Herzogenburg ist eine Stadtgemeinde mit Einwohnern (Stand ) im Bezirk St. Pölten im unteren Traisental in Niederösterreich.

Geografie Geografische Lage Herzogenburg liegt im unteren Traisental in Niederösterreich an der Kremser Schnellstraße S 33 etwa 11 km nördlich von St. Pölten (Landeshauptstadt von Niederösterreich) und circa 20 km südlich von Krems an der Donau (jeweils Straßenkilometer). Die Fläche der Stadtgemeinde umfasst  km². 28,6 % der Fläche sind bewaldet.

Gemeindegliederung Das Gemeindegebiet gliedert sich in 17 Ortschaften (in Klammern Einwohnerzahl Stand ):

Die Gemeinde besteht aus 14 Katastralgemeinden Adletzberg, Angern, Ederding, Einöd, Gutenbrunn, Hameten, Herzogenburg, Oberndorf in der Ebene, Oberwinden, Ossarn, Pottschal, St. Andrä an der Traisen, Unterwinden und Wielandsthal.

Eingemeindungen Mit 1. Jänner 1968 wurde die Gemeinde Ederding mit Herzogenburg zusammengelegt, mit 1. Jänner 1971 Gutenbrunn und St. Andrä an der Traisen.Statistik Austria: Auflösungen bzw. Vereinigungen von Gemeinden ab 1945

Geschichte Jungsteinzeit bis zum 19. Jahrhundert Der Raum Herzogenburg ist seit der Jungsteinzeit besiedelt und gehört somit zu den ältesten bewohnten Gebieten Österreichs. Im Altertum war es Teil der römischen Provinz Noricum.

Flur Kalkofen

In der Herzogenburger Flur Kalkofen wurde eine frühlatènezeitliche Gräbergruppe freigelegt. Sie besteht aus drei kreisförmigen und einer quadratischen Grabanlage mit einigen Grabbeigaben. Eine Tierkopffibel, eine Fibel mit angelötetem Profilzierrat und ein Griffangelschwert mit menschlichem Gesicht als Griffknauf sind die wichtigsten Objekte. Südlich davon wurde eine spätlatènezeitliche Siedlung mit einem Töpferofen ergraben. Der Ofen besitzt zwei Heizkanäle, die durch Steinplatten voneinander getrennt sind und eine Lochplatte für das Brenngut. Das Modell eines derartigen Ofens ist im Urgeschichtemuseum Schloss Asparn zu sehen. Die Keramikfunde werden ebenfalls in die Spätlatènezeit datiert.Susanne Sievers/Otto Helmut Urban/Peter C. Ramsl: Lexikon zur Keltischen Archäologie. A–K und L–Z; Mitteilungen der prähistorischen Kommission im Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 2012, ISBN 978-3-7001-6765-5, S. 760 f.

Oberndorf in der Ebene

Ein keltisches Gräberfeld wurde 1982/83 im unteren Traisental im Zug der Bauarbeiten für den Schnellstraßenzubringer „Herzogenburg Süd“ bei Oberndorf in der Ebene freigelegt. Es enthielt 14 Brandgräber aus der Hallstattzeit sowie 4 Brand- und 18 Körperbestattungen aus der frühen Latènezeit. Aus der Latèneperiode stammen einige Kriegergräber sowie eine Doppelbestattung von zwei Frauen (Grabbeigaben sind Halsreifen, eine Situla und eine Linsenflasche), weiters eine Vierfachbelegung mit quadratischen oder runden Grabeinfassungen. Ein Frauengrab enthielt Arm- und Fußreife, sowie eine Fibel vom Typ Weidach, die zu den spätesten Hallstatt-Fibeltypen zählt. In unmittelbarer Nähe, in der Katastralgemeinde Unterradlberg, wurde ein eiserner Achsnagel aus der Frühlatène mit bronzener Maskenverzierung gefunden.Sievers/Urban/Ramsl: Lexikon zur Keltischen Archäologie. S. 1402 f.

Neuzeit

Der Ort wurde erstmals 1014 urkundlich erwähnt. Der Name leitet sich von „Burg der Herzöge“ ab. Im 9. Jahrhundert gründeten zwei Brüder und Grenzgrafen der bayrischen Ostmark namens Wilhelm II. und Engelschalk I., die 871 im Kampf gegen die Mährer fielen, eine Grenzfestung. Die rasche Ansiedelung im Schutze dieser Anlage unterstreicht deren besondere Bedeutung. Für die Verwendung des Namens Herzogenburg (ab 1014 nachweisbar) mag eine Rolle gespielt haben, dass die Festung der genannten Grenzgrafen in der Folge den bayerischen Herzögen unterstanden hatte.

