Robur ist die Bezeichnung für eine LKW-Baureihe der Zittauer Robur-Werke, die von 1961 bis 1991 hergestellt wurde. Mit einer Nutzlast von 1,8 bis 3,0 Tonnen war der Robur im Fahrzeugbau der DDR oberhalb des Barkas B 1000 und unterhalb des W50 angesiedelt. Abhängig von Motor und Fahrwerk, ergibt sich die Modellbezeichnung aus den Wörtern: Luftgekühlter und Ottomotor bzw. Dieselmotor, der Nutzlast in Kilogramm, sowie gegebenenfalls der Buchstabe A für Allradantrieb. Neben der Allrad-Option zählt die Luftkühlung zu den technischen Besonderheiten des Roburs. Der Robur wurde in mehreren Modellgenerationen gebaut, die sich äußerlich und technisch nicht wesentlich unterscheiden. Im Zuge der Wende und darauffolgender Auflösung der Robur-Werke wurde die Produktion 1991 beendet.

Robur LO/LD 2500 und 1800 A

Das Fahrzeug wurde auf der Leipziger Frühjahrsmesse 1961 zunächst als Pritschenwagen Robur LO 2500 mit einer Nutzlast von 2,5 t als Nachfolger des Robur Garant 30K vorgestellt. Bereits 1957 war der LO 2500 als Reiseomnibus präsentiert worden.Neuer Reiseomnibus aus Zittau. In: Kraftfahrzeugtechnik 6/1957, S. 225. Der Frontlenker-LKW war mit dem luftgekühlten Ottomotor mit Vergaser des Vorgängers ausgerüstet, dessen Leistung auf 70 PS (51,5 kW) gesteigert worden war, wobei sich jedoch auch der Kraftstoffverbrauch beträchtlich auf über 20 l/100 km im Straßenbetrieb erhöhte. Als allradgetriebene Variante mit 1,8 t Nutzlast entstand der LO 1800 A, weiterhin wurde auch der LO 2500 A mit 2,5 Tonnen Nutzlast und Allradantrieb hergestellt.

Schon zur Neuvorstellung 1961 rief der LO 2500 geteiltes Echo hervor. Es wurden Wünsche nach einer Vergrößerung der Nutzlast auf 3 Tonnen sowie nach einer weiteren Leistungssteigerung des Motors genannt, um den internationalen Entwicklungstendenzen folgen zu können. Auch eine Beurteilung durch das Amt für Material- und Warenprüfung im Jahr 1963 fiel sehr verhalten aus. Bemängelt wurden neben der relativ geringen Nutzlast zum Blockieren neigende Bremsen, die schwergängige Lenkung, der nicht drehzahlfeste Motor mit hohem Kraftstoffverbrauch, die hinten angeschlagenen Türen und vieles mehr. Die Gestaltung des Fahrerhauses wurde als zu wuchtig kritisiert. Es seien zudem Kompromisse bei der Fahrgestellauslegung gemacht worden, um die angestrebte umfangreiche Variantenvielfalt inklusive allradgetriebene Ausführungen verwirklichen zu können. Im Prüfbericht des Amtes fällt weiterhin die selbst für einen LKW beträchtliche Geräuschkulisse des luftgekühlten Roburs auf, sie betrug beim Pritschenwagen 94,5 db bei 60 km/h auf der Autobahn.Robur Frontlenker-LKW LO 2500. In: Kraftfahrzeugtechnik 7/1963, S. 265–267.

