St. Stephan, Köln-Lindenthalrahmenlos|300px|Kirchturm von St. Stefan Ort Köln-Lindenthal, Nordrhein-Westfalen Religion römisch-katholisch Diözese Bistum Köln Kirchengemeinde Name Katholische Pfarrgemeinde St. Stephan Gründung 23. Oktober 1887 Anschrift Bachemer Str. 104a 50931 Köln Website Website der Kirchengemeinde St. Stephan Kirchengebäude Typ neogotische Backsteinkirche (in Teilen) Erbaut 1884–1887 von August Carl Lange und Robert Mohr, in Teilen 1960 bis 1961 neu errichtet von Joachim Schürmann Lage Bachemer Str. 104a50931 Köln Karte
Die römisch-katholische Kirche St. Stephan wurde zwischen 1884 und 1887 nach Plänen von August Carl Lange und Robert Mohr in Köln-Lindenthal errichtet. Sie war eine der ersten Kirchen in Deutschland, die bereits am 27./28. Mai 1941 zerstört wurde. Lediglich der Kirchturm wurde nach dem Zweiten Weltkrieg in veränderter Form wiederhergestellt. Der Kirchturm und einige Ausstattungsgegenstände der Kirche wurden am 24. Juli 1985 und am 19. Juni 2001 unter Denkmalschutz gestellt und in die Denkmalliste der Stadt Köln eingetragen.
Geschichte Bis zur Errichtung der Kirche St. Stephan an der Bachemer Straße wurde die katholische Bevölkerung von Lindenthal von der Kirchengemeinde St. Stephanus des Krieler Dömchens betreut. Mit der stark einsetzenden Bautätigkeit und damit anwachsenden Bevölkerung in Lindenthal ab 1869 wuchs der Bedarf nach einer größeren Kirche.Sybille Fraquelli: Im Schatten des Domes: Architektur der Neugotik in Köln 1815-1914, Böhlau, Köln Weimar 2008, ISBN 978-3-412-20162-3, S. 236. Im Jahr 1882 wurde aus dem Besitz von Fritz von Wittgenstein mit der Genehmigung des Kirchenvorstands von Kriel ein Grundstück an der Bachemer Straße für 15.000 Mark angekauft. Die preußische Staatsregierung hat am 15. Juli 1882 die Genehmigung zum Ankauf eines Geländes zwecks Bau einer Kirche erteilt. Der Grundstückskauf wurde zum Teil aus einem Baufonds für die Errichtung einer neuen Pfarrkirche finanziert, der seit 1872 insgesamt 6.645 Mark gesammelt hatte. Zusätzlich ermöglichten großzügige Privatspenden den Ankauf des Grundstücks.
Mit der Planung des Neubaus der Pfarrkirche wurde der Kölner Architekt August Carl Lange beauftragt, der seine Entwürfe und den Kostenvoranschlag über 115.119 Mark am 19. Dezember 1883 dem Kirchenvorstand vorlegte. Nach Billigung des Bauprojektes durch die zuständigen Kirchengremien war während des Kulturkampfes auch noch eine staatliche Genehmigung durch den Kölner Baurat van den Bruck notwendig. Van den Bruck versuchte das Bauprojekt zu verzögern, in dem die Gemeinde zunächst die Notwendigkeit des Kirchenneubaus nachweisen musste. Zudem wurde von ihm der Bauentwurf kritisiert und bemängelt, dass Angaben zu Turmuhr, Orgel, Pflasterung und Kirchenutensilien fehlen sowie schließlich ein Kirchenbau ohne Kirchturm und umfangreichen Einfriedungen gefordert. Unklar war zu diesem Zeitpunkt auch noch weitgehend die Finanzierung, da nicht mehr als 90.000 Mark Darlehen aufgenommen werden durften. Die Finanzierungslücke schloss eine unbekannte Spenderin aus Aachen, die durch den Tuchfabrikanten Robert PfenningsAnmerkung: Robert Pfennings war Mitinhaber der Tuchfabrik Komp & Aldenhoven, Altdorfstr. 16, Aachen-Burtscheid 22.000 Mark mit folgenden Auflagen spendete: Die Spende sollte ausschließlich für den Kirchenbau nach den Plänen August Carl Langes verwendet werden. Mit dem Bau sollte noch im selben Jahr begonnen werden. Die Kirche sollte auf dem Grundstück an der Bachemer Straße errichtet werden. Gleichzeitig soll ein passendes Pfarr- und Vikariegebäude erbaut werden.Baugeschichte der Pfarrkirche St. Stephan in Köln-Lindenthal (1964), abgerufen am 20. Januar 2014
Nach Annahme der Schenkung durch den Kirchenvorstand wurde um die landesherrliche Genehmigung der Schenkung gebeten, die am 12. Dezember 1884 erteilt wurde.
