mini|Südseite der Pfarr- und Wallfahrtskirche Maria Weinberg in Gaas Die römisch-katholische Pfarrkirche Gaas, auch bekannt als Wallfahrtskirche Maria Weinberg, steht in der zur Gemeinde Eberau gehörenden Ortschaft Gaas im Bezirk Güssing im österreichischen Bundesland Burgenland. Sie ist dem Fest Mariä Himmelfahrt gewidmet und gehört zum Dekanat Güssing in der Diözese Eisenstadt. Die Kirche ist eine der bedeutendsten Pilgerstätten des Südburgenlandes und seiner angrenzenden westungarischen Kreise, sowie einer der wichtigsten Marienwallfahrtsorte des Burgenlandes. Das Gebäude hat seinen Ursprung in einer mittelalterlichen Burgkapelle und wurde im 15. und 16. Jahrhundert an Stelle dieser als gotischer Kirchenbau errichtet, der später barockisiert wurde. Die Pfarrkirche und der sie umgebende Friedhof stehen unter Denkmalschutz ().Pilgern: Eberau/Gaas. In: martinus.at.Diözese Eisenstadt, 5. März 2021, abgerufen am 13. Oktober 2024.Gerald Gossmann: Wallfahrtskirche Maria Weinberg: Malerischer Wallfahrertraum. In: meinekirchenzeitung.at. Kooperation Kirchenzeitungen - Verein zur Förderung der Kirchenpresse, 12. Dezember 2020,abgerufen am 13. Oktober 2024.
Lage und Umgebung mini|Topografische Umgebungskarte Der Sakralbau steht im Unteren Pinkatal südwestlich von Gaas, weithin sichtbar am Hang des Kulmer Waldes, einem Teilbereich eines rund 105 km² großen zusammenhängenden Waldgebietes im Südosten der Bezirke Güssing und Oberwart. Seine Abhänge gehören zum Güssinger Hügelland, das wiederum zum Oststeirischen Hügelland gehört, und die letzte Ausläufer des Südöstlichen Alpenvorlandes direkt am Übergang in die Pannonische Tiefebene darstellt. Am Rand der Gaaser Weinberge am sogenannten Janoschberg gelegen, steht die Kirche etwa 40 m oberhalb des Tales der Pinka, die in ca. 750 m Entfernung von Norden kommend in Richtung der Raab bei Körmend fließt. Östlich der Pinka verlaufen in rund 750 m Entfernung die Geschriebensteinstraße (B56) und ca. 1 km Entfernung die Staatsgrenze zum Nachbarland Ungarn. Die nächstgelegenen größeren Ortschaften sind der etwa 9 km westlich liegende Bezirksvorort Güssing, sowie die beiden ungarischen Städte Körmend ca. 12 km südöstlich, und Steinamanger ungefähr 20 km weiter nordwestlich gelegen.
Die Kirche ist im Süden, Norden und Westen von Weingärten umgeben, und grenzt nördlich und östlich direkt an kleinere bewaldete Flächen, die bis ins späte 18. Jahrhundert ebenfalls für den Weinbau genutzt wurden. Diese Lage inmitten von Weinbergen war namensgebend für die Wallfahrtskirche.
Obwohl das Gebäude und seine Vorgänger seit der Gründung der Pfarre Gaas im Mittelalter als Pfarrkirche genutzt werden, liegt der Sakralbau weit außerhalb der Ortschaft. Direkt im Zentrum des ca. 2 km weiter nordöstlich gelegenen Ortsgebietes von Gaas gibt es daher eine der Pfarrkirche unterstellte Filialkirche – die Filialkirche Hl. Anna, die aufgrund ihrer Lage auch Dorfkirche genannt wird.
Geschichte Burg Kertesz Die Wurzeln der Kirche reichen bis in das 12. Jahrhundert zurück und sind eng verknüpft mit der Geschichte der sogenannten Burg Kertesz. Hierbei handelte es sich um eine mittelalterliche Wehranlage, aus deren Burgkapelle die heutige Pfarrkirche vermutlich hervorging. Laut dem Chronogramm am Triumphbogen zwischen Kirchenschiff und Chor erfolgte deren Errichtung 1155. Bei Renovierungsarbeiten stieß man mehrfach auf romanische Bauelemente dieser ehemaligen Burgkapelle.
Die Burg selbst wurde 1221 zum ersten Mal an dieser Stelle genannt, in einer königlichen Urkunde Andreas II., in der er die Schenkungen Stephans, Sohn des Banus Chepan an das Zisterzienserkloster Szentgotthárd bestätigte. Dieser war als Minderjähriger in das Kloster eingetreten und hatte der ca. 19 km südwestlich von Maria Weinberg gelegenen Abtei mehrere Besitzungen überlassen. Im Zuge der Beschreibung von deren Umfang und Lage wurden zahlreiche Ortschaften beiderseits der heutigen Staatsgrenze im Bereich des Unteren Pinkatales zum ersten Mal urkundlich erwähnt: Die Orte Badersdorf, Bildein, Deutsch Schützen, Eberau, Gaas, Hagensdorf, Harmisch, Kohfidisch, Kölked, Pinkamindszent, Pornóapáti und Winten, sowie einige namentlich nicht mehr zuordenbare Siedlungen. Burg und Dorf Kertesz () wurden bei der Beschreibung der Ausmaße eines Waldes „… versus villam, que Kertes vocatur, super domum Henrici“ () genannt.
