mini|Lageplan des Landschaftsgarten Der Landschaftsgarten Kammerbusch ist ein 50 ha kleines Waldgebiet bei Langerwehe-Heistern im Weiler Schönthal. Er wurde Mitte der 1850er-Jahre von Carl Viktor Schleicher (1803–1883) im Stile eines Englischen Landschaftsgartens angelegt und mit mehreren Skulpturen und Denkmälern ausgestattet.

Geschichte mini|Geschichte Gut Schönthal Carl Schleicher, der bereits 1825 die von seinem Vater Matthias Leonhard Schleicher (1758–1836) im Jahr 1819 auf Schönthal eingerichtete Nadelfabrik unter der Firmierung „Carl Schleicher & Söhne“ übernommen hatte, baute dieses Unternehmen in den folgenden Jahrzehnten immer weiter aus, wodurch die Familie zu großem Reichtum gelangte. Entsprechend der damaligen Norm des Großbürgertums ließ sich Carl Schleicher nicht nur eine Villa in Werksnähe erbauen, sondern zudem ab 1858 im Hang oberhalb des Fabrikgeländes in einem erworbenen Waldstück einen Park anlegen. Er stattete diesen mit mehreren Skulpturen, Denkmälern und einigen Zierbauten aus. Sein Sohn Richard Schleicher (1843–1918) übernahm nicht nur die Firma, sondern bemühte sich zunächst nebenberuflich und ab 1899 nach der Übergabe des Unternehmens an seinen Sohn Waldemar (1880–1949) ausschließlich um die Gestaltung und Instandhaltung des Landschaftsgartens.

Mit dem Niedergang der Nadelfabrik Schleicher nach dem Ersten Weltkrieg und der Übernahme durch die Nadelfabrik Jungbecker in Aachen im Jahr 1939 verfielen sowohl die Fabrik als auch der Landschaftsgarten zusehends und wurden vor allem im Zweiten Weltkrieg maßgeblich beschädigt. Erst nach einem Besitzerwechsel im Jahr 1991 wurden die alten Fabrikanlagen einer neuen Bestimmung zugeführt und der verwilderte Landschaftsgarten grundlegend saniert. Maßgeblichen Anteil daran hatte die in Heistern lebende Katharina Lück (1918–2007), die sich als Förderin des Landschaftsgartens Kammerbusch einen Namen gemacht hatte und deshalb mit einer Stele am Ortsrand von Heistern geehrt wurde.

Mittlerweile hat sich der Landschaftsgarten zu einem beliebten öffentlichen Naherholungsgebiet entwickelt und erinnert mit seinen Skulpturen, Denkmälern und Teichen an vergangene Zeiten.

Sehenswertes mini|Ehem. Rittersaal Karlsburg Die Ruine der Karlsburg, ein 1850 in Burgform errichtetes Gästehauses auf der bewaldeten Anhöhe. Die Anna-Kapelle in Nachbarschaft zur Karlsburg, diente einigen Angehörigen der Familie Schleicher, darunter Richard und Waldemar, als Mausoleum, 2004 restauriert. Gravur über dem Portal: „Sanctae Annae laus et gratia“ Der Hagartempel, benannt nach Hagar, eine ägyptische Magd aus dem Alten Testament. Der Tempel wurde im Jahr 2001 durch die Familie Fourné, mittlerweile Besitzer von Gut Schönthal, erbaut. Inschrift Tafel: „Durch den Wiederaufbau des Tempels im Jahr 2001 gab die Familie Bernd Fourné der Vergangenheit eine Zukunft.“ Drei Türme gemäß dem historisierenden Geschmack seiner Zeit für seine Kinder Waldemar, Lulu und Edith. Von diesen Türmen ist lediglich der Luluturm vollständig erhalten, wogegen der Waldemarturm nur noch eine Ruine ist und der Edithturm mittlerweile abgerissen wurde. Auf dem Luluturm ist eine Wappentafel mit dem Allianzwappen von Richard Schleicher und seiner Gattin Luise Reuter und den Initialen ihrer Namen angebracht. Ein Seerosenteich mit einer nackten Jungenfigur in der Mitte, der eine Gans in den Armen hält. Eine hohe Handwerkersäule mit zahlreichen reliefartig angebrachten Handwerkersymbolen und ebenfalls eine nackte Jungenfigur mit Gans oben auf der Säule stehend. Ein aus Felsgestein geformter Triumphbogen, über den einer der Hauptwege verläuft und der einen Schleichweg mit einem Bachverlauf überbrückt. Eine Grotte aus Felsgestein, in der hinter Schutzgitter ein nacktes, in Stein gehauenes loreleyähnliches Mädchen hockt. Ein Gedenkstein für die Gefallenen der Familie Schleicher im Ersten WeltkriegEhrenmal für die Gefallenen der Fam. Schleicher im Ersten Weltkrieg, Porträt auf ehrenmale-kreis-dueren.de Hölzernes Gedenkkreuz, neu erstellt im Februar 1994, Inschrift Plakette: „Zur Erinnerung an die schweren Kämpfe in den Monaten November und Dezember 1944 im Kammerbusch“ Mehrere Statuen und Denkmäler mit teils verherrlichenden Inschriften, darunter die von Kaiser Kaiser Wilhelm I., Inschrift auf dem Postament: „Wilhelm I., des neu erstandenen Deutschen Reiches großer Kaiser; Errichtet 1888“ Kaiser Friedrich III., Inschrift Sockel: „Stark hoheitsvoll auf Grosses bedacht, leutseligen Wesens und das Herz voller Güte, der Kunst Freund und Meister in der Schlacht, war er des schönstens Rittertums Blüte.“ Kaiser Wilhelm II., Inschrift auf einer Metalltafel: „Wilhelm II., der letzte deutsche Kaiser und König von Preußen in den Jahren 1888–1918. Enkel des ersten deutschen Kaisers Wilhelm I. und der britischen Königin Victoria“ Bismarckdenkmal; Inschrift: „Otto Graf von Bismarck, * 1.4.1815 † 30.7.1898 – Ruht auch das Steuer nicht mehr in einer Hand, bleibt er doch ewig theuer dem Vaterland.“ Moltkedenkmal; Inschrift: „Helmuth Graf von Moltke – 1800–1891 – Wahlspruch des großen Generalfeldmarschalls: Allzeit treu bereit zu Deutschen Reiches Herrlichkeit“

Literatur Joachim Kleinmanns: Der Landschaftsgarten der Villa Schleicher in [Langerwehe-] Schönthal, in: Denkmalpflege im Rheinland. – 3 (1986) 3, S. 7–10 : III.

Weblinks

Langerwehe- Kammerbusch-Park und Karlsburg, Impressionen Landschaftsgarten Kammerbusch auf umdiewelt.de Ehemalige Nadelfabrik Schleicher auf Gut Schönthal bei Langerwehe, Porträt auf industriemuseen-emr.de Rhododrendronblüte im Landschaftsgarten Kammerbusch, Porträt auf komm-mit-wandern.de Einzelnachweise

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