Social Collaboration [] ( für gemeinsame und vernetzte Zusammenarbeit), im Unternehmenskontext konkretisiert als Social Business Collaboration, auch in einer gewissen begrifflichen Nähe stehend zu E-Collaboration und Smart Collaboration, bezeichnet pauschal die Zusammenarbeit von Menschen in Projekten, Gruppen oder auch Teams mit Hilfe des Internets und elektronischer Medien. Bei einer solchen vernetzten Zusammenarbeit geht es nicht nur um die rein technischen Fragen, wie beispielsweise die Nutzung bestimmter Plattformen oder spezifischer Kommunikationskanäle. Als Prozess betrachtet handelt es sich auch um eine sozio-kulturelle Entwicklung des Kommunikationsverhaltens und Arbeitsstils der beteiligten Menschen bei der Arbeit an gemeinsamen Projekten. Dies kann man besonders bei der Einführung im Unternehmenskontext betrachten. In dieser Hinsicht unterscheidet sich der Begriff auch von dem eines Enterprise 2.0.
Begriffsgeschichte mini|Die Zusammenarbeit über Computer und Internet ist nicht neu. Bereits sehr früh wurden sogenannte „LAN-Partys“ veranstaltet, auf denen man sich vernetzen konnte und beispielsweise gemeinsam gegeneinander bzw. miteinander spielte.
Eine Social Collaboration steht zunächst für eine Fülle von Maßnahmen zur technikgestützten Zusammenarbeit von zeitlich und räumlich getrennten Teams und Gruppen. Dabei werden vor allem die so bezeichneten Social Media, wie etwa Wikis und Blogs, als Werkzeuge (Tools) genutzt. Eingesetzt werden die Collaboration Tools in der Regel zum Arbeiten an einer gemeinsamen Aufgabe.A. Richter, M. Koch, S. Behrendt, S. Nestler, S. Müller, S. Herrlich: aperto – Ein Rahmenwerk zur Auswahl, Einführung und Optimierung von Corporate Social Software. (= Schriften zur soziotechnischen Integration. Band 2). Forschungsgruppe Kooperationssysteme, Universität der Bundeswehr München, München 2012. Social Collaboration steht aber auch für den Prozess bzw. die Veränderung des Verhaltens der einzelnen Beteiligten. Die erfolgreichste Praxis einer Social Collaboration stellt dabei die Zusammenarbeit in der Wikipedia selbst dar, wenn man nicht nur die reine Technik eines Wiki betrachtet. Etabliert haben sich historisch auch einige andere Begriffe wie etwa der einer Unified Communications oder E-Collaboration. In der Regel werden hierbei vor allem technische Teilaspekte dieses Prozesses betrachtet.
Unified Communications
Aus der Perspektive der Echtzeitkommunikation nähert sich der Begriff „Unified Communications“ dem Thema Social Collaboration. Durch eine Zusammenführung aller verwendeten Kommunikationsdienste, gemeinsam mit einer Integration von Präsenzfunktionen, soll „die Erreichbarkeit von Kommunikationspartnern in verteilter Arbeit“ verbessert werden.
E-Collaboration
Da für die Social Collaboration überwiegend elektronische Mittel bzw. die sogenannten Social Media benutzt werden, entstand der Begriff „E-Collaboration“. „E-Collaboration macht Wissen explizit und reflektierbar, vereinfacht Komplexität und überbrückt Raum und Zeit“. Die Betonung der Vorteile für örtlich getrennte oder zeitlich asynchron arbeitende Teammitglieder oder Projektmitarbeiter steht hier im Vordergrund der Betrachtung.
Smart Collaboration
Folgt man der ganzheitlichen Sichtweise von Davenport, so ist „Smart Collaboration“ in begrifflicher Nähe zu Enterprise 2.0 stehend zu begreifen.Tom Davenport: Enterprise 2.0: The New, New Knowledge Management?. Harvard Business Review. Abgerufen am 18. April 2013. Im Kern geht es dabei um den Einsatz von Social Software bzw. Kollaborationssoftware, etwa bei der Produktentstehung in Unternehmen. „Smart Collaboration“ wird trotz seiner begrifflichen Nähe zu Social Collaboration nicht als synonymer Begriff zu letzterem aufgefasst. Des Weiteren nimmt „Smart Collaboration“ die Rahmenbedingungen, die beispielsweise in Unternehmen vorgegeben werden, explizit auf.