Sie gehörten zum Herrschaftsbereich der Herren von Güns, deren Graf Heinrich II. (1228–1274) als Palatin (um 1260) und Banus von Slawonien zwischen 1254 und 1274 zeitweise die Geschicke Ungarns lenkte. Heinrich stand im Machtkrieg zwischen König Béla IV. und seinem 1245 zum Juniorkönig gekrönten Sohn Stephan V. auf Seiten von Bela und floh nach dessen Tod 1270 nach Böhmen. Dort verbündete er sich mit König Ottokar II. Přemysl und übergab diesem die Burg Kertesz zusammen mit seinen Besitzungen und Festungen in Bernstein, Güns, Schlaining und St. Veit. Im Friedensschluss zwischen Ottokar und Stephan 1271 erfolgte die Rückgabe der Besitztümer, und die Günser kehrten nach Ungarn und in ihre früheren Ämter und Herrschaften zurück. Nach dem Sturz der Grafen von Güns 1369 ging die Burg Kertesz in den Besitz des Adelsgeschlechtes Hermann über, dem bis zum Ende des Mittelalters eine kleine Burgherrschaft mit der Burg Kertesz als deren Zentrum unterstellt war. Anschließend ging Kertesz in der Herrschaft Eberau auf, und die Burg verlor ihre Bedeutung.
Kirchenbau mini|Die Südseite mit dem vorgebauten Kirchturm Der Großteil der heutigen Pfarrkirche wurde in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts errichtet. Dabei wurden – teils unter Einbeziehung von Resten der ehemaligen Burgkapelle – das Kirchenschiff samt Chor im Stile der Gotik errichtet. Um den Bau zu unterstützen, gewährte Papst Sixtus IV. im Jahr 1475 allen Personen einen Ablass, die zu dessen Errichtung beitrugen. Im ersten Viertel des 16. Jahrhunderts erfolgte ein Ausbau der Kirche, wobei dieser unter anderem südseitig des Langhauses auf einem mittelalterlichen Fundament ein gotischer Turm vorgebaut wurde. In dieser Zeit erfolgte auch die Widmung der Kirche – im Jahre 1524. Die Pfarre selbst bestand bereits seit dem Mittelalter und wurde vermutlich bereits im 12. Jahrhundert gegründet. Sie gehört damit zu den ältesten, noch bestehenden Pfarrgemeinden des Burgenlandes.Weinberg: Malerischer Wallfahrertraum. In: meinekirchenzeitung.at. Kooperation Kirchenzeitungen - Verein zur Förderung der Kirchenpresse, 12. Dezember 2020,abgerufen am 13. Oktober 2024.
Im 18. Jahrhundert wurde das Gebäude mehrfach saniert und umgebaut, wobei unter anderem im Süden eine barocke Sakristei angebaut und die Westfassade samt Hauptportal barockisiert wurden. 1741 erfolgte eine Innenrenovierung, und in den Jahren 1775 und 1776 wurde ein neuer Dachstuhl errichtet. Das zuvor eingestürzte oberste Turmgeschoß wurde im Jahr 1777 neu aufgebaut, und mit einem spätbarocken Zwiebelhelm versehen. Zusätzlich wurde um 1800 der Großteil der Inneneinrichtung komplett barockisiert (siehe Ausstattung).Weinberg: Malerischer Wallfahrertraum. In: meinekirchenzeitung.at. Kooperation Kirchenzeitungen - Verein zur Förderung der Kirchenpresse, 12. Dezember 2020,abgerufen am 13. Oktober 2024.
Zu schweren Schäden am Gebäude kam es Ende des Zweiten Weltkrieges durch den Beschuss der Roten Armee.Weinberg: Malerischer Wallfahrertraum. In: meinekirchenzeitung.at. Kooperation Kirchenzeitungen - Verein zur Förderung der Kirchenpresse, 12. Dezember 2020,abgerufen am 13. Oktober 2024. Diese begann am Karsamstag, den 31. März 1945 den Südabschnitt des Südostwalles bei Moschendorf, Gaas, Eberau und Kulm anzugreifen. Da die Wehrmacht die Kirchtürme vieler umliegender Orte als Aussichtspunkte benutzte, wurden mehrere Kirchen stark beschädigt – vor allem geografisch exponiert gelegene Gebäude wie die Pfarrkirche Gaas oder die nahe gelegene Pfarrkirche Heiligenbrunn. Bereits am Palmsonntag, den 25. März war es zu Todesmärschen von ungarisch-jüdischen Zwangsarbeitern vom Bahnhof Burg über Maria Weinberg zum Zwangsarbeiterlager beim Meierhof Heiligenbrunn gekommen. Dabei wurden zwei ausgehungerte und erschöpfte Personen in der Nähe der Pfarrkirche Gaas erschossen, wovon eine direkt im Straßengraben des Kirchweges verscharrt wurde.
