Kreisassoziationen waren Bündnisse verschiedener Reichskreise im frühneuzeitlichen Heiligen Römischen Reich, vornehmlich nach dem Dreißigjährigen Krieg. Insbesondere im Westen des Reiches versuchten die Vorderen Reichskreise in unterschiedlicher Konstellation, ihre militärische Schwäche durch Zusammenschlüsse auszugleichen. Die Ziele waren ebenso unterschiedlich. Ihre größte Bedeutung hatten sie auf Seiten Kaiser Leopolds I. und seiner Nachfolger bis zum Ende des Spanischen Erbfolgekrieges zur Verteidigung gegen Frankreich. Auf dem Höhepunkt ihrer Bedeutung hatten die Kreisassoziationen der Vorderen Reichskreise mehr zur Reichsverteidigung beigetragen, als die von allen Reichsständen gebildeten Reichstruppen. Zeitweise agierten die Assoziationen auch auf internationaler Ebene.Axel Gotthard: Das Alte Reich. 1495–1806. 4. Auflage. Darmstadt 2009, S. 27. miniatur|Die 10 Reichskreise am Anfang des 16. Jahrhunderts

Hintergründe Die Reichskreise waren die Träger der Reichsverteidigung, indem sie in festgelegter Höhe Truppen für die Reichsarmee stellten. Darüber hinaus kam es untereinander zu Formen sicherheitspolitischer Zusammenarbeit. Ihre Bezeichnung ist unterschiedlich. In der Forschung wird dieser Typ des Bündnisses zusammenfassend als Kreisassoziation bezeichnet. Dagegen bezeichnet eine Allianz Bündnisse auch mit auswärtigen Mächten. Die gemeinsame Sicherheitspolitik ergänzte die allgemeine Reichsdefension. Bei Gefahr konnte rascher reagiert werden. Es konnten militärische Vorleistungen oder, wenn die allgemeinen Reichstruppen ausblieben, für diese Ersatz geleistet werden. Bei Bedrohungen oder in Folge von Verträgen konnte die Stärke der eigentlich für die Reichsarmee zu stellenden Kontingente erhöht werden.Johannes Burkhardt: Vollendung und Neuorientierung des frühmodernen Reiches. 1648–1763. 10. Auflage. Stuttgart 2006, S. 123; Karl Otmar von Aretin: Das Reich. Friedensgarantie und europäisches Gleichgewicht 1648–1806. Stuttgart 1986, S. 186.

Der Zusammenschluss von einzelnen Reichskreisen geht im Grundsatz auf die Reichsexekutionsordnung von 1555 zurück. Die Assoziationen dienten danach zur Wiederherstellung des Landfriedens. Nach dem Dreißigjährigen Krieg schlossen sich zumeist im Westen des Reiches oft nichtarmierte schwächere Reichsstände bzw. Reichskreise zu Assoziationen zusammen, um ihre gemeinsame Sicherheit zu stärken und Defizite der Reichskriegsverfassung auszugleichen.Helmut Neuhaus: Das Reich in der Frühen Neuzeit. 2. Auflage. München 2003, S. 48, 94.

Anfänge Erste Ansätze zu einer Assoziation aller Vorderen Reichskreise versuchte der Mainzer Erzbischof Johann Philipp von Schönborn 1651 zu schaffen. Das Vorhaben misslang, wurde aber zum Vorbild für die späteren Ansätze.Johannes Burkhardt: Vollendung und Neuorientierung des frühmodernen Reiches. 1648–1763. 10. Auflage. Stuttgart 2006, S. 124.

Frankreich versuchte nach dem Krieg häufig über Assoziationen Einfluss auf die Reichspolitik zu nehmen.Heinz Duchhardt: Altes Reich und europäische Staatenwelt. 1648–1806 (= Enzyklopädie deutscher Geschichte. Bd. 4). Oldenbourg, München 1990, ISBN 3-486-55421-2, S. 54. Dies zeigte sich etwa beim Rheinischen Bund von 1658, der sich in erster Linie gegen den Kaiser richtete und dem auch Frankreich beigetreten war. Als der Mainzer Kurfürst nach dem Ende des Rheinischen Bundes plante, Assoziationen zu gründen, deren Schutzherr diesmal der Kaiser sein sollte, scheiterten diese Ansätze am französischen Widerstand wie auch am kaiserlichen Desinteresse. Immerhin kam 1671 die Marienburger Allianz mit dem Kaiser an der Spitze zustande.Karl Otmar von Aretin: Das Reich. Friedensgarantie und europäisches Gleichgewicht 1648–1806. Stuttgart 1986, S. 186 f.