Dennoch war der Robur zu Produktionsbeginn ein zeitgemäßer 2,5-Tonner, wie ein Vergleich mit dem Borgward B 622 zeigte.Weitere Einzelheiten des Robur-Frontlenkers. In: Kraftfahrzeugtechnik 9/1961, S. 374–379. Mit seiner konstruktiven Auslegung auch für Allradantrieb, der anspruchslosen Luftkühlung und den wahlweise verfügbaren Otto- oder Dieselmotoren bot der Robur ein eigenständiges, vielseitiges Konzept, das auch in subtropischen Ländern geschätzt wurde. Bereits zur Leipziger Messe 1961 wurden Verträge über ein Exportvolumen über 53 Mio. DM abgeschlossen.Der neue Robur. In: Kraftfahrzeugtechnik 06/1961, S. 252–253. In der ČSSR deckte er den gesamten Bedarf nach Lkw dieser Größenordnung ab, bereits 1967 wurde der 20 000. Robur-Lkw dorthin geliefert.20 000 Robur-LKW in der ČSSR. In: Kraftfahrzeugtechnik. 7/1967, S. 221.

Modellpflege Ab 1963 war der bereits 1959 angekündigteKraftfahrzeugtechnik 12/1959, S. 492–493. Dieselmotor erhältlich,Von der Leipziger Frühjahrsmesse. In: Kraftfahrzeugtechnik 4/1964, S. 124–125. jedoch bereits 1968 wieder aus dem Sortiment gestrichen. Der Omnibus wurde 1964 überarbeitet, unter anderem vergrößerte sich die Stehhöhe im Mittelgang auf 183 cm.Verbesserte Aufbauten aus dem Karosseriewerk Halle. In: Kraftfahrzeugtechnik 3/1964, S. 108. 1965 wurde der Motor um 44 cm nach vorn verlegt. Dadurch vergrößerte sich die Ladefläche, beziehungsweise die Anzahl der Sitzplätze beim Omnibus von 18 auf 21. Die Nutzlast des Kastenwagens wurde auf rund 1,9 Tonnen vergrößert, beim Pritschenwagen wurde die Ladehöhe verringert, das Fahrerhaus besaß nun stets vorn angeschlagene Türen und der Ottomotor erhielt einen neuen Vergaser.Nutzkraftwagen und Motoren aus Zittau. In: Kraftfahrzeugtechnik 3/1965, S. 96–99. Das Jahr 1966 markierte mit 7.000 gefertigten Lkw, von denen 4.500 exportiert wurden, einen Höhepunkt der Robur-Fertigung.

Wie die meisten Fahrzeughersteller der DDR wurden jedoch auch die Robur-Werke im Laufe der 1960er Jahre zunehmend vernachlässigt, weshalb die Fertigungskapazitäten nicht mehr weiter ausgebaut und die bereits zu Serienbeginn geforderten Weiterentwicklungen nur noch in sehr begrenztem Umfang verwirklicht werden konnten. Internationale Neuentwicklungen wie der Mercedes LP 608 ließen den Robur bereits 1965 konstruktiv veraltet erscheinen, auch wenn er mit dem wahlweise verfügbaren Allradantrieb eine Sonderstellung behielt. Detailverbesserungen führten 1968 zu den Typen LO 2501 und LO 1801 A, äußerlich erkennbar am veränderten Kühlergrill ohne Typenschriftzug.Robur-LKW mit weiteren Verbesserungen. In: Kraftfahrzeugtechnik 3/1968, S. 77. Mit den LO 2501 wurde eine Zweikreisbremsanlage am Robur eingeführt.Erhöhung der Verkehrssicherheit am Robur LO 3000. In: Kraftfahrzeugtechnik 8/1977, S. 229–232.

