Das Wald-Reitgras (Calamagrostis arundinacea) ist eine Pflanzenart aus der Gattung der Reitgräser (Calamagrostis) innerhalb der Familie der Süßgräser (Poaceae). Es ist in den gemäßigten Gebieten Eurasiens weitverbreitet.

Für Sachsen ist auch die Bezeichnung Dillengras belegt.Georg August Pritzel, Carl Jessen: Die deutschen Volksnamen der Pflanzen. Neuer Beitrag zum deutschen Sprachschatze. Philipp Cohen, Hannover 1882, Seite 71, online.

Beschreibung mini|Illustration aus The agricultural grasses and forage plants of the United States, 1889 mini|Blütenstände mini|Ährchen mini|Bestand des Wald-Reitgrases Vegetative Merkmale Das Wald-Reitgras ist eine ausdauernde, krautige Pflanze, die Wuchshöhen von 60 bis 150 Zentimetern erreicht. Es bildet lockere Horste mit kurzkriechender Grundachse und sehr kurzen Ausläufern. Die aufrechten Halme sind glatt und kahl und nur unter der Rispe rau. Die dunkelgrünen Blattspreiten sind bis 50 Zentimeter lang und 4 bis 12 Millimeter breit, mit kurzer Behaarung auf der Oberseite, auf der Unterseite glänzend. Am Blattgrund finden sich Haarbüschel, die Blatthäutchen sind bei den Erneuerungssprossen 1 bis 2 Millimeter lang, an den Halmblättern bis 3 Millimeter lang.

Generative Merkmale Die Blütezeit reicht von Juni bis Juli. Der kurzverzweigte rispige Blütenstand enthält zahlreiche Ährchen und erscheint schmal und länglich, ist 10 bis 25 Zentimeter lang und bis 5 Zentimeter breit. Seine während der Blütezeit ausgebreiteten Verzweigungen legen sich nach der Anthese an die Hauptachse an. Die Äster der Verzweigungene gehen zu 3 bis 7 von der kahlen Hauptachse ab. Die Ährchenachse ist behaart. Die lanzettlichen Ährchen sind 5 bis 6 Millimeter lang, haben eine blassgrüne Farbe und sind zuweilen violett gescheckt; der Haarkranz erreicht kaum 1 Millimeter. Die Hüllspelzen sind fast gleich und 4 bis 6 Millimeter lang. Die Deckspelze ist fünfnervig und 3,5 bis 4 Millimeter lang. Auf dem Rücken der Deckspelze entspringt im untersten Viertel eine 5 bis 8 (bis 10) Millimeter lange, gekniete Granne, welche die Hüllspelze um etwa 3 Millimeter überragt. Die Untergranne ist gedreht, die Obergranne ist gerade. Die Vorspelze ist zweinervig und nur ein Viertel so lang wie die Deckspelze. Die Staubbeutel sind etwa 3 Millimeter lang.

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 28.

Ökologie Das Wald-Reitgras wurzelt bis einen Meter tief. Auf Waldlichtungen kommt es oft zu einem Massenwuchs, der die Verjüngung der Waldbäume hemmt.

Unterscheidung zu verwandten Arten Das Wald-Reitgras ist nahe verwandt mit dem Berg-Reitgras (Calamagrostis varia), von dem es sich durch den deutlich kürzeren Haarkranz sowie abweichende Standortansprüche unterscheidet.

Vorkommen Das Wald-Reitgras ist in der gemäßigten Zone Eurasiens häufig und kommt außerdem in Neuguinea vor. Lediglich im Tiefland selten, reicht seine Verbreitung bis in die Voralpen. Es steigt im östlichen Lungau bis 1700 Meter auf. In Europa kommt es in fast allen Ländern vor und fehlt nur in Großbritannien, Irland, Island, den Niederlanden, Lettland, Nordmazedonien und im europäischen Teil der Türkei.

Das Wald-Reitgras ist in schattigen Laubwäldern zu finden, aber auch massenhaft auf Waldschlägen, an der Waldgrenze und auf Hochstaudenfluren. Es bevorzugt warme, nur schwach feuchte, mineralreiche aber kalkarme, steinige Böden. Es kommt vor allem im Luzulo-Fagetum vor, aber auch in Pflanzengesellschaften der Verbände Carpinion, Quercion roboris, Epilobion angustifolii oder an der Waldgrenze im Sorbo-Calamagrostietum des Verbands Calamagrostion arundinaceae.

Die ökologischen Zeigerwerte nach Landolt et al. 2010 sind in der Schweiz: Feuchtezahl F = 3+w (feucht aber mäßig wechselnd), Lichtzahl L = 3 (halbschattig), Reaktionszahl R = 2 (sauer), Temperaturzahl T = 3 (montan), Nährstoffzahl N = 2 (nährstoffarm), Kontinentalitätszahl K = 3 (subozeanisch bis subkontinental).

