miniatur|Antoniuskirche Die Antoniuskirche () ist ein römisch-katholisches Gotteshaus im Breslauer Stadtteil Carlowitz (poln. Karłowice). Die Kirche liegt in der Aleja Jana Kasprowicza.

Geschichte mini|Innenansicht Die Franziskaner hatten im Zuge der Säkularisation 1810 ihr Kloster in der Breslauer Rosengasse verlassen müssen. Einige kamen auf Bitten von Fürstbischof Georg von Kopp 1888 in die Stadt zurück und übernahmen den Dienst als Beichtväter am Breslauer Dom und die Seelsorge des franziskanischen Dritten Ordens; sie wohnten am Domplatz bei der St.-Ägidius-Kirche und blieben dort bis etwa 1945.

Zwischen 1897 und 1898 begannen sie an der Korsoallee in Carlowitz im Norden Breslaus mit der Errichtung eines großen Klosters, das zur Sächsischen Franziskanerprovinz (Saxonia) und ab 1911 zur Schlesischen Franziskanerprovinz (Silesia) gehörte. Zuvor hatte der Provinzial der Saxonia, Othmar Maassmann, beim Breslauer Fürstbischof Kardinal Georg von Kopp beantragt, das frühere Antoniuskloster der Franziskaner wieder zu übernehmen, in dem seit 1793 Elisabethinnen lebten. Der Kardinal lehnte ab. Daraufhin kauften die Franziskaner ein rund 20 Morgen großes Gelände in Carlowitz, weit vom damals bebauten Stadtrand entfernt, und begannen dort 1895 mit dem Klosterbau, der sich bis 1934 hinzog. Die Brüder zogen am 4. Oktober 1897, dem Fest ihres Ordensgründers Franz von Assisi, in das noch nicht ganz fertiggestellte Gebäude ein, in dem auch eine große Bibliothek mit Schwerpunkt auf Literatur zu Schlesien bestand. Das Kloster war ab der Wiedergründung der Schlesischen Franziskanerprovinz 1911 Sitz des Provinzials und der Provinzleitung. Für einige Jahre gab es ein philosophisch-theologisches Studium der Ordensprovinz zur Ausbildung ihres Priesternachwuchses mit sieben Dozenten, das 1933 nach Glatz verlegt wurde, sowie von 1899 bis 1911 ein Internat für Gymnasiasten.Lucius Teichmann: Die Franziskanerklöster in Mittel- und Ostdeutschland 1223–1993 (ehemaliges Ostdeutschland in den Reichsgrenzen von 1938). (= Studien zur katholischen Bistums- und Klostergeschichte, 37) Benno Verlag, Leipzig 1995, S. 71f.Dieter Berg (Hrsg.): Spuren franziskanischer Geschichte. Chronologischer Abriß der Geschichte der Sächsischen Franziskanerprovinzen von ihren Anfängen bis zur Gegenwart. Werl 1999, S. 519.Jürgen Werinhard Einhorn: Bildung und Ausbildung, Wissenschaft, Schule und Pastoral vom Kulturkampf bis zur Gegenwart. In: Joachim Schmiedl (Hrsg.): Vom Kulturkampf bis zum Anfang des 21. Jahrhunderts. (= Geschichte der Sächsischen Franziskanerprovinz von der Gründung bis zum Anfang des 21. Jahrhunderts, Bd. 3, hrsg. von der Sächsischen Franziskanerprovinz) Paderborn 2010, S. 633–786, hier S. 680.

Die Grundsteinlegung für die St.-Antonius-Kirche konnte aus Geldmangel erst am 14. Mai 1900 erfolgen. Bereits am 12. November 1901 konnte man den ersten Gottesdienst in der Kirche feiern. Das Kirchengebäude wurde vom schlesischen Architekten Ludwig Schneider (1854–1943) aus Ziegelmauerwerk als Basilika im neugotischen Stil errichtet. Die 34-stimmige Orgel wurde 1903 von der Schweidnitzer Firma Schlag & Söhne gebaut.

Ab 1917 übernahmen die Franziskaner an St. Antonius die Gemeindeseelsorge für Carlowitz, Rosenthal und Schottwitz (Burgweide). Dazu wurde eine Kuratie eingerichtet, die zum Pfarrverband von St. Michael bzw. St. Bonifatius (für Rosenthal) gehörte. 1923 gründeten sie den Antonius-Verlag mit eigener Druckerei. Eine besondere Aufgabe für das Kloster bestand in einer umfangreichen Aushilfstätigkeit in der Seelsorge des Umlandes; um das Jahr 1930 hielten die Patres jährlich etwa 2000 Predigten und hörten rund 150.000 mal die Beichte. An der Klosterkirche bestand ein Männerchor der Kleriker, der gelegentlich auch im Rundfunk auftrat. In der Weihnachtszeit war eine überdimensionale Weihnachtskrippe ein besonderer Anziehungspunkt. Zum Konvent gehörten 1936 114 Franziskaner: 27 Patres, 39 Kleriker (vor allem Studenten), 28 Laienbrüder, 14 Novizen und sechs Terziaren.

Nach dem Zweiten Weltkrieg gingen Kirche und Kloster an polnische Franziskaner über.

Literatur Chrysogonus Reisch OFM: Tausch des Franziskanerkonventes St. Antonius mit dem Kloster der Elisabethinerinnen in Breslau. In: Franziskanische Studien, Nr. 1, 1914, S. 76–86.

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