mini|Julius LeBlanc Stewart: Les Dames Goldsmith au bois de Boulogne en 1897 sur une voiturette mini|Alice Ramsey mit Margate Atwood, Nettie Powell und Hermine Jahns vor ihrer historischen Fahrt durch die USA 1909 Frauen in der Automobilgeschichte befasst sich mit dem Einfluss von Frauen in der Geschichte des Automobils. Auch wenn Bertha Benz 1888 im Benz Patent-Motorwagen Nummer 3 ihres Mannes Carl Benz die erste Überlandfahrt der Geschichte unternahm, so gab es zu Beginn des automobilen Zeitalters zunächst nur wenige Frauen, die Auto fuhren. Da der Anteil der autofahrenden Frauen kontinuierlich ansteigt, stellen sich die Hersteller darauf ein, dass Frauen andere Autos als Männer bevorzugen und andere Ansprüche an das Design stellen.

Geschichte Die frühen Fahrerinnen mini|hochkant|Bertha Benz (um 1871) mini|hochkant|Anne d’Uzès (um 1896) Im Jahr 1888 unternahm Bertha Benz zusammen mit ihren Söhnen Eugen und Richard im Benz Patent-Motorwagen Nummer 3 ihres Mannes Carl Benz die erste Überlandfahrt der Geschichte. Sie fuhr 106 Kilometer von Mannheim nach Pforzheim und drei Tage später auf einer anderen Route zurück. Es war nicht nur die erste Autofahrt einer Frau, sondern die erste Überlandfahrt mit einem Auto überhaupt. Das erregte enorme Aufmerksamkeit und trug wesentlich zum Durchbruch der Erfindung bei.bertha-benz.de Die erste Fernfahrt mit einem Automobil in der Geschichte der Menschheit. (abgerufen am 11. November 2013). Nach Bertha Benz ist die Bertha Benz Memorial Route benannt.

Die französische Herzogin Anne d’Uzès, die im April 1898 eine Führerscheinprüfung ablegte, war die Erste, die ein Strafmandat für zu schnelles Fahren erhielt. Anstatt der erlaubten 12 km/h fuhr sie im Bois de Boulogne bei Paris 13 km/h. Frau und Auto. Die Institutionalisierung (abgerufen am 11. November 2013).

In der Pionierzeit des Automobils war es meist Männern vorbehalten, Auto zu fahren. Die „Herrenfahrer“ prägten den öffentlichen Diskurs um die Durchsetzung von Automobilität.

Der 1898 gegründete Österreichische Automobil-Club akzeptierte Frauen nur als „außerordentliche Mitglieder“, dennoch waren 1909 von den 1145 Mitgliedern 59 Frauen.Roman Sandgruber: „Frauen in Bewegung“. Verkehr und Frauenemanzipation. In: Emil Brix, Lisa Fischer (Hrsg.): Die Frauen der Wiener Moderne. Oldenbourg u. a., München u. a. 1997, ISBN 3-486-56290-8, S. 53–63. 1907 listete die Wiener Polizeidirektion 16 Frauen, die ein eigenes Auto angemeldet hatten, 1912 gab es 25 amtlich geprüfte Automobilistinnen im Vergleich zu 7275 geprüften Männern.

Ein gesetzliches Verbot für Frauen, den Führerschein zu erwerben, gab es nicht.Saudi-Arabien verbietet – als einziges Land der Welt – seit 1990 Frauen das Autofahren →. Als Protestaktion gegen das Fahrverbot steuerten mehrere saudi-arabische Frauen ein Auto. Der Österreichische Verfassungsgerichtshof entschied 1926, dass Frauen berechtigt seien, Taxi zu fahren, da „ein Grund zur Nichtzulassung von Personen weiblichen Geschlechtes zum Platzwagenlenkerdienst … aus der Natur des weiblichen Geschlechtes nicht abgeleitet werden“ könne.Aufhebung einer Bestimmung der Wiener Verordnung, betreffend das Beziehen von Standplätzen durch weibliche Kraftwagenlenker mangels gesetzlicher Grundlage. Verstoß gegen den Gleichheitsgrundsatz. Ungerechtfertigte unterschiedliche Behandlung der Geschlechter. Erk. v. 20. März 1956, V 26/55. In: Sammlung der Erkenntnisse und wichtigsten Beschlüsse des Verfassungsgerichtshofes. NF Heft 21: Jahr 1956. Druck und Verlag der Österreichischen Staatsdruckerei, Wien 1957, , Nr. 2979, S. 117–119, hier S. 118.