Systematik Die Erstveröffentlichung erfolgte 1753 unter dem Namen (Basionym) Agrostis arundinacea durch Carl von Linné in Species Plantarum, Tomus I, S. 61. Die Neukombination zum akzeptierten Namen Calamagrostis arundinacea wurde 1789 durch Albrecht Wilhelm Roth in Tentamen Florae Germanicae, Band 2, Teil 1, S. 89 veröffentlicht. Das Artepitheton arundinacea bedeutet „Aussehen wie Schilfrohr“.

Weitere Synonyme für Calamagrostis arundinacea sind: Arundo clarionis , Arundo montana , Arundo sylvatica , Calamagrostis adpressi-ramea , Calamagrostis austrojeholensis , Calamagrostis chassanensis , Calamagrostis clarionis , Calamagrostis parviflora , Calamagrostis pyramidalis , Calamagrostis sylvatica , Calamagrostis sylvatica , Cinna agrostoidea , Deyeuxia abietina , Deyeuxia arundinacea , Deyeuxia arundinacea , Deyeuxia arundinacea , Deyeuxia montana , Deyeuxia pyramidalis , Deyeuxia sylvatica , Deyeuxia sylvatica , Calamagrostis brachytricha , Calamagrostis sciuroides Die von Calamagrostis arundinacea beschriebenen Varietäten sind wohl alle nur Synonyme von Calamagrostis arundinacea.

Es sind auch Hybriden von Calamagrostis arundinacea × Calamagrostis varia (= Calamagrostis ×haussknechtiana ), Calamagrostis arundinacea × Calamagrostis villosa (= Calamagrostis ×indagata ) oder Calamagrostis arundinacea × Calamagrostis epigejos (= Calamagrostis ×acutiflora ) beschrieben.

Krankheiten Das Wald-Reitgras wird von den Rostpilzen Puccinia coronata var.coronata, Puccinia graminis, Puccinia poae-nemoralis subsp. poae-nemoralis und Puccinia pygmaea mit Uredien und Telien befallen.Peter Zwetko Die Rostpilze Österreichs Supplement und Wirt-Parasit-Verzeichnis zur 2. Auflage des Catalogus Florae Austriae, III. Teil, Heft 1, Uredinales. [ Online] (PDF; 1,8 MB) Aus Aserbaidschan ist Uromyces calamagrostidis auf dem Wald-Reitgras beschrieben.George Baker Cummins: The Rust Fungi of Cereals, Grasses and Bamboos. Springer, Berlin 1971, ISBN 3-540-05336-0.

Nutzung Einige Sorten werden als Zierpflanzen in Parks und Gärten verwendet. Besondere Bedeutung hat dabei die durch Gärtner gekreuzte Hybride Calamagrostis ×acutiflora aus Calamagrostis arundinacea × Calamagrostis epigejos mit ihrer wichtigsten Sorte ‘Karl Foerster’.

Literatur Dietmar Aichele, Heinz-Werner Schwegler: Unsere Gräser. Süßgräser, Sauergräser, Binsen. Franckh-Kosmos Verlag, Stuttgart, 12. Auflage 2011, ISBN 978-3-440-12573-1, S. 106. Werner Rothmaler (Begr.), Rudolf Schubert, Klaus Werner, Hermann Meusel (Hrsg.): Exkursionsflora für die Gebiete der DDR und der BRD. Band 2: Gefäßpflanzen. 9. Auflage. Volk und Wissen, Berlin 1977, S. 558.

Einzelnachweise Linné 1753 eingescannt bei biodiversitylibrary.org. B. Valdés & H. Scholz, unter Mitwirkung von E. von Raab-Straube & G. Parolly, 2009: Poaceae (pro parte majore): bei Euro+Med Plantbase – the information resource for Euro-Mediterranean plant diversity. Erich Oberdorfer: Pflanzensoziologische Exkursionsflora für Deutschland und angrenzende Gebiete. 8. Auflage. Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart 2001, ISBN 3-8001-3131-5. S. 255. Hans Joachim Conert: Familie Poaceae. In Gustav Hegi: Illustrierte Flora von Mitteleuropa. 3. Auflage, Band I, Teil 3, Seite 374–375. Verlag Paul Parey, Berlin und Hamburg 1989. ISBN 3-489-52020-3.

Weblinks

Die Verbreitung auf der Nordhalbkugel nach Hultén Thomas Meyer: Datenblatt mit Bestimmungsschlüssel und Fotos bei Flora-de: Flora von Deutschland (alter Name der Webseite: Blumen in Schwaben).

Kategorie:Reitgräser