Die International Federation of Library Associations and Institutions (IFLA) ist die internationale Vereinigung bibliothekarischer Verbände und Einrichtungen (so auch die offizielle deutsche Bezeichnung). Gegründet wurde die IFLA 1927 in Edinburgh (Schottland). Ihre ersten Präsidenten waren Isak Collijn (1927–1931) und William Warner Bishop (1931–1936). Im Jahr 2022 hatte die IFLA 1660 Mitglieder aus mehr als 140 Ländern, die etwa 500.000 Bibliotheken repräsentieren.
Ziele, Tätigkeit und Organisation Zweck der Vereinigung ist die Förderung und Entwicklung qualitativer Bibliotheks- und Informationsdienste aller Art, die Förderung des freien Zugangs zu Informationen und die Vertretung der Interessen des Bibliotheks- und Dokumentationswesens im Allgemeinen. Um dieses Ziel zu erreichen, gibt die IFLA Publikationen heraus, darunter die viermal jährlich erscheinende Fachzeitschrift IFLA Journal, organisiert Seminare und Workshops sowie den jährlich im August stattfindenden Weltkongress „World Library and Information Conference“ (WLIC). Während des Weltkongresses findet jährlich die IFLA-Generalversammlung der Mitglieder statt, die laut IFLA-Statuten das höchste Lenkungsgremium der Vereinigung ist.
Die Organisation arbeitet mit anderen internationalen Organisationen wie der UNESCO und der Weltorganisation für geistiges Eigentum (WIPO) zusammen und hat Beobachterstatus bei den Vereinten Nationen. Die Interessen des Bibliotheks- und Informationsbereichs werden außer von der IFLA auch durch das European Bureau of Library, Information and Documentation Associations (EBLIDA) vertreten. Die IFLA ist ein Gründungsmitglied der Kulturschutzorganisation Blue Shield International. In diesem Zusammenhang soll – oft gemeinsam mit der UNESCO bzw. den Vereinten Nationen – der nationale und internationale Schutz von Bibliotheken als Teil des kulturellen Erbes bei Kriegen, bewaffneten Konflikten oder Katastrophen sichergestellt werden.
Die Zentrale der IFLA befindet sich in Den Haag, Regionalbüros gibt es in Dakar, Singapur und Rio de Janeiro. Die sieben offiziellen Sprachen der IFLA, in denen sich die Mitglieder auf Konferenzen und bei Besprechungen verständigen, sind Arabisch, Chinesisch, Deutsch, Englisch, Französisch, Russisch und Spanisch.
IFLA-Präsidenten amtieren seit 2003 für jeweils zwei Jahre. Sie werden gewählt und sind vor ihrer eigentlichen Präsidentschaft zwei Jahre lang „president-elect“. Derzeitige IFLA-Präsidentin ist seit August 2023 die Australierin Vicki McDonald, State Librarian and Chief Executive Officer der State Library of Queensland.
Vorwürfe gegenüber der IFLA-Führung Die schwedische Bibliotheksfachzeitschrift Biblioteksbladet vom November 2022 beleuchtete Vorwürfe gegenüber der IFLA-Führung.https://www.biblioteksbladet.se/etidningen/nr-04-2022-english/ Biblioteksbladet number 4, 2022. The Number about IFLA.https://www.biblioteksbladet.se/nyheter/english/fear-illness-silence/ Lisa Bjurwald: Fear. Illness. Silence. Das Magazin berichtete dabei über eine „toxische Atmosphäre“ im IFLA-Hauptquartier in Den Haag sowie über Vorwürfe von Korruption, der Unterdrückung von abweichenden Meinungen und damit zusammenhängender Berichterstattung. Diese wurden auch in innerbibliothekarischen Fachkreisen in Deutschland thematisiert.
