mini|Erste Brustbänder – Senioren der Erlanger Märker, Ansbacher, Guestphalen und Franken (1801, Reproduktion) PP-Suite Baruthia c/a Onoldia (1850)|mini Der Erlanger Senioren-Convent ist der Senioren-Convent an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen. Als ältester, in Anfängen bereits Ende des 18. Jahrhunderts belegter SC war er ein Gegenpol zur Urburschenschaft.Lutz E. Finke: Gestatte mir Hochachtungsschluck: Bundesdeutschlands korporierte Elite. Rütten & Loening 1963, S. 159. Seine Organisation und Rechtsstellung wurden zum Vorbild für andere Senioren-Convente und spätere Formen studentischer Selbstverwaltung.Wilhelm Fabricius: Die Deutschen Corps, eine historische Darstellung der Entwicklung des Verbindungswesens in Deutschland. Frankfurt 1926, S. 184–192.Martin Weigel: Die Entstehung der ersten Corps und ihres SC in Erlangen (1798–1802). In: Archiv für Studenten- und Hochschulgeschichte 1 (1933) wird mehrfach zitiert u. a. in Michael Doeberl, Alfred Bienengräber: Das akademische Deutschland, Band 2 (1931), S. 745; Jahrbuch für fränkische Landesforschung, Bde. 24–25 (1984), S. 434; Rolf-Joachim Baum: 1582–1982 – Studentenschaft und Korporationswesen an der Universität Würzburg. Julius-Maximilians-Universität Würzburg, Institut für Hochschulkunde Seit 1866 stellte er sechsmal den Vorort des KSCV.
Geschichte
mini|hochkant|Westfalen, Berliner und Ansbacher
Hinweise auf Beschlüsse des Erlanger SC und damit eine Vorgängerorganisation gibt es aus den Jahren 1781 und 1796, z. B. für 1796 in der Universitätsrede des Prorektors Georg Friedrich Seiler.abgedruckt bei E. Meyer-Camberg: Die Onoldia zu Erlangen. Das erste deutsche Corps. München 1983, S. 207–220. Im Herbst 1798 wurde den drei „Gesellschaften“ – den Ansbachern, der Berliner Gesellschaft und den Erlanger Westfalen – die Legitimität zugesprochen. Sie ist aktenkundig durch den Schriftwechsel des Ministers Hardenberg mit dem Prorektor Seiler.Brief Hardenberg vom 9. Juli 1798 auf „Specialbefehl“ Seiner Königlichen Majestät an den Senat der FAU Nach Auflösung des Amicistenordens kam im Frühjahr 1800 die Gesellschaft der Franken hinzu. Vom April 1800 datiert der älteste erhaltene Erlanger SC-Comment.H. P. Hümmer: Das Stammbuch C. Ben. F. Engerer (Erlangen 1799–1801) und die vergessene Gesellschaft der Franken. Einst und Jetzt 47 (2002), S. 51–103. Das Original befindet sich seit 1818 beim Corps Moenania Würzburg. Die bestehenden Verbindungen anerkennen sich darin als „Gesellschaften“. Die Bezeichnung „Corps“ bürgerte sich erst um 1818 ein. Bei der Entstehung der Erlanger Urburschenschaft 1817/18 war der SC als traditioneller Machtträger der eigentliche Gegenspieler. 1818 und 1820 regte der Erlanger SC einen überregionalen Corps-Verband an, der erst 1848 mit dem Kösener Senioren-Convents-Verband verwirklicht wurde. Der SC schloss sich ihm 1861 an.
Onoldia
In der Entstehung des Erlanger Senioren-Convents spielt Onoldia eine Schlüsselrolle: Von den Studentenorden übernahm sie sowohl einen Teil des Brauchtums als auch den Grundsatz der lebenslangen Zugehörigkeit. Sie half zwar drei späteren Waffencorps ins Leben, erhielt sich aber bis heute als Lebenscorps. Das landsmannschaftliche Kantonprinzip gab sie schon bei der Stiftung auf.
Hans-Joachim Schoeps sieht in den frühen Erlanger Corps die ersten modernen Verbindungen. Sie kujonierten die nichtkorporierten Studenten und befehdeten sich häufig, besonders die Ansbacher und die Bayreuther. Als Erlanger Stierkampf fanden die Streitigkeiten in der Öffentlichkeit breite Beachtung.E. Meyer-Camberg: Der Stierkampf in Erlangen aus der Frühgeschichte des Erlanger S. C. zit. nach Thomas Pester: Geschichte der Universitäten und Hochschulen im deutschsprachigen Raum von den Anfängen bis 1945, Universitätsbibliothek 1990, S. 224. August von Platen-Hallermünde äußerte sich noch 1822 dazu. 1805 seien von 216 eingeschriebenen Studenten 56, knapp ein Viertel, mit Karzerstrafen belegt worden.Hans-Joachim Schoeps, Christian Erlang, Band 6, Teil 2, Georg Olms Verlag 2000, S. 48 ff., dort auch weitere Quellen
Der KSCV schenkte Onoldia zum 100. Stiftungsfest (1898) ein Fenster mit den Studentenwappen aller Kösener Corps; sie habe „vor 100 Jahren in der ruhmreichen Geschichte der deutschen Corps den Weg eröffnet“.H. P. Hümmer: Die Kösener Fenster im Corpshaus der Onoldia. Einst und Jetzt 34 (1989), S. 49–52.
