mini|Ein russisches Propagandaposter des Ersten Weltkrieges, das einen orientalisch gezeichneten Türken vor einem Soldaten weglaufen lässt. Als Türkenfeindlichkeit, auch bekannt als Türkenphobie oder Antiturkismus, bezeichnet man die Feindschaft, Furcht und Ressentiments gegen Türken, türkische Kultur oder die Republik Türkei (vormals gegen das Osmanische Reich).

Türkenfeindlichkeit entstand bereits im Osmanischen Reich, so entwickelte sich der nach Unabhängigkeit vom Osmanischen Reich strebende Pan-Arabismus aus einer antitürkischen Haltung heraus.

Auf dem Balkan bezieht sich Türkenfeindlichkeit auch auf Intoleranz gegen nichttürkische Muslime, vor allem Albaner, Bosnier und mazedonische Muslime. Er kann auch auf Vorurteile gegen ethnische Türken, die außerhalb der Türkei in der türkischen Diaspora leben, übertragen werden. mini|Ikonostasis der Kirche Sveti Spas aus dem Jahre 1867, Skopje, Nordmazedonien. Die Enthauptung Johannes’ des Täufers wird durch wie Osmanen stilisierte Figuren vollzogen.

Frühgeschichte Die Wurzeln der Turkophobie können auf die hunnischen Invasionen in Europa zurückgeführt werden, als Hunnen oder Turkvölker als rücksichtslose Nomadenhorden galten und Furcht unter den lokalen Bewohnern verbreiteten. 1870 wird das Phänomen des Antitürkismus durch den Begriff Turkophobie umschrieben. Turkophobie geht auf den Fall von Konstantinopel und die Türkenkriege des Spätmittelalters zurück, verstärkt durch die Bemühungen des westlichen Christentums, die Expansion des Osmanischen Reiches aufzuhalten. Mitte des 15. Jahrhunderts wurden besondere Messen, genannt missa contra turcas („Messe gegen Türken“), in verschiedenen Orten Westeuropas abgehalten, (tot) die Botschaft dieser Messen war, dass der Sieg über die Türken nur mithilfe Gottes erreicht werden könne und eine christliche Gemeinschaft notwendig sein würde, um der Grausamkeit der Türken zu widerstehen.

16. Jahrhundert mini|Originaldruck aus dem 16. Jahrhundert im Ungarischen Nationalmuseum, das einen türkischen Kämpfer beim Abschlachten von Kindern zeigt Bischof Fabri von Wien (1536–1541) sagte:

Im 16. Jahrhundert wurden etwa 2.500 Veröffentlichungen über die Türkengefahr in Westeuropa verteilt (mehr als ein Tausend auf Deutsch), oft mit einem Bild des „blutdürstigen Türken“.

Während dieser Zeit führte das Osmanische Reich Invasionen auf dem Balkan durch und belagerte Wien. Es gab in Westeuropa viel Furcht vor dem osmanischen Vordringen, vor allem in Deutschland.Miller, G. J. (2003). Luther on the Turks and Islam. In T. Wengert (Ed.), Harvesting Martin Luther’s reflections on theology, ethics, and the church. (S. 185). Grand Rapids MI: W.B. Eerdmans Pub. Co. Martin Luther bediente diese Ängste mit der Behauptung, dass die Türken Agenten des Teufels seien, die gemeinsam mit dem Antichristen im Herzen der katholischen Kirche (Rom) zu den Letzten Tagen und der Apokalypse führen würden.Sean Foley. (2009). Muslims and Social Change in the Atlantic Basin. Journal of World History, 20(3), 377–398. Luther vertrat die Ansicht, dass die türkische Invasion in Europa Gottes Bestrafung des Christentums sei – wegen der angeblichen Korruption im Heiligen Stuhl und der Kirche.: “Luther’s statement of explanation created yet more contention. Indeed, it was singled out for condemnation in Exsurge Domine, the papal bull of excommunication directed at Luther by Pope Leo X on 15 June 1520. Among the ‘destructive, pernicious, scandalous, and seductive’ errors enumerated in the bull is an essentialized version of Luther’s position: ‘To go to war against the Turks is to resist God who punishes our iniquities through them.’” (11) Am 18. Dezember 1519 bekräftigte Luther in einem Brief an seinen Freund Wenzeslaus Linck seine Ansicht über Rom und die Türken: 1518, als er seine 95 Thesen verteidigte, erklärte er, dass Gott die Türken auf die gleiche Weise zur Bestrafung der Christen gesandt habe wie Krieg, Plagen und Erdbeben. Die Antwort Papst Leos X. war die päpstliche Bulle, in der er Luther mit Exkommunikation drohte und versuchte, ihn als Unruhestifter darzustellen, der die Kapitulation vor den Türken befürwortete. In seinen Schriften Über den Krieg gegen den Türken und Militärpredigt gegen die Türken verfocht Luther „konsistent seine theologische Auffassung von den Türken als Anzeichen von Gottes geißelnder Rute“.Smith, R. O. (2007). Luther, the Turks, and Islam. Currents in Theology and Mission, 34(5), 351–365. Luther und seine Anhänger trugen maßgeblich zur Sicht bei, dass der Krieg zwischen Habsburgern und Osmanen auch ein Krieg „zwischen Christus und dem Antichristen“ oder „zwischen Gott und dem Teufel“ waren.Miller, G. J. (2003). Luther on the Turks and Islam. In T. Wengert (Ed.), Harvesting Martin Luther’s reflections on theology, ethics, and the church. (S. 186). Grand Rapids MI: W.B. Eerdmans Pub. Co.

