Docklands Light Railway 150px|Logo Docklands Light Railway300pxBasisinformationenStaat 25px Vereinigtes KönigreichStadt LondonEröffnung 31. August 1987Betreiber KeolisAmey Docklands Ltd.(Keolis 70 %, Amey 30 %)Besitzer Docklands Light Railway Ltd. ein Teil von Transport for LondonInfrastrukturStreckenlänge 34 kmSpurweite 1435 mm (Normalspur)Stromsystem 750 V DC Stromschiene(von unten bestrichen)Systemtyp fahrerlose HochbahnStationen 45BetriebLinien 7Fahrzeuge 149 GelenkwagenReisegeschwindigkeit 80 km/hHöchstgeschwindigkeit 100 km/hStatistikFahrgäste 98,9 Mio. pro Jahr (2023/2024)WebseiteDLR Systemfarbe: Türkis
Die Docklands Light Railway (DLR) ist eine seit 1987 existierende fahrerlose Hoch- und Untergrundbahn in den Docklands, dem ehemaligen Hafengebiet im Osten von London. Sie wird unter einer von Transport for London (TfL) vergebenen Konzession betrieben. Das 34 Kilometer lange Streckennetz wird von stadtbahnähnlichen Fahrzeugen befahren. Die DLR ist kein Teil von London Underground, erscheint aber auf deren Liniennetzplan und befindet sich im Geltungsbereich des TfL-Tarifsystems.
Das DLR-Netz umfasst sechs Zweigstrecken und besitzt 45 Stationen, wovon fünf in Tunneln liegen. Die Strecken befinden sich überwiegend auf Viadukten oder nutzen die Trassen ehemaliger Hafenbahnen. Im Geschäftsjahr 2014/15 beförderte die DLR 110,2 Millionen Fahrgäste.
Strecken Die DLR fährt meist auf Viadukten, lange Abschnitte entstanden auf nicht mehr benötigten Trassen von Hafenbahnen. Es gibt drei Tunnelabschnitte: Bei Greenwich und Woolwich wird die Themse unterquert, in der City of London liegt die westlichste Endstation (Bank) ebenfalls im Tunnel. Es gibt keine niveaugleichen Kreuzungen mit anderen Verkehrsmitteln, womit die DLR viele Kriterien einer U-Bahn bzw. Hochbahn erfüllt. Der Begriff „light rail“ wird deshalb verwendet, weil die Technologie derjenigen einer Stadtbahn ähnelt, und um das Netz von der konventionellen U-Bahn der London Underground zu unterscheiden.
Es gibt sechs Zweigstrecken, von denen sich vier in der Station Poplar kreuzen: Nach Greenwich und Lewisham im Süden, nach Stratford im Norden, nach Beckton im Osten sowie in die City of London im Westen. Die letztgenannte Strecke besitzt zwei Endstationen, Bank und Tower Gateway. Die südliche Strecke ist besonders sehenswert. Sie verläuft zum größten Teil auf einem Viadukt quer über die alten Docks auf der Isle of Dogs, bei Heron Quays führt sie mitten durch ein Hochhaus. Die fünfte Zweigstrecke führt von Canning Town über den London City Airport bis zum Bahnhof Woolwich Arsenal. Eine sechste Strecke führt vom Bahnhof Stratford International zum Bahnhof Canning Town.
Obwohl die Netzstruktur zahlreiche unterschiedliche Routenkombinationen zulässt, werden normalerweise die sechs folgenden Linien betrieben: Bank – Canary Wharf – Lewisham Bank – Poplar – Canning Town – Woolwich Arsenal Stratford – Poplar – Canary Wharf – Lewisham Tower Gateway – Poplar – Canning Town – Beckton Stratford International – Canning Town – Woolwich Arsenal Stratford International – Canning Town – Beckton links|mini|Aktuelles Streckennetz In den Endstationen wenden die Züge unmittelbar am Bahnsteig, mit Ausnahme von Bank, wo es eine Wendeanlage mit Kehrgleis gibt. Während der Hauptverkehrszeit wenden zahlreiche Züge der Linie Stratford – Lewisham bereits in der Station Canary Wharf. Bei Störungen und Unterhaltsarbeiten können Züge auch in den Stationen Crossharbour und Mudchute wenden.