Baruthia
Am 26. Juni 1802 traten 13 Anhänger des landsmannschaftlichen Prinzips, meist gebürtige Bayreuther, aus Onoldia aus. Unter Führung von Gottlieb Keim aus Kulmbach konstituierten sie und einige frühere „Franken“ am 14. Juli 1803 ihre Landsmannschaft, die sich bald „Gesellschaft“ und ab 1818 „Corps“ nannte. Indem Baruthia das Lebenscorpsprinzip am 11. März 1877 aufgab, öffnete sie sich Kartellabschlüssen mit anderen Corps.Peter Stempel, Götz Grimmeiß, Rudolf Hübner: Corps Baruthia 1803–2000. Erlangen 2000.
Bavaria
Bavaria I
Am 17./18. Mai 1820 trat eine Gruppe von etwa 40 „Liberalen“ aus der Allgemeinen Burschenschaft aus, als diese über den SC den Verruf verhängte. Sie gründeten im November eine Concordia (blau-schwarz-gold) mit enger Beziehung zu den Corps. Am 25. Mai 1821 stifteten einige das Corps Bavaria I, während die übrigen zur Burschenschaft zurückkehrten. Bavaria stellte im Wintersemester 1824 wegen fehlenden Nachwuchses den Betrieb ein. Erste Versuche einer Rekonstituierung blieben erfolglos. 1835 bemühte sich eine Obskurantenvereinigung vergeblich um die Anerkennung des SC als „Bavaria“. Vier Mitglieder wurden am 26. April 1836 bei Baruthia rezipiert.Hermann Leupold: Erlangia – Concordia – Bavaria. Einst und Jetzt, Sonderheft 1987.
Bavaria II
Im August 1840 stifteten zwölf ehemalige Renoncen (äußere Mitglieder) Onoldias Bavaria, die am 17. November 1841 in den SC aufgenommen wurde. Vom 21. Juli 1881 bis 21. Juli 1887 behördlich suspendiert, wurde Bavaria bis zur Wiederzulassung unter Decknamen (Rhenania, Normannia) fortgesetzt. Lange galt der 11. August 1840 als Tag der Gründung. Die Rückdatierung auf 1821 wurde vom oKC 1921 genehmigt. Am 31. Januar 1936 auf Druck der NSDAP aufgelöst, konnte sie am 8. März 1949 rekonstituiert werden.R. Paschke (Hrsg.): Annalen des Corps Bavaria zu Erlangen. 1. Band 1840–1860. Erlangen 1929.
Rhenania-Brunsviga
mini|Wappen der Rhenania-Brunsviga mini|Corpshaus
Rhenania
Erlangens erste Rhenania bestand von 1821 bis 1824 und hatte die Farben blau–weiß–rot mit Silberperkussion. Es war von Heidelberger Rhenanen und anderen Corpsstudenten gegründet worden und stand im Kartell mit Rhenania Heidelberg und Rhenania Bonn. Zu den Mitgliedern gehörten Gottlieb Wilhelm Bischoff, Friedrich Wilhelm Knoebel, Joseph Martin Reichard und Justus von Liebig.
Gegen die Constitution – mit Beschluss eines Corpsburschenconvents – erklärten Corpsburschen Onoldias ihren Bund am 15. Juli 1873 zu einem Waffencorps. Vermittlungsbemühungen führten zur Namenswahl Rhenania II. Da die Lebenscorps Onoldia, Baruthia und Bavaria im Erlanger Sezessionsstreit die Anerkennung verweigerten, wurden sie von Rhenania in Verruf gesteckt. Der KSCV billigte den Verruf und gewährte Rhenania im Congress Sitz ohne Stimme. Auf dem oKC 1875 wurde Rhenania die Anerkennung als Fortsetzung der alten Onoldia entzogen. Daraufhin suspendierte sie am 11. Juni 1875. Nachfolgerin wurde am 14. Juni 1875 Franconia, die am 21. Mai 1878 suspendierte. Auf Initiative der Pfarrerstöchter und im Einvernehmen mit Onoldia wurde Rhenania am 17. Oktober 1894 rekonstituiert. Sie übernahm die Franken-Philister und verzichtete auf äußere Traditionen der Onoldia.Erlanger Universitätskalender, Sommersemester 1926, S. 94. Das Corpshaus wurde 1956 von Rhenania erworben. 1964 stellte sie den Vorortsprecher des KSCV.
