Lunéville (deutsch veraltet auch Lünstadt) ist eine französische Stadt und Gemeinde im Département Meurthe-et-Moselle in der Region Grand Est (bis 2015 Lothringen). Sie ist Sitz der Unterpräfektur des Arrondissements Lunéville und in die Wahlkreise Kanton Lunéville-1 und Kanton Lunéville-2 aufgeteilt.
Lunéville liegt an der Einmündung der Vezouze in die Meurthe, etwa 30 Kilometer entfernt von Nancy. Mit Einwohnern (Stand ) ist Lunéville nach Nancy und Vandœuvre-lès-Nancy die drittgrößte Stadt im Département Meurthe-et-Moselle.
Geschichte Lunéville war einst eine kleine Grafschaft und gehörte ab dem 15. Jahrhundert zum Herzogtum Lothringen. Seinen Aufschwung verdankte es Leopold Joseph von Lothringen, der 1702 nach Lunéville zog, weil seine Hauptstadt Nancy von französischen Truppen besetzt wurde. Er ließ sich vom Architekten Germain Boffrand das Barockschloss errichten und die Stadt zu einer würdigen Residenz ausbauen. Eine Steingutfabrik wurde im Jahre 1730 hier gegründet, die bald als königlich anerkannt wurde. Sie stellt noch heute weltberühmte keramische Produkte her. Danach regierte Stanislaus I. Leszczyński – der letzte Fürst von Lothringen – das Herzogtum bis zu seinem Lebensende (23. Februar 1766) auch von Lunéville aus. Lothringen fiel nach ihm vertragsgemäß an die französische Krone. Am 9. Februar 1801 unterzeichneten hier Joseph Bonaparte für die Französische Republik und Johann Ludwig Graf Cobenzl für Österreich den Vertrag von Lunéville. Dieser Friedensschluss markiert das Ende des Zweiten Koalitionskrieges und den Sieg Frankreichs. Inhaltlich bereitete dieser Friedensvertrag den Reichsdeputationshauptschluss (1803) vor. mini|hochkant|links|Ehemalige Abteikirche Saint-Jacques mini|Brücke über den Südarm der Vezouze im Zuge der Rue Chanzy
1827 wurde Fürst Ludwig Aloys zu Hohenlohe-Waldenburg-Bartenstein zum Marschall und Pair von Frankreich ernannt. Für seine Verdienste erhielt er das Schloss Lunéville zeitlebens als Residenz. Er war Kommandeur des Regiments Hohenlohe, das 1831 in die französische Fremdenlegion einging. Ludwig Aloys starb in Lunéville am 31. Mai 1829.
Besonders zu Anfang des Ersten Weltkriegs war die Umgebung der Stadt stark umkämpft. Der Durchbruchsversuch der deutschen 6. Armee auf Épinal scheiterte Ende August 1914 an der auf starke Befestigungen gestützten französischen Verteidigung im Raum Nancy/Lunéville.
Bevölkerungsentwicklung Jahr 1962 1968 1975 1982 1990 1999 2007 2019 Einwohner 21.618 23.177 22.709 21.468 20.711 20.188 20.078 17.867 mini|Hôtel de ville (Rathaus)
Sehenswürdigkeiten mini|Schloss Lunéville Hauptattraktion der Stadt ist das im 18. Jahrhundert errichtete Schloss Lunéville. Es wurde ab 1702 vom Architekten Germain Boffrand geplant und diente Herzog Leopold Joseph als Residenz. Bei einem Feuer im Januar 2003 wurde es schwer beschädigt. Der Conseil Général de la Meurthe-et-Moselle in Nancy sammelt Spenden zur Wiederherstellung der durch den Brand zerstörten Teile des Schlosses.