Die Markgrafen der nach dem Ungarnsturm (907–955) neu aufgerichteten Grenzmark blieben noch lange nach der 1156 erfolgten Erhebung zum Herzogtum Österreich im Raum Herzogenburg begütert. So findet sich im Nekrolog der Propstei St. Andrä an der Traisen unter dem Datum 4. November 1203 der Eintrag: „Ruedegerus Marchio“ (Markgraf Rüdiger). Dieser wird in der Literatur mitunter als historisches Vorbild für die fiktive Figur des Rüdiger von Bechelaren im Nibelungenlied genannt.

Der „Untere Markt“

Er ist der älteste Teil und entstand im Gebiet der heutigen Wiener Straße um die Burg des Herzogs. Die Siedlung erhielt schon 1100 das Marktrecht. Der Marktplatz befand sich auf dem heutigen Rathausplatz. Im Jahre 1192 wurde der im Besitz der Babenberger, der österreichischen Landesfürsten, befindliche „Untere Markt“ im Abtausch mit Gebieten um Neunkirchen (Niederösterreich) an das Stift Formbach am Inn übertragen, das bis 1803 die Grundherrschaft ausübte, wodurch die Bürger des unteren Marktes grundherrschaftliche Untertanen dieses bayrischen Stiftes waren.

Der „Obere Markt“

Im Jahre 1014 schenkte Kaiser Heinrich II. dem Bischof von Passau einen Grund zur Errichtung einer Kirche. Etwas außerhalb des bestehenden Ortes, erhöht auf einer Schotterstufe, entstanden im Bereich des heutigen Kirchenplatzes die romanische Kirche zum heiligen Stefan, ein Pfarrhaus, ein Friedhof mit Karner, sowie ein kleiner Ortsteil „auf der Widem“ (= der Kirche gewidmet). mini|Ostansicht des Augustiner-Chorherrenstiftes, das in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts seine heutige Erscheinungsform erhielt 1244 wurde das Augustiner-Chorherren- und Chorfrauenstift St. Georgen nach Herzogenburg verlegt. Mit den Chorherren kamen viele Dienstleute und Handwerker und es entstand der neue Ortsteil Herzogenburg auf der Widem. 1548 erhielt er das Marktrecht. Er wurde Oberer Markt genannt, weil er höher gelegen war, die Verwaltung erfolgte durch das Chorherrenstift.

Der gesamte Ort wurde zu Beginn des 14. Jahrhunderts mit einem zwei Kilometer langen und vier Meter tiefen Graben umgeben, der von einem Erdwall begleitet wurde. Mehrfache Eroberungen und Zerstörungen auch des Stiftes im Spätmittelalter konnten dennoch nicht verhindert werden.

Beide Märkte lagen auch später innerhalb einer gemeinsamen Mauer, die 1598 errichtet wurde, weil Herzogenburg von der ersten Türkenbelagerung 1529 bis zur zweiten 1683 Kriegsgebiet war. Dabei war der Ort auch voll von den Wirren des Dreißigjährigen Krieges von 1618 bis 1648 betroffen. Im Gegensatz zu Krems, das die Schweden 1645 eroberten, und St. Andrä an der Traisen, das 1683 einem türkischen Angriff zum Opfer fiel, wurde aber Herzogenburg in dieser langen Kriegszeit nie eingenommen, wobei das Stift Herzogenburg bei der Verteidigung die entscheidende Rolle spielte.

Beide Märkte blieben infolge der unterschiedlichen Grundherrschaftsverhältnisse streng voneinander getrennt. Jeder hatte ein eigenes Wappen, eigene Verwaltung, eigene Gerichtsbarkeit und ein eigenes Amtshaus.

1421 war das Jahr der Verfolgung, Vertreibung und Verbannung aller Herzogenburger Juden aufgrund des Edikts des Habsburger-Herzogs Albrecht V. im Zuge der sogenannten Wiener Gesera. (Gesamtösterreichische wegen eines angeblichen Hostienfrevels in Enns erfolgte Judenverfolgung und -vernichtung in 17 österreichischen Orten.)

Vom 19. Jahrhundert bis zum Zweiten Weltkrieg 1808 wurden die Märkte vereinigt, das Wappen des unteren Marktes vom vereinigten Markt übernommen.

Nach der Revolution von 1848 und der Umwandlung der Grundherrschaften in Gebietskörperschaften wurde Herzogenburg Marktgemeinde mit erstmals gewählten Gemeinderäten und Bürgermeistern.

1875 verlegte Carl Grundmann sein 1862 in Wien gegründetes Unternehmen nach Ossarn und 1880 nach Herzogenburg und errichtete eine neue Fabrik an der Traisen. Damit legte er den Grundstein für die Entstehung des Industriezentrums Herzogenburg, das bis dahin eine überwiegend agrarische und gewerbliche Sozialstruktur aufwies. Schon 1914 waren die Gebrüder-Grundmann-Werke, die 2012 ihr 150. Bestandsjubiläum feierten, mit über vierhundert Beschäftigten der größte Schließwarenhersteller der Donaumonarchie. Die 1927 trotz der geringen Einwohnerzahl von 2700 erfolgte Stadterhebung war die Folge dieser Entwicklung.