Baugeschichte miniatur|Neogotische Kirche Sankt Stephan (Zustand 1904) Neugotische Kirche St. Stephan (1887 bis 1944) Nach Erteilung der Baugenehmigung am 4. Oktober 1884 fand die feierliche Grundsteinlegung am 12. Oktober 1884 statt. Bereits am 3. November 1884 wurde durch die Firma Gebr. Odenthal mit den Mauerarbeiten begonnen, die nach dem Tod August Carl Langes durch den Kölner Architekten Robert Mohr koordiniert wurden. Am 23. Oktober 1887 fand die Einsegnung der neu erbauten Kirche statt. Die Konsekration konnte erst nach Beendigung des Kulturkampfes am 2. Mai 1889 durch den späteren Erzbischof Antonius Fischer erfolgen.
Charakteristisches Merkmal der Kirche St. Stephan ist ein übereckgestellter, 56,80 m hoher Vierkant-Kirchturm mit neogotischer Backstein-Werksteingliederung, die durch eine hohe Turmspitze bekrönt war, die durch Fliegerangriffe im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde.Wolfram Hagspiel, Hiltrud Kier unter Mitwirkung von Ulrich Krings und Johannes Ralf Beines: Denkmalverzeichnis 12.3 Köln, Stadtbezirke 2 und 3 (Rodenkirchen und Lindenthal). Stadt Köln und Landeskonservator Rheinland (Hrsg.), J. P. Bachem-Verlag Köln 1984, ISBN 3-7616-0734-2, 295 S.
Die Kirche ist im Stil einer Kreuzkirche mit einer achteckigen Kuppel über der Vierung errichtet worden. Westlich der Kuppel schloss sich das 12,35 m lange und 7,27 m breite Mittelschiff an. Der im Osten gelegene Chor war 8,48 m lang und 6,60 m breit. Die zwei Seitenschiffe waren je 14,65 m lang und wie Chor und Mittelschiff 17 m hoch. Die Maßwerke der Fenster sowie die runden Säulen im Kircheninneren, die Gurtbögen und Gewölbe wurden in einem roten Sandstein ausgeführt.Robert Wilhelm Rosellen: Geschichte der Pfarreien des Dekanates Brühl, J. P. Bachem Köln 1887, S. 426–428
St. Stephan wurde als erste der Kölner Kirchen beim in der Nacht vom 27./28. Mai 1941 durch einen Luftangriff zerstört. Lediglich der Kirchturm blieb zunächst unbeschädigt. Am 3. Juni 1941 fand in der zerstörten Kirche der letzte Gottesdienst statt. Nach einem schweren Luftangriff der Royal Air Force in der Nacht vom 20. auf den 21. April 1944 stürzte schließlich der brennende Turmhelm des Kirchturms in das schon zerstörte Langhaus der Kirche. Der Kirchturm brannte völlig aus, und die Wände der Mittel- und die Seitenschiffe wurden komplett zerstört. Lediglich die Chorapsis und die Joche am Turm waren noch erhalten. Aufgrund des Ausmaßes der Beschädigung war nach dem Krieg nicht vorgesehen, die Kirche wieder aufzubauen. Im Jahr 1948 / 49 wurden 180.000 Feldbrandsteine durch den städtischen Konservator für 8100 Mark aufgekauft. 2000 Steine wurden für die Restaurierung der Ulrepforte und 10.000 Steine für den Wiederaufbau des Overstolzenhauses verwendet.Hiltrud Kier, Hans-Georg Esch: Kirchen in Köln, Bachem Köln 2000, ISBN 3-7616-1395-4, S. 206
Notkirche in der Nachkriegszeit mini|Giebel des Pfarrhauses mit dem Chorkreuz der alten Kirche Beim Luftangriff in der Nacht vom 20. auf den 21. April 1944 wurde auch das Pfarrhaus und das Vereinshaus zerstört, das von 1941 bis 1944 als Notkirche gedient hat. Das im April 1944 zerstörte Vereinshaus wurde bereits 1946 / 1947 instand gesetzt. Im Pfarrheim wird am 6. August 1948 das Richtfest für die Notkirche gefeiert. Zwei Tage später stürzt nach einem schweren Sturm die Ruine der Chores der Stephanskirche ein. Am 25. Dezember 1948 wurde das Chorkreuz der untergegangenen Kirche St. Stephan als Giebelkreuz im Pfarrheim wieder aufgestellt. Bereits am 27. August 1945 konnte mit Bücherspenden die Pfarrbücherei wiedereröffnet werden, nachdem die St. Stephan-Bibliothek ebenfalls im April 1944 verbrannte.
