Die Scania AB ist ein Hersteller von Nutzfahrzeugen, Bussen sowie Schiffs- und Industriemotoren mit Sitz im schwedischen Södertälje. Scania zählt zu den größten Herstellern schwerer Lastwagen in Europa und Südamerika und beschäftigte 2014 weltweit etwa 42.000 Mitarbeiter.

Seit Januar 2008 ist Scania ein Teil des Volkswagen-Konzerns und seit deren Gründung ein Teil der VW-Nutzfahrzeugtochter Traton.

Geschichte mini|Der erste Scania-Lkw von 1903 mini|Aktie über 1000 Kronen der AB Scania-Vabis vom 1. Dezember 1916 Der Name Scania ist die lateinische Bezeichnung für die historische schwedische Provinz Schonen.

Im Jahr 1911 fusionierte die damalige Scania Gesellschaft aus Malmö, Schonen (Lateinisch Scania) mit der in finanzieller Bedrängnis befindlichen Firma Vabis aus Södertälje.

1919 wurde die Produktion überwiegend auf Lkw umgestellt. Da die Nachfrage nach Lkw in der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg gering war und eine starke Deflation herrschte, wurde Scania 1921 insolvent. Im selben Jahr wurde das Unternehmen unter Beibehaltung des Namens neu gegründet. Die letzten Personenwagen wurden 1929 produziert. 1932 erschienen erste Frontlenker-Omnibusse und 1933 Frontlenker-Lastwagen. Ab 1936 wurden die ersten Dieselmotoren in Serie gebaut. Um ein rentables Händler- und Werkstättennetz für seine Lkw und Busse aufbauen zu können, wurde Scania-Vabis ab 1948 zusätzlich Generalimporteur für VW in Schweden. 1962 eröffnete Scania ein erstes ausländisches Werk in Brasilien, 1965 ein weiteres in den Niederlanden. Obwohl es noch kein eigenes Händlernetz in Deutschland gab, sprach sich die Qualität der Produkte herum. Erste Scania-Lastwagen erschienen bei norddeutschen Speditionen. Seit 1963 gab es wieder Frontlenker im Lastwagen-Programm.

Ab 1968 wurden die Nutzfahrzeuge unter dem Namen Scania ohne den Zusatz Vabis verkauft. Im selben Jahr wurde die erste Verkaufsniederlassung in Deutschland gegründet.

mini|Saab-ScaniaAltes Logo mini|Scania Topline V 8 – R 730 (2010) 1969 wurde Scania vom schwedischen Saab-Konzern übernommen und war danach eine Sparte des nun als Saab-Scania firmierenden Konzerns. 1995 wurde Scania aus dem Saab-Konzern ausgegliedert. Beide Unternehmen operieren seitdem unabhängig voneinander. 1999 versuchte der schwedische Konkurrent Volvo, Scania zu übernehmen. Das wurde jedoch durch die Kartellbehörden untersagt, da eine marktbeherrschende Stellung In Nordeuropa erwartet wurde. Danach stieg der Volkswagenkonzern mit einer Unternehmensbeteiligung ein. Im Jahr 2000 wurde das einmillionste Fahrzeug hergestellt. Der VW-Konzern erwarb für rund 3 Milliarden Deutsche Mark 18,7 % des Kapitals sowie 34,0 % der Stimmrechte. Im Februar 2008 stockte VW seinen Anteil auf 38 % der Stimmrechte auf. MAN hatte am 18. September 2006 ein Übernahmeangebot in Höhe von 10,3 Mrd. Euro für Scania bekanntgegeben und gleichzeitig Anteile mit ca. 14 % der Stimmrechte über die Börse gekauft. Dieses Angebot wurde am 23. November 2006 von Scania abgelehnt. MAN zog das Angebot am 23. Januar 2007 freiwillig zurück, stockte allerdings bis Februar 2008 seine Stimmrechte auf ca. 17 % auf.