Das Portugiesische Reich nutzte im Streben nach der Eroberung weiterer Länder Ostafrikas jede Begegnung mit den „schrecklichen Türken“ als Gelegenheit, sich als Meister des Glaubens zu profilieren.Casale, G. (2007). Global Politics in the 1580s: One Canal, Twenty Thousand Cannibals, and an Ottoman Plot to Rule the World. Journal of World History, 18(3), 267–296.

Geschichten des Wolfstürken vermittelten Westeuropa ebenfalls ein negatives Bild von den Türken. Der Wolfstürke sollte ein menschenfressendes Geschöpf darstellen, halb Tier und halb Mensch – mit einem Wolfskopf und einem Schwanz.

17. Jahrhundert Während des 17. Jahrhunderts wurden die Türken und der türkische Lebensstil aus ideologischen Gründen negativ dargestellt. Die Verwendung von Berichten über die Türken und ihre Gepflogenheiten, die im 17. und 18. Jahrhundert geschrieben wurden, „dienten als ideologische Waffe bei den Diskussionen über die Natur der Regierung während der Aufklärung.“Grosrichard, A. (1998). The sultan's court: European fantasies of the East. (S. 125). London: Verso. Schriftsteller projektierten ein Bild von den Türken, das „ungenau, aber akzeptiert“ war.Isom-Verhaaren, C. (2006). Royal French Women in the Ottoman Sultans' Harem: The Political Uses of Fabricated Accounts from the Sixteenth to the Twenty-first Century. Journal of World History, 17(2), 159–196. In Anbetracht der Schriften über Türken und ihren Lebensstil war oft „Genauigkeit von geringer Bedeutung; was zählte, war die Illusion.“Grosrichard, A. (1998). The sultan's court: European fantasies of the East. (pp. xiii, xiv, 125, 169, 185). London: Verso.

In Schweden wurden die Türken zum Erzfeind des Christentums erklärt. Dies wird im Buch Luna Turcica eller Turkeske måne, anwissjandes lika som uti en spegel det mahometiske vanskelige regementet, fördelter uti fyra qvarter eller böcker deutlich, das 1694 von dem Priester Erland Dryselius aus Jönköping veröffentlicht wurde. Der Klerus des Landes predigte über die allgemeine Grausamkeit und Blutdürstigkeit der Türken und darüber, wie sie systematisch ihre eroberten Gebiete niederbrannten und ausplünderten. In einem 1795 veröffentlichten schwedischen Schulbuch wurde der Islam als „die falsche Religion“ beschrieben, „der vom großen Betrüger Mohammed fabriziert wurde, zu dem sich die Türken bis zum heutigen Tage überall bekennen.“

In Orientalismus bemerkte Edward Said:

18. Jahrhundert Voltaire und andere europäische Schriftsteller kritisierten die Türken als Tyrannen, die Europas Erbe zerstörten. "The Turk as a Threat And Europe's „Other“, Chapter 1, Ingmar Karlsson"

Innerhalb des Osmanischen Reiches Innerhalb des Osmanischen Reiches wurde der Name „Türke“ manchmal verwendet, um turkmenische „Hinterwäldler, Landeier oder die ungebildeten Bauern“ in Anatolien zu bezeichnen. Das „Etrak-i bi-idrak“ zum Beispiel war ein osmanisches Wortspiel, das „der ignorante Türke“ bedeutete.Alfred J. Rieber, Alexei Miller. Imperial Rule, Central European University Press, 2005. Seite 33

Özay Mehmet meint in seinem Buch Islamic Identity and Development: Studies of the Islamic Periphery:

Zeitgenössische Turkophobie

In mehreren Sprachen wird der Begriff „Türke“ oft als Beleidigung oder Fluchwort verwendet.