Aufbauten Anfangs wurde der Robur LO 2500 neben dem Omnibus vorwiegend als Pritschenwagen gebaut, 1962 folgte eine Ausführung mit Kofferaufbau.Neuer Kofferaufbau bei Robur. In: Kraftfahrzeugtechnik 8/1962, S. 347–348. Der darauffolgende Kastenwagen wurde 1964 im Heckbereich überarbeitet, wodurch sich die Ladeöffnung vergrößerte.Verbesserte Aufbauten aus dem Karosseriewerk Halle. In: Kraftfahrzeugtechnik 3/1964, S. 108. Ab 1965 gab es den Robur auch mit Isolier-Kofferaufbau, der ebenso wie die Omnibus-Karosserie im VEB Karosseriewerke Halle produziert wurde. Insgesamt wurden zahlreiche Varianten hergestellt,LKW und luftgekühlte Verbrennungsmotoren aus Zittau. In: Kraftfahrzeugtechnik 10/1964, S. 374–378.Nutzkraftfahrzeuge aus dem VEB Robur-Werke Zittau. In: Kraftfahrzeugtechnik 11/1966, S. 401–403. unter anderem Mehrzweckfahrzeuge als Fleisch-, Bäckerei- oder Fischverkaufswagen. Weiterhin gab es einen Aufbau mit Drehleiter.

Es wurden auch Spezialfahrzeuge abgeleitet, unter anderem ein Service-Wagen mit Übernachtungsmöglichkeit für zwei Personen, der von der Firma Robert Bär in Rothnaußlitz als Einzelstück gebaut wurde.Spezialaufbau für Robur LO 2500. In: Kraftfahrzeugtechnik 12/1968, S. 370.

Allradantrieb Die Variante mit Allradantrieb hieß zunächst LO 1800 A und wurde ausschließlich mit dem Ottomotor geliefert. Verwendung fand das Fahrzeug vor allem in der NVA sowie bei der Feuerwehr. Bei einem Leergewicht von 3200 kg beträgt die Nutzlast in der Ausführung als Pritschenfahrzeug 1800 kg, die zulässige Höchstgeschwindigkeit beträgt 82 km/h. Das Löschfahrzeug LF-LKW-TS 8 war mit einem Schlauchtransportanhänger STA/ST ausgestattet, mit 675 m Druckschlauch. Dieser Aufbau wurde vom VEB Feuerlöschgerätewerk Görlitz hergestellt.Robur-Feuerlöschfahrzeug. In: Kraftfahrzeugtechnik 1/1964, S. 36. Ab 1968 wurde der leicht überarbeitete Typ 1801 A produziert, der äußerlich deutlich am geänderten Kühlergrill erkennbar ist. Eine weitere Ausführung mit Allradantrieb, kombiniert mit längerem Radstand (3270 mm) war der LO 2501 A, der als Bau- und Entstörungsfahrzeug Verwendung fand.Neue Spezialfahrzeuge aus dem VEB Robur-Werke Zittau. In: Kraftfahrzeugtechnik 9/1969, S. 258–259.

Motordaten BezeichnungLKW und luftgekühlte Verbrennungsmotoren aus Zittau. In: Kraftfahrzeugtechnik 10/1964, S. 374–378. LO44VO11,8/9,5SRLVEB ROBUR-Werke Zittau: ROBUR Frontlenker LO 2500 und LD 2500. Werbeprospekt, 1961. LO4/14VO11,8/9,5-1SRLVEB ROBUR-Werke Zittau: ROBUR LO/LD 2500. Werbeprospekt, 1967. 4VD12,5/10SRLVEB ROBUR-Werke Zittau: ROBUR Frontlenker LO 2500 und LD 2500. Werbeprospekt, 1961. Arbeitsweise Otto Otto Diesel (Wirbelkammer) Zylinderzahl 4, Reihe 4, Reihe 4, ReiheKühlung Gebläse Gebläse Gebläse Hub 118 mm 118 mm 125 mm Bohrung 95 mm 95 mm 100 mm Hubvolumen 3345 cm³ 3345 cm³ 3927 cm³ Verdichtungsverhältnis 6 : 1 6 : 1 20:1 Leistung 51,5 kW (70 PS) 51,5 kW (70 PS) 51,5 kW (70 PS) bei 1/min 2800 2800 2600 max. Drehmoment 220 Nm 220 Nm 215 Nm bei 1/min 1900 1900 1600Getriebe 5 Gänge 5 Gänge 5 Gänge Treibstoffverbrauch (l/100 km) 18 (Normverbrauch)23 – 26 (Straßenverbrauch) o. A. 13 (Normverbrauch)17 – 20 (Straßenverbrauch) Serienproduktion 1961–1967 1967–1973 1964–1973