Abteilungen mini|Internationaler Bestellschein (IFLA)
Die IFLA ist in acht Abteilungen (Divisions) gegliedert: Div I : Allgemeine wissenschaftliche Bibliotheken Div II: Spezialbibliotheken Div III: Bibliotheken für die breite Öffentlichkeit Div IV: Bibliographische Kontrolle Div V: Sammlung und Dienstleistungen Div VI: Management und Technik Div VII: Ausbildung und Forschung Div VIII: Regionale Aktivitäten.
Diese Abteilungen unterteilen sich in 45 Sektionen. In den Sektionen wird ein großer Teil der fachlichen Arbeit geleistet: So werden z. B. die Fachveranstaltungen während der Weltkongresse durch die Sektionen eigenständig geplant und durchgeführt, die Sektionen führen Vorkonferenzen für ihre Themenbereiche durch, veranstalten eigene Arbeitstreffen (z. B. die sog. „Mid-Term-Meetings“) oder erstellen Veröffentlichungen. Geleitet werden die Sektionen durch eine Lenkungsgruppe, das „Standing Committee“, für das alle zwei Jahre Wahlen durchgeführt werden. Neben den Sektionen gibt es Ausschüsse zu den Haupttätigkeitsfeldern (Core Activities) der Organisation. Dazu zählen unter anderem das Free Access to Information and Freedom of Expression Committee, das Copyright and other Legal Matters Committee und die IFLA-CNDL Alliance for Bibliographic Standards.
IFLA-Weltkongresse und IFLA-Präsidentschaften (mit Tabelle) Die IFLA organisiert jedes Jahr einen Weltkongress, auf der auch die Generalversammlung der Mitglieder als das oberste Verbandsgremium tagt. Der erste Kongress fand 1928 in Rom statt. Seitdem fand der Kongress jährlich statt, mit Unterbrechungen 1940–1946 wegen des Zweiten Weltkriegs und 2020 wegen der COVID-19-Pandemie.
Am 19. Juni 2023 veröffentlichte das Governing Board der IFLA seine Entscheidung, die IFLA-Weltkonferenz 2024 in Dubai durchzuführen. Dies stieß angesichts der dortigen Menschenrechtslage, aber auch wegen der konkreten Beschränkungen und Verbote für das durchführbare Programm, auf große Kritik unter den Mitgliedern. Stein des Anstoßes war hierbei, dass insbesondere Interessengruppen wie die LGBTQ+ Special Interest Group innerhalb der IFLA keine Möglichkeit haben würden, auf dem Weltkongress ein eigenes Format nutzen zu können, wie der IFLA vorab durch das Außenministerium der Vereinigten Arabischen Emirate mitgeteilt worden war.
Der deutsche Berufsverband Information Bibliothek (BIB) verurteilte die Entscheidung der IFLA für Dubai als Veranstaltungsort „aufs Schärfste“ und kündigte am 27. Juni 2023 an, in Dubai nicht offiziell vertreten zu sein und auch keine Reisen seiner Mitglieder zu unterstützen. Ebenso sprach sich der Verein Deutscher Bibliothekarinnen und Bibliothekare (VDB) gegen Dubai 2024 aus, da die dortige Regierung schon angekündigt habe, beschränkend bzw. verbietend in das Programm einzugreifen.
Das Governing Board der IFLA führte aufgrund der Proteste bis zum 2. August 2023 eine – allerdings nicht bindende – Mitgliederumfrage durch, ob der Kongress in Dubai 2024 stattfinden solle; gesondert wurden die Ehrenamtlichen gefragt. Obwohl bei dem Referendum die Mehrheit der IFLA-Mitglieder Dubai als Austragungsort ablehnte, hielt das Governing Board weiterhin am ursprünglichen Austragungsort fest. Im Oktober 2023 zog der gastgebende Verband, die „Emirates Library and Information Association“, die Einladung nach Dubai zurück, sodass im Jahr 2024 kein Weltkongress stattfinden wird.