Geschichte Planungen In den 1960er Jahren begannen die Docklands östlich des Stadtzentrums allmählich zu verfallen, da die bisherigen Hafenanlagen nicht für die Containerschifffahrt geeignet waren. Die Docks waren mit dem nationalen Eisenbahnnetz über die London and Blackwall Railway verbunden, die 1966 mangels Nachfrage geschlossen wurde. Das 1978 gebaute Tiefwasserbecken im Containerhafen Tilbury in Essex machte die Londoner Hafenanlagen noch überflüssiger und 1980 übernahm die Regierung die Kontrolle über das heruntergekommene Gebiet.
mini|Das Viadukt der London and Blackwall Railway wird heute von der DLR genutzt 1972 gab es erste Überlegungen, wie die Docklands wiederzubeleben seien. Das Planungsbüro Travis Morgan & Partners schlug unter anderem den Bau eines Peoplemover-Systems vor, um die Docklands mit dem Bahnhof Fenchurch Street zu verbinden. Der Greater London Council setzte 1974 zusammen mit den Bezirken Greenwich, Lewisham, Newham, Southwark und Tower Hamlets eine Kommission zur Neugestaltung des Gebiets ein. Obwohl eine Stadtbahn als zu teuer befunden worden war, schlug eine Studie 1976 den Bau einer konventionellen U-Bahn von Charing Cross über Fenchurch Street und Isle of Dogs nach Woolwich vor. In diesem Korridor war der Bau der zweiten Etappe der Jubilee Line vorgesehen. Nach dem Wahlsieg der Conservative Party bei den Unterhauswahlen 1979 wurden die U-Bahn-Pläne fallengelassen, da die neue Regierung von Margaret Thatcher auf einer kostengünstigeren Lösung beharrte.
Im Juli 1981 schuf die Regierung die Entwicklungsgesellschaft London Docklands Development Corporation (LDDC). Die Forderung nach einer billigen ÖPNV-Lösung führte dazu, dass London Transport damit beauftragt wurde, mehrere Stadtbahn-Optionen auszuarbeiten. In allen Fällen führte die Stammstrecke entlang der Great Eastern Main Line und der früheren London and Blackwall Railway. Als Standort der westlichen Endstation wurde die Minories-Straße bestimmt (die heutige Station Tower Gateway). Die Option Tower Hill scheiterte an zu hohen Kosten, die Option Aldgate East (mit Verbindung zur District Line) an fehlenden Kapazitäten. Für die südliche Endstation gab es zwei Optionen: entweder bei Cubitt Town (heutige Station Island Gardens) oder an der Tiller Road westlich des Millwall Docks, wobei die Wahl auf erstere fiel.Pearce, Hardy, Stannard: Docklands Light Railway Official Handbook. S. 6. Dies erforderte eine Streckenführung durch die Mitte der Halbinsel und die Überbrückung der West India Docks, wenngleich der Bericht von London Transport ausdrücklich vor dem geringen Fahrgastpotenzial warnte, sollte in dem Gebiet um Canary Wharf keine umfassende Stadtentwicklung vorgenommen werden (was einige Jahre lang tatsächlich der Fall war).Pearce, Hardy, Stannard: Docklands Light Railway Official Handbook. S. 7.
Bau und Inbetriebnahme des Grundnetzes mini|links|Ein Zug überquert den West India Dock (1987) Den Auftrag zum Bau der Docklands Light Railway erhielt 1984 das Unternehmen GEC Mowlem. Das Grundnetz wurde ab 1985 errichtet, die Kosten beliefen sich auf lediglich 77 Millionen Pfund. Das Grundnetz umfasste zwei Linien: von Tower Gateway und Stratford nach Island Gardens. Die Strecken nutzten überwiegend ausgediente Eisenbahnviadukte oder neu errichtete Viadukte aus Beton entlang der Trasse der früheren London and Blackwall Railway und der daran anschließenden Millwall Extension Railway. Außerdem konnte in Richtung Stratford ein stillgelegter Abschnitt der North London Railway genutzt werden. Bei Linke-Hofmann-Busch wurden elf fahrerlose, per Computer gesteuerte Fahrzeuge der Serie P86 bestellt.
mini|Gleisdreieck bei West India Quay (1987) Königin Elisabeth II. eröffnete das neue Verkehrsmittel offiziell am 30. Juli 1987, der fahrplanmäßige Betrieb begann am 31. August 1987. Zu Beginn hatte das DLR-Netz einen geringen Ausbaustand: Die Bahnsteige waren sehr kurz, so dass nur einzelne Einheiten verkehren konnten. Das Netz mit 15 Stationen bestand aus drei Zweigstrecken von zusammen 13 Kilometern Länge, die mit einem einfachen Gleisdreieck bei Poplar miteinander verbunden waren. Dort befand sich auch das Betriebszentrum mit Verwaltung, Depot, Werkstatt und Stellwerk. Die Stationen sahen fast alle gleich aus und setzten sich aus Standard-Elementen zusammen. Ein gemeinsames Merkmal waren kurze, halbzylindrische, verglaste Baldachine in blauer Farbe.
