Stellingen ist ein Stadtteil im Bezirk Eimsbüttel der Freien und Hansestadt Hamburg. Langenfelde gehört ebenfalls zum Stadtteil Stellingen.
Geschichte Der Name Stellingen leitet sich wahrscheinlich von der Ortsgründung durch einen Mann namens Stallo ab, einem altgermanischen Mannesnamen. Nach einer anderen Deutung führt der Name auf die ostfriesische Bezeichnung für einen Gerichtsstuhl zurück.Horst Beckershaus: Die Namen der Hamburger Stadtteile. Woher sie kommen und was sie bedeuten, Hamburg 2002, ISBN 3-434-52545-9, S. 119.
Steinzeitliche Funde von 1937, darunter eine Rengeweihhacke und mehrere Gefäßscherben von Urnenfriedhöfen aus der Eisenzeit, weisen auf die frühe Besiedlung Stellingens hin.
Urkundlich erwähnt wurde Stellingen (Stelling) aber erst 1347 in den Eppendorfer Kirchenbüchern. 1460 verzichtete die Pinneberger Grafschaft auf holsteinische Erbansprüche. Stellingen wurde ab 1640 dänisch und hatte unter dem Dreißigjährigen Krieg und den späteren Kriegen Dänemarks zu leiden. Ab den 1730er-Jahren verwalteten Mitglieder der Familie Kölln als Vögte den Ort; ihr Sitz lag auf dem Hof „Vogthufe“ in der heutigen Vogt-Kölln-Straße. 1777 ließ der dänische König Christian VII. eine Zollstation an der heutigen Kieler Straße errichten. Zu dieser Zeit erfolgte auch die erste Nennung Langenfeldes. Die Kieler Straße wurde 1830 bis 1832 zur Chaussee ausgebaut. Erster hauptamtlicher Gemeindevorsteher Stellingens war ab 1882 der Stellmachermeister Joachim Wördemann, zu dessen Ehren der „Wördemanns Weg“ benannt ist.
In der Folge des Deutsch-Dänischen Krieges 1867 fiel Stellingen an die preußische Provinz Schleswig-Holstein. Mit der Eingemeindung von Stellingen-Langenfelde nach Altona endete 1927 deren „Unabhängigkeit“. Durch das Groß-Hamburg-Gesetz von 1937 wurde Altona ein Bezirk und Stellingen ein Stadtteil von Hamburg. Seit 1951 gehört Stellingen zum Bezirk Eimsbüttel.
Wichtige Erwerbsquelle der Stellinger Bauern war zu dieser Zeit der Milch- und Butterhandel. Die „Bodderbuern“ zogen mit ihren Planwagen über das Land und tauschten ihre Milchprodukte gegen Geflügel, Schinken und Würste ein. Die weiblichen Familienmitglieder hingegen verkauften die Milchprodukte in den Städten Altona und Hamburg.
mini|Stellinger Kirche in der Molkenbuhrstraße zu Anfang des 20. Jahrhunderts (1908 oder später), 1943 zerstört und nach dem Krieg durch ein neues Kirchengebäude ersetzt
1875 wurde von der erstmals auf Grundlage der schleswig-holsteinischen Gemeindeverfassung gewählten Gemeindevertretung die Zustimmung zum Bau einer Straßenbahn gegeben, die Stellingen auf der Strecke Kieler Straße mit Altona und Eidelstedt verbinden sollte. 1907 öffnete der bekannte Hagenbecks Tierpark. 1921 begann der Bau der „Gartenstadt Langenfelde“ auf dem Gebiet einer ehemaligen Ziegelei durch die „Siedlungsgemeinschaft für Kriegsversehrte“.
Während des Zweiten Weltkriegs wurden in Langenfelde ca. 38 Prozent der Gebäude zerstört.
Der Stadtteil ist stark durch Verkehrsachsen geprägt. Im Rahmen einer „Stadtteilreparatur“ wurde der Hamburger Deckel in einer Länge von 900 Metern auch über den Autobahnabschnitt von der Anschlussstelle Stellingen bis zur nördlichen Güterumgehungsbahn gebaut. Bis zum Sommer 2024 soll der Deckel begrünt sein.
Nach der bereits erfolgten Verlagerung des Sportplatzes zwischen Sportplatzring, Basselweg und Stellinger Steindamm wird dort mit 700 Wohnungen die sogenannte „Neue Mitte Stellingen“ entstehen. Als Teil des neuen Quartiers entstehen am Sportplatzring insgesamt 9 Wohngebäude der SAGA, die am Standort erste Vorhaben vollendet hat: Im Mai 2020 wurden 55 Wohnungen und eine Kita übergeben sowie im Februar 2022 weitere 123 Wohnungen und drei Gewerbeeinheiten. Die SAGA Unternehmensgruppe und das Bauunternehmen Peter Ahrens haben im April 2023 den Grundstein für 153 Wohnungen am Sportplatzring gelegt. Das Quartier am Sportplatzring soll spätestens ab Mitte 2027 weiter erweitert werden: 230 weitere Wohnungen sollen folgen, darunter 57 geförderte. Daneben sind ein Supermarkt sowie ein Stadtteilhaus geplant, in dem Platz für das „Haus der Jugend“ (Umzug aus dem alten Gebäude), einen großen Veranstaltungssaal, Räume für offene Seniorenarbeit, die Hamburger Kinder- und Jugendhilfe, Angebote der Familienförderung, den Bürger- und Heimatverein Stellingen sowie das zukünftige Quartiersmanagement Mitte Stellingen sein soll.
