mini|Leo Rauth: Porträt Aline Sanden als Carmen Aline Sanden, geborene Emilie Alwine Kelch (* 26. November 1876 in Berlin;Standesamt Berlin VIIa, Geburtsurkunde Nr. 5562 vom 30. November 1876 (Landesarchiv Berlin) † 8. Mai 1955 in Berlin), war eine deutsche Opernsängerin (Sopran) und Librettistin.

Leben mini|Aline Sanden und ihr Mann Otto Wilhelm Lange vor ihrem Haus Niebelheim Die Tochter des aus dem ostpreußischen Seeburg stammenden Schlossers Franz Kelch (1852–1936) und dessen erster, aus Elbing gebürtigen Ehefrau Emilie Wilhelmine, geborene Grabowsky (1852–1879), kam im Berliner Stadtteil Friedrichshain zur Welt.

Sie erlernte den Beruf einer Schneiderin und sammelte erste Erfahrungen an Berliner Operetten- und Kleinkunstbühnen, bevor sie Gesangsunterricht von Clara Albrecht-Fraude und Valeska von Facius in Berlin erhielt.

Nach ihrem Debüt 1899 als Koloratursopranistin in Berlin folgten Anstellungen am Stadttheater von Plauen, an der Kölner Oper (1906–1908) und der Wiener Volksoper (1908/09), bevor sie 1909 durch den Dirigenten Arthur Nikisch als dramatischer Sopran an das Opernhaus in Leipzig berufen wurde, dem sie 12 Jahre bis 1922 angehörte.

Während dieser Zeit feierte sie größte Triumphe auch außerhalb Deutschlands. So verhalf sie als Salome der gleichnamigen Strauss-Oper in Kopenhagen und in London zum Durchbruch. 1913 trat sie erstmalig im Rosenkavalier als Octavian auf die Bühne und stellte ihre Konkurrentinnen Eva von der Osten, Hermine Bosetti und Sophie Wolf aufgrund ihrer stimmlichen, aber insbesondere aufgrund ihrer darstellerischen Fähigkeiten in den Schatten.

Aline Sanden verfügte über ein beeindruckendes Repertoire. Sie beherrschte unter anderem die wichtigsten Verdi und Wagner Rollen ihres Fachs. Neben Salome, Octavian und Elektra feierte sie insbesondere als Carmen und Kundry große Erfolge und lieferte ergreifende Interpretationen in den Rollen der Dalila und Nedda.

Sanden hatte durch ihre emotionale, lebensnahe und hocherotische Darstellung unter den führenden dramatischen Sopranistinnen ihrer Zeit eine besondere Stellung inne. Aufgrund ihres großen Erfolges verbrachte sie die Jahre 1921 bis 1923 ausschließlich auf internationalen Gastspielreisen, die sie nach Wien, London, Paris, Amsterdam, Brüssel und in die USA führten.

Nach einer Saison an der Großen Volksoper in Berlin wechselte sie 1924 an die Münchner Staatsoper, wo sie 1930 von der Bühne abtrat, um anschließend als Musikpädagogin in ihrer Geburtsstadt zu arbeiten. Dort gab sie noch 1948 einen Liederabend.Führer durch die Konzertsäle Berlin vom 21. – 30.Juni 1948 Aline Sanden starb in ihrem 79. Lebensjahr an den Folgen einer Tumorerkrankung im Waldkrankenhaus Spandau.Standesamt Berlin-Spandau I, Sterbeurkunde Nr. 930 vom 9. Mai 1955 für Emilie Alwine Flick (Landesarchiv Berlin) Die Trauerfeier fand am 13. Mai 1955 im Krematorium Wilmersdorf statt. Vgl. Traueranzeige im Berliner Tagesspiegel, Nr. 2939, vom 11. Mai 1955, S. 7

Aline Sanden war drei Mal verheiratet. In erster Ehe mit dem Dramaturgen und späteren Direktor der Berliner Großen Volksoper Otto Wilhelm Lange (1884–1975), in zweiter Ehe mit dem Bariton Walter Soomer und von 1927 bis 1938 in dritter Ehe mit dem Komponisten Charles Flick-Steger.