Enterprise 2.0
mini|Dass die Vorteile einer vernetzten und virtuellen Zusammenarbeit auch im Unternehmensbereich genutzt werden können, wird schon länger diskutiert. Hierzu gibt es auch sehr unterschiedliche Konzepte eines Enterprise 2.0. Social Collaboration geht jedoch über den Produktions- und Vertriebszusammenhang weit hinaus.
Der Begriff Enterprise 2.0, der auf Andrew P. McAfee zurückgeht, bezeichnet vorrangig den Einsatz von Social Software im Kontext eines Unternehmens zur (unterstützenden) Organisation der Zusammenarbeit der Beschäftigten sowie zur internen und externen Kommunikation oder auch dem Wissensmanagement.
Techniken und Konzepte Webbasierte Software und Social Media werden auch zur gemeinsamen Arbeit im privaten Bereich, z. B. für das Studium oder in der Vereinsarbeit, eingesetzt. In Unternehmen wird Social Collaboration als elektronische und vernetzte Zusammenarbeit entlang der Wertschöpfungskette verstanden. Die dabei verwendeten Tools werden gezielt eingesetzt, um den Informationsfluss im Unternehmen zu optimieren. Aber auch dazu, mit den Kunden zu kommunizieren oder eine Personalentwicklung zu betreiben. In der realen Anwendung überschneiden sich der private und berufliche Bereich oft, denn Beschäftigte bringen ihre privaten Arbeitsumgebungen in das Unternehmen ein – oder nutzen die Unternehmenskanäle auch zur privaten Kommunikation.A. Klier, A. Richter: Vernetzte Organisation. Wie sich die “Wissensarbeit” verändert. (PDF; 4,2 MB). In: Computer und Arbeit. Nr. 4, 2013, S. 4–8.
Die Konzepte haben sich im Laufe der Zeit zum Teil parallel entwickelt. Deshalb gibt es hier – auch begrifflich – relativ große Überschneidungen. Die jeweils damit verbundene Technik behandelt dann in der Regel einzelne Problemfelder. Auf der eher theoretischen und interdisziplinär forschenden Ebene befasst sich die Computer Supported Cooperative Work (CSCW bzw. rechnergestützte Gruppenarbeit) mit diesem Thema. Hier wird explizit der Zusammenhang von Kooperationen zwischen Menschen und deren Unterstützbarkeit durch Computer und Technik behandelt.T. Gross, M. Koch: Computer-Supported Cooperative Work. Interaktive Medien zur Unterstützung von Teams und Communities. Oldenbourg, München u. a. 2007, ISBN 978-3-486-58000-6.
Ebenfalls auf einer theoretischen Ebene, vor allem in Bezug auf die Wechselwirkung zwischen sozialen Gruppen und Softwaresystemen, beschäftigt sich die Sozioinformatik mit diesem Thema.
Erreichbarkeits- und Kommunikationskonzepte Das Beispiel der Unified Communications zeigt, dass es hierbei zunächst organisatorisch und technisch darum ging, die Erreichbarkeit der unterschiedlichen Teammitglieder sicherzustellen. Dies schließt an die Entwicklung von (virtuellen bzw. distanten) Konferenzsystemen an. Neben der Erreichbarkeit war zu klären, wie der Austausch, der im Rahmen der zusammen arbeitenden Menschen notwendig ist, adäquat und zeitgerecht (Echtzeitkommunikation) organisiert werden konnte. Die Vernetzung der Kommunikation beinhaltet auch die Frage, inwiefern notwendige Dokumente zur Verfügung gestellt werden können.
Gemeinsame Verwaltung von Medien und Dokumenten mini|SharePoint von Microsoft ist ein Beispiel für ein sehr stark dokumentorientiertes Zusammenarbeiten im Rahmen von Gruppen und Teams.
