Als Mordfall James Byrd junior wird die brutale Ermordung des 49-jährigen Afroamerikaners James Byrd junior am 7. Juni 1998 in Jasper im US-Bundesstaat Texas bezeichnet. Täter waren drei weiße Männer, von denen zumindest zwei Anhänger der Ideen der White Supremacy (Weiße Vorherrschaft) waren. Shawn Berry, Lawrence Russell Brewer und John King zogen Byrd über drei Meilen mit einem Pick-up über eine Asphaltstraße. Byrd, der während des größten Teils dieser Tortur bei Bewusstsein war, starb, nachdem sein Körper gegen die Kante eines Durchlasses prallte, wobei sein rechter Arm und sein Kopf abgetrennt wurden. Seine Mörder schleiften Byrds Leiche noch eine Meile weiter, bevor sie den Torso vor einem afroamerikanischen Friedhof in Jasper ablegten.CNN: 3 whites indicted in dragging death of black man in Texas vom 6. Juli 1998, abgerufen am 3. August 2013

Der Lynchmord an Byrd wurde zum Anlass für die Einfügung einer neuen Passage im texanischen Gesetz gegen Hassverbrechen. In der Folge dieses Verbrechens sowie der Ermordung von Matthew Shepard wurde später ein neues Bundesgesetz gegen Hassverbrechen verabschiedet, der Matthew Shepard and James Byrd, Jr. Hate Crimes Prevention Act. Dieses Gesetz wurde am 22. Oktober 2009 verabschiedet und am 28. Oktober von US-Präsident Barack Obama unterzeichnet.USA Today: Obama signs hate-crimes law rooted in crimes of 1998 vom 28. Oktober 2009, abgerufen am 3. August 2013

Berry, Brewer und King wurden wegen Mordes schuldig gesprochen. Brewer und King wurden zum Tode und Berry zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt. Brewer wurde am 21. September 2011 hingerichtet.CBS News: White supremacist Lawrence Russell Brewer executed for dragging death vom 22. September 2011, abgerufen am 3. August 2013 King befand sich weiterhin im Todestrakt; er hatte Berufung gegen sein Todesurteil eingelegt. vom Texas Department of Criminal Justice, abgerufen am 3. August 2013 Am 24. April 2019 wurde er mit einer Giftspritze hingerichtet.Pressebericht NBC-News

Das Opfer James Byrd junior wurde am 2. Mai 1949 in Beaumont, Texas, als eines von neun Kindern von Stella (* 1925; † 7. Oktober 2010) und James Byrd senior (* 1924; † 2020).KFDM: vom 7. Oktober 2010, abgerufen am 1. August 2013 geboren.

Familie Ross Byrd, der einzige Sohn von James Byrd junior, engagiert sich in der Organisation Murder Victims’ Families for Reconciliation („Familien von Mordopfern für Versöhnung“), welche sich gegen die Todesstrafe einsetzt. Er versuchte die Hinrichtung der Männer, die seinen Vater ermordeten, zu verhindern. Ebenso hatte er einen Kurzauftritt in der Dokumentation Deadline, in welcher es um die Todesstrafe in Illinois geht.TalkLeft.com: Families of Murder Victims Opposed to Capital Punishment vom 5. Juli 2002, abgerufen am 1. August 2013CBS News: Killing Time vom 11. Februar 2009

Die Ermordung von Byrd Am 7. Juni 1998 stieg der 49-jährige James Byrd jr., der auf der Huff Creek Road lief, in den Wagen von Shawn Berry (24), Lawrence Russell Brewer (31) und John King (23). Der Fahrer Berry kannte Byrd. Doch anstatt ihn nach Hause zu fahren, brachten sie Byrd zu einer abgelegenen Landstraße außerhalb der Stadt. Dort misshandelten sie ihn wiederholt mit Schlägen, urinierten auf ihn und fesselten ihn an den Knöcheln an ihren Pick-up. Danach schleiften sie ihn über drei Meilen über eine asphaltierte Straße. Brewer sagte später aus, dass Berry Byrd die Kehle durchgeschnitten habe, bevor sie ihn über die Straße schleiften. Das Ergebnis späterer forensischer Untersuchungen deutet jedoch stark darauf hin, dass Byrd versuchte, seinen Kopf hochzuhalten, als er über die Straße gezogen wurde. Der Autopsiebericht sagt aus, dass es wahrscheinlich sei, dass Byrd während der längsten Zeit des Schleifens am Leben gewesen war. Er sei erst gestorben, als sein rechter Arm und sein Kopf infolge des Aufpralls gegen die Kante eines Durchlasses von seinem Rumpf abgetrennt worden sei.CNN: Closing arguments today in Texas dragging-death trial vom 22. Februar 1999, abgerufen am 4. August 2013 Byrds Schädel und sein Gehirn wurden intakt aufgefunden, was ebenfalls darauf hindeutet, dass er während des Schleifens bei Bewusstsein gewesen war.Paul Robinson: Criminal Law, Case Studies & Controversies. Harcourt Professional Publishing, New York City 2008, ISBN 0-7355-6927-4 / ISBN 978-0-7355-6927-0, S. 204

