnhofsgebäude erbaut. Bereits 1809 war die Leinwandfabrik Karl Friedrich Kramsta gegründet worden und ab Mitte des 19. Jahrhunderts entwickelte sich die Uhrenfabrikation (Gustav Becker). Von 1860 bis 1890 war Freiburg Garnisonstadt. Bedeutung erlangte auch das Schulwesen: 1873 bestand eine höhere Bürgerschule, ab 1903 eine Oberrealschule und ab 1938 eine Oberschule.
20. Jahrhundert
Um 1910 hatte Freiburg unter anderem eine evangelische Pfarrkirche, eine katholische Pfarrkirche, eine Oberrealschule, eine gewerbliche und kaufmännischen Fortbildungsschule, ein Lyzeum, zwei Krankenhäuser, ein Theater, drei Bankhäuser, eine Bahnmeisterei, Getreide-, Holz- und Lederhandel, Fabrikation von Dachsteinen, Essig, Kunssteinen, landwirtschaftlichen Maschinen, Leder, Likör, Papiermaché, Uhrengehäusen, Seife und Uhren sowie eine Brauerei, eine Spiritusbrennerei, Gerbereien, eine Molkertei, eine Mühle, Holzsägewerke, eine Spinnerei und eine Ziegelei.Freiburg, Stadt, an der Polsnitz, Kreis Schweidnitz, Regierungsbezirk Breslau, Provinz Ostpreußen, mit Eintrag aus Meyers Orts- und Verkehrslexikon, Ausgabe 1912, sowie einer historischen Landkarte der Umgebung von Freiburg (meyersgaz.org).
Von etwa 1944 bis 1945 befand sich in Freiburg ein Außenlager des KZ Groß-Rosen.
Bis zum Jahr 1945 gehörte Freiburg zum Landkreis Schweidnitz im Regierungsbezirk Breslau der preußischen Provinz Niederschlesien des Deutschen Reichs.
Nach Ende des Zweiten Weltkriegs kam der Ort an Polen. Freiburg erhielt den polnischen Ortsnamen Świebodzice. Die deutsche Bevölkerung wurde zum größten Teil von der örtlichen polnischen Verwaltungsbehörde vertrieben. Die neu angesiedelten Bewohner waren teilweise Zwangsumgesiedelte aus Ostpolen, das an die Sowjetunion gefallen war.
Von 1975 bis 1998 gehörte Świebodzice zur Woiwodschaft Wałbrzych (Waldenburg).
Am 8. April 2017 starben beim Einsturz eines dreistöckigen Wohnhauses in der Altstadt sechs Menschen. Ursache war aller Wahrscheinlichkeit nach eine Gasexplosion. Rund 140 Helfer von Feuerwehr und Katastrophenschutz waren im Einsatz, die Opfer zu retten und zu bergen.Bericht über die Rettungs- und Bergungsmaßnahmen nach dem Einsturz eines Wohnhauses; veröffentlicht und abgerufen am 9. April 2017; (polnisch)
Demographie + Bevölkerungsentwicklung bis 1945 Jahr Einwohner Anmerkungen 1803 1529 Stadt, mit Kalkbrüchen und GarnmärktenAlexander August Mützell und Leopold Krug: Neues topographisch-statistisch-geographisches Wörterbuch des preussischen Staats. Band 5: T–Z, Halle 1823, S. 280–287, Ziffer 169 (Google Books). 1810 1340 1816 1578 davon 1455 Evangelische und 123 Katholiken 1821 1797 1829 1915 darunter 295 Katholiken; Stadt mit Mauern, drei Toren und drei Vorstädten, mit 124 Häusern innerhalb der Stadt und 123 Häusern vor der Stadt, einer evangelischen Pfarrkirche und einer katholischen Pfarrkirche, vom Volk Freiberg genanntJohann Georg Knie: Alphabethisch-Statistisch-Topographische Uebersicht aller Dörfer, Flecken, Städte und andern Orte der Königl. Preuß. Provinz Schlesien, mit Einschluß des jetzt ganz zur Provinz gehörenden Markgrafthums Ober-Lausitz und der Grafschaft Glatz; nebst beigefügter Nachweisung von der Eintheilung des Landes nach den verschiedenen Zweigen der Civil-Verwaltung. Graß, Barth und Comp., Breslau 1830, S. 924 (Google Books). 1843 3289 am Jahresende, davon 2608 Evangelische, 675 Katholiken und sechs Juden; Stadt mit Mauern, drei Toren und drei Vorstädten und einer evangelischen Pfarrkirche, mit 124 Häusern in der Stadt und 132 Häusern vor der Stadt; nachdem die evangelische Pfarrkirche an die Katholiken abgetreten worden war, fand am 10. Dezember 1741 am 2. Adventstag mit Erlaubnis Friedrich II. wieder der evangelische Gottesdienst in der sogenannten Laube, seit 1742 im Rathaus stattJohann Georg Knie: Alphabetisch-statistisch-topographische Uebersicht der Dörfer, Flecken, Städte und andern Orte der Königl. Preuß. Provinz Schlesien, nebst beigefügter Eintheilung des Landes nach den Bezirken der drei Königlichen Regierungen, den darin enthaltenen Fürstenthümern und Kreisen, mit Angabe des Flächeninhaltes, der mittleren Erhebung über der Meeresfläche, der Bewohner, Gebäude, des Viehstandes u.s.w. 2. Auflage, Breslau 1845, S. 815 (Google Books). 