mini|Ausstellen einer Urkunde im Mittelalter, Zeichnung von Wolf Papst, Rheinheim Das Landgericht Klettgau war ein mittelalterliches Gericht in der Landgrafschaft Klettgau, welches ab 1361 erstmalsAlfons Peter, Das Landgericht Klettgau, S. 44. als solches genannt wurde.

Geschichte Bereits in der Frühzeit wurde an öffentlichen Plätzen Gericht gehalten, ursprünglich war dies der Thing. In den Achterklärungen des Othram von Weissenburg wird der Langenstein als Gerichtsort erstmals 1020 genannt.Brandeck, Geschichte der Stadt Tiengen, 1937, S. 106 Othram war wegen des Hofguts zu Weissenburg in Streit mit dem Kloster Rheinau geraten. Kaiser Heinrich II. schlichtete den Streit, indem er es dem Kloster vermachte: ab uno exlege homine, Othram dicto, justo judicum judicio adjudicatum fuit, situm in pago Chlegeuwe, in comitatu Radebotonis.Alfons Peter, Das Landgericht Klettgau, S. 36 ff. Georg Wilhelm Zapf bemerkt dazu, dass damit die Weissenburg gemeint sei. Unweit der Weißenburg im Gewann Hüller lag auch ein Richtersitz des Landgerichts in Form dreier großer Steine. Auch am Langenstein saßen die Grafen von Habsburg zu Gericht, so auch am 18. April 1380, an dem der Landgraf Rudolf IV. hier letztmals offenlich zu Gerichte saß. Von da an ließen sich die Landgrafen von Landrichtern vertreten. Die Bezeichnung Landrichter ist von der Bezeichnung des Landgrafen abgeleitet. Landrichter waren je nach Landesgegend unterschiedlichen Standes, im Klettgau waren es Freie, die jedoch nicht dem Adel angehörten. Neben den Verfahren in Rechtssachen wie (Lehen, Käufe und Verkäufe, Bestätigungen von Rechten, Beglaubigungen etc.) war das Landgericht für die Blutgerichtsbarkeit und Acht und Überacht zuständig.

Auch noch „nach 1400 wurde Landgericht […] unter freiem Himmel abgehalten, gewöhnlich ‚an freier kaiserlicher des Reichs Straße‘, bis die Gerichtstage etwa von der Mitte des 15. Jahrhunderts an vor allem bei schlechter Witterung in die Ratshäuser oder bestimmte Wirtshäuser wie den ‚Adler‘ in Oberlauchringen und ‚Engel‘ in Lottstetten verlegt wurden.“Brigitte Matt-Willmatt/Karl-Friedrich Hoggenmüller: Lauchringen. Chronik einer Gemeinde. Hrsg.: Gemeinde Lauchringen, Verlag K. Zimmermann, Konstanz 1986, S. 117.

Ablauf Die Orte der Verhandlungen wurden nach Bedarf gewählt, meist waren es markante Geländepunkte oder besondere Naturdenkmäler. Dazu wurde von den Knechten durch Fällen von Gehölz um den Gerichtsort eine Landschranne errichtet, welche das Publikum vom Gericht trennte. Dann wurde der Urteilssprecher vereidigt und er eröffnete mit dem Stab die Verhandlung. In der Frühzeit fanden diese Verhandlungen stets unter freiem Himmel statt, oft wechselten die Orte, erst ab dem 15. Jahrhundert wurde das Rathaus als Versammlungsort genutzt. Dem Kläger war im Prinzip immer der Weg zur höheren Instanz bis zum König (Hofgericht) möglich. Die Stadt Tiengen war nicht dem Landgericht unterworfen sie hatte ihre eigene Gerichtsbarkeit, das Stadtgericht Tiengen. Zudem gab es noch das Dinghofgericht für die Freien. Noch Ende des 18. Jahrhunderts nannte sich Johann Baptist Würtenberger frey-kayserlicher Landrichter im Klettgau und hielt im Namen des Fürsten Johann von Schwarzenberg auf der frey-kayserlichen Landstrassen und einziger Malstatt offen verbanntes Landgericht zu Rheinheim ab.Alfons Peter, Das Landgericht Klettgau, S. 39 Letzter amtierender Landrichter des Landgerichts Klettgau war Sigmund Buri von Schwerzen.Brigitte Matt-Willmatt, Karl-Friedricht Hoggenmüller: Lauchringen - Chronik einer Gemeinde, Gemeinde Lauchringen (Hrsg.), Lauchringen 1985 S. 117