Die Kirchengemeinde fand nach 1945 zunächst notdürftig Unterkunft im Lindenthaler St. Anna-Haus und in der Notkirche im Pfarrheim, wo erstmals 1949 nach dem Krieg wieder Weihnachten gefeiert wurde. Die Notkirche, deren Altarraum 1954 nochmals umgestaltet wurde, war der Mittelpunkt des Gemeindelebens bis zur Einweihung des Kirchenneubaus 1961.
Neubau der Kirche St. Stephan miniatur|Neubau von St. Stephan (1960/1961) 1957 wurden Überlegungen angestellt, die Kirche wieder aufzubauen. Unterstützt wurde das Anliegen durch den damaligen Kirchenvorstand und Kölner Oberstadtdirektor Max Adenauer. Das Erzbischöfliche Generalvikariat genehmigte den Neubau unter Auflage der Einbeziehung der Ruine des Kirchturms ohne Turmhelm als dem Baukörper vorgelagerte Campanile. Der Kirchenvorstand schrieb einen auf drei Lindenthaler Architekten begrenzten Wettbewerb aus.Katholische Kirchengemeinde St. Stephan: Festschrift zum 125-jährigen Bestehen der Pfarrkirche St. Stephan, Köln 2014, S. 69. Am 24. Februar 1958 wurde die Baugenehmigung für einen Bauentwurf des Architekten Joachim Schürmann erteilt. Zunächst musste das Grundstück enttrümmert werden.
Erst 18 Jahre nach der Zerstörung des Langhauses im Jahr 1941 begann man am 21. September 1959 nach Plänen von Joachim Schürmann mit dem Wiederaufbau, der 1961 vollendet wurde. Am 17. Januar 1960 fand im Beisein des Stadtdechanten Robert Grosche die feierliche Grundsteinlegung für den neuen Kirchenbau statt. In den Grundstein ist ein Marmor aus der Jerusalemer Stephanuskirche eingelassen worden. Schürmann verfolgte dabei das schlichte Baukonzept des transparenten Lichtbaus, angelehnt an die Architektur Mies van der Rohes. Die Gestaltung der umlaufenden Fensterfront folgt dem Architekturkonzept Schürmanns. Die Fenster bestehen abwechselnd aus einer Reihe Doppelglasscheiben mit einer lichtdurchlässigen Zwischenschicht aus Glasgewebe und transluzenten Doppelglascheiben mit einer dazwischenliegender Mineralfaserplatte (Sillan). Die Baukosten für den Neubau beliefen sich auf 900.000 DM.Karl Joseph Bollenbeck: Neue Kirchen im Erzbistum Köln 1955 - 1995 - Band 2, Erzbistum Köln (Hrsg.), 1. Aufl., Köln 1995, ISBN 3-922634-15-X, S. 524.
Der Rohbau der Kirche war am 20. Juli 1960 fertiggestellt. In den folgenden Monaten erfolgte der Innenausbau der Kirche. Am 12. März 1961 erfolgte die feierliche Konsekration der neuen Kirche durch den Kölner Erzbischof Joseph Kardinal Frings. Der fast 100 Jahre alte Kirchturm musste 1986 restauriert werden und wurde mit einem schmalen Turmkreuz ausgestattet. Im Februar 2014 ist die Finanzierungszusage erfolgt, den Glaskubus zu restaurieren.
Ausstattung Der schlichte Stahlskelettbau wird durch 12 schlanke Säulen im Innenraum der Kirche getragen, die an die 12 Aposteln erinnern sollen.Katholische Kirchengemeinde St. Stephan: Festschrift zum 125-jährigen Bestehen der Pfarrkirche St. Stephan, Köln 2014, S. 72. Auf dem Fußboden des Kirchenraumes wurde ein Naturstein-Kleinpflaster aus Basalt, Grauwacke, Granit und Kalkstein verlegt. Der Altarraum wurde optisch abgesetzt und in hellgrünem Alta-Quarzit ausgeführt. Der Eingangsbereich wurde hingegen mit einem robusten Granit-Kleinpflaster ausgelegt.
Von der ursprünglichen Innenausstattung sind die meisten Objekte im Krieg zerstört worden. Lediglich die Reliquienstatue des Hl. Stephanus und eine Figur des Hl. Antonius sowie vier Evangelientafeln konnten aus dem Schutt der zerstörten Kirche geborgen werden.
Altar, Altarkreuz und Altarleuchter Der schlichte Altar wurde 1961 von Rudolf Peer in weißem Carrara-Marmor ausgeführt. Das Altarrelief zeigt die Emmaus-Szene, die die Kölner Künstlerin Jutta Osten umgesetzt hat. Das Bronzerelief wurde 2011 bei der Umgestaltung des Altarraumes in das Pfarrbüro versetzt. Der Altar wurde dabei entsprechend der Liturgiereform von 1964 gedreht. Die Leuchter auf dem Altar schuf die Kölner Künstlerin Hildegard Domizlaff bereits 1955.