Werke 1920 verfasste sie mit dem Komponisten Lukas Böttcher die Oper Salambo nach dem gleichnamigen Roman von Gustave Flaubert, welche im gleichen Jahr im Landestheater Altenburg ihre Uraufführung hatte.Klaus Ley: Flauberts "Salammbô" in Musik, Malerei, Literatur und Film. Tübingen 1998, ISBN 3-8233-5185-0, S. 189–197. (online auf: Google Books.) Vorher hatte sie schon das Textbuch zur Operette Die wilde Komtesse des dänischen Komponisten Emil Robert-Hansen verfasst.Franz Stieger: Opernlexikon. Teil III (Librettisten), Band 3, Tutzing 1981, ISBN 3-7952-0319-8. Sie wurde 1913 in Eisenach uraufgeführt.Opera Composers: H stanford.edu Für ihren Mann schrieb sie 1935 das Libretto zur 1936 in Krefeld uraufgeführten Oper Leon und Edrita nach dem Lustspiel Weh dem, der lügt! von Franz Grillparzer.John London: Theatre Under the Nazis. New York u. a. 2000, ISBN 0-7190-5991-7, S. 172.

Auszeichnungen 1911: Silberne Medaille für Kunst und Wissenschaft des Großherzogs von Sachsen-Weimar 1917: Ernennung zur Kammersängerin durch den Großherzog von Sachsen-Coburg

Kritiken

Tondokumente mini|Frühe Schallplatte von Aline Sanden (Berlin 1908) Die ersten Aufnahmen von Aline Sanden entstanden 1908 in Berlin für Homokord und Odeon (Ensembleszenen), 1910 folgten Edison-Walzen, schließlich Schallplatten für Pathé (Berlin 1913), Grammophon Berlin 1921 (teilweise als Polyphon erschienen), Homocord (Berlin 1924) und Odeon (Berlin 1926).

Der Katalog des Musikarchivs bei der DNB verzeichnet 14 Titel von Sanden: Beispiele: 1. Schallplatte „Grammophon“

19 023 / B 64017 (mx. 197 av) Eines Tages sehen wir, aus “Madam Butterfly” (Puccini)

19 026 / B 64021 (mx. 290 av) Habanera aus “Carmen” (Bizet)

Aline Sanden, Kammersängerin, Stadttheater Leipzig. Deutsch. Sopran.

2. Homocord

B. 8179 (mx. M 50 923) [im wax: C26C ; A13 5 24] Romanze der Santuzza „Als euer Sohn einst fortzog“ aus „Cavalleria rusticana“ von Mascagni.

B. 8179 (mx. M 50 924) [im wax: C26C ; A11 12 24] Gebet der Tosca: „Nur der Schönheit weiht' ich mein Leben“ aus „Tosca“ von Puccini.

Kammersängerin Aline Sanden, Sopran. Begleitung: Deutsches-Opernhaus-Orchester. Kapellmeister Ignatz Waghalter.

3. Polyphon Record

30 900 / 3912 (mx. 382 at) Nützet die schönen Jugendtage. Gavotte aus „Manon“ von Massenet.

30 900 / 3913 (mx. 383 at) Nur der Schönheit weiht ich mein Leben, aus „Tosca“ von Puccini.

Aline Sanden.

4. Pathé

55 563 (mx. D 686) Frühlingsglaube (Schubert), aufgen. 1913

Aline Sanden

Wiederveröffentlichung:

Audio-CD Aline Sanden (13 Titel + 6 Titel gesungen von Zinaida Jurjevskaja). Label: Preiser Records/Lebendige Vergangenheit Nr. 89196 (Wien 1999).Preiser Records

Literatur Sanden, Aline. In: Hedwig und Erich H. Mueller von Asow: Kürschners Deutscher Musiker-Kalender 1954. de Gruyter, Berlin 1954, Sp. 1108 Sanden, Aline. In: Karl-Josef Kutsch, Leo Riemens, Hansjörg Rost: Großes Sängerlexikon. Vierte, erweiterte und aktualisierte Auflage. K. G. Saur, München 2003, ISBN 3-598-11598-9 (7 Bände). S. 4122 Sanden, Aline. In: Deutsche Biographische Enzyklopädie. Band 8, S. 693. (Auszug bei Google Books)

Fotogalerie

Weblinks

Biographie Aline Sanden auf Opera Vivra (englische Sprache) Stadtgeschichtliches Museum Leipzig: Sammlung Rollenfotos Aline Sanden

Einzelnachweise

Kategorie:Sopran Kategorie:Opernsänger Kategorie:Kammersänger Kategorie:Autor Kategorie:Literatur (Deutsch) Kategorie:Librettist Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1876 Kategorie:Gestorben 1955 Kategorie:Frau