Zweiter Schottischer Unabhängigkeitskrieg (Der Krieg der drei Könige, Michael Brown: The wars of Scotland, 1214–1371. Edinburgh University Press, Edinburgh 2004, ISBN 0-7486-1237-8, S. 232.) war ein militärischer Konflikt zwischen England und Schottland. Ab 1332 versuchten zunächst englische Adlige, die Ansprüche auf Besitzungen in Schottland erhoben, eine Invasion Schottlands. Sie konnten zunächst ein schottisches Heer schlagen und den von ihnen unterstützten Edward Balliol zum König krönen lassen. Dieser konnte sich jedoch nicht behaupten, worauf im Sommer 1333 der englische König Eduard III. ein Heer nach Schottland führte. Erneut wurden die Schotten geschlagen, doch auch nach weiteren Feldzügen des englischen Königs leisteten die schottischen Magnaten weiter Widerstand. Nach mehreren Jahren verheerenden Kleinkriegs wandte sich der englische König einem Krieg mit Frankreich zu. Als der schottische König 1346 in englische Gefangenschaft geriet, unternahm der englische König aufgrund des andauernden Kriegs mit Frankreich nur einen halbherzig geführten Feldzug nach Schottland. Doch erst 1357 endete der Krieg in Schottland faktisch, als nach langen Verhandlungen der schottische König freigelassen wurde.
Ausgangslage Nach einem jahrzehntelangen Krieg hatte England im Frieden von Edinburgh und Northampton 1328 die Unabhängigkeit von Schottland anerkennen müssen. Darin verzichtete die englische Krone auf alle Ansprüche auf schottischen Besitz. Zwischen England und Schottland galt wieder die Grenze von vor 1296. Während des Krieges hatte die englische Krone aber umfangreiche Besitzungen als Lehen an englische Magnaten vergeben, die nun als verwirkt galten. Dazu gab es eine Reihe von schottischen bzw. englisch-schottischen Magnaten, die in dem Krieg die englische Krone unterstützt hatten. Durch den Frieden verloren sie endgültig ihre Besitzungen in Schottland. Für diese englischen und schottischen Magnaten waren in dem Friedensabkommen keine konkreten Abmachungen über Entschädigungen getroffen worden. Zwar hatten auch einige schottische Magnaten durch den Krieg ihrerseits Besitzungen in England verloren, doch bei der Hochzeit von David, dem schottischen Thronerben, mit der englischen Königstochter Johanna drängte die englische Königin Isabelle auf Entschädigungen für einige englische Magnaten, vor allem für jene, die bereits vor Kriegsbeginn durch Erbschaften schottische Besitzungen besessen hatten. Die Schotten reagierten auf diese Forderungen zunächst zurückhaltend, doch am 28. Juli 1328 erkannte der schottische König Robert I. in Glasgow Ansprüche von Henry Percy auf Gebiete an, die er bereits vor Beginn des Krieges besessen hatte. Er erhielt zwar nicht sofort die Besitzungen zurück, auf die er Erbansprüche hatte, doch auf die Baronien Urr in Galloway und Red Castle in Angus konnte er als Nachfahre von Henry Fishburn, einem Enkel von Henry Balliol of Red Castle berechtigte Ansprüche machen. Offenbar erhielt er diese Gebiete zurück, denn am 20. Dezember 1330 erklärte der englische König, dass Percy keine weiteren Ansprüche auf schottische Gebiete hätte. Nach Ansicht der englischen Krone hatten auch die Barone Thomas Wake, Henry de Beaumont und William la Zouche noch berechtigte Erbansprüche auf schottische Gebiete.Ranald Nicholson: Edward III and the Scots. The formative Years of a Military Career. Oxford University Press, Oxford 1965, S. 58. Diese wurden zusammen mit anderen Baronen, die Besitzungen in Schottland verloren hatten, als Enterbte bezeichnet.
Invasion Schottlands durch die Enterbten Bemühungen der Enterbten um Rückgabe ihrer Besitzungen Henry de Beaumont und Thomas Wake gehörten zusammen mit Henry of Lancaster und David Strathbogie zu den schärfsten Gegnern des Friedens mit Schottland.Ranald Nicholson: Edward III and the Scots. The formative Years of a Military Career. Oxford University Press, Oxford 1965, S. 61. Sie gehörten in der Folge auch zu den schärfsten Opponenten von Roger Mortimer, dem eigentlichen Machthaber Englands, der anstelle des minderjährigen Königs Eduard III. die Regierung führte. Mortimer konnte aber die Revolte von Lancaster und seinen Unterstützern Anfang 1329 niederschlagen. Beaumont und Wake mussten ins Exil flüchten. Nachdem der junge Eduard III. im Oktober 1330 Mortimer in einem Staatsstreich stürzen konnte, konnten die Exilierten zurückkehren und gewannen rasch wieder an Einfluss. Bereits wenige Tage nachdem ihnen der König ihre beschlagnahmten Besitzungen zurückgegeben hatte, forderte Eduard III. am 20. Dezember 1330 in einem Brief an David II. diesen auf, nicht nur Wake und Beaumont, sondern auch anderen Enterbten ihre schottischen Besitzungen zurückzugeben.Ranald Nicholson: Edward III and the Scots. The formative Years of a Military Career. Oxford University Press, Oxford 1965, S. 68. Der minderjährige David II., der den schottischen Thron nach dem Tod seines Vaters Robert I. 1329 bestiegen hatte, bestätigte den Eingang des Briefs von Eduard III., doch die diplomatischen Bemühungen zugunsten der Enterbten blieben erfolglos. Da die Schotten noch nicht das gesamte Geld gezahlt hatten, dass sie nach dem Friedensabkommen an die englische Krone zahlen wollten, unternahm der englische König aber keine weiteren Aktionen, um die Zahlung der ausstehenden Gelder nicht zu gefährden.Ranald Nicholson: Edward III and the Scots. The formative Years of a Military Career. Oxford University Press, Oxford 1965, S. 69. Bis Sommer 1331 zahlten die Schotten schließlich die noch ausstehende Summe.
