Luhansk (; ) ist die Hauptstadt der Oblast Luhansk in der Ukraine mit 400.000 Einwohnern (2024).https://www.rbc.ua/ukr/tag/lugansk-11032014 Die Stadt befindet sich am Zusammenfluss der Flüsse Luhan und Olchowka, daher auch ihr Name. Von 1935 bis 1958 und von 1970 bis 1992 hieß die Stadt zu Ehren des sowjetischen Funktionärs Kliment Woroschilow Woroschylowgrad (ukrainisch , russisch /Woroschilowgrad).
Seit 2014 ist Luhansk de facto die Hauptstadt der Volksrepublik Lugansk – eines unter russischem Protektorat stehenden Territoriums. Seit 2022 ist die Volksrepublik Lugansk ein Föderationssubjekt der Russischen Föderation, wobei Lugansk weiterhin ihre Hauptstadt ist. De jure bleibt Luhansk gemäß der administrativ-territorialen Gliederung der Ukraine die Hauptstadt der Oblast Luhansk, die zu den von Russland besetzten Gebieten gehört. mini|links|Marke der Ukrposhta aus der Serie Wappen der Städte der Ukraine, 1995: Luhansk
Geschichte
Bis zum 19. Jahrhundert In verschiedenen Medien wurden 2006 archäologische Befunde nahe Luhansk als frühgeschichtliche Strukturen einer Pyramide interpretiert,PRAVDA: Ancient pyramids found in Ukraine; BBC News: 'Pyramids' discovered in Ukraine die auf eine frühe Besiedlung hinweisen. Dies stellte sich allerdings später als Falschmeldung heraus; bei den Befunden handelt es sich um einen Grab-Tempel-Komplex, der laut dem Grabungsleiter Viktor Klochko etwa 4000 v. Chr. von Proto-Indoeuropäern erbaut und bis etwa 400 v. Chr. genutzt wurde.Fact Check: Ukrainian „Pyramid“, Archaeology am 26. September 2015
Am 14. November 1795 erging der Erlass von Katharina II. über die Gründung einer Fabrik, die am 25. November 1795 offiziell mit dem britischen Industriellen Charles Gascoigne gegründet wurde. Am 4. Oktober 1800 ging der erste Hochofen in Betrieb. Im Jahre 1812 war die Fabrik ein wichtiger Hersteller von Munition für die russische Armee, die im Krieg gegen Napoleon stand. 1882 wurde Luhansk zur Stadt erhoben. Am 3. Mai 1896 gründete Gustav Hartmann die Firma „Russische Maschinenbaugesellschaft Hartmann in Lugansk“. Die Stadt entwickelte sich zu einem bedeutenden Industriezentrum für den Bau von Schwermaschinen und Lokomotiven. Im Jahr 1900 hatte die Stadt 34.175 Einwohner und vier Kirchen.Meyers Konversationslexikon, 6. Auflage Leipzig - Wien 1908, Band 12, Stichwort „Lugansk“
20. Jahrhundert mini|links|Frauen aus Luhansk in ukrainischer Tracht, 1900er Ende des Ersten Weltkrieges wurde die Stadt von Rotgardisten, österreichischen Truppen und Weißen Truppen besetzt. Im April 1918 war Luhansk Hauptstadt der Sowjetrepublik Donezk-Kriwoi Rog. 1934 wurde im Ort die bis heute betriebene Straßenbahn eröffnet. 1935 wurde die Stadt nach dem sowjetischen Militärführer und Politiker Kliment Jefremowitsch Woroschilow in Woroschylowhrad (russisch: Woroschilowgrad) umbenannt. 1938 wurde sie Hauptstadt der neugeschaffenen Oblast Woroschylowhrad.
Im Zweiten Weltkrieg erreichten am 14. Juli 1942 deutsche Truppen im Rahmen der Woronesch-Woroschilowgrader Operation die Stadt. Sie fiel am 19. Juli 1942. Die Rote Armee eroberte Woroschilowgrad am 14. Februar 1943 zurück. In der Stadt bestanden die beiden Kriegsgefangenenlager 144 (bis 1954) und 474 (ab 1949) für deutsche Kriegsgefangene des Zweiten Weltkriegs.Erich Maschke (Hrsg.): Zur Geschichte der deutschen Kriegsgefangenen des zweiten Weltkrieges. Verlag Ernst und Werner Gieseking, Bielefeld 1962–1977. Schwer Erkrankte wurden in den Kriegsgefangenenhospitälern 1243, 5929 und 6011 versorgt.
Im Jahr 1991 wurde die damals zur USSR bzw. UdSSR gehörende Oblast Luhansk nach dem Referendum über die Unabhängigkeit der Ukraine Staatsgebiet der Ukraine. Damit ging auch die Stadt in ukrainisches Territorium über.
