Kaluschskoje (, , ) ist ein Ort in der russischen Oblast Kaliningrad im Rajon Tschernjachowsk. Die Siedlung gehört zur kommunalen Selbstverwaltungseinheit Stadtkreis Tschernjachowsk.
Geographische Lage Kaluschskoje liegt 20 Kilometer nördlich der Rajonsmetropole Tschernjachowsk (Insterburg) und ist über den Abzweig Pridoroschnoje (Seßlacken) von der Verbindungsstraße Tschernjachowsk–Uljanowo (Kraupischken, 1938–1946 Breitenstein) zu erreichen. Der Ort ist Bahnstation an der Bahnstrecke Tschernjachowsk–Sowetsk (Insterburg–Tilsit).
Geschichte mini|Grünheide um 1905 Das Dorf Grünheyde wurde 1785 als „cölmisch Gut“ erstmals erwähnt. Am 11. März 1874 wurde der Gutsort Amtsdorf und damit namensgebend für einen neu errichteten AmtsbezirkRolf Jehke, Amtsbezirk Grünheide, der bis 1945 zum Kreis Insterburg im Regierungsbezirk Gumbinnen der preußischen Provinz Ostpreußen gehört. Im Jahre 1910 zählte Grünheide 249 Einwohner.
mini|Grünheide 1939, Ortseingang westlich der Bahnlinie mini|Grünheide 1939, westlich der Bahnlinie mit Siedlungshäusern Am 30. September 1928 schlossen sich die Landgemeinden Berszienen (1936–1946: Berschienen), Kirchspiel Grünheide, und Budupönen (beide nicht mehr existent) mit dem Gutsbezirk Grünheide zur neuen Landgemeinde Grünheide zusammen. Die Einwohnerzahl betrug 1933 insgesamt 541 und stieg bis 1939 auf 611. Grünheide besaß neben Schule und Post eine Filiale der An- und Verkaufsgenossenschaft Insterburg sowie die Mühle Tetmeier mit großem landwirtschaftlichem Handel.
Wegen der heranrückenden Front räumte die Zivilbevölkerung ab November 1944 den Ort. Am 20. Januar 1945 um 12 Uhr wurde Grünheide als Folge eines Kreisverkehrsmanövers aus West und Nordwest von den Soldaten des 95. Garde-Schützenregiments der 31. Garde-Schützendivision der 11. Gardearmee eingenommen. Durch Kriegshandlungen wurden neben Gutsbetrieben auch die Kirche und das Bahnhofsgebäude zerstört, das unmittelbar daneben liegende Postamt, welches heute als „Bahnhof“ bezeichnet wird, blieb erhalten.
In Folge des Zweiten Weltkrieges kam Grünheide mit dem nördlichen Ostpreußen im Jahre 1945 zur Sowjetunion und erhielt 1947 die russische Bezeichnung „Kaluschskoje“.Durch den Указ Президиума Верховного Совета РСФСР от 25 июля 1947 г. «Об административно-территориальном устройстве Калининградской области» (Erlass des Präsidiums des Obersten Sowjets der RSFSR vom 25. Juli 1947: Über den administrativ-territorialen Aufbau der Oblast Kaliningrad) Gleichzeitig wurde der Ort Sitz eines Dorfsowjets im Rajon Tschernjachowsk.
Mehr als 280 sowjetische Soldaten wurden in Grünheide in einem Massengrab, das sich in einem Waldstück im Ortskern befindetLage: 54°48'14.46" N 21°54'25.47" O, bestattet. 1950 errichtete die Sowjetunion dort ein Denkmal, das 1975 zur Gedenkstätte ausgebaut wurde, welche 2005 und 2015 restauriert wurde.
Von 2008 bis 2015 war der Ort Namensgeber der Landgemeinde Kaluschskoje selskoje posselenije, deren Amtssitz sich im zehn Kilometer entfernten Ort Sagorskoje befand. Seit 2016 gehört Kaluschskoje zum Stadtkreis Tschernjachowsk.
Landwirtschaft Rittergut Grünheide
Im Jahre 1917 erwarben Waldemar und Johanna Uffhausen dieses Gut von der Familie Hugenin. Der Betrieb lag direkt im Kirchdorf Grünheide in unmittelbarer Nähe des Bahnhofes. Nachdem Land für die Errichtung von Siedlungshäusern neben der Bahnstrecke abgegeben war, hatte der Betrieb eine Größe von 328 ha, davon wurden 188 ha als Ackerland genutzt, 97 ha waren Wiesen bzw. Grünland, dann war noch ein Waldbestand von 40 ha vorhanden. Die Fläche für Gemüse- und Obstgarten sowie Hofraum beanspruchte die restlichen 3 ha. Das Hauptgewicht dieses Betriebes wurde auf Rinderviehzucht, Getreidebau und Pferdezucht (Trakehner) gelegt. Uffhausen, der bereits über motorisierte Landmaschinen verfügte, erreichte eine Durchschnittsernte von 28 dz/ha. Jährlich wurden Jungbullen auf den Insterburger Auktionen abgesetzt. Zudem bestand ein langfristiger Pachtvertrag über den Betrieb Pannwitz in Ossaquell, nachdem dessen Eigentümer verstorben waren. Waldemar Uffhausen überschrieb Gut Grünheide 1934 per Überlassungsvertrag an seinen jüngsten Sohn Ulrich, der im Krieg an der Ostfront gefallen ist. Während der Kriegshandlungen 1945 wurde das Gut niedergebrannt und dessen Reste anschließend abgetragen, heute ist das Gelände teils neu bebaut.Angaben von Max Sieloff-Warlen, Amtsvorsteher und Grenznachbar von Uffhausen.