1852 5249 StadtTopographisch-statistisches Handbuch des Preußischen Staats (Kraatz, Hrsg.). Berlin 1856, S. 160 (Google Books). 1875 7821 1880 8348 1890 8991 davon 6291 Evangelische, 2539 Katholiken und 73 Juden 1900 9917 davon 2827 Katholiken und 48 JudenMeyers Großes Konversations-Lexikon. 6. Auflage, Band 7, Leipzig/Wien 1907, S. 58. 1910 8763 Stadt mit einer evangelischen und einer katholischen PfarrkircheFreiburg, Stadt, an der Polsnitz, Kreis Schweidnitz, Regierungsbezirk Breslau, Provinz Ostpreußen, mit Eintrag aus Meyers Orts- und Verkehrslexikon, Ausgabe 1912, sowie einer historischen Landkarte der Umgebung von Freiburg (meyersgaz.org). 1933 9137 1939 9306
+ Bevölkerungsentwicklung seit 1946 Jahr 2004 2019 Einwohner 23.233 22.793
Sehenswürdigkeiten mini|Erhaltene Reste der mittelalterlichen Stadtbefestigung aus dem 15. Jahrhundert mini|St.-Peter-und-Paul-Kirche Die Pfarrkirche St. Nikolaus (polnisch Kościół św. Mikołaja) wurde erstmals 1228 erwähnt und mehrmals erweitert und umgebaut. Nach einem Brand 1774 wurde sie 1811 neu errichtet. Hauptaltar und Kanzel entstanden um 1850, die Seitenaltäre und die Orgel nach 1811. Das Taufbecken stammt aus dem 17. Jahrhundert. Im Süden befindet sich die Kapelle der Familie von Hochberg mit deren Familienwappen über dem Eingang, im Norden die Heilig-Grab-Kapelle. Die Pfarrkirche St. Peter und Paul (Kościół Świętych Apostołów Piotra i Pawła) wurde um 1780 nach Entwurf des Architekten Christian Friedrich Schultze als evangelisches Gotteshaus errichtet. Heute dient sie als Römisch-katholische Kirche. Das Freiburger Rathaus (polnisch Ratusz w Świebodzicach) entstand um 1790 im Stil des Frühklassizismus, ebenfalls nach Entwurf von Christian Friedrich Schultze. Reste der nach 1421 errichteten Stadtmauer. Südwestlich der Stadt liegt Schloss Fürstenstein (polnisch Zamek Książ) bei der etwa vier Kilometer langen Fürstensteiner Grund genannten Schlucht. Das Empfangsgebäude des Freiburger Bahnhofs (polnisch stacja kolejowa Świebodzice) wurde 1869 als ein neugotischer Ziegelbau errichtet. Es wurde 2012 komplett saniert. Die Pfarrkirche St. Franziskus von Assisi (polnisch Kościół św. Franciszka z Asyżu w Świebodzicach) im Stadtteil Ciernie, beherbergt ein gotisches Sakramentshaus, ein gotisches Triptychon, mittelalterliche Fresken und, in ländlichen Kirchen Schlesiens fast einzigartig, Spuren eines Lettner. Die Kirchenruine St. Anna aus dem 12. bis 13. Jahrhundert gilt als ältester Sakralbau Freiburgs.
Partnerstädte Waldbröl (Deutschland) seit 1996 Marjina Horka (Belarus) seit 2000 Jilemnice (Tschechien) seit 2001
Persönlichkeiten Söhne und Töchter der Stadt Martin Kirschner (1842–1912), Oberbürgermeister von Berlin Alfred Zucker (1852–1913), Architekt Otto Werner (1854–1923), Gartenarchitekt und Stadtgärtner von Chemnitz Hans von Kessel (1867–1945), preußischer Generalmajor Emil Krebs (1867–1930), Sinologe und Sprachengenie Oskar Kutzner (1882–1951), deutscher Pädagoge, Psychologe und Hochschullehrer Hans Blüher (1888–1955), Schriftsteller und Philosoph Paul Fleischmann (1889–1965), Politiker Conrad Kleiner (1890–1964), lutherischer Geistlicher und Theologe Robert Gärtner (1894–1951), Agrarwissenschaftler Ernst Uranowski (1906–?), Parteifunktionär (NSDAP) Günther Reichardt (1909–1979), deutscher Bibliothekar Wilhelm Verlohr (1909–1989), Kapitän zur See der Bundesmarine Konrad Ullmann (1917–1967), Waffenhistoriker Herbert Berger (1919–1992), Bergmann und Schriftsteller Johannes Otto (1922–1994), Journalist Dieter Eberle (1927–1994), Journalist Günter Hepper (1931–2022), Hochschullehrer für Seevölkerrecht/Fischereirecht in Rostock Walter Flegel (1934–2011), Schriftsteller