Bereits sehr früh wurde mit Lotus Notes eine Möglichkeit geschaffen, ein verteiltes Datenbanksystem mit enger E-Mail-Anbindung zu nutzen, das auf Dokumente einer organisatorischen Einheit fokussiert war. Mit der Einführung von Wikis als Möglichkeit, kollaborativ Texte zu bearbeiten, wurde das Thema virulent, wie ganz generell Medien und Dokumente im Rahmen einer gemeinsamen Zusammenarbeit über Organisationsgrenzen hinaus zur Verfügung gestellt werden können. Das „Arbeiten in der Cloud“ ist hierfür ein Schlagwort. Typische Beispiele sind Google Docs für Dokumente oder auch Dropbox für eine Online-Speicherung von Medien allgemein. Diese können bei Bedarf geteilt und mit-geteilt werden.
Konzepte des Wissensmanagements mini|Das Tagging bzw. im Social Collaboration Kontext "Social Tagging" ist eine spezielle Form, Daten zu organisieren und Informationen zu gewichten. Im Bild eine sogenannte "Tag Cloud" als grafische Verdeutlichung. mini|E-Learning Plattformen wie etwa Moodle können durchaus als Vorreiter einer Social Collaboration betrachtet werden, da sie viele unterschiedliche Lernwerkzeuge mit einem einzigen Zugang erreichbar machten. Auch für unterwegs. Vor allem jedoch ermöglichen sie das gemeinsame Arbeiten und Lernen im virtuellen Raum.
"E-Collaboration macht Wissen explizit und reflektierbar, vereinfacht Komplexität und überbrückt Raum und Zeit."Siehe hierzu E-Collaboration. Viele der verwendeten technischen Instrumente sind dazu gedacht, ein sogenanntes Wissensmanagement zu ermöglichen. Hier stellt sich allerdings das Problem ein, dass der jeweils verwendete Wissensbegriff meist unscharf ist. Häufig ist bei diesen Konzepten nicht Wissen gemeint, sondern, den technischen Modellen relativ strikt verhaftet, die Speicherung von Daten oder daraus generierte Informationen bzw. Dokumente.
Im Prinzip sind jedoch die vielfältig entstandenen Lernplattformen im Bereich des E-Learning, wie etwa Moodle, das Vorbild für eine Social Collaboration. Durch die Sammlung unterschiedlicher Lerninstrumente über einen zentralen Zugang ermöglichen sie ein "Social Learning" – gegenüber reinen Computer- oder Webbased-Trainings. Die Weiterentwicklung zur Social Collaboration im Sinne einer Erweiterung auf die Ausübung von Kompetenzen im Arbeitskontext ist dabei nur konsequent.
Social-Collaboration-Plattformen Erst Plattformen wie etwa Confluence, IBM Connections oder auch SharePoint fassen alle verfügbaren Technologien zusammen und bündeln sie technisch zu dem, was nun Social (Business) Collaboration bezeichnet wird. Das betrifft auch die mobilen Bestandteile oder das, was man mit "Cloud-Computing" bezeichnet. Also beispielsweise über Unternehmensgrenzen hinaus zu den Anwendern bzw. Kunden.
Anwendungsgebiete Ganz grundsätzlich ist eine Social Collaboration in allen Bereichen der Zusammenarbeit von Menschen denkbar bzw. möglich. Es haben sich jedoch vor allem im Bereich der Wirtschaft bestimmte Anwendungsfelder und Branchen herausgebildet, in denen ein Einsatz als äußerst gewinnbringend betrachtet wird. Dies sind beispielsweise: Der Einsatz in der gesamten IK-T-Branche, die Verwendung im Werkzeug-, Fahrzeug- und Maschinenbau, Nutzung im Bereich der Investitionsgüterindustrie, eine Verwendung in der Zusammenarbeit mit den Kunden und ein Einsatz bei der internen Zusammenarbeit großer Unternehmen. Im Bereich der Verwaltung, der Dienstleistungen oder des Handwerks, bzw. allgemein auch bei Kleinunternehmen, ist eine Einführung bisher zu aufwändig. Wobei der besondere Bereich des E-Government durchaus eine Brücke zur Social Collaboration schlagen kann.