Faido (; lombardisch Fait, (veraltet)) ist eine politische Gemeinde im Schweizer Kanton Tessin. Faido ist Hauptort des gleichnamigen Kreises sowie des Bezirks Leventina.
Geografie Die Ortschaft Faido liegt auf 721 m ü. M. am linken Ufer des Ticino (Fluss) und an der Strasse Airolo-Bellinzona in der Valle Leventina (Livinental). Es existiert eine Station der Gotthardbahn. Die Gemeinde umfasste bis vor wenigen Jahren nur den Talboden; inzwischen haben aber sämtliche früheren Gemeinden der mittleren Valle Leventina unterhalb des Piottino bis zur Biaschina mit Faido fusioniert.
Die heutigen Nachbargemeinden von Faido sind (im Uhrzeigersinn) Blenio, Acquarossa, Serravalle TI, Giornico, Verzasca, Lavizzara, Dalpe und Quinto TI. Vor der Jahrtausendwende waren Mairengo, Calpiogna, Campello TI, Rossura, Chiggiogna, Chironico und Dalpe die Nachbargemeinden. Ausser letzterer wurden alle (mit weiteren) in Faido eingemeindet. mini|Faido, historisches Luftbild von 1931, aufgenommen von Walter Mittelholzer mini|Der Bahnhof Faido gegen Ende des 19. Jahrhunderts mini|Faido. Historisches Luftbild von Werner Friedli (1964)
Geschichte Der Ort wurde 1171 als Faedo erstmals erwähnt. Entscheidend für die Entwicklung des Ortes sind die Lage in der Mitte der Leventina – dem Südzugang zum Gotthardpass – sowie zugleich am Fuss der Piottino-Schlucht, eines natürlichen Hindernisses, das beim Personen- und Warentransport einen Halt erforderte. Schon zur Zeit der Herrschaft Uris über die Leventina im 15. bis 18. Jahrhundert fungierte Faido als Hauptort des Tales – und bis heute ist es das Zentrum des Bezirks Leventina.
Im Frühjahr 2004 haben die Einwohner von Faido die Fusion ihrer Gemeinde mit Mairengo, Osco, Calpiogna, Campello, Rossura, Chiggiogna, Calonico, Anzonico, Cavagnago und Sobrio in einer Volksabstimmung angenommen. Da die meisten Gemeinden das Fusionsbegehren verwarfen, wurde die neue Gemeinde zunächst nur aus Faido, Chiggiogna, RossuraBisher bei Rossura gehört gehört seit 2005 auch das Bergdorf Aldescio (Audesc) auf am Südhang oberhalb von Chiggiogna zu Faido. und Calonico gebildet. Am 5. Juni 2005 wurde die neue Fusionsvorlage in einer Volksabstimmung angenommen, und auf den 29. Januar 2006 erfolgte der rechtskräftige Zusammenschluss.
Nachdem klar wurde, dass die Eigenständigkeit der weiteren Gemeinden wirtschaftlich nicht mehr tragbar war (Campello mit dem Skigebiet wurde direkt durch den Kanton verwaltet), fusionierte Faido am 1. April 2012 mit den verbliebenen Gemeinden Mairengo, Osco, Calpiogna, Campello, Chironico sowie mit Anzonico und Cavagnago. Durch die Fusion erhöhte sich die Einwohnerzahl von 1527 Einwohnern (Stand Ende 2005, alte Gemeinde) auf etwa 3000 Einwohner (neue Gemeinde Faido). Am 10. April 2016 fusionierte Faido mit Sobrio, das wie Anzonico und Cavagnago bisher im Kreis Giornico lag – womit nun alle ehemaligen Gemeinden der von Lavorgo her erschlossenen «Traverse» zu Faido gehören.
Faido bildet nach wie vor eine eigenständige Bürgergemeinde.Patriziato di Faido (italienisch) auf ti.ch/di/sel/patriziatiPatriziato di Faido auf patriziatofaido.ch Auch die Fraktion Gribbio bildet eine eigenständige Bürgergemeinde.Patriziato di Gribbio (italienisch) auf ti.ch/di/sel/patriziati In Calpiogna und Campello besteht die Degagna di Fichengo weiter.Calpiogna im HLS
Bevölkerung Die heutige Gemeinde Faido ist aus mehreren Fusionen von Gemeinden in der Leventina entstanden. Folgende Fusionen haben stattgefunden:
am 29. Januar 2006 mit Calonico, Chiggiogna, Rossura am 1. April 2012 mit Anzonico, Calpiogna, Campello, Cavagnago, Chironico, Mairengo, Osco am 10. April 2016 mit Sobrio
1880: Bau Gotthardbahn, 2010: Bau Gotthard-Basistunnel (Bauplatz im Ortsteil Polmengo) Verkehr Der Bau der Nationalstrasse N2 (Autobahn A2) stellte die Gemeinde vor eine Bewährungsprobe, denn das offizielle Projekt sah eine offene Linienführung zwischen dem Dorfkern und dem Spital vor. Unterstützt durch Robert Steiner, Bauberater des Schweizerischen Heimatschutzes und Hans Marti, Delegierter für die Stadtplanung der Stadt Zürich, beide in der Kommission Hürlimann, gelang es, bei Bundesrat Hans-Peter Tschudi eine Tunnellösung zu erwirken. Bei der Eröffnung wurden Bundesrat Roger Bonvin zum Ehrenbürger und Hans Marti zum Ehrengast ernannt.Claude Ruedin et at.: Hans Marti – Pionier der Raumplanung. GTA, 2008.