Berry, Brewer und King legten die verstümmelte Leiche vor dem Friedhof der afroamerikanischen Kirche in Jasper ab. Danach veranstalteten die drei ein Barbecue. In dem Bereich, wo Byrd ermordet wurde, fand die Polizei einen Schraubenschlüssel, auf dem der Name „Berry“ stand. Sie fand ebenso ein Feuerzeug mit der Inschrift „Possum“, dem Spitznamen von King im Gefängnis.Texas Observer: vom 17. September 1999. Abgerufen am 4. August 2013. Am nächsten Morgen wurden Byrds Gliedmaßen weit verteilt auf der selten befahrenen Straße gefunden. Die Polizei fand an insgesamt 81 verschiedenen Stellen Überreste von Byrd. Da den Ermittlungsbehörden und dem Bezirksstaatsanwalt bekannt war, dass es sich bei Brewer und King um zwei bekannte White Supremacists handelt, wurde der Mordfall schnell als Hassverbrechen angesehen. Innerhalb von nicht einmal 24 Stunden nach dem Entdecken von Byrds Überresten wurde das Federal Bureau of Investigation verständigt.

King hatte zahlreiche rassistische Tätowierungen, darunter einen schwarzen Mann, der an einem Baum erhängt wurde, nazistische Symbole, die Wörter „Aryan Pride“ (Arischer Stolz) und das Logo einer Gruppe von Gefängnisinsassen namens Confederate Knights of America, die der Idee der White Supremacy anhängen.CNN: Texas sheriff 'knew somebody was murdered because he was black' vom 16. Februar 1999 In einem von den Justizvollzugsbeamten abgefangenen Brief Kings an Brewer äußerte sich King stolz über ihre Tat und verkündete, dass ihm klar gewesen sei, dass er sterben müsse, als er die Tat begann. Er schrieb: „Regardless of the outcome of this, we have made history. Death before dishonor. Sieg Heil!“ Auf Deutsch: „Unabhängig davon, wie das hier ausgeht, haben wir Geschichte geschrieben. Lieber tot als ehrlos. Sieg Heil!“ Ein im Fall ermittelnder Polizist bezeugte weiterhin, dass Zeugen ausgesagt hätten, King habe aus The Turner Diaries zitiert, als er Byrd schlug.The smoking gun: The Texas Dragging Death vom 9. Juni 1998. Abgerufen am 4. August 2013.

Berry, Brewer und King wurden wegen Mordes angeklagt und verurteilt. Brewer und King zum Tode und Berry zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe. Brewer wurde am 21. September 2011 hingerichtet, King am 24. April 2019.

Die Täter mini|Brewer und King saßen bis zu ihrer Hinrichtung in der Allan B. Polunsky Unit.

Shawn Allen Berry Der Fahrer des Pick-ups, Shawn Berry, bereitete beim Prozess die meisten Probleme, da sich nicht ausreichend sicher beweisen ließ, dass er ein Rassist ist. Berry selbst sagte aus, dass einzig Brewer und King für den Mord verantwortlich seien. Brewer dagegen bezeugte, dass Berry Byrd die Kehle durchtrennt habe, bevor sie ihn an den Pick-up banden. Die Jury befand allerdings, dass es nur wenige Hinweise gebe, die diese These stützten.NACCP: vom 17. September 1999, abgerufen am 4. August 2013 Aus diesem Grund entging Berry der Todesstrafe und wurde zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt. Berry, Häftling TDCJ#00894758, befindet sich aktuell in der Ramsey Unit in Rosharon. Seine Strafe kann frühestens am 7. Juni 2038 auf Bewährung ausgesetzt werden. Seit 2003 befindet sich Berry in Schutzhaft. Er verbringt 23 Stunden pro Tag in einer 2,4 × 1,8 m großen Zelle. Berry ist mittlerweile verheiratet. Die Trauung wurde als Trauung per Stellvertreter vollzogen.Joyce King: Hate Crime: The Story of a Dragging in Jasper, Texas, Random House, 2002, S. 7 ISBN 0-375-42132-7 / ISBN 978-0-375-42132-7 Mit seiner Frau war er bereits zur Zeit des Mordes an Byrd liiert. Aus der Ehe ist ein Kind hervorgegangen.

