mini|Die 33 Stationen des Pilgerwegs Der Saigoku-Pilgerweg (; deutsche Übertragung: „Pilgerweg entlang der 33 (Kannon geweihten heiligen) Orte in den westlichen Landen“) ist ein wichtiger buddhistischer Pilgerweg (Junrei) in der japanischen Region Kansai, den „westlichen Landen“. Er ist neben dem Shikoku-Pilgerweg der älteste und populärste Pilgerweg Japans und etwa 1300 km lang. Verbindendes Element der nummerierten Tempel sind Statuen der Kannon, einer weiblichen Inkarnation des Bodhisattvas Avalokiteshvara, die als Hauptbildnisse in den Tempeln verehrt werden.

Geschichte Der Überlieferung nach geht der Pilgerweg auf den Mönch Tokudo Shōnin zurück. Dies ist jedoch geschichtlich nicht haltbar, da viele Tempel erst nach dem Tod des Mönchs gegründet wurden. Auch die Verknüpfung mit Kaiser Kazan als Begründer des Pilgerwegs ist historisch nicht belegbar.Mark MacWilliams: Old and New Images of Retired Emperor Kazan in the Saigoku Kannon Temple Guidebooks. In: History of Religions. 34, 1995, S. 303.

Der erste historische Nachweis einer Pilgerreise entlang der 33 Tempel stammt aus dem 12. Jahrhundert vom Mönch Kakuchu. Er findet sich in der Gedichtsammlung Senzai-wakashū (1187).Steven E. Gump: Mythologies and Miracles: The Saikoku and Peregrinogenesis. In: Southeast Review of Asian Studies. 27, 2005, S. 102. Tempel wie der Hase-dera, der Ishiyama-dera und der Kiyomizu-dera waren jedoch schon zuvor beliebte Ziele von Pilgerreisenden.

Bis ins 16. Jahrhundert reisten vornehmlich Adlige, Nonnen und Mönche entlang des Saigoku-Pilgerwegs. Dies änderte sich mit der Edo-Zeit, als der Pilgerweg auch in der breiten Bevölkerung sehr populär wurde. Dieses gewachsene religiöse und touristische Interesse wurde wegen der allgemeinen Befriedung Japans und der verbesserten Verkehrsverbindungen möglich.Carmen Blacker: The Religious Traveller in the Edo Period. In: Modern Asian Studies. 18, 1984, S. 593.

Ablauf Wichtigstes Anliegen der Pilgerreise ist das Gebet vor der Hauptstatue Kannons. Viele Pilger singen dabei auch das für einen jeden Tempel vorgesehene Tempellied (go-eika). Allerdings betet man meistens vor einer Stellvertreter-Figur, da die Mehrzahl der verehrten Tempel-Bildnisse sogenannte verborgene Buddhas (hibutsu) darstellen. Neben dem Gebet im Haupttempel ist die Bestätigung des Besuchs im Tempelbüro eine wesentliche Tätigkeit. Die Tempelstempel und Kalligrafien werden in einem Buch oder auf einer Bildrolle gesammelt.

Häufig werden auch Sehenswürdigkeiten in der näheren Umgebung des Tempels besucht. Während früher der Pilgerweg zumeist zu Fuß bewältigt wurde, sind Wanderer heute in der Minderzahl. So zeigt eine moderne, allerdings nicht repräsentative Erhebung, dass 51 % aller Pilger mit dem eigenen Pkw unterwegs sind, während 40 % mit dem Bus oder der Bahn reisen.Ian Reader: Religion in contemporary Japan. University of Hawaii Press, Honolulu 1991. Nur eine kleine Minderheit wandert oder fährt mit dem Rad.