Frankfurter und Laxenburger Allianz miniatur|Georg Friedrich von Waldeck-Eisenberg war Hauptinitiator der Frankfurter Allianz. Im Jahr 1679 bildete sich insbesondere auf Betreiben von Georg Friedrich von Waldeck die Frankfurter Allianz. In dieser schlossen sich kleine Reichsstände zusammen, insbesondere aus der Wetterau, dem Westerwald und der Eifel. Neben dem Schutz vor französischer Expansion ging es auch um die Wahrung ihrer Interessen gegenüber stärkeren Reichsständen. Die Bedrohung durch Frankreich wurde durch die Besetzung der Reichsstadt Straßburg besonders deutlich. Die Mitglieder der Frankfurter Allianz planten unter anderem die Aufstellung eigener Armeen.

Der Allianz schlossen sich weitere Reichsstände und der Niederrheinisch-Westfälische, der Kurrheinische, der Oberrheinische, der Fränkische und der Schwäbische Reichskreis an.

Zur Laxenburger Allianz wurde das Bündnis durch den Beitritt Leopolds I. 1682 erweitert. Kurz zuvor war die Reichsverteidigungsordnung von 1681/1682 als Kompromiss zwischen dem Kaiser und den Reichsständen beschlossen worden. Dabei hatten die Reichskreise die Kontingente zur Reichsarmee zu stellen. Aber dies war noch nicht in allen umgesetzt. Zudem erwies sich später die so aus zahlreichen Einheiten gebildete Armee als schwer einsetzbar. Der Kaiser bevorzugte zur effektiven Reichsverteidigung daher die freiwilligen Beiträge einer Assoziation als die Zwangsbeiträge aller Reichsstände. Damit versuchte er die Schwäche der eigentlichen Reichsarmee auszugleichen. Der Assoziationsgedanke an sich hatte auch das Potenzial, föderative Elemente in der Reichsverfassung zu stärken. Wenn der Kaiser aber selbst eine führende Rolle bei der Assoziation spielte, konnte dies seinen Einfluss im Reich stärken.Axel Gotthard: Das Alte Reich. 1495–1806. 4. Auflage. Darmstadt 2009, S. 113 f.

Beteiligt waren sowohl protestantische als auch katholische Stände. Das Bündnis war auf drei Jahre angelegt und beschloss die Aufstellung von drei Armeen unter kaiserlichem Oberbefehl. Diese Konstruktion ermöglichte einen Reichskrieg gegen die Reunionspolitik Ludwigs XIV. ohne formelle Zustimmung des Reichstages, die auf Grund der profranzösischen Politik Kurbrandenburgs nicht möglich war.Johannes Burkhardt: Vollendung und Neuorientierung des frühmodernen Reiches. 1648–1763. 10. Auflage. Stuttgart 2006, S. 127. Zum Einsatz kamen die Truppen schließlich nicht gegen Frankreich, sondern gegen das Osmanische Reich, dessen Armee Wien belagerte.

Augsburger Allianz miniatur|Leopold I. nutzte den Assoziationsgedanken auch zur Vergrößerung seines Einflusses im Reich. Obwohl vor dem Hintergrund der von den Osmanen ausgehenden Gefahr mit dem Regensburger Stillstand von 1684 ein Waffenstillstand mit Frankreich abgeschlossen worden war, bemühte sich der Kaiser um eine Verlängerung der Laxenburger Allianz zum Schutz der Westgrenzen. Anfangs sahen die Reichskreise und -stände dafür keine Notwendigkeit. Erst nachdem die Erfolge gegen die Osmanen das kaiserliche Ansehen befördert hatten und mit der Aufhebung des Edikts von Nantes 1685 durch Ludwig XIV. im Edikt von Fontainebleau das französische Ansehen bei den protestantischen Ständen gesunken war, änderte sich dies. Vor diesem Hintergrund unterstützte der Kurfürst von Brandenburg nun wieder den Kaiser und warb bei den Verwandten in Süddeutschland für eine Assoziation.Johannes Burkhardt: Vollendung und Neuorientierung des frühmodernen Reiches. 1648–1763. 10. Auflage. Stuttgart 2006, S. 129.