Die Kriegsschäden wurden durch eine Innenrenovierung im Jahr 1952 und eine Außenrenovierung 1963 beseitigt. Weitere Renovierungen am Gebäude erfolgten 1975, 1996–1998 und im Jahr 2024.Weinberg: Malerischer Wallfahrertraum. In: meinekirchenzeitung.at. Kooperation Kirchenzeitungen - Verein zur Förderung der Kirchenpresse, 12. Dezember 2020,abgerufen am 13. Oktober 2024.
Beschreibung
Wallfahrtskirche
Außenbau Die Kirche ist ein gotischer Bau aus der zweiten Hälfte des 15. und dem ersten Viertel des 16. Jahrhunderts. An die Westfassade schließt im Süden ein Turm an. Das Untergeschoß ist mittelalterlich, das Obergeschoß und der Zwiebelhelm sind spätbarock. Die Eisentür wurde 1755 geschaffen. Das Schiff wird durch zweifach abgetreppte Strebepfeiler gestützt. Die vier südlichen, gotischen Fenster haben barocke Schmiedeeisengitter aus dem Jahr 1741. An der Südostecke des Langhauses ist ein plastisches Köpfchen eingemauert, das vermutlich den Baumeister darstellt. Im Süden ist ein barocker Sakristeianbau vorhanden. Die Fassaden sind mit Faschen und einem stark profilierten Trauf- und Kranzgesims gegliedert. Das Südportal hat eine profilierte Leibung mit einer Eisentür aus dem Jahr 1726. Die westliche Giebelfassade hat ein barockes Portal mit einer Eisentür aus dem Jahr 1744. An der Außenwand der Apsis ist ein modernes Kruzifix vorhanden.
Innenraum mini|Innenraum der Kirche Das Kirchenschiff ist fünfjochig mit einem weitmaschigen Netzrippengewölbe auf Wappenkonsolen mit Steinmetz- oder Hauszeichen. Die spätbarocke Westempore ist dreiachsig und lagert auf einem Platzlgewölbe. Sie hat eine vorgebauchte Brüstung und stammt aus dem ersten Viertel des 16. Jahrhunderts. Ein Triumphbogen mit einem flachen Spitzbogen trennt das Kirchenschiff von der Apsis. Der dreijochige Chor hat einen 5/8-Schluss. Er ist etwas aus der Achse gerückt. Im Chor ist ein zierliches Netzrippengewölbe mit zweifach gekehlten Rippen auf Diensten. Die Konsolen wurden in Form von Tierköpfen geschaffen. Die gotische Sakramentsnische in der nördlichen Chorwand ist aus Terrakotta mit einem Wimperg in spätgotischer Rahmung. Das Schmiedeeisentürchen stammt aus der Entstehungszeit. Die Wandmalereien über dem Triumphbogen aus dem 17. Jahrhundert stellen die Abnahme des Leichnams Jesu vom Kreuz dar. An der Emporenbrüstung sind musizierende Engel und Heilige dargestellt. Die Wandmalereien aus dem 18. Jahrhundert waren stark übermalt und wurden 1965 wieder freigelegt. Die Kirchenfenster aus dem Jahr 1952 stammen von Josef Widmoser.
Ausstattung Der Großteil der Einrichtung stammt aus der Zeit von Pfarrer G. Legath, der in den Jahren 1777 bis 1820 wirkte. Die Einrichtung wurde 1977, 1983 und Anfang der 2000er-Jahre restauriert.
Hochaltar mini|Der Hauptaltar mit dem Gnadenbild im Zentrum Der Hauptaltar besteht aus einem zweistöckigen rosa-grau-marmorierten Säulenaufbau mit vergoldeten Holzschnitzfiguren und Zierschnitzereien. Er füllt beinahe die ganze Höhe des Chorgewölbes aus und reicht bis in die untere Hälfte von dessen Netzrippen. Im ersten Geschoß befindet sich zwischen zwei klassizistischen Doppelsäulen mit korinthischen Kapitellen eine golden gerahmte Mittelnische mit dem Gnadenbild einer spätgotischen Madonna mit Kind auf einer Mondsichel. Es entstand um 1460 oder 1470 und wurde 1975 restauriert. Im oberen Drittel wird es von zwei schwebenden Putti flankiert, in der unteren Hälfte von vergoldeten Holzschnitzfiguren des Hl. Joachim links, und der Hl. Anna rechts. An den Außenseiten der Doppelsäulen sind ident dazu Figuren der Heiligen Könige Stephan (links) und Ladislaus (rechts) vorhanden.