Dautenheim ist einer von vier Stadtteilen der Stadt Alzey und wurde 1972 eingemeindet.
Geografische Lage Durch Dautenheim fließt die Weidas. Die Einwohnerzahl beträgt des Ortes beträgt ca. 500.
Nachbargemeinden sind: Hochborn Gau-Heppenheim Kettenheim
Geschichte Vorgeschichte, Mittelalter und frühe Neuzeit Ausgrabungen einer Villa rustica lassen auf eine Besiedlung in römischer Zeit schließen. Die älteste erhaltene Erwähnung von Dautenheim stammt von 781. Im Mittelalter befand sich von 1237 bis ca. 1563 bei Dautenheim das Kloster Weidas. Nach der Aufgabe des Klosters wurden die Steine 1584 zum Bau des Alzeyer Rathauses verwendet, so dass heute an das Kloster nur eine Gedenktafel an der Ortsausfahrt nach Kettenheim erinnert. Auch das Kloster Otterberg war im Ort begütert.Jürgen Keddigkeit, Michael Werling, Rüdiger Schulz und Charlotte Lagemann: Otterberg, St. Maria. Zisterzienserabtei Otterburg. In: Jürgen Keddigkeit, Matthias Untermann, Sabine Klapp, Charlotte Lagemann, Hans Ammerich (Hrsg.): Pfälzisches Klosterlexikon. Handbuch der pfälzischen Klöster, Stifte und Kommenden, Band 3: M–R. Institut für pfälzische Geschichte und Volkskunde. Kaiserslautern 2015. ISBN 978-3-927754-78-2, S. 524–587 (538). Am Ende des Alten Reichs gehörte Dautenheim zur KurpfalzAndrea Kraft: Ortsverzeichnis zur Historischen Karte der Pfalz und Rheinhessens 1789. Landesarchiv Speyer 2009, S. 6. und war dort dem Oberamt Alzey zugeordnet.
Neuzeit Nach der Einnahme des linken Rheinufers durch französische Revolutionstruppen wurde die Region 1793 von Frankreich annektiert.
Verzögert durch die Koalitionskriege wurde die Annexion erst nach 1797 konsolidiert und Dautenheim gehörte von 1798 bis 1814 zum Kanton Alzey im Departement Donnersberg. Gerichtlich war im Bereich des Kantons für die Zivilgerichtsbarkeit das Friedensgericht Alzey zuständig, für die Angelegenheiten der freiwilligen Gerichtsbarkeit im übrigen Notariate.Friedrich Lehne: Historisch-statistisches Jahrbuch des Departements vom Donnersberge für das Jahr 9 der fränkischen Republik. Pfeiffer, Mainz 1801, S. 174 (Digitalisat).
Aufgrund von 1815 auf dem Wiener Kongress getroffenen Vereinbarungen und eines 1816 zwischen dem Großherzogtum Hessen, Österreich und Preußen geschlossenen Staatsvertrags kam Rheinhessen, und damit auch die Gemeinde Dautenheim, zum Großherzogtum Hessen, das das neu erworbene Gebiet als Provinz Rheinhessen organisierte. Nach der Auflösung der Kantone in der Provinz kam der Ort 1835 zum neu errichteten Kreis Alzey, zu dem er bis 1969 gehörte.
Das Friedensgericht Alzey wurde 1879 aufgelöst und durch das Amtsgericht Alzey ersetzt.Verordnung zur Ausführung des Deutschen Gerichtsverfassungsgesetzes und des Einführungsgesetzes zum Gerichtsverfassungsgesetze vom 14. Mai 1879. In: Großherzoglich Hessisches Regierungsblatt Nr. 15 vom 30. Mai 1879, S. 197f.
Nach dem Zweiten Weltkrieg gehörte die Gemeinde zur französischen Besatzungszone und wurde 1946 Teil des neu gebildeten Landes Rheinland-Pfalz.
Am 22. April 1972 wurde Dautenheim in die Stadt Alzey eingegliedert.
Politik Ortsbeirat Dautenheim ist als Ortsbezirk ausgewiesen und wird politisch von einem Ortsbeirat und einer Ortsvorsteherin vertreten.