Die Augsburger Allianz von 1686 umfasste neben verschiedenen Reichsständen, dem Fränkischen, dem Oberrheinischen und dem Bayerischen Reichskreis sowie dem Kaiser auch ausländische Mächte wie Schweden und Spanien. Letztere waren in Gestalt des Burgundischen Reichskreises vertreten. Der Schwäbische Reichskreis beteiligte sich nicht. Ziel war es, den Status quo auf der Basis des Westfälischen Friedens, des Friedens von Nimwegen und des Regensburger Stillstandes von 1684 zu bewahren. Nicht in einem akuten Kriegsfall abgeschlossen, war das Bündnis betont defensiv angelegt. Aber wirklich wirksam geworden war das Bündnis nicht. Die meisten Beteiligten hatten den Vertrag nicht einmal ratifiziert. Als Ludwig XIV. den Pfälzischen Erbfolgekrieg begann, nannte er unter anderem die angeblich von diesem Bündnis ausgehende Gefahr als einen Kriegsgrund. Der Pfälzische Erbfolgekrieg ab 1688 ist insbesondere in der französischen Historiographie daher unter dem Namen Krieg der Augsburger Allianz bekannt.Johannes Burkhardt: Vollendung und Neuorientierung des frühmodernen Reiches. 1648–1763. 10. Auflage. Stuttgart 2006, S. 129.

Frankfurter Assoziation miniatur|Johann Georg Kulpis Während des Pfälzischen Erbfolgekrieges lag die Kriegslast zunächst auf den armierten Reichsständen, ehe insbesondere Markgraf Ludwig Wilhelm von Baden als kaiserlicher Befehlshaber die Vorbereitung eines militärischen Bündnisses aus dem Schwäbischen, Fränkischen und den rheinischen Reichskreisen betrieb. Ähnlich betätigte sich auch der Reichspublizist Johann Georg von Kulpis und der Mainzer Erzbischof Lothar Franz von Schönborn. Dies traf zunächst auf den Widerstand der armierten Reichsstände und auch des Kaisers, bis das Bündnis 1697 als Frankfurter Assoziation zu Stande kam. Es wurde beschlossen eine Armee von 40.000 Mann in Friedenszeiten und 60.000 Mann im Kriegsfall aufzustellen. Diese Zahl wurde nie erreicht, weil unter anderem den durch die Kriegsfolgen besonders betroffenen Reichskreisen am Rhein erhebliche Minderungen ihrer Verpflichtungen zugesagt wurden. Das Bündnis wurde von der internationalen Wiener Großen Allianz integriert. Bei den Verhandlungen zum Frieden von Rijswijk war das Bündnis beteiligt. Das Bündnis war erneut rein defensiv angelegt. Der Versuch, es über den Krieg hinaus zu verlängern, scheiterte.Michael Müller: Die Entwicklung des Kurrheinischen Kreises in seiner Verbindung mit dem Oberrheinischen Kreis im 18. Jahrhundert (= Mainzer Studien zur neueren Geschichte. 24). Lang, Frankfurt am Main u. a. 2008, ISBN 978-3-631-58222-0, S. 265; Johannes Burkhardt: Vollendung und Neuorientierung des frühmodernen Reiches. 1648–1763. 10. Auflage. Stuttgart 2006, S. 131.

Nördlinger Assoziation Der Fränkische und Schwäbische Reichskreis hatten schon im Jahr 1700 ihre frühere Nürnberger Assoziation in Heidenheim erneuert. Dabei ging es zunächst ausschließlich um den Schutz der eigenen Gebiete. Zu Beginn des Spanischen Erbfolgekrieges wollte die Assoziation zwischen Kaiser und Frankreich neutral bleiben. Darin bestärkt wurden die Akteure von bayerischer und französischer Seite. Gewisse Tendenzen zur Neutralität des Reiches gingen zunächst auch von dem Mainzer Erzbischof und Reichserzkanzler Lothar Franz von Schönborn sowie von dem bayerischen Kurfürsten Max Emanuel auf den Heilbronner Assoziationstag vom August 1701 aus. miniatur|Ludwig Wilhelm von Baden hat maßgeblich zum Zustandekommen des Frankfurter Assoziationsrezesses beigetragen. Der Mainzer Erzbischof wollte das Bündnis des Schwäbischen und Fränkischen Kreises um den Oberrheinischen, den Kurrheinischen und den Bayerischen Reichskreis erweitern. Dem widersetzte sich allerdings mit Württemberg einer der führenden Reichsstände Schwabens. Die Situation änderte sich, als Schönborn auf die Seite des Kaisers überging und mit diesem im Oktober 1701 einen Subsidienvertrag abschloss. Bereits zu dieser Zeit wurde die Idee einer Reichsbarriere im Elsass mit Grenzkorrekturen und der Besetzung von Festungen vorgesehen.Winfried Dotzauer: Die deutschen Reichskreise (1383–1806). Geschichte und Aktenedition. Stuttgart 1998, S. 74; Johannes Burkhardt: Vollendung und Neuorientierung des frühmodernen Reiches. 1648–1763. 10. Auflage. Stuttgart 2006, S. 268.