mini|Vila Mimosa – geographische Lage in der Innenstadt von Rio de Janeiro Vila Mimosa ist einer der bekanntesten Rotlichtbezirke in Rio de Janeiro. Es gilt als eines der größten Viertel heterosexueller Prostitution in der Welt.

Lage Das Viertel Vila Mimosa befindet sich unweit der Altstadt von Rio de Janeiro zwischen den U-Bahn-Stationen São Cristóvão und Praça da Bandeira. Zentrale Straße ist die Rua Soteiro dos Reis, in der Nähe der Praça da Bandeira. Sie liegt “zwischen der Ruine des Leopoldina-Bahnhofs, den Gleisen der Vorortebahn und dem alten Schlachthof, nahe beim Fußballstadion Maracanã.” Das Viertel ist 2.500 Quadratmeter groß und von zwei Kanälen, sowie den Straßen Rua Francisco Eugenio und Avenida Osvaldo Aranha umgeben und umfasst die Straßenzüge Rua Soteiro dos Reis, Rua Ceará, Rua Hilário Riberio und Rua Lopes de Sousa.

Geschichte Vila Mimosa, bzw. Vila Mimoza, wie das Viertel in seiner Anfangszeit hieß, wurde damals von Flüchtlingen aus dem Zweiten Weltkrieg bewohnt, vornehmlich von ledigen oder verwitweten Frauen aus Osteuropa, welche aus ärmlichen Verhältnissen stammten. Aus dieser Zeit stammte noch der despektierliche Ausdruck “Polacas”, hellhäutige, europäische Mädchen, die von russischen Zuhältern ausgebeutet wurden.Rio de Janeiro: Im Wellblechgarten der Lüste, von Carl D. Goerdeler, 18. April 2009. Das erste Rotlichtviertel entstand in der Zona do Mangue, in der Nähe der heutigen Avenida Presidente Vargas, im Zentrum von Rio de Janeiro. Die erste Einwanderergeneration vermischte sich zunehmend mit den Brasilianern und verschwand über die Jahre.

Heute ist die Vila Mimosa ein komplexes, soziales Gebilde aus Kleingewerbe, Kneipen, Bars und ca. 150 Orten, an denen Prostitution legal betrieben werden darf. Häufig sind Ex-Polizisten Betreiber der Bordelle. Während sich im Erdgeschoss häufig eine Bar befindet, wird die Prostitution in ca. 70 Apartments oder Zimmern ausgeübt, welche minimal zehn Quadratmeter groß sind. Der Betrieb ist auf 24 Stunden ausgelegt. Gemäß Angaben der AMOCAVIMAssociação dos Moradores do Condomínio e Amigos da Vila Mimosa – Gemeinschaft der Bewohner und Freunde der Vila Mimosa frequentieren am Wochenende, vor allem am Freitag und Samstag ca. 4.500 Personen (davon 3.000 Männer und 1.500 Frauen) die Amüsierbetriebe. Vila Mimosa wird von privat betriebenen Sicherheitsdiensten geschützt, welche von den Bewohnern bezahlt werden. Transvestiten und männlichen Prostituierten ist das Nachgehen ihres Gewerbes in der Vila Mimosa streng untersagt. Über Bordelleröffnungen entscheidet ebenfalls die AMOCAVIM. Die AMOCAVIM als Kooperative und Interessensgemeinschaft hat auch dafür gesorgt, dass die Sexarbeiterinnen zum großen Teil selbstständig, also ohne Zuhälter, arbeiten. Die Kundschaft sowie die Sexarbeiterinnen entstammen überwiegend aus der Unterschicht, was auch zu gemäßigten Preisen in der Vila Mimonsa gesorgt hat. Auf das Gewerbe wird keine Grundsteuer erhoben. Betreut werden die Sexarbeiterinnen von Ordensschwestern der “Missionarinnen des Lebens”Die Missionarinnen des Lebens: Ein Hilfsprojekt für Prostituierte in Rio de Janeiro, DRadio, 18. Februar 2012

Projekt „Cidade das Meninas“ Die Trasse des geplanten Schnellzuges, auch Trem Bala („Kugel-Zug“) genannt, wird in unmittelbarer Nähe der Vila Mimosa gebaut werden. Dagegen protestieren die Einwohner, Gewerbebesitzer, Bar- und Restaurantbetreiber, sowie die Prostituierten und haben bereits beträchtliche Mittel gegen dieses Bauvorhaben gesammelt. Cidade das Meninas („Stadt der Mädchen“) ist vornehmlich ein Projekt der Sexarbeiterinnen, welche einen 1.825 Quadratmeter großen Neubau geplant haben. Dieser Neubau, welcher vom Architekten Guilherme Rodrigues Ripardo, einem Schüler des bekannten Oscar Niemeyer, geplant ist, soll ein kleines Amphitheater für Modenschauen, Räumlichkeiten für Berufsausbildung, einen Kindergarten, medizinische Einrichtungen und ein Parkhaus enthalten.

Rezeption Carl D. Goerdeler schreibt über die Vila Mimosa:

Der Schweizer Autor Stefan Zweig, der vor dem Terror der Nationalsozialisten nach Brasilien floh, berichtete über seine Eindrücke:

Die Zeit schildert ein anderes Bild der Vila Mimosa:

Trivia Die Vila Mimosa ist auch Bühne einiger Stars des brasilianischen Pornofilms wie z. B. Natasha Lima. Bekannte Persönlichkeiten wie der Maler Di Cavalcanti und Musiker wie Dicró oder Mr. Catra e Cartola haben dem Viertel einen anderen Ruf gegeben. Im Jahr 2003 schrieben die Musiker MC Serginho e Lacraia ein Lied als Hommage an die Vila Mimosa. Vila Mimosa dient häufig als Filmkulisse.

Anmerkungen und Einzelnachweise

Weblinks Rio de Janeiro: Im Wellblechgarten der Lüste, von Carl D. Goerdeler, 18. April 2009 Sexo para quase todos: a prostituição feminina na Vila Mimosa / Sex for almost all: female prostitution in Vila Mimosa. Elisiane Pasini, Juli - Dezember 2005 auf ScieLO (pt.)

Kategorie:Geographie (Rio de Janeiro) Kategorie:Zona Norte (Rio de Janeiro) Kategorie:Rotlichtviertel Kategorie:Sexualität in Brasilien