Vorbereitungen der Enterbten für einen Angriff auf Schottland Nach der Zahlung der letzten Rate des schottischen Geldes reisten Beaumont und Strathbogie 1331 im Auftrag des Königs nach Frankreich, dabei trafen sie sich offenbar auch mit dem im französischen Exil lebenden Edward Balliol, der als Sohn des früheren Königs John Balliol einen Anspruch auf den schottischen Thron hatte.Ranald Nicholson: Edward III and the Scots. The formative Years of a Military Career. Oxford University Press, Oxford 1965, S. 71. Balliol hatte aber zunächst vor allem Interesse an der Rückgabe der englischen Besitzungen seiner Familie. Diese waren 1296 zu Beginn des Kriegs mit Schottland von König Eduard I. beschlagnahmt worden. Im Sommer 1331 brachte ihn Beaumont zurück nach England, wo er sich wenig später mit zahlreichen der Enterbten traf.Ranald Nicholson: Edward III and the Scots. The formative Years of a Military Career. Oxford University Press, Oxford 1965, S. 73. Die Schotten sahen die Ankunft von Balliol in England offenbar als Bedrohung. Sie beriefen für November 1331 ein Parlament nach Scone. Dort wurde anschließend der junge David II. zum König gekrönt. Damit wollten sie offenbar Balliols Ansprüchen zuvorkommen.
In England berieten sich die Enterbten zweifelsfrei mit Eduard III. über ihr weiteres Vorgehen. Sie wollten mit einem Heer in Schottland einfallen, doch der König hatte Skrupel, seinen Schwager David II. so zu hintergehen. Deshalb verbot er ihnen, über den Landweg nach Schottland einzufallen.Ranald Nicholson: Edward III and the Scots. The formative Years of a Military Career. Oxford University Press, Oxford 1965, S. 75. Er wies offiziell seine Beamten an, den Frieden mit Schottland zu wahren und Aggressoren zu verhaften. Insgeheim durften die Enterbten aber Nordengland als Basis nutzen, um dort Truppen zusammen zu ziehen und um Schiffe auszurüsten, mit denen sie nach Schottland segeln wollten.Ranald Nicholson: Edward III and the Scots. The formative Years of a Military Career. Oxford University Press, Oxford 1965, S. 76. Mit Erlaubnis des Königs durften die Enterbten auch ihren Landbesitz verpfänden, um Geld für die geplante Invasion Schottlands zu sammeln. Zu den Unterstützern von Beaumont und Balliol gehörten Isabel de Vescy, die Schwester von Beaumont, Beaumonts Schwiegersohn David Strathbogie, dessen Onkel Richard Talbot, Gilbert de Umfraville, Ralph Stafford, Alexander und John Mowbray, John Felton, Henry Ferrers mit zweien seiner Brüder, Thomas Ughtred, Nicholas Beche, Fulk Fitz Warin, Robert Winchester sowie einen oder beide der namensgleichen Walter Comyn. Auch Walter Mauny, ein Ritter des königlichen Haushalts gehörte dem Heer der Enterbten an, was als klares Zeichen gilt, das Eduard III. in das Vorhaben eingeweiht war. Zu den Enterbten, die die Expedition nicht unterstützten, gehörten Henry Percy, der durch die Intervention der Krone durch Robert Bruce entschädigt worden war, und Thomas Wake, der zwar Vorbereitungen für seine Teilnahme an der Expedition getroffen hatte, aber durch eine Fehde mit dem Abt von Croyland von dem Feldzug abgehalten wurde. Die Armee der Enterbten soll nach den Angaben der Chronisten zwischen 1500 und 2000 Mann stark gewesen sein. Darunter sollen sich etwa 500 Ritter und men-at-arms befunden haben. Unter den Fußsoldaten befanden sich zahlreiche Bogenschützen. Die Armee stand unter nominaler Führung von Edward Balliol, doch der eigentliche militärische Führer war Henry de Beaumont.Ranald Nicholson: Edward III and the Scots. The formative Years of a Military Career. Oxford University Press, Oxford 1965, S. 80–81.
Invasion der Enterbten und Schlacht von Dupplin Moor