Die 33 Tempel Nr. Tempel Ort, Präfektur Hauptbildnis (honzon) Bild 1 Seiganto-ji () Nachi-Katsuura, Wakayama Kannon mit wunscherfüllendem Juwel 100px|Seiganto-ji 2 Kimii-dera () Wakayama, Wakayama elfköpfige Kannon 100px|Ki-mii-dera 3 Kokawa-dera () Kinokawa, Wakayama „tausendarmige“ Kannon 100px|Kokawa-dera 4 Sefuku-ji () Izumi, Osaka „tausendarmige“ Kannon 100px|Sefuku-ji 5 Fujii-dera () Fujiidera, Osaka elfköpfige, „tausendarmige“ Kannon 100px|Fujii-dera 6 Tsubosaka-dera () Takaichi, Nara „tausendarmige“ Kannon 100px|Minamihokke-ji (Tsubosaka-dera) 7 Oka-dera () Asuka, Nara Kannon mit wunscherfüllendem Juwel 100px|Oka-dera 8 Hase-dera () Sakurai, Nara elfköpfige Kannon 100px|Hase-dera 9 Kōfuku-ji () Nara, Nara seilschwingender Kannon 100px|Nan'endō 10 Mimuroto-ji () Uji, Kyōto „tausendarmige“ Kannon 100px|Mimuroto-ji 11 Kami-Daigo-ji () Kyōto, Kyōto Mutter-Kannon 100px|Kami Daigo-ji 12 Iwama-dera () Ōtsu, Shiga „tausendarmige“ Kannon 100px|Shōhō-ji (Iwama-dera) 13 Ishiyama-dera () Ōtsu, Shiga Kannon mit wunscherfüllendem Juwel 100px|Ishiyama-dera 14 Mii-dera () Ōtsu, Shiga Kannon mit wunscherfüllendem Juwel 100px|Mii-dera 15 Imakumano Kannon-ji () Kyōto, Kyōto elfköpfige Kannon 100px|Imakumano Kannon-ji 16 Kiyomizu-dera () Kyōto, Kyōto „tausendarmige“ Kannon 100px|Kiyomizu-dera 17 Rokuharamitsu-ji () Kyōto, Kyōto elfköpfige Kannon 100px|Rokuharamitsu-ji 18 Rokkaku-dō () Kyōto, Kyōto Kannon mit wunscherfüllendem Juwel 100px|Chōhō-ji (Rokkaku-dō) 19 Gyōgan-ji () Kyōto, Kyōto „tausendarmige“ Kannon 100px|Gyōgan-ji (Kōdō) 20 Yoshimine-dera () Kyōto, Kyōto „tausendarmige“ Kannon 100px|Yoshimine-dera 21 Anao-ji () Kameoka, Kyōto heiliger Kannon 100px|Anao-ji 22 Sōji-ji () Ibaraki, Osaka „tausendarmige“ Kannon 100px|Sōji-ji (Osaka) 23 Katsuō-ji () Minoo, Osaka elfköpfige, „tausendarmige“ Kannon 100px|Katsuō-ji 24 Nakayama-dera () Takarazuka, Hyōgo elfköpfige Kannon 100px|Nakayama-dera 25 Kiyomizu-dera () Katō, Hyōgo elfköpfige, „tausendarmige“ Kannon 100px|Bansyu Kiyomizudera 26 Ichijō-ji () Kasai, Hyōgo heiliger Kannon 100px|Ichijō-ji 27 Engyō-ji () Himeji, Hyōgo Kannon mit wunscherfüllendem Juwel 100px|Engyō-ji 28 Nariai-ji () Miyazu, Kyōto heiliger Kannon 100px|Nariai-ji 29 Matsunoo-dera () Maizuru, Kyōto pferdeköpfiger Kannon 100px|Matsunoo-dera 30 Hōgon-ji () Chikubushima, Shiga „tausendarmige“ Kannon 100px|Hōgon-ji 31 Chōmei-ji () Ōmihachiman, Shiga Drei Hauptbildnisse: „tausendarmige“ Kannon, elfköpfige Kannon, heilige Kannon 100px|Chōmei-ji 32 Kannonshō-ji () Azuchi, Shiga „tausendarmige“ Kannon 100px|Kannonshō-ji 33 Kegon-ji () Ibigawa, Gifu elfköpfige Kannon 100px|Kegon-ji

Daneben gibt es drei weitere Tempel, die nicht als offizielle Stationen gelten, aber von vielen Pilgern mit besucht werden. Zusammen mit den 33 Tempeln des Bandō-Pilgerwegs in der Kantō-Region und den 34 Tempeln des Chichibu Sanjūyon bildet der Saigoku-Pilgerweg eine 100 Stationen umfassende Strecke von Kannon gewidmeten Tempeln in Japan.

Literatur Patricia Frame Rugola: The Saikoku Kannon Pilgrimage Route. Dissertation, Ohio State University, 1986. Valeria Jana Schwanitz und August Wierling: Saigoku – Unterwegs in Japans westlichen Landen. Manpuku-Verlag, Potsdam 2012. Cees Nooteboom und Simone Sassen: Saigoku – Pilgerweg der 33 Tempel bei Kyoto. Schirmer/Mosel, München 2013.

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Einzelnachweise

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