Der Ortsbeirat besteht aus sieben Ortsbeiratsmitgliedern. Bei der Kommunalwahl am 9. Juni 2024 wurden die Beiratsmitglieder in einer Mehrheitswahl gewählt. Bis zur Wahl 2009 wurde der Ortsbeirat per Verhältniswahl festgelegt: Wahl SPD CDU FWG Gesamt 2024 per Mehrheitswahl 7 Sitze 2019 per Mehrheitswahl 7 Sitze 2014 per Mehrheitswahl 7 Sitze 2009 3 2 2 7 Sitze 2004 3 2 2 7 Sitze
Ortsvorsteher Als Ortsvorsteherin wurde Kornelia Kopf (SPD) am 26. Mai 2019 mit 87,35 % gewählt. Sie ist Nachfolgerin von Wolfram Schäfer, der nicht mehr kandidiert hatte. Bei der Direktwahl am 9. Juni 2024 wurde sie als einzige Bewerberin mit 78,4 % für weitere fünf Jahre in ihrem Amt bestätigt.
Wappen Das ehemalige Dautenheimer Wappen zeigt in Anlehnung an eine ehemalige Kapelle in Dautenheim, die dem heiligen Nikolaus geweiht war. Die drei Zeichen (drei Punkte) auf dem weißen rechteckigen Feld sind charakteristisch für die Darstellung des Heiligen. Sie stellen drei Goldklumpen bzw. drei Geldbeutel dar, mit denen dieser drei Mädchen vor der Prostitution bewahrt haben soll. Das Wappen wurde pseudomodern gestaltet, weshalb die normale Kugelform nicht mehr erkennbar ist. Noch bis 1960 findet sich ein anderes Wappen für Dautenheim.
Sport In Dautenheim befindet sich ein Rasen-Fußballplatz sowie eine Turn- und Gemeindehalle.
Wirtschaft und Infrastruktur Ländlich geprägte Weinbaugemeinde. Von einer Vielzahl ehemaliger Weingüter bieten heute noch 2 Weingüter Weine aus eigener Abfüllung und Hofverkauf an. In Dautenheim existiert seit einigen Jahren ein Winzerhotel. Der Pharmakonzern Eli Lilly kündigte 2023 an eine Produktionsstätte für Medikamente in Dautenheim zu errichten, die Arbeitsplätze für 1000 Mitarbeiter bieten soll.
Kultur und Veranstaltungen Bedeutendste jährliche Veranstaltung ist die Kerb, die immer am ersten Wochenende im Juli stattfindet. Weiterhin richtet die Gemeinde jedes Jahr im Sommer ein „Wäldchesfest“ im kleinen Waldstueck des Dorfes aus.
Siehe auch: Liste der Kulturdenkmäler in Alzey-Dautenheim
Verkehr Der Stadtteil gehört dem Verkehrsverbund Rhein-Neckar (VRN) an. Für Verbindungen aus dem und in das Gebiet des Rhein-Nahe-Nahverkehrsverbunds (RNN) kann auch dieser Tarif bis Alzey angewendet werden.
Weblinks Dautenheim auf der Website der Stadt Alzey Kurzporträt mit Filmbeitrag über Dautenheim bei SWR Fernsehen Dautenheim bei regionalgeschichte.net
Literatur Michael Huyer, Dieter Krienke (Bearb.): Kreis Alzey-Worms: Stadt Alzey (= Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland: Kulturdenkmäler in Rheinland-Pfalz. Band 20.2). Wernersche Verlagsgesellschaft, Worms 2014, ISBN 978-3-88462-326-8, S. 177–183.
Einzelnachweise
Kategorie:Ort im Landkreis Alzey-Worms Kategorie:Ort in Rheinhessen Kategorie:Geographie (Alzey) Kategorie:Ehemalige Gemeinde (Landkreis Alzey-Worms) Kategorie:Gemeindeauflösung 1972 Kategorie:Weinort in Rheinland-Pfalz Kategorie:Ersterwähnung 781 Kategorie:Ortsbezirk von Alzey