21. Jahrhundert mini|links|Euromaidan in Luhansk, 11. Januar 2014 mini|Prorussische Kundgebung in Luhansk, 1. März 2014 Zu Beginn des Russisch-Ukrainischen Krieges entsandte die OSZE am 21. März 2014 Beobachter nach Luhansk.Krim-Krise: OSZE schickt 100 Beobachter in die Ukraine, Spiegel Online am 22. März 2014 In den Tagen und Wochen davor war es in Luhansk zu prorussischen Protesten gekommen, bei denen Demonstranten ein Referendum nach dem Vorbild der Krim gefordert hatten.Prorussische Proteste in Süd- und Ostukraine, Kleine Zeitung am 16. März 2014 Am 21. März wurde ein tags zuvor von prorussischen Demonstranten errichtetes Zeltlager auf dem Luhansker Zentralplatz entfernt. Dabei kam es zu Zusammenstößen zwischen Aktivisten und der Polizei., Kharkov News Agency am 21. März 2014.
Eine Iljuschin Il-76 der ukrainischen Luftwaffe wurde am 14. Juni 2014 beim Anflug auf den Flughafen von Luhansk mit einer 9K38-Igla-Boden-Luft-Rakete abgeschossen, wobei 9 Besatzungsmitglieder und 40 Fallschirmjäger getötet wurden.spiegel.de: Ukrainisches Militärflugzeug über Ostukraine abgeschossen
Die Stadt befand sich seit 2014 unter Kontrolle der international nicht anerkannten Volksrepublik Lugansk und gehörte nach Angaben der ukrainischen Regierung zu einem Gebiet, auf dem die Organe der Staatsmacht vorübergehend ihre Befugnisse nicht ausüben., 7. November 2014, N 1085-р (ukrainisch).
Mit dem russischen Überfall auf die Ukraine wurde die Stadt im Jahr 2022 einseitig als der Russischen Föderation zugehörig proklamiert.
Verwaltungsgliederung Luhansk ist in die vier Stadtrajone Rajon Schowtnewe, Rajon Lenin, Rajon Kamjany Brid und Rajon Artemiwsk gegliedert. Dazu kommt noch die Stadt Oleksandriwsk, mit den Ansiedlungen Dserschynske (Дзержинське) und Teplytschne (Тепличне) sowie die Siedlung städtischen Typs Juwilejne. Die gesamte Stadtgemeinde hat 464.881 Einwohner (November 2012). (ukrainisch)
Am 12. Juni 2020 wurde die Stadt zum Zentrum der neugegründeten Stadtgemeinde Luhansk (Луганська міська громада/Luhanska miska hromada). Zu ihr zählen auch die Stadt Oleksandriwsk, die Siedlung Juwilejne, die 23 in der untenstehenden Tabelle aufgelisteten Dörfer sowie die 4 Ansiedlungen Dserschynske, Fabrytschne, Metalist und TeplytschneКабінет Міністрів України Розпорядження від 12 червня 2020 р. № 717-р „Про визначення адміністративних центрів та затвердження територій територіальних громад Луганської області“, bis dahin bildete sie zusammen mit oben genannten Orten die gleichnamige Stadtratsgemeinde Luhansk (Луганська міська рада/Luhanska miska rada) unter direkter Oblastverwaltung der Oblast Luhansk.
Seit dem 17. Juli 2020 ist sie ein Teil des Rajons LuhanskВерховна Рада України; Постанова від 17.07.2020 № 807-IX "Про утворення та ліквідацію районів".
Die administrative Umsetzung konnte jedoch de facto aufgrund der Besatzung durch die Volksrepublik Lugansk bislang nicht erfolgen.
Folgende Orte sind neben dem Hauptort Luhansk Teil der Gemeinde: Gemeindeteile ukrainisch transkribiert ukrainisch russisch Chrystowe Христове Христово (Christowo) Burtschak-Mychajliwka Бурчак-Михайлівка Бурчак-Михайловка (Burtchak-Michailowka) Dserschynske (seit 2016 offiziell ukrainisch SraskoweВерховна Рада України; Постанова від 12.05.2016 № 1351-VIII Про перейменування окремих населених пунктів та районів на тимчасово окупованих територіях Донецької та Луганської областей) Дзержинське (Зразкове) Дзержинское (Dserschinskoje) Fabrytschne Фабричне Фабричное (Fabritschnoje) Hajowe Гайове Гаевое (Gajewoje) Juwilejne (seit 2016 offiziell ukrainisch KateryniwkaВерховна Рада України; Постанова від 12.05.2016 № 1351-VIII Про перейменування окремих населених пунктів та районів на тимчасово окупованих територіях Донецької та Луганської областей) Ювілейне (Катеринівка) Юбилейное (Jubileinoje) Kruta Hora Крута Гора Крутая Гора (Krutaja Gora) Lobatschewe Лобачеве Лобачёво (Lobatschjowo) Lyman Лиман Лиман (Liman) Metalist Металіст Металлист (Metallist) Mykolajiwka Миколаївка Николаевка (Nikolajewka) Nowoseliwka Новоселівка Новосёловка (Nowosjolowka) Obosne Обозне Обозное (Obosnoje) Oleksandriwsk Олександрівськ Александровск (Alexandrowsk) Pankiwka Паньківка Паньковка (Pankowka) Pionerske (seit 2016 offiziell ukrainisch SuchodilВерховна Рада України; Постанова від 19.05.2016 № 1377-VIII Про перейменування окремих населених пунктів та районів) Піонерське (Суходіл) Пионерское (Pionerskoje)/Суходол (Suchodol) Prywitne Привітне Приветное (Priwetnoje) Rajiwka Раївка Раёвка (Rajewka) Roskischne Розкішне Роскошное (Roskoschnoje) Sabiwka Сабівка Сабовка (Sabowka) Schowte Жовте Жёлтое (Schjoltoje) Schyschkowe Шишкове Шишково (Schischkowo) Semljane Земляне Земляное (Semljanoje) Stukalowa Balka Стукалова Балка Стукалова Балка Switle Світле Светлое (Swetloje) Teplytschne Тепличне Тепличное (Teplitschnoje) Wessela Hora Весела Гора Весёлая Гора (Wessjolaja Gora) Wessela Tarassiwka Весела Тарасівка Весёлая Тарасовка (Wessjolaja Tarassowka) Zwitni Pisky Цвітні Піски Цветные Пески (Zwetnyje Peski)
Bevölkerungsentwicklung
Dynamik der nationalen Zusammensetzung der Bevölkerung von Luhansk gemäß Volkszählungen Nationalität1939 (%)1959 (%) 2001 (%) Ukrainer58,748,3 50,0 Russen34,547,1 47,0 Juden4,5 1,6 Belarussen0,51,1 0,7
Demografische Entwicklung QuelleDemographie ukrainischer Städte auf pop-stat.mashke.org. 1897 1923 1926 1939 1959 1970 1979 1989 2001 2016 20.404 43.966 71.006 214.607 274.520 382.774 463.047 496.813 463.097 414.509
Die mehrheitlich russischsprachige Stadt ist eines der Zentren der russischen Sprache in der Ukraine.
Nach der Besetzung von Luhansk im Jahr 2014 durch die von Russland kontrollierte LNR wird in der Stadt die ukrainische Sprache ausgerottet. Russland ergreift Maßnahmen, damit Einwohner der Stadt die russische Staatsbürgerschaft annehmen.
Sport Der örtliche Fußballverein Sorja war 1972 als Sorja Woroschilowgrad sowjetischer Fußballmeister und 1992 Gründungsmitglied der höchsten ukrainischen Spielklasse. Aktuell trägt der Verein seine Spiele in Saporischschja aus.
Städtepartnerschaften Luhansk hat fünf Partnerstädte und drei Städtefreundschaften: StadtLandStatusseitCardiffPartnerstadtDaqingStädtefreundschaft2000LublinPartnerstadt1996Nischni Tagil 15pxStädtepartnerschaft2022PernikPartnerstadt1948Rostow am DonStädtefreundschaftSaint-ÉtiennePartnerstadt1959SzékesfehérvárPartnerstadt1978VansbroStädtefreundschaft
Wirtschaft Die mehr als 7000 Mitarbeiter zählende Lokomotivfabrik lieferte Diesellokomotiven für den Güterverkehr in großen Stückzahlen an die Ostblockstaaten. Sie galt als größte Lokomotivfabrik Europas, hat aber die Produktion seit 2014 weitgehend reduziert. Viele Fabriken, die durch die Kriegshandlungen zerstört wurden oder die Arbeit stoppen mussten, wurden demontiert, in Einzelteile zerlegt, abtransportiert und als Metallschrott weiterverkauft.Brian Milakovsky: Analyse: An der Grenze: Krieg und Industriekrise in der Oblast Luhansk, auf bpb.de, 15. Februar 2019.
Verkehr mini|Luhansk International Airport (2014) Bis zum Beginn des russischen Kriegs in der Ukraine befand sich unweit der Stadt, im Vorort Peremoschne, der Flughafen Luhansk. Dieser war bis zum 11. Juni 2014 in Betrieb (Three airports in the East Ukraine closed until better times), Ukrinform, 19. Juni 2014. und wurde kurz darauf im August 2014 bei Kämpfen zwischen ukrainischen Regierungstruppen und pro-russischen Kämpfern fast komplett zerstört.Battles leave Lugansk airport, busy tourist hub, in ruins
Persönlichkeiten Söhne und Töchter der Stadt
Wladimir Dal (1801–1872), russischer Philologe Alexander Ptuschko (1900–1973), ein vor allem für seine Märchenverfilmungen bekannter sowjetischer Filmregisseur Sergei Kischkin (1906–2002), sowjetisch-russischer Metallkundler und Hochschullehrer Dov Feigin (1907–2000), israelischer Bildhauer Wladimir Sobolew (1908–1982), russischer Mineraloge Georgi Timtschenko (1912–1991), sowjetischer Admiral Michail Matussowski (1915–1990), sowjetischer Dichter und Liedermacher Georgi Beregowoi (1921–1995), sowjetischer Kosmonaut