Lawrence Russell Brewer Brewer war ein White Supremacist, der vor dem Mord an Byrd bereits wegen Drogenbesitzes und Einbruchs im Gefängnis saß. Er wurde 1991 auf Bewährung entlassen. Aufgrund einer Verletzung seiner Bewährungsauflagen wurde er 1994 zurück ins Gefängnis gebracht. Laut seiner Aussage bei Gericht schloss er sich dort deswegen einer White-Supremacy-Gang an, um Schutz vor seinen Mithäftlingen im George-Beto-Unit-Gefängnis zu erhalten. King war Mitglied der gleichen Bande. Brewer und King wurden Freunde. Ein Psychiater bezeugte, dass Brewer keine Reue gezeigt habe. Er wurde schließlich schuldig gesprochen und zum Tode verurteilt. vom Texas Department of Criminal Justice, abgerufen am 1. August 2013 Brewer saß als Häftling TDCJ#999327 im Todestrakt der Allan B. Polunsky Unit. Er wurde am 21. September 2011 in der Huntsville Unit durch die Giftspritze hingerichtet.Beaumont Enterprise: Lawrence Russell Brewer executed in 1998 dragging death vom 22. September 2011, abgerufen am 1. August 2013

Am Tag vor seiner Hinrichtung erzählte er dem Fernsehsender KHOU 11 News: „As far as any regrets, no, I have no regrets. No, I’d do it all over again, to tell you the truth.“ Auf Deutsch: „Was irgendwelche Reue angeht, nein, ich bereue nichts. Nein, ich würde es wieder genauso tun, ehrlich gesagt.“Huffington Post: Troy Davis And Lawrence Brewer, A Tale Of Two Executions vom 21. September 2011, abgerufen am 1. August 2013

Als Henkersmahlzeit verlangte Brewer zwei Hähnchen-Koteletts, einen großen Cheeseburger, ein Käse-Omelett, Okra, Barbecue-Fleisch, drei Fajitas, eine Pizza, Eiscreme, Erdnussbutter-Fudge, drei Root Beer sowie diverse Beilagen. Allerdings behauptete Brewer, als ihm das Essen gebracht wurde, dass er nicht hungrig sei, weswegen die zahlreichen Lebensmittel unangerührt entsorgt wurden. Aus diesem Grund verlangte John Whitmire, ein Mitglied des texanischen Senats, vom Direktor der staatlichen Gefängnisbehörde die Abschaffung der Praxis, da die Henkersmahlzeit ein Privileg für Mörder sei, das ihren Opfern nicht ermöglicht werde, Brewers Bestellung sei auch eine Verhöhnung der Tradition gewesen. Der Forderung wurde stattgegeben, seitdem erhalten Gefangene in Texas als letzte Mahlzeit das Tagesgericht der Abteilung.

John William King King wurde beschuldigt, Byrd mit einem Schläger verletzt und ihn anschließend hinter dem Pick-up über die Straße geschleift zu haben, bis er starb. King hatte zuvor angegeben, dass er im Gefängnis durch schwarze Mithäftlinge vergewaltigt worden sei.Justice Fellowship: , ursprünglich aus der Washington Post, abgerufen am 3. August 2013 Obwohl bei King keinerlei rassistische Meinungen bekannt waren, schloss sich dieser im Gefängnis einer White-Supremacy-Gang an, vermutlich um Schutz vor seinen Mithäftlingen zu erhalten. Er wurde wegen seiner Beteiligung an der Entführung und Ermordung von Byrd schuldig gesprochen und zum Tode verurteilt.

King, dessen Häftlingsnummer TDCJ#999295 lautete, saß im Todestrakt in der Polunsky Unit. Er wurde am 24. April 2019 per Giftspritze in der Huntsville Unit hingerichtet.

Reaktionen auf den Mord Zahlreiche Aspekte bei dem Mord an Byrd erinnern an alte Lynchmord-Traditionen. Dazu zählt das Verstümmeln oder Enthaupten der Leiche, ebenso wie ein Gelage, wie beispielsweise ein Barbecue oder ein Picknick, während oder nach der Tat. Der Mord an Byrd wurde von Jesse Jackson und dem Martin Luther King Center als Ausdruck „bösartigsten“ Rassismus verurteilt. Sie forderten verstärkte Aufmerksamkeit für die „Prävalenz“ von Gefängnis-Gangs, welche die White Supremacy propagieren.