Abmessungen Holzpritsche (1963)Robur Frontlenker-LKW LO 2500. In: Kraftfahrzeugtechnik 7/1963, S. 265–267. Gesamtlänge 6090 mm Gesamtbreite 2350 mm Radstand 3025 mm Spurweite vorn: 1585 mm, hinten: 1525 mm Leermasse 2725 kg Nutzlast 2500 kg Gesamtmasse 5200 kg zulässige Höchstgeschwindigkeit 85 km/h effektive Höchstgeschwindigkeit 98 km/h

Robur LO/LD-3000-und-2002-A-Modellreihe

Der LO 3000 stellte ab 1973 eine verbesserte Ausführung des bisherigen LO 2500 mit auf 3070 kg vergrößerter Nutzlast beim Pritschenwagen dar (Koffer: 2745 kg, Kasten: 2625 kg, Mehrzweck: 2475 kg, Bus: 1650 kg). Ein verstärkter U-Profil-Rahmen wurde anstatt des bisherigen Rahmens in Fischbauchform verwendet. Der seit Produktionsbeginn geäußerten Kritik an zu geringen Fahrleistungen wurde mit dem LO 3000 nicht nachgekommen. Wenigstens aber konnten Änderungen an der Ansauganlage, die ein Plus von 5 PS brachten, eine Verschlechterung der Fahrleistungen des nun schwereren Wagens verhindern. Ferner gab es mit dem LO 3000 einige Erleichterungen für den Fahrer, darunter eine leichtgängigere Kugelumlauflenkung, Bremskraftverstärkung (und lastabhängiger Bremskraftbegrenzer an der Hinterachse bei einigen Ausführungen) und verbesserte Sitze, allerdings anders als beim W 50 weiterhin ohne Zentralfederung.Weiterentwicklung der Robur-Fahrzeuge LO 2501 durch Gebrauchswerterhöhung zum LO 3000. In: Kraftfahrzeugtechnik 9/1972, S. 272–274.

Eine Nutzlaststeigerung erfuhr auch die allradgetriebene Variante, die nunmehr als LO 2002 A angeboten wurde. Der bisherige, parallel zum Ottomotor produzierte Dieselmotor war für den LO 3000 nicht mehr verfügbar. Erst ab Herbst 1982 war wieder ein Diesel (Typ ) im Angebot. Der LO 3000 war die Basis für eine Vielzahl von Sonderausführungen.

Modellpflege Die Weiterentwicklung in den 1970er Jahren beschränkte sich im Wesentlichen auf die Anpassung des Roburs an die sich verschärfenden ECE-Regelungen. Die in Regelung Nr. 15 seit Anfang der 1970er Jahre geforderte Begrenzung des CO-Gehalts im Abgas bei Motorleerlauf auf maximal 4,5 Vol.-% gestaltete sich für die Robur-Lkw mit Ottomotor als herausfordernd. Erst die Entwicklung eines neuen Vergasers (BVF 36 F1–20), einer geänderten Nockenwelle, einer geänderten Brennraumform und weitere Maßnahmen ließen den Robur die ECE-Prüfung bestehen. Dazu musste auch der bisher recht variable Leerlaufdrehzahlbereich von 350–700/min auf 450 +150/min verengt werden. Weitere Anpassungen im Detail wurden zur Umsetzung der ECE-Regelungen für Geräuschentwicklung, Funkentstörung, Bremsen, passive Sicherheit und Vermeidung vorstehender Außenkanten vollzogen. Unter anderem gab es dazu ab 1975 verbesserte Elektrik mit Warnblinkanlage, spätestens 1977 ein neues Farbprogramm mit gut erkennbaren Farben.