mini|Grabplatte Hartmanns von Grüningen in der Markgröninger Bartholomäuskirche. Sie gilt als älteste erhaltene Grabplatte eines Grafen von Württemberg. mini|Die von den Grafen von Grüningen in ihrer Hauptresidenz errichtete Bartholomäuskirche war als Grablege ihrer fürstlichen Dynastie vorgesehen miniatur|Im Neckarbecken zwischen dem Heuchelberg im Nordwesten und dem Halbrund der Keuperwaldberge (braun) hatten die Grafen von Grüningen etliche staufische und Reichsgüter übernommen Hartmann II. von GrüningenNur Fendrich (2016) bezeichnet ihn abweichend als Hartmann III. von Grüningen und hält ihn für den im Jahr 1280 Verstorbenen. (* vor 1252; † 1280 oder vor 12. März 1273), entstammte der Seitenlinie Grüningen-Landau des Hauses Württemberg. Seine Eltern waren Graf Hartmann I. von GrüningenNur Fendrich (2016) bezeichnet den Vater abweichend als Hartmann II. von Grüningen. und eine unbekannte erste Gattin. Hartmann II. wehrte sich lt. Fendrich (2016) ab 1275 vergeblich gegen die „Revindikationspolitik“ König Rudolfs von Habsburg, starb nach jahrelangem Konflikt in Kerkerhaft auf dem Hohenasperg und wurde wie sein Vater in ihrer neuen Kirche und Grablege in Grüningen beigesetzt. Mit seinem Tod begann der Abstieg dieser jungen württembergischen Dynastie.

Hartmann I. = Hartmann I. + Hartmann II. + Hartmann III. ?

Dieser Wikipedia-Artikel basiert auf der in neuerer Zeit nur von Fendrich (2016) vertretenen Hypothese, es habe in Wirklichkeit Vater, Sohn und Enkel gegeben, die allesamt Hartmann von Grüningen hießen und von der modernen Geschichtsforschung fälschlich zu einer Person, dem Vater Hartmann I. von Grüningen, zusammengefasst wurden. Dieser Artikel über Hartmann II. bzw. III. steht daher im Widerspruch zu dem Artikel über Hartmann I. von Grüningen. Ebenfalls auf der Annahme der drei Hartmänner beruht der Artikel über Hartmann I. bzw. II. von Grüningen.

Vergebliche Gegenwehr und Niedergang Hartmann II. hat lt. Fendrich vermutlich um den Jahreswechsel 1274/75 den von Grüningen aus gelenkten unterländischen Besitz seines Vaters geerbt, den es gegen die „Revindikationspolitik“ König Rudolfs von Habsburg zu verteidigen galt. Dieser forderte seit 1273 die von den Staufern übernommenen Reichsgüter im Neckarbecken und insbesondere Burg und Stadt Grüningen zurück, die Hartmann I. vom antistaufischen König Wilhelm von Holland zusammen mit der Reichssturmfahne als Erblehen bestätigt bekommen und daraufhin als Eigenbesitz interpretiert hatte. Während sich sein Vetter Graf Ulrich II. von Württemberg kompromissbereit zeigte, setzte Hartmann II. allein auf die militärische Karte und handelte sich damit einen weiteren fünf Jahre währenden Konflikt mit den königlichen Truppen ein.

Brandschatzung in Grüningen Sein Vater, der „Comes illustrissimus“Übersetzt „hochwohlgeborener“ Graf, was von fürstlichem Stand bedeuten sollte. genannte Graf Hartmann I. (lt. Fendrich: II.), starb lt. Fendrich wohl 1274, spätestens Anfang 1275. Möglicherweise fiel er im Kampf oder erlag etwaigen Verwundungen, die er sich in den heftigen Auseinandersetzungen mit den königlichen Streitkräften zugezogen haben könnte.Die Überlieferung weiß allerdings von einem Hartmann von Grüningen, der bereits 1273 im Kloster Heiligkreuztal beigesetzt worden sein soll. Siehe auch David Wolleber: Nachfahrentafeln zur Geschichte des Hauses Württemberg, Schorndorf 1591; UB Tübingen Mh6-2 Gegen dieses Todesjahr spricht eine Urkunde vom 23. April 1274, in der letztmals ein Hartmann „senior“ auf Burg Landau auftritt. Siehe WUB, Band VII., Nr. 2417, S. 306, WUB online Allerdings könnten diese auch seinen vorherigen Tod ausgenutzt haben, als sie um 1275 gegen Grüningen zogen, die Stadt einnahmen und die von der Grafenfamilie neu errichtete Bartholomäuskirche in Brand steckten.Siehe Ludwig Friedrich Heyd: Geschichte der Grafen von Gröningen. 106 S., Stuttgart 1829, S. 81, und Ludwig Heyd: Geschichte der vormaligen Oberamts-Stadt Markgröningen mit besonderer Rücksicht auf die allgemeine Geschichte Württembergs, größtenteils nach ungedruckten Quellen verfasst. Stuttgart 1829, 268 S., Faksimileausgabe zum Heyd-Jubiläum, Markgröningen 1992, S. 7. Für diesen Todeszeitpunkt könnte allenfalls sprechen, dass 1275 kein Senior mehr genannt wird und evtl. eine Erb- und Namensteilung stattgefunden hatte. Während im Unterland künftig nur „Hartmann (II./III.) von Grüningen“ erscheint, urkunden im Oberland ab September 1274 ausschließlich die Söhne Konrad und Eberhard als „Grafen von Landau“.