Verkehr mini|Stadtplan mit Bahnanlagen (1936) mini|Bahnhof Der Bahnhof Lunéville wurde 1852 zeitgleich mit dem Abschnitt Nancy–Sarrebourg der Bahnstrecke Paris–Strasbourg eröffnet. Im Jahr 1864 ging eine Zweigstrecke nach Saint-Dié-des-Vosges in Betrieb. Auf dem Bahnhofsvorplatz endeten die Personenzüge der meterspurigen Bahnstrecken nach Einville (ab 1902) sowie nach Blâmont und Badonviller (ab 1911); der Verkehr auf diesen beiden Strecken wurde 1942 eingestellt.
Aktuell wird der Bahnhof von Regionalzügen des TER Grand Est bedient. Seit 2007 verbinden ein- bis zweimal täglich TGV-Hochgeschwindigkeitszüge die Stadt mit Paris, Strasbourg und Saint-Dié-des-Vosges.
Lunéville liegt an der Nationalstraße N 4 (Paris–Strasbourg), die im Stadtgebiet zur Departementsstraße D 400 abgestuft wurde. Die N 4 tangiert Lunéville heute südlich als autobahnähnliche Schnellstraße mit zwei Anschlussstellen. In der Stadt beginnt die D 590 als verlängerte N 59 in Richtung Sélestat.
Städtepartnerschaften Schwetzingen (Deutschland) Hämeenkyrö (Finnland)
Persönlichkeiten
Anne Marguerite Gabrielle de Beauvau-Craon (1707–1792), lothringische Adlige Jean Girardet (1709–1778), Maler Jean Nicolas Jadot de Ville-Issey (1710–1761), lothringischer Architekt Marie Françoise Catherine de Beauvau-Craon (1711–1786), Mätresse am Hof von Lunéville Karl Alexander von Lothringen (1712–1780), Hochmeister des deutschen Ordens, Generalfeldmarschall und Gouverneur der Niederlande Niccolò Dôthel (1721–1810), Flötist und Komponist Nicolas de Pigage (1723–1796), französischer Baumeister Léopold-Charles de Choiseul-Stainville (1724–1774), Fürsterzbischof und Regent von Cambrai Nicolas Guibal (1725–1784), französischer Maler Joseph Johann von Ferraris (1726–1814), österreichischer Feldmarschall Gabrielle Beyer, geb. Bertrand (1737–1802), Malerin Jacques Marie Boutet (1745–1812), Schauspieler und Dramatiker Sebastian von Maillard (1746–1822), Planer und Bauleiter des Wiener Neustädter Kanals Louis Gerverot (1747–1829), französischer Unternehmer und Porzellanmaler Cécile Stanilas de Girardin (1762–1827), französischer Politiker Charles Rupied (1762–1824), letzter französischer Bürgermeister von Alt-Saarbrücken (1814–1815) Fürst Ludwig Aloys zu Hohenlohe-Waldenburg-Bartenstein (1765–1829), Marschall und Pair von Frankreich Charles Frédéric Kreubé (1777–1846), Violinist, Kapellmeister und Komponist Charles Gaillardot (1814–1883), Mediziner und Naturforscher Alexis L’Hotte (1825–1904), General und Reitmeister Henri Berr (1863–1954), Wissenschaftshistoriker und -philosoph Charles Guérin (1873–1907), Dichter François Walker (1888–1951), Turner Etienne Bach (1892–1986), protestantischer Pfarrer und Friedensarbeiter Georges Wambst (1902–1988), Radrennfahrer Auguste Wambst (1908–1987), Radrennfahrer Jean-Marie Bastien-Thiry (1927–1963), französischer Oberstleutnant und Attentäter Gilbert Bauvin (* 1927), Radrennfahrer Jacques Réda (1929–2024), Schriftsteller, Dichter und Jazzautor Claude Ponti (* 1948), französischer Kinderbuch-Illustrator und Schriftsteller
Literatur
Weblinks
luneville.fr – Offizielle Website der Stadt Ville de Lunéville bei cartesfrance.fr
Einzelnachweise
Kategorie:Ort in Grand Est Kategorie:Unterpräfektur in Frankreich Kategorie:Träger des Croix de guerre 1914–1918 (Ort in Frankreich) Kategorie:Stadt in Frankreich Kategorie:Weinbauort in Frankreich Kategorie:Ort an der Meurthe