mini|240px|Ruine der Kraupischkener Kirche

Bei der Kirche in Kraupischken () – der Ort hieß von 1938 bis 1946 „Breitenstein (Ostpr)“ – handelt es sich um einen rechteckigen Feldsteinbau aus dem Jahre 1772 mit einem 1893 angebauten Turm. Bis 1945 war sie evangelisches Gotteshaus für die Bevölkerung im Kirchspiel des heute Uljanowo genannten einstigen ostpreußischen Dorfes in der heutigen Oblast Kaliningrad in Russland. Von dem Gebäude stehen heute lediglich noch die Außenmauern von Kirchenschiff und Turm.

Lage Uljanowo liegt am Nordwestufer der Inster (heute russisch: Instrutsch), 21 Kilometer südöstlich der heutigen Rajonsmetropole und einstigen Kreisstadt Neman (Ragnit). Durch den Ort verläuft die russische Fernstraße A 198 (ehemalige deutsche Reichsstraße 132) von Neman nach Gussew (Gumbinnen), wobei innerorts eine übergeordnete Nebenstraße nach Tschernjachowsk (Insterburg) abzweigt. Ein Bahnanschluss besteht nicht mehr. Uljanowo ist heute eine Siedlung im Verbund der Luninskoje selskoje posselenije (Landgemeinde Lunino (Lengwethen, 1938–1946 Hohensalzburg)). Die Kirchenruine mit den weithin sichtbaren Turmmauern ist östlich der Hauptstraße sichtbar.

Kirchengebäude Bereits im Jahre 1555 wurde in Kraupischken – damals von Insterburg (heute russisch: Tschernjachowsk) aus – eine Kirche errichtet.Kirche in Kraupischken (mit Bildern der Kirche vor 1945 und der Ruine nach 1945) Diese jedoch brannte im Jahre 1740 samt Pfarrhaus ab und werde erst 1772 neu aufgebaut. Auf einen Turm verzichtete man vorerst. Der Innenraum des rechteckigen FeldsteinbausWalther Hubatsch, Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Bd. 2: Bilder ostpreussischer Kirchen, Göttingen, 1968, S. 111, Abb. 492 mit angebauter Sakristei war flach abgedeckt. An der Nord- und Südwand waren Emporen eingezogen. Der Kanzelaltar war 1722 unter Verwendung des Kanzelkorbes von 1665 der alten Kirche zusammengefügt worden. Seine Figuren stammten aus derselben Werkstatt wie das Schnitzwerk in Budwethen (1938–1946: Altenkirch). Im Jahre 1787 erhielt die Kirche eine Orgel, die 1785 von Adam Gottlob Casparini begonnen, jedoch dann dessen Gesellen George Adam Neppert vollendet wurde.Werner Renkewitz, Jan Janca, Hermann Fischer: Geschichte der Orgelbaukunst in Ost- und Westpreußen. Bd. II, 1: Mosengel, Caspari, Casparini. Pape Verlag, Berlin 2008, S. 330, Bd. II, 2: Von Johann Preuß bis E. Kemper & Sohn, Lübeck/Bartenstein, Siebenquart Verlag, Köln 2015, S. 30, 134 und 136. Sie wurde später mehrfach repariert und erweitert wurde. Das Geläut der Kirche bestand aus zwei Glocken, die in dem 1893 angebauten Turm aus Ziegeln eingehängt wurden. Im Jahre 1906 erhielt die Kirche innen eine neue Vermalung.

Bei der Eroberung Ostpreußens durch die Rote Armee wurde die Kirche im Januar 1945 beschädigt. Zu Sowjetzeiten fand sie eine Nutzung als Strohlager. 1953 brannte das Gebäude bis auf die Grundmauern nieder und verfiel in der Folgezeit immer mehr. Neben den Außenmauern ist der Turm als wesentlicher Bestandteil der Kirche übriggeblieben.Кирха Краупишкен - Kirche Kraupischken bei prussia39.ru (mit Bildern der heutigen Kirchenruine aus dem Jahre 2012) Über dem Turmeingang befindet sich eine Tafel mit den Anfangsworten des Chorals von Martin Luther: „Ein feste Burg ist unser Gott“. Daneben hängt seit 1997 ein privat gestiftetes hellfarbenes Holzkreuz.