Gefeierte Revanche Bei der ebenfalls umstrittenen Stadt Brackenheim konnte Vater oder Sohn Hartmann am 19. Oktober 1277 die feindlichen Truppen trotz ihrer Übermacht zurückschlagen und zahlreiche Gefangene nach Grüningen führen. Diesen Sieg feierte man in Grüningen laut einem überlieferten Gesangbuch mit stadtgeschichtlichen Einträgen als „Rache des Kirchenheiligen Bartholomäus“ für die Kirchenschändung von 1275.Siehe Ludwig Friedrich Heyd: Geschichte der Grafen von Gröningen. 106 S., Stuttgart 1829, S. 81. Ob die testamentarische Stiftung auf den Marienaltar der Bartholomäuskirche, die der Speyrer Bischof Friedrich von Bolanden 1277 bestätigte,Siehe Stiftungsbestätigung im WUB, Band VIII, Nr. 2689, S. 36–37, WUB online in diesem Zusammenhang durch Hartmann II. erfolgte oder auf seinen Vater zurückgeht, ist unklar. Allerdings könnte aus diesem Anlass auch die undatierte Stiftung der Marienglocke durch Hartmann II. erfolgt sein. Auf ihr war folgendes in Latein eingraviert: Heilige Mutter Maria, Markus Lukas Matthäus Johannes, Graf Hartmann von Grüningen, der eine Tochter des Herrn von Eberstein zur Frau hat.Gravur im Original: „SANCTA MARIA MATER, MARCUS, LUCAS, MATHÄUS, JOHANNES, COMES HARTMANNUS DE GRÜNINGEN QUI (H)ABET FILIAM DE EBERST.“

Tod in Gefangenschaft Im Frühjahr 1280 rückte allerdings ein weit größeres Heer einer Koalition schwäbischer Grafen unter Führung des Reichlandvogts Albrecht II. von Hohenberg heran. Anstatt sich in Grüningen zu verschanzen, trat Hartmann seinen Gegnern jedoch in offener Feldschlacht gegenüber und musste sich am 6. April 1280 geschlagen geben. Er starb am 4. Oktober 1280 nach halbjähriger Kerkerhaft auf dem Hohenasperg und wurde in der Bartholomäuskirche beigesetzt, die Hartmann I. als Grablege für seine Dynastie vorgesehen hatte. Die Grabplatte ist erhalten und gilt als ältestes Monument mit Württemberger Wappen.Umschrift auf dem Grabmal: "ANNO.D(omi)NI. MC CLXXX. IN. DIE. FRA(n)CISSI. OB(iit). HARTMANN(us). COMES. DE. GRUENINGEN". Übersetzt: "Im Jahr des Herrn 1280 am Tag des heil. Franziskus (4. Okt.) starb Hartmann, Graf von Grüningen."

Umverteilung im Neckarbecken Burggrafschaft und Stadt Grüningen fielen samt Reichssturmfahne zurück ans Reich. Hartmanns Brüder, insbesondere Konrad, der sich nun Graf von Grüningen nannte, mussten ihre Ansprüche auf die Grafschaft Grüningen aufgeben und später auch ihren Eigenbesitz in der Stadt an den König veräußern. Sie nannten sich nach dem endgültigen Verlust der Grüninger Hauptresidenz nur noch „Grafen von Landau“ nach ihrer Burg Landau bei Riedlingen an der Donau. Grüningen wurde darauf Freie Reichsstadt, die Reichsburg diente dem Reichslandvogt für Niederschwaben als Zweitresidenz.

