al-Dschābiya () war ein Ort zwischen der Hauran-Ebene und den Golanhöhen, der den Stammesfürsten der arabischen Ghassaniden als Residenz diente und auch in der frühislamischen Zeit eine wichtige politische Bedeutung hatte.

Bedeutung in vorislamischer Zeit Al-Dschābiya, das sich über mehrere Hügel erstreckte,Vgl. Shahîd: Toponymy, monuments, historical geography and frontier studies. 2002, S. 103. wird erstmals 520 in einem syrisch-aramäischen Brief des Bischofs Simeon von Beth-Arschām unter dem Namen Gabīthā erwähnt. Aus einem weiteren Brief, der 569 verfasst wurde, geht hervor, dass sich hier ein Sergiuskloster befand. Ende des sechsten Jahrhunderts diente al-Dschābiya als Versammlungsort für zwei monophysitische Gruppen, die ihre religiösen Streitigkeiten beilegen wollten.Shahîd: Toponymy, monuments, historical geography and frontier studies. 2002, S. 98. Der medinische Dichter Hassān ibn Thābit erwähnt den Ort als Ǧābiya al-Ǧaulān und erwähnt, dass sein mütterlicher Onkel dort bei dem Herrscher an-Nuʿmān als Redner tätig war.Ḥassān ibn Ṯābit: Dīwān. Ed. Hartwig Hirschfeld. Brill, Leiden 1910. S. 6, Gedicht Nr. 5, Zeile 7. Digitalisat

Der „Tag von al-Dschābiya“ Nach der arabischen Eroberung Syriens richteten hier die Muslime ein ausgedehntes befestigtes Lager ihr wichtigstes Militärlager für Syrien ein, von dem aus sie den Dschund von Damaskus überwachten. Als militärischer Mittelpunkt stellte es in der Sufyānidenzeit selbst Damaskus in Schatten.

Besondere Bedeutung erhielt al-Dschābiya nach der Schlacht am Yarmūk, als hier die Kriegsbeute gesammelt wurde und ʿUmar ibn al-Chattāb den Ort aufsuchte, um die Verteilung der Kriegsbeute zu regeln, die Militärverwaltung Syriens zu organisieren und den Sold der Kämpfer festzulegen.Donner: The Early Islamic Conquests. 1981, S. 151. Bei dieser Gelegenheit soll er vor einer großen Versammlung von Heerführern und Prophetengefährten eine Ansprache gehalten haben, in der er seine Verfügungen verkündete. Diese Rede ist als „Ansprache von al-Dschābiya“ (ḫuṭbat al-Ǧābiya) bekannt, der Tag, an dem dies geschah, wird als „Tag von al-Dschābiya“ (Yaum al-Dschābiya) bezeichnetLammens: al-Djābiya. 1913, S. 1030b. und auf das Jahr 17 der Hidschra (= 638 n. Chr.) datiert.Vgl. L. Caetani: Annali dell'Islam Bd. III. Mailand 1910. S. 927–931. Digitalisat Auch Muʿāwiya, den ʿUmar 639 zum Statthalter Syriens bestellte, residierte wahrscheinlich in al-Dschābiya.Shahîd: Toponymy, monuments, historical geography and frontier studies. 2002, S. 96.

Der Kongress von al-Dschābiya Im Zentrum der politischen Geschehnisse rückte al-Dschābiya erneut, nachdem sich 683 Abdallah ibn az-Zubair in Mekka zum Kalifen ausgerufen hatte und 684 der umaiyadische Kalif Muʿāwiya II. verstorben war, ohne einen als Thronfolger geeigneten Sohn zu hinterlassen. Nachdem mehrere Statthalter in Syrien und Palästina auf die Seite von ʿAbdallāh ibn az-Zubair gewechselt waren, rief Hassān ibn Mālik Ibn Bahdal, ein Stammesführer der Kalb, der mit den Umaiyaden verwandt war, die Spitzen der syrischen Truppen zu einer Konferenz nach al-Dschābiya, um die umaiyadische Herrschaft zu sichern und einen geeigneten Nachfolger zu wählen. Das Ergebnis dieses Kongresses von Dschābiya, der 40 Tage lang dauerte, war eine Kompromissformel, die alle Umaiyaden zufriedenstellen sollte. Marwan I. wurde zum neuen Kalifen ausgerufen, ihm sollten aber Chālid, der Sohn von Yazid I., und der Umaiyade ʿAmr ibn al-Aschdaq folgen.Vgl. dazu Rotter: Die Umayyaden und der zweite Bürgerkrieg (680–692). 1982, S. 133–152.

Spätere Geschichte Seine Bedeutung als militärisches Zentrum Syriens verlor al-Dschābiya erst im frühen 8. Jahrhundert, als Sulaiman ibn Abd al-Malik seine Truppen zum Kampf gegen die Byzantiner nach Dābiq nördlich von Aleppo verlegte. Der Ort ist vollständig verschwunden, nur ein Tell, der Tall al-Dschābiya genannt wird, erinnert heute noch an ihn.Shahîd: Toponymy, monuments, historical geography and frontier studies. 2002, S. 102. In Damaskus behielt aber noch lange eines der Stadttore den Namen Bāb al-Ǧābiya.

Literatur Fred McGraw Donner: The Early Islamic Conquests. Princeton University Press, Princeton, New Jersey 1981. René Dussaud: “Mission dans les regions desertiques de la Syrie moyenne” in Imprimerie Nationale, Paris 1903. S. 45–48. Henri Lammens: al-Djābiya. In: Enzyklopaedie des Islam. Brill, Leiden 1913. Bd. I, S. 1030–1031. Digitalisat Henri Lammens: L'avènement des Marwānides et le califat de Marwān 1er. Imprimerie Catholique, Beirut 1927. S. 77–96. Digitalisat Gernot Rotter: Die Umayyaden und der zweite Bürgerkrieg (680–692) (Abhandlungen für die Kunde des Morgenlandes; 45,3). Steiner, Wiesbaden 1982. S. 133–152, ISBN 3-515-02913-3 (zugl. Habilitationsschrift, Universität Tübingen 1977). Irfan Shahîd: Byzantium and the Arabs in the Sixth Century. Dumbarton Oaks Research Library and Coll., Washington, DC 2002/2009 Bd. 2,1: Toponymy, monuments, historical geography and frontier studies. 2002, S. 96–105, ISBN 0-88402-284-6 Bd. 2,2: Economic, social and cultural history. 2009, ISBN 978-0-88402-347-0.

Einzelnachweise

Kategorie:Umayyaden Kategorie:Syrische Geschichte (Mittelalter) Kategorie:Islamische Expansion