Die Akzeptanz weiblicher Automobilität setzte sich erst in den 1920er Jahren durch. Die zunehmende Zahl von „Selbstfahrerinnen“, die ein Automobil lenkten, wurde durch verbesserte Bedienungsmöglichkeiten der Wagen und den Ausbau der Straßen begünstigt, doch ebenso durch das Infragestellen traditioneller Weiblichkeitsbilder. In der Weimarer Republik stand die Autofahrerin als Sinnbild für die Neue Frau im Mittelpunkt der Medien.Anke Hertling: Representing gender. Automobility in discourse of femininity in the Weimar Republic, Universität Kassel, IAG Kulturforschung, 2004 (PDF)

Eine berühmte Autofahrerin war die Tänzerin Lena Amsel, die 1929 in ihrem Bugatti, der auf der Tür einen gezeichneten Vogel, ihr Markenzeichen, trug, tödlich verunglückte. Leben und Tod von Lena Amsel dienten Ruth Landshoff als Vorbild für ihren Roman einer Tänzerin.Ruth Landshoff-Yorck: Roman einer Tänzerin. Erstausgabe aus dem Nachlass, Aviva Verlag, Berlin 2002, ISBN 978-3-932338-15-1.

Ebenfalls im Jahr 1929 malte Tamara de Lempicka ein Selbstporträt mit dem Titel Tamara im grünen Bugatti. Es entstand als Auftragsarbeit für die Titelseite der Berliner Illustrierten Die Dame.

1929 betrug der Frauenanteil (in Berlin) an erteilten Fahrerlaubnissen 4,2 Prozent.Christoph Maria Merki: Der holprige Siegeszug des Automobils 1895–1930. Zur Motorisierung des Straßenverkehrs in Frankreich, Deutschland und der Schweiz. Böhlau, Wien u. a. 2002, ISBN 3-205-99479-5, S. 289. Bis 1958 war in Deutschland für den Führerscheinerwerb die Zustimmung des Ehemanns oder Vaters notwendig;focus.de Die erste Frau mit Führerschein (abgerufen am 11. November 2013). 1966 lag der Frauenanteil schon bei 20,9 Prozent.zeit.de Führerschein im Sonntagsanzug (abgerufen am 13. November 2013).

mini|hochkant|Alice Ramsey mit ihrem Auto Rekorde 1909 durchquerte Alice Ramsey die Vereinigten Staaten mit einem Automobil. 1926 bricht Eliška Junková die Rekorde, als sie zur ersten professionellen Grand Prix Fahrerin wird. Einer ihrer größten Erfolge war der Große Preis von Deutschland, bei dem sie einen neuen Streckenrekord erzielte.

Clärenore Stinnes umrundete als erster Mensch mit einem Auto die Welt.zeit.de Die großen Damen der Autogeschichte. (abgerufen am 11. November 2013). Am 25. Mai 1927 startete sie mit einem Adler Standard 6 in Frankfurt am Main zu der Expedition, die sie durch 23 Länder führte und die am 24. Juni 1929 nach 47.000 Kilometern mit der Ankunft in Berlin endete. Die Schriftstellerin Erika Mann gewann mit ihrem Beifahrer Ricki Hallgarten im Juni 1931 eine Autorallye über 10.000 Kilometer quer durch Europa.Zum 100. Geburtstag von Erika Mann, deutschlandfunk.de, abgerufen am 28. November 2013

Im Jahr 1934 fuhren vier Aero 20 mit drei Damenteams (Vera Vlčková und Eva Elstnerová, Ela Slavíková und Helga Martenová sowie Zdeňka Veselá und Ezka Kavalierova) und einem Servicefahrzeug mit František Alexander Elstner und einem Mechaniker über Marseille und Algier nach Marokko. Über Spanien, Frankreich und Deutschland erreichtem die Fahrzeuge nach 48 Tagen und rund 14.000 km im April 1934 wieder Prag. Die von Zeitungs- und Wochenschauberichten begleitete Expedition stand unter dem Motto „6 Frauen durchqueren in 6 Wochen 6 Länder und absolvieren dabei mehr als 14.000 km – sicher und fehlerfrei“.Reinhard Bauer: (PDF), Version vom 16. Februar 2014. Am 6. Juni 1939 brach die Schriftstellerin Annemarie Schwarzenbach, eine Freundin von Erika und Klaus Mann, zusammen mit Ella Maillart in einem Ford Cabriolet zu einer drei Monate dauernden Reise von Genf nach Kabul auf.Wenn einer eine Reise macht, faz.net, abgerufen am 28. November 2013.

Daimler-Benz und die Frauen mini|hochkant|Mercédès Jellinek (um 1902) mini|hochkant|Werbung für Motorenöl (1901) von Jules Chéret Louise Sarazin übernahm 1888 die Lizenzgeschäfte der Daimler-Motoren-Gesellschaft in Frankreich, nachdem ihr Mann verstorben war. Die Daimler-Gesellschaft erhielt 12 Prozent vom Kaufpreis jedes Motors, den Louise Sarazin als Konzessionsinhaber herstellte. Durch die Heirat mit Émile Levassor gingen ihre Daimler-Patente an die Firma Panhard & Levassor, die als erster Automobile in Frankreichs herstellte. Louise und Edouard Sarazin (abgerufen am 13. Dezember 2013).