In Marbach am Neckar konnten der Herzog Hermann I. von TeckSönke Lorenz: Von Baden zu Württemberg. Marbach – ein Objekt im herrschaftlichen Kräftespiel des ausgehenden 13. Jahrhunderts. In: Zeitschrift für Württembergische Landesgeschichte (ZWLG), 72/2013, S. 44ff, der sich auf Rolf Götz bezieht: Die Herzöge von Teck – Herzöge ohne Herzogtum (Schriftenreihe des Stadtarchivs Kirchheim unter Teck), Kirchheim 2009, S. 33. und Graf Simon von Zweibrücken und EbersteinSönke Lorenz: Von Baden zu Württemberg. Marbach – ein Objekt im herrschaftlichen Kräftespiel des ausgehenden 13. Jahrhunderts. In: Zeitschrift für Württembergische Landesgeschichte (ZWLG), 72/2013, S. 40, und WUB online die Rechtsnachfolge von Hartmann II. anstelle seiner Brüder übernehmen; möglicherweise begünstigt durch familiäre Beziehungen zu Hartmanns einziger Erbin Beatrix von Grüningen.Sönke Lorenz: Von Baden zu Württemberg. Marbach – ein Objekt im herrschaftlichen Kräftespiel des ausgehenden 13. Jahrhunderts. In: Zeitschrift für Württembergische Landesgeschichte (ZWLG), 72/2013, S. 44, der sich auf Rolf Götz bezieht: Die Herzöge von Teck – Herzöge ohne Herzogtum (Schriftenreihe des Stadtarchivs Kirchheim unter Teck), Kirchheim 2009, S. 33. Ihre Onkel Konrad und Eberhard treten 1299 als Bürgen für Herzog Hermann von Teck auf. Siehe u. a. WUB Band XI, Nr. 5267, S. 237–238, WUB online

Ausschlaggebend für die umfangreichen Territorialgewinne der Herzöge von Teck im Neckarbecken auf Kosten der Grafen von Grüningen dürfte wie beim Grafen Albrecht II. von Hohenberg allerdings ihre Königstreue gewesen sein. Das offenbar von den Grüninger Grafen an der Nordgrenze ihres unterländischen Territoriums ausgebaute Brackenheim erhob König Rudolf von Habsburg 1280 zur „Stadt mit allen Rechten und Freiheiten, welche die Reichsstadt Esslingen hatte“.Quelle: Regesta Imperii VI, 1, 1245 RI online

Wieder in Württemberger Hand Immer wieder in akuter Geldnot sah sich das Haus Landau in den achtziger und neunziger Jahren zum Verkauf zahlreicher Eigengüter gezwungen. Im Neckarbecken sind beispielsweise Veräußerungen in Fellbach, Immenrode (später abgegangene Siedlung), Ober- und Untertürkheim, Cannstatt oder Stuttgart belegt. König Adolf von Nassau kaufte den Grafen Konrad und Eberhard bis 1296 auch den Familienbesitz in der Stadt Grüningen in Raten ab.Vgl. Oberamtsbeschreibung Ludwigsburg, 1859, S. 248ff, bei Wikisource und WUB Band X, Nr. 4708, S. 378–379, WUB online Der Gipfel der Demütigung war 1299 erreicht: Konrad von Landau musste im Zuge eines Verkaufs an das Deutschordenshaus in Altshausen dem Komtur versprechen, die Kaufsumme zur Erleichterung seiner Schuldenlast zu verwenden.Quelle: WUB Band XI, Nr. 5219, S. 201–202, WUB online

Während die Brüder Konrad und Eberhard von Landau die einstige schwäbische Vormachtstellung ihrer Familie restlos einbüßten und sich vergeblich gegen den Abstieg in die politische Bedeutungslosigkeit stemmten, gelang es ihrem Württemberger Vetter Graf Eberhard, dem Erlauchten, nach und nach Grüninger Positionen im Neckarbecken wiederzubesetzen. So versuchte er spätestens ab 1301, Burg und Stadt Grüningen in seinen Besitz zu bringen: König Albrecht von Habsburg bekannte am 11. März 1301 in Schwäbisch Hall, dem Grafen Eberhard von Württemberg 12.000 Pfund Heller schuldig zu sein, und verpfändete ihm dafür wunschgemäß Burg und Stadt Grüningen.Vgl. Regesta Imperii (1844), S. 224, Nr. 328, und HStA Stuttgart H 51 U 174, Landesarchiv BW 1336 sollte es Eberhards Nachfolger Graf Ulrich III. von Württemberg schließlich gelingen. Von König Ludwig als Erblehen übertragen, gelangten die Württemberger Grafen somit erneut und diesmal endgültig in den Besitz von Grüningen und der Reichssturmfahne, die sie ab 1495 auch als Herzöge in ihr viergeteiltes Wappen übernahmen. Und den Grafentitel „von Grüningen“ führte selbst der zum König gekrönte Friedrich von Württemberg noch als Nebentitel. Das belegt eine Urkunde von 1806, in der er sich unter anderem „Graf zu Gröningen“ nannte.Zitat aus Landesbibliographie Baden-Württemberg (BSZ)

Familie Drei Namensträger Hartmann von Grüningen Die seriöse Geschichtsschreibung kennt drei Grafen Hartmann von Grüningen: Hartmann I. (urk. ab 1237, verstorben 1280), seinen Sohn Hartmann II. (urk. ab 1265, verstorben vor 12. März 1273) und Hartmann III. (urk. 1284). Hartmann I. und Hartmann II. werden von 1265 bis 1274 als senior und junior unterschieden. Hartmann II. gilt als jung verstorben und daher weniger relevant als sein Vater.