Kirchengemeinde Im Jahr 1554 wurde in Kraupischken von Insterburg aus eine Kirchengemeinde gegründetWalther Hubatsch, Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Bd. 3: Dokumente, Göttingen, 1968, S. 487–488 und ein Jahr später – mit Fertigstellung der Kirche – auch eine Pfarrstelle eingerichtet, die ab 1706 um eine zweite ergänzt wurde. Bis 1609 war Kraupischken noch Filialkirche von Insterburg und war der Inspektion dieser Stadt zugeordnet. Seit 1919 war die Gemeinde bis 1945 dem Kirchenkreis Tilsit-Ragnit/Diözese Ragnit in der Kirchenprovinz Ostpreußen der Kirche der Altpreußischen Union zugeordnet. Im Jahre 1856 zählte das mit über 60 Orten sehr weitflächige Kirchspiel 6.974 Gemeindeglieder, deren Zahl bis 1925 auf über 7.000 stieg.

Bis 1721 war das Kirchenpatronat königlich. Danach war bis 1742 neben dem örtlichen Gutsherrn auch der Gutsherr auf Raudonatschen (1938–1946: Insterfelde), der Kapitän und spätere Feldmarschall Hans Heinrich von Katte, Kirchen- und Lehnspatron. Er war der Vater des Hans Hermann von Katte, dem unglücklichen Freund des Kronprinzen Friedrich, den König Friedrich Wilhelm I. vor den Augen seines Sohnes in Küstrin (heute polnisch: Kostrzyn) hinrichten ließ.

Die durch den Zweiten Weltkrieg verursachte Flucht und Vertreibung der einheimischen Bevölkerung sowie die nachfolgende restriktive Kirchenpolitik der Sowjetunion ließ das kirchliche Leben in Kraupischken wie im übrigen Nordostpreußen zum Erliegen kommen.

Erst in den 1990er Jahren entstanden in der Oblast Kaliningrad neue evangelisch-lutherische Gemeinden. Die Uljanowo am nächsten liegende ist die in Schtschegly (Saugwethen, 1938–1946 Saugehnen), die zur Kirchenregion Gussew (Gumbinnen) in der Propstei Kaliningrad (russisch/deutsch) der Evangelisch-lutherischen Kirche Europäisches Russland gehört.

Kirchspielorte Vor 1945 gehörten zum Kirchspiel der Kirche Kraupischken 64 Orte, Ortschaften und Wohnplätze:Walther Hubatsch, Bd. 2 Deutscher Name Namensänderung1938–1946 Russischer Name Deutscher Name Namensänderung1938–1946 Russischer Name Abschruten,SchulortKsp. Kraupischken Steinflur Maruhnen Marunen Augsgirren Sassenhöhe Sastolje Matterningken Matterningen Barsden Barden Meldienen Bolschewo Birkenstrauch Meschken Meschenhof Malinowka,jetzt: Griwino Budeningken Langenflur *Moulienen Moulinen Michailowka Buttkuhnen Tilsental Prokowskoje Neudorf Errehlen Rehlen Worotynowka Opehlischken Opeln Gettschen Kleinradingen Kawerino Paszleidszen/Paschleidschen Paßleiden Gettkandten Kleinburental Patilszen/Patilschen Tilsen Koschelewo Girrehnen Güldengrund Griwino Plauschinnen Plaunen Kamanino Graudszen/Graudschen Grautschen Pleinlauken Insterbrück Groß Kummeln Großkummen Woswyschenka Plimballen Grünweiden Brjussowo Groß Perbangen Gruschewka Radischen Radingen Juschnoje Groß Pillkallen Kallenfeld Meschduretschje Raudonatschen Kattenhof Wolotschajewo Groß Wabbeln Winterlinden Rucken Grüntal Solnetschnoje Sakalehnen Falkenort Worotynowka Guddaschen Freienfelde Sassupönen Sassenau Insterfelde Schönwiese Gorkowskoje Juckstein Schuppinnen,Ksp. Kraupischken Kleinbergental Dubowskoje Karpotschen Karpenfeld Skrusden Kruden Kaschelen Kasseln Koschelewo Spirginnen Hasenflur Kauschen Kaschino Staggen Kerstupönen Kersten Rjabinowka Suttkehmen Mühlpfordt Klein Ballupönen Kleinlöffkeshof Winogradowo Swirbeln Schwörpeln Klein Kummeln Kleinkummen Sziebarten ab 1928:Meldienen Bolschewo Klein Perbangen Tilsewischken Tilsenberg Grosnoje Klein Wabbeln Wabben Tutteln Kneiffen Warnen Schmeljowo Krauleidszen/Krauleidschen Erlenfeld Werxnupönen Langenort Kraupischkehmen Erdmannsruh Saliwnoje Wiswainen Birkenstein Kraupischken Breitenstein Uljanowo Wittschunen Wittenhöhe Borowoje Laugallen,Ksp. Kraupischken Insterweide Worreningken Woringen Uspenskoje