Mercédès Jellinek ist Namenspatin der Automobilmarke Mercedes-Benz. Der österreichische Geschäftsmann Emil Jellinek bestellte bei der Daimler-Motoren-Gesellschaft Tourenwagen, später nach seinen Vorgaben einen Rennwagen. Jellinek benannte diesen nach dem Vornamen seiner zehnjährigen Tochter Mercédès. Die von Wilhelm Maybach konstruierten Mercedes 35 PS von 1900 sowie Mercedes-Simplex von 1902, waren technisch ihrer Zeit voraus. 1902 wurde der Name „Mercedes“ gesetzlich geschützt, und seit 1910 wird als Kühlersymbol der Mercedes-Stern verwendet.

Nach der ersten Überlandfahrt von Bertha Benz dauerte es immerhin 125 Jahre, bis 2011 mit der ehemaligen Bundesverfassungsrichterin Christine Hohmann-Dennhardt die erste Frau in den Vorstand des Aufsichtsrats von Daimler berufen wurde.Martina Schmidt-Tanger: Professional Women – Frauen im Business: Aufblühen kann man nicht im Schatten, Junfermann Verlag, Paderborn 2011, S. 198

Opel Seit dem Tod des Firmengründers Adam Opel im Jahr 1895 wurden die Opelwerke von dessen Witwe Sophie geführt. Sie war auch verantwortlich für die Übernahme der Anhaltischen Motorwagenfabrik, mit der 1899 die Automobilfertigung bei Opel begann – zuvor hatte man nur Nähmaschinen und Fahrräder hergestellt. Sophie Opel führte das Unternehmen bis zu ihrem Tod im Jahr 1913.Gerta Walsh: Sophie Opel – Unternehmerin im 19. Jahrhundert. In: Hessische Heimat. Heft 2/1992, S. 68–70.

Mode und Modell Die ersten Automobilistinnen traten noch ganz martialisch in Lederkleidung, Staubmantel und Pilotenhaube auf. In der Inflationszeit wurden schöne Frauen mit schönen Autos zu Statussymbolen einer schmalen Schicht von Neureichen, die Dame am Beifahrersitz wurde zum Symbol der Automobilkultur, angestrebt wurde höchste Eleganz und exquisiter Luxus. Beim Concours d’Elegance des Österreichischen Automobil-Clubs im Park des Schlosses Belvedere im Juni 1922 bewertete eine Jury den Gesamteindruck von Fahrzeug, Ausrüstung und Toiletten. Zugelassen waren offene und geschlossene Fahrzeuge, neben jedem Lenker saß mindestens eine Dame in Sportkostüm oder Sommertoilette.

Eleanor Thornton stand Modell für die Kühlerfigur Spirit of Ecstasy der Rolls-Royce-Autos.

Werbung Die Geschichte der Automobilwerbung spiegelt auch die soziale Stellung der Frau wider. Bereits 1901 erschienen auf Werbeplakaten Frauen; 1912 warb Benz erstmals mit weiblichen Reizen für das Automobil.einestages.spiegel.de Historische Autowerbung (abgerufen am 1. Dezember 2013). In den 1920er Jahren richtete sich die Automobilwerbung an die Zielgruppe „Dame“, die am Steuer salonfähig wurde. Spätere Abbildungen einer jungen Frau im Hosenanzug – insbesondere die Werbung von Mercedes-Benz – sollten über die Abenteuerlust den „Wagen der Dame“, der keineswegs schwer zu fahren war, anpreisen.Antje Flade, Maria Limbourg (Hrsg.): Frauen und Männer in der mobilen Gesellschaft. S. 49–51 Werbung und gesellschaftliche Realität standen jedoch im Gegensatz zueinander: Eine Mercedes-Benz-Anzeige vom Beginn des 20. Jahrhunderts zeigt die Weißenhofsiedlung in Stuttgart. Ein Mercedes steht vor dem berühmten Doppelhaus von Le Corbusier, am Trittbrett lehnt eine mondäne junge Frau. Diese aber, so die Enkelin der gezeigten Dame, habe keinen Führerschein besessen, denn bis in die 1950er Jahre mussten die Ehemänner das genehmigen, und ihr Mann habe ihr keine Erlaubnis gegeben.Gerhard Matzig: Steuer frei. Er rollt und rollt und rollt. Und sie hütet das Haus? Über Geschlechterklischees und die Notwendigkeit einer neuen Mobilitätspolitik. In: Süddeutsche Zeitung, Nr. 88, 17./18. April 2021, S. 47.