Erste Ausbauphase mini|Station Canary Wharf (2012) Die Beförderungskapazität des Grundnetzes erwies sich schon bald als zu klein. Da sich die Docklands Ende der 1980er Jahre innerhalb kurzer Zeit zu einem bedeutenden Finanz- und Wirtschaftszentrum wandelten, stiegen die Fahrgastzahlen weit schneller an als ursprünglich erwartet. Insbesondere die Endstation Tower Gateway am Rande der City of London erwies sich als unattraktiv, da keine direkte Verbindung zum Bahnhof Fenchurch Street bestand und die nächstgelegene U-Bahn-Station Tower Hill bis heute nur mit einem mehrere hundert Meter langen Fußweg zu erreichen ist. Ebenfalls problematisch war die Tatsache, dass die Kapazität nach kurzer Zeit völlig unzureichend war. Noch vor der Eröffnung des Grundnetzes begannen bereits Planungen für Verlängerungen nach Bank im Westen und Beckton im Osten.
Zur Behebung der gröbsten Kapazitätsengpässe wurden die Bahnsteige auf die doppelte Länge erweitert. Am 29. Juli 1991 ging die unterirdische Verlängerung nach Bank in Betrieb. Diese zweigt von der ursprünglichen Strecke ab, wodurch die weiterhin betriebene Endstation Tower Gateway erheblich an Bedeutung verlor. Da sie den britischen Brandschutz-Verordnungen für Tunnelfahrzeuge nicht entsprachen, konnten die ursprünglichen Wagen nicht im Tunnel verkehren. Sie fuhren eine Zeitlang auf oberirdischen Strecken und wurden später verkauft.
Das rasante Wachstum des Büroviertels Canary Wharf erforderte den Ausbau der gleichnamigen Station von einer einfachen Haltestelle zu einem Bahnhofskomplex mit drei Bahnsteigen und separatem Ein- und Ausstieg (spanische Lösung). Die Bahnsteige sind überdacht und in ein Einkaufszentrum zwischen zwei Bürohochhäusern integriert. Die noch unerschlossenen Gebiete östlich von Poplar benötigten ebenfalls eine bessere Verkehrsanbindung, um auch dort die Regeneration voranzutreiben. Aus diesem Grund entstand eine vierte Strecke, die via Canning Town und entlang der Nordseite der Royal Docks nach Beckton führt. Das Gleisdreieck bei Poplar wurde zu einem komplexen kreuzungsfreien Bauwerk erweitert. Die Eröffnung der neuen Strecke erfolgte am 28. März 1994.
Zweite Ausbauphase Parallel zum rasanten Wachstum von Canary Wharf stieg auch das Bedürfnis nach einer Verkehrsverbindung zu Wohngebieten im Südosten von Greater London. Der London Borough of Lewisham gab eine Machbarkeitsstudie für eine Verlängerung der DLR unter der Themse in Auftrag. Auf Grundlage der Ergebnisse forderte die Stadtbezirksverwaltung von Lewisham 1995 eine Verlängerung der Island-Gardens-Zweigstrecke über Greenwich zum Bahnhof Lewisham. Einflussreiche Politiker wie John Prescott und Larry Whitty unterstützten das Projekt, so dass die Bauarbeiten im darauf folgenden Jahr begannen.
mini|Die Tunnelstation Cutty Sark im Zentrum von Greenwich Die Verlängerung nach Lewisham wurde am 3. Dezember 1999 eröffnet. Sie zweigt südlich von Crossharbour von der alten Streckenführung ab und erreicht Mudchute, wo eine neue ebenerdige Station jene auf dem Viadukt ersetzte. Die anschließende Tunnelstrecke folgt zunächst dem Verlauf des Viadukts bis zur neuen Tunnel-Station Island Gardens (die ursprüngliche Station und das südliche Ende des Viadukts wurden später abgerissen). Danach werden die Themse und das Zentrum von Greenwich unterquert (erschlossen durch die Station Cutty Sark), das Tunnelportal liegt kurz vor dem Bahnhof Greenwich. Auf einem weiteren Viadukt folgt die Strecke dem Fluss Ravensbourne und endet schließlich unter dem Vorplatz des Bahnhofs Lewisham.