Pfarrer Bis 1706 amtierte an der Kirche Kraupischken ein Pfarrer, danach (mit Ausnahme der Jahre 1712–1811) bis 1945 zwei Geistliche:Friedwald Moeller, Altpreußisches evangelisches Pfarrerbuch von der Reformation bis zur Vertreibung im Jahre 1945, Hamburg, 1968, S. 77 Augustin Jamund, 1555–1563Der erste Geistliche an der Kirche Kraupischken, Pfarrer Augustin Jamund, machte sich einen Namen dadurch, dass er sowohl das Neue Testament als auch Luthers Katechismus in die Litauische Sprache übersetzte. Außerdem stellte er ein litauisches Gesangbuch zusammen. Er ging 1563 als litauischer Prediger nach Ragnit (heute russisch: Neman).

Georg Wehder, 1565 NN., bis 1576 Patroclus Welwerius, 1577–1593 Bartholomäus Willentus, 1594–1598 Balthasar Klein, 1598–1606 Christoph von Stein, 1609–1610 Georg Schönwald Burchard Löbel, 1621–1648 Johann Weyda, ab 1658 Daniel Höpner, bis 1700 Johann Wilhelm Vorhoff, 1690–1692 Ernst Mühlpfordt, 1692–1695 Friedrich R. Rosochatius, 1695–1706 Christ. Martin Rosochatius, 1706–1708 Petrus Rehwend, 1706–1710 Andreas Kahnert, 1708–1729 Martin Radtke, 1730–1745 Johann Heinrich Kunzmann, 1745–1749 Johann Jakob Schröder, 1749–1762 Bernhard Anderson, 1763–1771 Gottfried Herrmann, 1771–1782 Gottfried Grunwald, 1782–1811 Gottfried Ludwig Hirsch, 1811–1812 Samuel Friedrich Wigandt, 1811–1815 Ludwig Böhmer, 1812–1835 Georg Heinrich Rappolt, 1816–1822 Adolf Gustav Eduard Kuwert, 1829 Ludwig E.F. Kalau vom Hofe, 1836–1845 Conrad August König, 1846–1847 Johann Alb. Bernh. Karpowitz, 1847–1870 Friedrich Otto Jonas, 1849–1851 Johann Gottfried Hermann Zippel, 1851–1855 Wilhelm Justus Ad. Zippel, 1855–1856 Robert Hitzigrath, 1856–1861 Johann Ferdinand Girkon, 1862–1869 Janis Pipirs, 1869–1872 Moritz Aug. L. Friedemann, 1870–1903Angehöriger des Corps Littuania Leopold Stengel, 1872–1887Stengel (1829–1887) war einer der wenigen Ehrencorpsburschen der Masovia. Carl Ludwig Wachowski, 1888–1890 Karl Louis Paul Gauer, 1890–1895 Karl Hermann Samland, 1895–1901 Ernst Richard Glogau, 1902–1913 Karl Louis Paul Gauer, 1904–1934 Artur Plamsch, 1920–1923 Walter Obgartel, 1923–1926 Richard Moderegger, 1924–1945 Georg Nietzki, ab 1934 Erich Schinz, 1943–1945

Kirchenbücher Von den Kirchenbüchern der Kirche Kraupischken haben sich Dokumente ab dem 19. Jahrhundert erhalten, außerdem Namenslisten ab dem 18. Jahrhundert. Sie werden im Evangelischen Zentralarchiv in Berlin-Kreuzberg aufbewahrt:Christa Stache, Verzeichnis der Kirchenbücher im Evangelischen Zentralarchiv in Berlin, Teil I: Die östlichen Kirchenprovinzen der Evangelischen Kirche der altpreußischen Union, Berlin, 1992³, S. 73 Taufen: 1827 bis 1944 (Namenslisten ab 1736) Trauungen: 1838 bis 1944 (Namenslisten ab 1767) Begräbnisse: 1890 bis 1942 (Namenslisten ab 1767)

Weblinks Bildarchiv Ostpreußen

Anmerkungen

Einzelnachweise

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