Gut Raudszus
Der landwirtschaftliche Besitz von Fritz und Margaretha Raudszus in Berszienen (ab 1928 zu Grünheide) umfasste ein Areal von 150 ha, von dem etwa zwei Drittel zum Anbau von Getreide und Futterpflanzen für den Viehbestand dienten, während ein Drittel als Dauerweiden genutzt wurde. Die Gebäude, darunter das Gutshaus, waren in einem Rechteck um den Hofplatz erbaut. Zur Unterbringung der Deputantenfamilien standen sechs Wohnungen zur Verfügung, die 1937 durch An –und Umbauten vergrößert und erneuert wurden. Für nicht ständige Arbeiter hielt Raudszus 5 Wohnungen bereit. Besonderer Wert wurde auf die Rindviehzucht gelegt, es gab Eintragungen im Deutschen Rinderleistungsbuch. Um die Ernährung des Viehbestandes rentabler zu gestalten, standen Futtersilos zur Verfügung. Pferde wurden einerseits zur Bearbeitung des Ackerlandes gehalten, andererseits zur Zucht (Trakehner). Zu dem Besitz gehörte auch ein Waldbestand von 2,5 ha. Raudszus und seine Familie verließen Grünheide kriegsbedingt im November 1944.Angaben von Fritz Raudszus jun. Das Gutshaus wurde während der Kriegshandlungen 1945 niedergebrannt und anschließend abgetragen. Ein Teil der Wirtschaftsgebäude und ein Arbeiterhaus sind erhalten.
mini|Gutshaus Winkler 1937
Gut Winkler
Im Jahre 1909 erwarben Albert (1885–1945) und Wilhelmine Winkler (1886–1982) in Berszienen (ab 1928 zu Grünheide) ein Gut mit einem Areal von 79 ha für 106000 Mark, bestehend aus Stallungen, Wirtschaftsgebäuden und Gutshaus, ferner einem Insthaus. Das Gut Winkler lag etwa 1,5 km von der Bahnstation Grünheide entfernt. Winkler bewirtschaftete die Flächen überwiegend mit Getreideanbau, in der Rindviehzucht hielt er neben Milchkühen, welche im Deutschen Rinderleistungsbuch eingetragen waren, auch prämierte Zuchtbullen. Eine Schweinemästerei war dem Betrieb angegliedert. Das Gut Winkler betrieb auf seinem Hof für den Eigen- und Fremdbedarf die einzige Molkerei und Käserei in der näheren Umgebung, ein Käser war dort fest angestellt. Insgesamt arbeiteten 13 Personen auf dem Hof. 1928 wurde ein zweites Insthaus erbaut. 1936 brannte das Gutshaus nieder und wurde im gleichen Jahr wiederaufgebaut. 1943 musste Winkler die Molkerei kriegsbedingt stilllegen, da die Maschinen auf behördliche Anweisung demontiert und verschickt wurden. Er begann im gleichen Jahr mit der Zucht von Trakehnern (Remonte) für die Wehrmacht.vgl. Antrag auf Feststellung von Kriegssachschäden von Wilhelmine Winkler, 3. Dezember 1955
Albert Winkler fungierte bis Januar 1945 als Bürgermeister von Grünheide.vgl. Bescheinigungen Nachlass Hedwig Löpsinger (1911-2006), geb. Winkler
Heute existieren von dem Gut, das während der Kriegshandlungen 1945 niedergebrannt und anschließend abgetragen wurde, nur noch die Grundmauern, die durch Vegetation überwuchert sind. Ein Insthaus hat den Krieg überstanden.
Amtsbezirk Grünheide (1874–1945) Zum Amtsbezirk Grünheide gehörten anfangs zwölf Dörfer, denen sich bis 1930 zwei weitere hinzugesellten. Am 1. Januar 1945 bestand der Amtsbezirk aufgrund von strukturellen Veränderungen noch aus neun Orten. LG = Landgemeinde, GB = Gutsbezirk:
Deutscher Name Namensänderung (1938–1946) Russischer Name Bemerkungen Abschruten (LG) Ossaquell Assafjewo Antargen (LG) Argenquell Perowskoje Berszienen/Berschienen (LG),Kirchspiel Grünheide 1928 in die LG Grünheide eingegliedert Bublauken (LG) Brachenfeld Sorokino Budupönen (LG) 1928 in die LG Grünheide eingegliedert Grünheide (GB) Kaluschskoje 1928 in eine Landgemeinde umgewandelt Lasdehnen (LG) 1928 in die LG Abschruten eingegliedert Medukallen (LG),Kirchspiel Grünheide Honigberg Wischnjowoje Pladden (LG) Drosdowka Szierandszen/Schierandschen (LG) Schierheide Worotynowka Warlen (LG) Olenjowo Waszeningken/Wascheninken Grünacker Belorusskoje vor 1908 auch: Perkunischken (LG) Perkunsfelde Drosdowka ab 1927 auch:Sziedlauken/Schiedlauken (GB) Assafjewo 1928 in die LG Abschruten eingegliedert
1945 bildeten noch die Gemeinden Argenquell, Brachenfeld, Grünacker, Grünheide, Honigberg, Ossaquell, Perkunsfelde, Pladden und Schierheide den Amtsbezirk Grünheide.
Kaluschski selski Sowet/okrug 1947–2008 Der Dorfsowjet Kaluschski selski Sowet (ru. Калужский сельский Совет) wurde im Juli 1947 eingerichtet. Nach dem Zerfall der Sowjetunion bestand die Verwaltungseinheit als Dorfbezirk Kaluschski selski okrug (ru. Калужский сельский округ). Im Jahr 2008 wurden die verbliebenen Orte des Dorfbezirks in die neu gebildete Landgemeinde Kaluschskoje selskoje posselenije übernommen.