Ab 1930 wurde der Herzogenburger Fliegerklub von dem bekannten Flugzeugkonstrukteur Erwin Musger geleitet. Er erfand nach dem Krieg den Stahlrahmen für Motorräder, was den Grazer Puchwerken zu einem Verkaufsboom von über 300.000 Stück verhalf. Musger ist somit einer der Väter des österreichischen Wirtschaftswunders ab 1949, da seine Erfindung auch in den hunderttausenden Puch-Rollern und Mopeds angewendet wurde, wodurch in Graz viele neuen Arbeitsplätze geschaffen werden konnten. Somit ist Musger wie Carl Grundmann ein Herzogenburger Techniker von Weltrang, da seine Erfindung den gesamten europäischen Motorradbau revolutionierte.

Zweiter Weltkrieg und Nachkriegszeit Im Zweiten Weltkrieg befand sich nördlich des Stiftes ein Fliegerhorst der deutschen Luftwaffe, dessen bauliche Infrastruktur teilweise noch erhalten ist. Am Hohen Kölbling, einer Erhebung westlich der Stadt, befanden sich eine Segelfliegerschule sowie eine Luftüberwachungsstation, deren Fundament auf der Südseite trotz massiven Beschusses noch erkennbar ist. Erwin Musger entwickelte hier von 1933 bis 1937 seine Konstruktionen.

Ab 1944 waren die Grundmann-Werke in Herzogenburg Ziel alliierter Luftangriffe, die beträchtlichen Schaden anrichteten, jedoch die Bausubstanz des Stiftes verschonten. Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges wurden ab Mitte 1944 bis zur „Evakuierung“ im Frühjahr 1945 ungarische Juden, überwiegend Frauen, von der Firma Rudolf Riefenthaler als Zwangsarbeiter im Betonwerk eingesetzt.Zwangsarbeitslager für ungarische Juden in Österreich – Herzogenburg. In: deutschland-ein-denkmal.de. Abgerufen am 29. März 2021. Im April 1945 kam es im Raum Herzogenburg zu teilweise heftigen Endkämpfen, an die ein sowjetischer Soldatenfriedhof erinnert.

Von 1945 bis 1955 war Herzogenburg durch sowjetische Truppen besetzt. Im ersten Jahr der Besatzungszeit sicherte Minna Nemec, der „Engel von Herzogenburg“, gemeinsam mit ihrer Assistentin, Schwester Anna Naschenweng, als einzige Ärztin im Umkreis von 20 Kilometern die ärztliche Versorgung der Bevölkerung und der sowjetischen Soldaten. Sie war als Medizinerin des Roten Kreuzes aus Wien in das Kampfgebiet Herzogenburg gekommen und blieb bis zu ihrer schweren Parkinson-Erkrankung 1955 als praktische Ärztin in Herzogenburg. Als sozialdemokratisches Mitglied des Gemeinderates baute sie auch das städtische Gesundheitswesen ab 1945 völlig neu auf.

Erst nach dem Staatsvertrag setzte ein wirtschaftlicher Aufschwung der Stadt ein.

Durch die ab 1967 von Bürgermeister Erich Sulzer veranlassten Eingemeindungen entstand die Großgemeinde Herzogenburg. Begonnen wurde dabei 1967 mit Ederding, abgeschlossen wurde der Prozess mit St. Andrä an der Traisen und Gutenbrunn, wo 1971 bei der entscheidenden Sitzung aus Protest sogar von Unbekannten in den Gemeinderat geschossen wurde.

2010 wurde die völlige Neugestaltung des Rathausplatzes abgeschlossen.

Bevölkerungsentwicklung

mini|Pfarrkirche Maria Himmelfahrt

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Augustiner-Chorherren Stift Herzogenburg: Bekannt ist Herzogenburg auch durch das Stift Herzogenburg der Augustiner-Chorherren. Dieses wurde mit Ausnahme der Stiftskirche mit Eigenmitteln des Stiftes, aber auch mit beträchtlichen Mitteln der Stadtgemeinde, des Landes NÖ, sowie vielen Spenden als Vorbereitung für das 900-jährige Bestandsjubiläum 2012 umfassend renoviert. Damit bleibt eines der wertvollsten Baudenkmäler Österreichs der Nachwelt im Originalzustand erhalten. Schloss Gutenbrunn Schloss Heiligenkreuz mit der Pfarrkirche Gutenbrunn-Heiligenkreuz Das ehemalige Kloster der Augustiner-Chorherren Stift Sankt Andrä an der Traisen wurde bis 2015 als Geriatriezentrum der Gemeinde Wien genutzt.

Regelmäßige Veranstaltungen NÖKISS: die NÖKISS, die Niederösterreichischen Kindersommerspiele, finden alljährlich um Stift Herzogenburg statt. Diese sind ein besonderer Anziehungspunkt für Kinder an den beiden Wochenenden vor Schulbeginn.

Wirtschaft und Infrastruktur