Perspektivisch soll hier auch die Haltestelle der noch im Planungsstadium befindlichen Linie 5 der U-Bahn gebaut werden.
Statistik (Quelle: Hamburger Stadtteil-Profile: Berichtsjahr 2023)
Anteil der unter 18-Jährigen: 15,7 % [Hamburger Durchschnitt: 16,8 % (2023)] Anteil der über 64-Jährigen: 17,6 % [Hamburger Durchschnitt: 17,8 % (2023)] Ausländeranteil: 22,8 % [Hamburger Durchschnitt: 20,7 % (2023)] Anteil von Leistungsempfängern nach SGB II: 9,1 % [Hamburger Durchschnitt: 10,0 % (2023)] Arbeitslosenquote: 6,1 % [Hamburger Durchschnitt: 6,2 % (2023)]
Das durchschnittliche Einkommen je Steuerpflichtigen beträgt in Stellingen 40.393 Euro jährlich (2020), der Hamburger Gesamtdurchschnitt liegt bei 48.035 Euro.
Politik Für die Wahl zur Hamburgischen Bürgerschaft gehört Stellingen zum Wahlkreis Stellingen – Eimsbüttel-West.
Bürgerschaftswahl SPD Grüne CDU Linke AfD FDP Übrige202533,4 %21,5 %15,6 %12,8 %6,3 %1,6 %8,8 %202039,4 %26,9 %8,5 %10,6 %4,6 %3,5 %6,4 %201549,0 %13,8 %12,3 %9,3 %5,2 %5,7 %4,8 %201151,9 %11,9 %18,1 %6,4 % –5,2 %6,5 %200836,9 %9,4 %39,4 %6,4 % –4,3 %2,5 %200433,0 %11,0 %45,5 % – –2,7 %7,3 %200138,2 %7,9 %25,7 %0,7 % –4,1 %23,6 %
Bei Bezirksversammlungswahlen gehört der Stadtteil zum gleichnamigen Wahlkreis Stellingen. Bei Bundestagswahlen zählt Stellingen zum Bundestagswahlkreis Hamburg-Eimsbüttel.
Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|Ehemaliges Eingangsportal von Hagenbecks Tierpark mini|Stellinger Wasserturm mini|Fazle-Omar Moschee (1989)
Tierpark und sonstige Parks Weit über die Stadtteilgrenzen hinaus ist Hagenbecks Tierpark mit seinem denkmalgeschützten Tor bekannt, das allerdings mittlerweile kein Eingang mehr ist. Der neue Eingang befindet sich in unmittelbarer Nähe der Haltestelle Hagenbecks Tierpark der Linie U2 der Hamburger U-Bahn.
Nördlich von Hagenbecks Tierpark gibt es in Stellingen die sogenannte „Stellinger Schweiz“, korrekt eigentlich „Stellinger Feldmark“ (), ein hügeliges Gebiet mit ländlichem Charakter. Dort gewinnen die Hamburger Wasserwerke Trinkwasser. Die Wiesen beim Sportpark Eimsbüttel und beim Tierpark heißen „Stadtpark Eimsbüttel“.
Bauwerke Das architektonisch interessante ehemalige Rathaus von 1912 (). Der Wasserturm von 1912 – zum Wohnhaus umgebaut. „Haus Göttsche“, Restaurant- und Wohnhaus von 1928, Kieler Straße/Ecke Dörpkamp von Konstanty GutschowHartmut Frank: Die Moderne des Konstanty Gutschow. In: Architektur in Hamburg: Jahrbuch 2023/24. Junius Verlag, Hamburg 2023, ISBN 978-3-96060-564-5, S. 189. Eine dem heiligen Prokop geweihte russisch-orthodoxe Kirche. Die Fazle-Omar-Moschee wurde am 22. Juni 1957 in der Wieckstraße eröffnet. Sie ist die zweitälteste Moschee in Deutschland und der erste Moscheeneubau nach dem Zweiten Weltkrieg. Werner Kallmorgen errichtete 1963 ein kleines Ladenzentrum an der Einmündung der Alten Volksparkstraße in die Kieler Straße. Es befindet sich in einem sehr schlechten Zustand und wurde 2017 an einen Investor verkauft.Sabine Kock: (K)eine Frage der Bedeutungslosigkeit. In: DAB Regional. Regionalausgabe Hamburg.Schleswig-Holstein, Offizielles Organ der Hamburgischen Architektenkammer und der Architekten- und Ingenieurkammer, 04/2018, S. 10–13.Schandfleck in Hamburg - Was nun geplant ist, in Hamburger Abendblatt. 4. Mai 2023, S. 12.Genevieve Wood: Schandfeck in Stellingen: Was mit den Glaskästen passiert. In: Hamburger Abendblatt. 22. Januar 2024. Der Komplex soll abgerissen werden. Politisch ist aber die Höhe der Nachfolgebauten umstritten. Ein markantes Eislaufzelt von Jörg Schlaich. Wegen Einsturzgefahr ist diese Eislaufbahn seit Ende 2025 allerdings gesperrt. Neubau Gemeindezentrum der Ev.-Luth. KirchengemeindeHannah Sofie Wietzke: Gemeindezentrum in Stellingen. In: Architektur in Hamburg: Jahrbuch 2021/22. Junius Verlag, Hamburg 2021, ISBN 978-3-96060-535-5, S. 74–77.