Landrichter im Klettgau Peter Vierer, 1337 Johann Has, 1380–1398 Konrad Täninger, 1403–1420 Cunrat Uffhofer oder Konrad Uffhauer 1424–1425 Nicolas Indigkofer, 1430 Konrad Matzinger, 1434–1472 Hans Braunstein, 1482 Mathis Loholzer, 1483 Jos Brunner, 1484 Jos Blenck, 1496 Peter Bierer, 1504–1531 Hans Steger, 1512, Vogt zu Mettingen Hans Jakob von Heidegg, Obervogt zu Küssenberg und Statthalter des Grafen Rudolf von Sulz, 1514 wird er als Landrichter genannt. Peter Frey, 1523 Konrad Meyer, Vogt von Geisslingen, 1535 Hans Gering, 1562 Thoman Boller, 1572 Dieter Zimmermann, 1587–1589 Johann Jakob von Beck, 1599, Obervogt Bernhard Meyer, 1606 Jakob Strässler, Vogt zu Bühl, 1618–1620 Hans Schilling, Vogt zu Grießen, 1629 Leonhard Huber, Vogt zu Erzingen, 1678 Johann Stoll, Vogt zu Grießen, 1693–1708 Johann Baptist Würtenberger, Vogt und Adlerwirt von Oberlauchringen, 1785–1793, Sigmund Bury, 1802–1803 Reichsdeputationshauptschluss

Überlieferte Orte, an denen das Landgericht tagte am Langenstein (bei Tiengen) an der Rheinhalde bei Rheinau, (uf der Rinhalde by Rinow, Rinow uff der Halden) ze Tikki, ze de Dikke zur Dicke, (zwischen Neunkirch und Wilchingen ?) ze den linden by Schaffhusen bei Schaffhausen vor Schafhusen im Brwurff bei Schaffhausen uf der Fluh oder by den Fluhn bei Kaiserstuhl uff der brugg bei Kaiserstuhl (nur zur Vidimierung der Königlichen Privilegien) zu Oberlauchringen an freier Reichsstrass am Radbrunnen in Erzingen zu Grießen an freier kaiserlicher und des heiligen Reichs Strassen zŭ Mettingen im torffe im Hüller bei Weisweil zu Dangstetten zu Schwerzen zu Lottstetten zu Geisslingen zu Trasadingen zu Willmendingen u. a.

Weitere mittelalterliche Gerichte in der Umgebung Die benachbarte Landgrafschaft Stühlingen hatte ein eigenes Gericht, das Landgericht Stühlingen. Die Stadt Kaiserstuhl AG hatte ebenfalls ein eigenes Stadtgericht, das dem Bistum Konstanz unterstellt war. Für den Hotzenwald war das Waldvogteiamt zuständig. Die Städte Zürich, Schaffhausen, Aarau, Brugg und Baden AG hatten ihre eigenen Stadtgerichte, bzw. zählten als Gemeine Herrschaften wie die Grafschaft Baden zur alten Eidgenossenschaft. Die Waldstädte und das Fricktal unterstanden der Regierung Vorderösterreichs in Ensisheim.

Literatur Alfons Peter: Das Landgericht Klettgau. Dissertation, Zürich, 1966 Hans Brandeck: Geschichte der Stadt Tiengen. 1937

Einzelnachweise

Kategorie:Historisches Gericht (Baden-Württemberg) Kategorie:Rechtsgeschichte des Mittelalters (Deutschland) Kategorie:Klettgau