Wirtschaft Grössere Arbeitgeber sind die Cooperativa Elettrica Faido (Elektrizitätsgenossenschaft)Cooperativa Elettrica Faido – Faido war 1889 die erste Tessiner Gemeinde, die elektrisches Licht einführte – und die AlpTransit San Gottardo SAAlpTransit Gotthard AG.
Sehenswürdigkeiten
Das Dorfbild ist im Inventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz (ISOS) als schützenswertes Ortsbild der Schweiz von nationaler Bedeutung eingestuft. Propsteikirche Sant’Andrea erwähnt seit 13. JahrhundertSimona Martinoli u. a.: Guida d’arte della Svizzera italiana. Hrsg. von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte. Edizioni Casagrande, Bellinzona 2007, ISBN 978-88-7713-482-0, S. 129–131.Propsteikirche Sant’Andrea (Foto) auf ti.ch/dt/dstm/sst/ubc/temi Wohnhaus SelviniWohnhaus Selvini. In: ti.ch/dt/dstm/sst/ubc/temi, abgerufen am 17. Juli 2024 (mit Foto). Patrizierpalast (via Fontana di Scribar 18), Architekt: Paolo Zanini Kirche San Francesco d’Assisi und KapuzinerklosterKirche San Francesco d’Assisi (Foto) auf ti.ch/dt/dstm/sst/ubcKirche San Francesco d’Assisi auf ETHorama Denkmal für Bundesrat Stefano FransciniDenkmal des Bundesrates Stefano Franscini. In : ti.ch/dt/dstm/sst/ubc, abgerufen am 17. Juli 2024 (mit Foto). Torre dei Varesi Piumogna, Wasserfall in der Nähe der OrtsmittePiumogna-Wasserfall auf ETHorama
Sport Leventina Calcio.Leventina Calcio In: matchcenter-ftc.football.ch, abgerufen am 16. Juli 2024 (italienisch). Gruppo Ghiaccio FaidoGruppo Ghiaccio Faido. In: gruppoghiacciofaido.ch, abgerufen am 16. Juli 2024 (italienisch).
Persönlichkeiten
Bilder
Literatur Marina Bernasconi Reusser: Monumenti storici e documenti d’archivio. I «Materiali e Documenti Ticinesi» (MDT) quali fonti per la storia e le ricerche sull’architettura e l’arte medievale delle Tre Valli. In: Archivio Storico Ticinese. 2. Serie, Nummer 148, Casagrande, Bellinzona 2010, S. 215 Note, 223, 225, 232, 241. Piero Bianconi, Arminio Janner: Faido. In: Arte in Leventina. Istituto Editoriale Ticinese, Bellinzona 1939, S. 26, 30, 48, 63, 67; derselbe (Hrsg.): Faido. In: Inventario delle cose d’arte e di antichità. Le Tre Valli Superiori. Leventina, Blenio, Riviera. Grassi & Co., Bellinzona 1948, S. 77, 79.
Virgilio Gilardoni: Il Romanico. Catalogo dei monumenti nella Repubblica e Cantone del Ticino. La Vesconta, Casagrande S.A., Bellinzona 1967, S. 223, 298, 327, 402. Simona Martinoli u. a.: Guida d’arte della Svizzera italiana. Hrsg. von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte. Edizioni Casagrande, Bellinzona 2007, S. 130. Johann Rudolf Rahn: I monumenti artistici del medio evo nel Cantone Ticino. Tipo-Litografia di Carlo Salvioni, Bellinzona 1894, S. 96–98. Celestino Trezzini: Faido. In: Historisch-Biographisches Lexikon der Schweiz. Band 3: Egolf – Güttingen. Attinger, Neuenburg 1926, S. 105 f. (Digitalisat). Luciano Vaccaro, Giuseppe Chiesi, Fabrizio Panzera: Terre del Ticino. Diocesi di Lugano. Editrice La Scuola, Brescia 2003, S. 12, 18, 82, 84, 92, 128, 149–251, 253, 319 f., 329, 407, 437.
Belletristik: Kurt Held (Kläber): Der Trommler von Faido. Jugendroman. 1941.
Weblinks
Webauftritt der Gemeinde Faido
Amt für Statistik des Kantons Tessin: Faido (italienisch) Faido: Kulturgüterinventar des Kantons Tessin
Einzelnachweise
Kategorie:Ort im Kanton Tessin Kategorie:Schweizer Gemeinde Kategorie:Ortsbild von nationaler Bedeutung im Kanton Tessin Kategorie:Ersterwähnung 1171 Kategorie:Gemeindegründung 2004