Sport Zwischen der Hagenbeckstraße, der Koppelstraße und den Gleisen der U-Bahn befindet sich der Sportpark Eimsbüttel. Dort gibt es zwei Rasen-Fußballplätze, einen mit Tribünen. Aktuell (2023/24) tragen dort der Eimsbütteler TV und die zweite Mannschaft des HSV (beide Regionalliga) ihre Heimspiele aus. Auch das ehemalige Bundesliga-Frauenteam des HSV und der Verein Camlica Genclik waren im Sportpark zu Hause. Außerdem gibt es ein Eislauf- und Radstadion, das ein markantes Zeltdach hat, die Squashanlage Sportwerk Hamburg, Heimspielstätte der Bundesligamannschaft von Sportwerk Hamburg Walddörfer, sowie die Tennisanlage des Vereins Grün-Weiss Eimsbüttel.
Historisch war der HSV-Vorläufer Falke 06 ein Stellinger Verein, zeitweise auch Union 03 (von 1909 bis 1913 an der Kieler Straße), später traten untere und Jugendmannschaften des ESV, eines Vorläufers von Grün-Weiß Eimsbüttel, im Sportpark an.
Am Sportplatzring lag das Stellinger Stadion () mit zwei Hartplätzen und einem Rasenplatz. 2017 wurde der Sportplatz zur Vogt-Kölln-Straße verlegt. Hier tragen die Mannschaften des TSV Stellingen 88, des SV West-Eimsbüttel und des HFC Falke ihre Punktspiele aus.
Außerdem gibt es zwei Regionalsporthallen in Stellingen, zu einem die Sporthalle Wegenkamp und die Sporthalle Hagenbeckstraße in der Gesamtschule Stellingen, in denen diverse Vereine aus dem Stadtteil trainieren und ihre Punktspiele und Turniere austragen.
Auf der Fläche unter der Autobahn A7 (Langenfelder Brücke) am Rohlfsweg soll eine Skateanlage gebaut werden. Baubeginn soll noch 2026 sein.
Friedhof Der Stellinger Friedhof gehört der Evangelisch-Lutherischen Kirchengemeinde Stellingen und liegt an der Ecke Molkenbuhrstraße / Johann-Wenth-Straße. Es können unabhängig vom Wohnort Verstorbene aller Konfessionen beerdigt werden.
Wirtschaft und Infrastruktur Ansässige Unternehmen Der Hygiene-Spezialist Bode Chemie hat hier seinen Firmensitz, ebenso nach Umzug die Langebartels & Jürgens Druckereigesellschaft mbH.
Außerdem hat die IKK Hamburg, heute eine der Hauptverwaltungen der IKK classic, direkt an der Autobahnanschlussstelle Stellingen ihren Sitz.
Einer der drei Hauptstandorte des TÜV Nord in Deutschland befindet sich in Hamburg-Stellingen.
Verkehr mini|S-Bahn-Haltepunkt Stellingen In Stellingen liegen die S-Bahn-Stationen Hamburg-Eidelstedt, Hamburg-Stellingen und Hamburg-Langenfelde an der Bahnstrecke Hamburg-Altona–Kiel. Die beiden erstgenannten wurden bis zur Fußball-Weltmeisterschaft 2006 umgebaut, bei der einige Spiele im benachbarten Volksparkstadion in Bahrenfeld stattfanden. Ferner liegt der nur zu betrieblichen Zwecken genutzte Bahnhof Hamburg-Stellingen an der Bahnstrecke Hamburg-Altona–Neumünster.
Unmittelbar hinter der Stadtteil-Grenze zu Lokstedt befindet sich der U-Bahnhof Hagenbecks Tierpark der Linie U2.
An der Grenze zum Stadtteil Eidelstedt verläuft die Güterumgehungsbahn Hamburg einspurig auf einem Damm.
An der Autobahn-Anschlussstelle Hamburg-Stellingen zweigen die Bundesstraßen 4 und 5 von der Bundesautobahn 7 ab. Die Kreuzung Kieler Straße/Sportplatzring zählt zu den am stärksten befahrenen Knotenpunkten Hamburgs.
Feuerwehr mini|Wehrwappen der Freiwilligen Feuerwehr Hamburg-Stellingen F1931