Armenien Die armenisch-türkischen Beziehungen gelten aus historischen Gründen wie dem Völkermord an den Armeniern als feindselig. Gemäß einer Umfrage von 2007 sehen 78 Prozent der Armenier die Türkei als Bedrohung.

Bulgarien Der bulgarische Premierminister Borissow nannte die Türken (und die Roma) „schlechtes Menschenmaterial“ Chicago press conference transcription in Bulgarianhttps://web.archive.org/web/20110906034411/http://www.segabg.com/data/BBorisovChicago.mp3Mayor of Sofia brands Roma, Turks and retirees 'bad human material'. In: Telegraph.co.uk, 6. Februar 2009 (englisch).Sofia Mayor to Bulgarian Expats: We Are Left with Bad Human Material Back Home Sofia Mayor to Bulgarian Expats: We Are Left with Bad Human Material Back Home.

Malta Da die Malteser bei der Belagerung von Malta gegen das Osmanische Reich kämpften, haben die Malteser zu diesem Ereignis weiterhin ein farbiges Vokabular. So sagen sie, wenn beispielsweise bei Regen gleichzeitig die Sonne scheint: twieled tork („ein Türke wurde geboren“). Oder wenn etwas schiefgeht: Haqq ghat-torok („Fluch auf die Türken!“).[Thinksite.eu] (PDF; 212 kB)

Zitate und Redewendungen Zitate

Redewendungen mit negativer Konnotation Der Begriff „Türke“ hat hier eine ähnliche Bedeutung wie „Barbar“ oder „Heide“ in verschiedenen westeuropäischen Sprachen, speziell im Englischen: Websters New Collegiate Dictionary: „Jemand, der grausam und tyrannisch ist.“ (als archaisch vermerkt) Concise Oxford Dictionary: „Grimmige, wilde oder unüberschaubare Person.“ Random House Dictionary: „Ein grausamer und brutaler Herrenmensch.“

Viele Laster auf der Welt wurden mit den Türken assoziiert, als jene weiter westlich nach Europa vordrangen. Folgendes ist eine Liste der wichtigsten Sprüche über Türken in verschiedenen Ländern Europas und des Nahen Ostens:

“Թուրք” („Türke“) wird gemeinhin verwendet, um jemandes Treue oder moralische Fähigkeiten anzuzweifeln: “հո թուրք չես” („Bist du ein Türke?“) „Հո թուրք չես“ կամ „Հայ ես’ պետք է մեռնես“ “թուրքի տուն” („Türkenhaus“) ist eine Phrase, die ein unordentliches oder sehr schmutziges Haus umschreibt

und Kruzitürken Kümmeltürke (siehe auch: türken (Verb))

Turc wurde einst in sprichwörtlichen Ausdrücken wie C'est un vrai Turc („Das ist ein rechter Türke“) gebraucht, um jemanden als hart und gnadenlos zu bezeichnen.

Έγινε Τούρκος („Er wurde ein Türke“) bezeichnete eine extreme Wut oder Aggression auf jemanden oder etwas.Kazazis, I. N. The Hlektronika Dictionaries. Greek Language Center

Tork-e char („Türkischer Esel“) ist eine abwertende Beleidigung, die gewöhnlich gegen Aserbaidschaner gerichtet ist.Fereydoun Safizadeh. „Is There Anyone in Iranian Azerbaijan Who Wants to Get a Passport to Go to Mashad, Qum, Isfahan or Shiraz? - The Dynamics of Ethnicity in Iran“, Payvand's Iran News, February 2007Brenda Shaffer. „The Formation of Azerbaijani collective identity in Iran“, Nationalities Papers, 28:3 (2000), S. 463

bestemmia come un Turco („er schwört wie ein Türke“)Google Books Search Mamma li Turchi! („Oh Mutter, die Türken kommen!“) ist eine der am meisten gebrauchten italienischen Phrasen, um auf eine unmittelbare Gefahr hinzudeuten, als wenn die osmanischen Türken Westeuropa bedrohen würdenUmberto Eco, Alastair McEwen, Turning back the clock: hot wars and media populism, 2006, Philip Jenkins. God's continent: Christianity, Islam, and Europe's religious crisis, New York, 2007, Fumare come un Turco („Wie ein Türke rauchen“) ist eine Phrase, die eine viel rauchende Person beschreibt.

Iswed tork („Schwarz wie ein Türke“), bezieht sich auf jemanden mit einer dunklen Hautfarbe Twieled tork („Ein Türke wurde geboren“), bezieht sich auf Regen, wenn gleichzeitig die Sonne scheint Għadu Tork! („Er ist immer noch ein Türke“), bezieht sich auf eine nicht getaufte Person