+Tabelle der IFLA-Weltkongresse und IFLA-PräsidentschaftenJahrKongressortAusrichtender StaatKongressmottoJahrPräsidentschaft und ggf. MottoPräsidentschaftsland1928RomItalien1927–1931Isak G.A. CollijnSchweden1929RomItalienFlorenzVenedig1930StockholmSchweden1931CheltenhamVereinigtes Königreich1932BernSchweiz1931–1936William Warner BishopUSA1933ChicagoUSAAvignonFrankreich1934MadridSpanien1935MadridSpanienBarcelona1936WarschauPolen1936–1947Marcel GodetSchweiz1937ParisFrankreich1938BrüsselBelgien1939Den HaagNiederlandeAmsterdam1947OsloNorwegen1947–1951Wilhelm MuntheNorwegen1948LondonVereinigtes Königreich1949BaselSchweiz1950LondonVereinigtes Königreich1951RomItalien1952KopenhagenSchweden1951–1958Pierre BourgeoisSchweiz1953WienÖsterreich1954ZagrebKroatien1955BrüsselBelgien1956MünchenDeutschland1957ParisFrankreich1958MadridSpanien1959WarschauPolen1959–1963Gustav HofmannDeutschland1960LundSchwedenMalmö1961EdinburghVereinigtes Königreich1962BernSchweiz1963SofiaBulgarien1964RomItalien1963–1969Sir Frank FrancisVereinigtes Königreich1965HelsinkiFinnland1966Den HaagNiederlandeLibraries and Documentation1967TorontoKanadaLibrary Service for a Nation Covering a Large Geographical Area1968Frankfurt am MainDeutschlandBooks and Libraries in an Industrial Society1969KopenhagenSchwedenLibrary Education and Research in Librarianship1969–1974Herman LiebaersBelgien1970MoskauRusslandLenin and Libraries1971LiverpoolVereinigtes KönigreichThe Organization of the Library Profession1972BudapestUngarnReading in a Changing World1973GrenobleFrankreichReading in a Changing World1974Washington, D.C.USANational and International Library Planning1975OsloNorwegenThe Future of International Library Cooperation1974–1979Preben KirkegaardDänemark1976LausanneSchweizIFLA1977BrüsselBelgienLibraries for All: One World of Information, Culture and Learning1978Strbské PlesoSlowakeiUniversal Availability of Publications1979KopenhagenSchwedenLibrary Legislation1980ManilaPhilippinenDevelopment of Libraries and Information Systems1979–1985Else GranheimNorwegen1981LeipzigDeutschlandThe Role of National Centres in National Library Development and in International Library Cooperation1982MontrealKanadaNetworks1983MünchenDeutschlandLibraries in a Technical World1984NairobiKeniaBasis of Information Services for National Development1985ChicagoUSALibraries and the Universal Availability of Information1986TokioJapanNew Horizons of Librarianship towards the 21st Century1985–1991Hans-Peter GehDeutschland1987BrightonVereinigtes KönigreichLibraries and Information Services in a Changing World1988SydneyAustralienLiving together: People, Libraries, Information1989ParisFrankreichLes Bibliothèques et l’information dans l’économie hier, aujourd’hui et demain1990StockholmSchwedenLibraries: Information for Knowledge1991MoskauRusslandLibraries and Culture: Their Relationship1992Neu-DelhiIndienLibrary and Information Policy Perspectives1991–1997Robert WedgeworthUSA1993BarcelonaSpanienThe Universal Library: Libraries as Centres for the Global Availability of Information1994HavannaKubaLibraries and Social Development1995IstanbulTürkeiLibraries of the Future1996PekingChinaThe Challenge of Change1997KopenhagenSchwedenLibraries and Information for Human Development1998AmsterdamNiederlandeOn Crossroads of Information and Culture1997–2003Christine DeschampsFrankreich1999BangkokThailandOn the Threshold of a New Century: Libraries as Gateways to an Enlightened World2000JerusalemIsraelInformation for Cooperation: Creating the Global Library of the Future2001BostonUSALibraries and Librarians: Making a Difference in the Knowledge Age2002GlasgowVereinigtes KönigreichLibraries for Life: Democracy, Diversity, Delivery2003BerlinDeutschlandBibliothek als Portal: Medien – Information – Kultur /
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