1955 schlossen Rhenania und Brunsviga München einen Verhältnisvertrag. Am 17. Dezember 1977 fusionierte die Rhenania mit ihrem Freundschaftsverhältnis Brunsviga München und nennt sich seitdem Rhenania-Brunsviga. Nach wie vor wird bei der Reception das Rheinländerband erworben. Bei der Philistrierung wird das Braunschweiger-Band verliehen.
Erlanger Rheinländer Wolfgang Bonte (1939–2000), Rechtsmediziner in Düsseldorf Dietrich Boxdorfer (1943–2020), Strafrechtler in Nürnberg Carl Friedrich Funk (1897–1985), Dermatologe in Regensburg Oskar Königshöfer (1851–1911), jüdischer Augenarzt in Stuttgart, Ehrenmitglied Walter Kreienberg (1911–1994), Arzt und Standespolitiker Jürgen Mittelstraß (* 1936), Wissenschaftstheoretiker Ludwig Munzinger (1849–1897), Kreisdirektor in Weißenburg, Vortragender Rat des Kaiserlichen Statthalters für Elsaß-Lothringen Dietrich Pirson (1929–2021), Kirchenrechtler Rudolf Prietze (1854–1933), Erforscher afrikanischer Sprachen
Brunsviga München
Der Vorläuferbund wurde am 17. Dezember 1879 als freischlagende Braunschweigische Landsmannschaft (blau-gelb-blau) an der Ludwig-Maximilians-Universität München gegründet. Die Gründer Carl Prüssing und Paul Prüssing (und später andere Mitglieder) waren in der Zementindustrie erfolgreich und machten Brunsviga zum „Zementcorps“. 1880 wurde der Bund in ein Corps umgewandelt. Die Farben waren violett-weiß-gold auf Silberperkussion. Der Wahlspruch war Numquam retrorsum nec aspera terrent! Am 24. November 1882 als Kösener Corps in den Münchner Senioren-Convent aufgenommen, musste Brunsviga nach zwei Jahren wegen Nachwuchsmangels suspendieren. 1886 rekonstituierten sechzehn aus dem Corps Palatia München ausgetretene Corpsstudenten das Corps, was viele PP-Suiten mit Palatia zur Folge hatte. 1935 musste Brunsviga wie alle Corps erneut suspendieren. Genutzt wurde das Corpshaus von der SC-Kameradschaft „Paul de la Garde“, die gemeinschaftlich durch die Altherrenschaften der Corps Brunsviga, Bavaria und Arminia München betreut wurde. Die aktive Kameradschaft wurde korporationsmäßig geführt, Mensuren jedoch nicht gefochten.Erich Bauer: Die Kameradschaften im Bereiche des Kösener SC in den Jahren 1937–1945. In: Einst und Jetzt. Jahrbuch des Vereins für corpsstudentische Geschichtsforschung 1 (1956), S. 30. 1944 wurde das Corpshaus bei den Luftangriffen auf München zerstört.
Am 19. Februar 1949 konnte Brunsviga München im SC zu Bonn rekonstituieren; denn nach den Statuten der Besatzungsmächte mussten die Landesuniversitäten besucht werden und in Nordrhein-Westfalen lebten die meisten Alten Herren der Brunsviga. Im Januar 1950 gehörte Brunsviga zu den 22 Corps, die sich in der Interessengemeinschaft zusammenschlossen und die Wiederbegründung des KSCV am 19. Mai 1951 vorbereiteten. 1957 war die Rücksiedelung nach München möglich. Nachdem das Corps am 19. Mai 1974 wegen Nachwuchsmangels zum dritten Mal suspendiert hatte, beschloss es am 98. Stiftungstag die Anbindung an Rhenania Erlangen.
Münchner Braunschweiger Friedrich Alpers (1901–1944), NS-Politiker in Braunschweig Hanns-Christoph Becker von Sothen (1916–1980), Botschafter in Paraguay Richard Ellerkmann (* 1928), Botschafter Werner Ellerkmann (1929–2007), Wissenschaftsmanager Georg Foucar (1870–1945), Manager der Zementindustrie Otto Frickhoeffer (1892–1968), Komponist und Dirigent Adrian Gaertner (1876–1945), Bergbaudirektor Karl Grouven (1872–1936), Dermatologe und Hochschullehrer in Halle. Gert Huffmann (1930–2011), Neurologe in Marburg Erwin Jacobi (1902–1967), Polizeisenator in Hamburg Ernst Georg Jünger (1868–1943), Chemiker und Apotheker; Vater von Ernst Jünger Hans Koch (um 1859–1913), Kreisdirektor in Holzminden Fritz Winkelstroeter II alias Medhananda (1908–1994), Spiritualist Carl Prüssing (1859–1912), Chemiker und Manager in der Zementindustrie Paul Prüssing (1861–1914) Chemiker und Zementfabrikant Peter Riepert (1874–1939), Ingenieur und Ministerialbeamter Heinrich Strätling (1871–1950), Chemiker, Gründer und Vorstand der Finkenberg AG Georg Vietmeyer (1864–1940), Richter, MdR
Guestphalia Erlangen
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