Weitere bedeutende Anteile an Scania wurden bis März 2008 vom schwedischen Investmentunternehmen Investor AB (20,1 % der Stimmrechte) und Stiftungen der Familie Wallenberg (10,5 % der Stimmrechte) gehalten, bis Volkswagen diese Anteile erwarb und somit ca. 37,73 % des Kapitals und 68,60 % der Stimmrechte hielt. Am 18. Juli 2008 lagen die letzten kartellrechtlichen Genehmigungen vor, und der Mehrheitserwerb konnte vollzogen werden.Pressemitteilung. von der Neuen Osnabrücker Zeitung (NOZ), vom 18. Juli 2008, , Seite 6. Am 24. Dezember 2008 erwarb MAN Aktienoptionen und teilte mit, jetzt über mehr als 20 % der Stimmrechte bei Scania zu verfügen. Infolge der Mehrheitsübernahme der Porsche Automobil Holding an der Volkswagen AG erlangte Porsche die indirekte Kontrolle an Scania, wodurch ein Pflichtangebot nötig wurde. Porsche wurden 4,4 Millionen A-Aktien und 59,04 Mio. B-Aktien angedient, die umgehend an Volkswagen weitergereicht wurden. Am 9. November 2011 übernahm die Volkswagen AG die Mehrheit an MAN. Die Anteile der MAN an Scania mit eingerechnet, hielt die Volkswagen AG nun mit 62,6 % des Kapitals und 89,2 % der Stimmrechte die Mehrheit am Unternehmen.

Zum 1. September 2012 wechselte der bisherige Vorstandsvorsitzende Leif Östling in den Vorstand der Volkswagen AG, um dort das konzernweite Nutzfahrzeuggeschäft zu koordinieren. Sein Nachfolger bei Scania wurde Ende 2012 sein Stellvertreter Martin Lundstedt.

Am 21. Februar 2014 kündigte die Volkswagen Aktiengesellschaft ein freiwilliges öffentliches Angebot an die Aktionäre der Scania Aktiebolag zur Übernahme aller Scania-Aktien zu einem Preis von 200 SEK in bar je Aktie an. Am 13. Mai 2014 entsprachen die im Rahmen des Angebots angedienten und die bereits unmittelbar und mittelbar von VW gehaltenen Aktien einem Anteil von 90,47 % der Scania-Aktien bzw. einem Stimmrechtsanteil von 96,26 %. Volkswagen plante einen Squeeze-out in Bezug auf die restlichen Scania-Aktien einzuleiten und deren Delisting von der NASDAQ OMX Stockholm voranzutreiben. Nachdem Volkswagen den verbleibenden Aktionären 200 SEK samt 5,02 Kronen Zinsen (ca. 21,53 Euro) je Aktie zahlte, hielt es nunmehr 100 % der Anteile.Finanzen.net: Volkswagen zahlt außenstehenden Scania-Aktionären 200 SEK je Aktie, vom Axel Springer SE, aufgerufen am 6. Mai 2024 Im weiteren Verlauf der Umstrukturierung des Nutzfahrzeuggeschäfts von VW entstand die börsennotierte Holding Traton, an der VW Stand 17. Oktober 2022 92,11 % hielt.

Im Jahr 2021 deckten gemeinsamen Recherchen von Frontal21 und dem schwedischen SVT-Fernsehmagazin Uppdrag Granskning mehrere Fälle von Korruption bei Scania in Indien auf. Zwischen 2013 und 2017 soll Scania in 19 verschiedenen Fällen Bestechungsgelder bis zu jeweils 65.000 Euro an Politiker und Entscheidungsträger gezahlt haben. Der derzeit amtierende indische Verkehrsminister Nitin Gadkari soll einen Luxusbus erhalten haben. Scania übernahm mit insgesamt 260.000 Euro einen Großteil der Kosten. Die Staatsanwaltschaft Braunschweig leitete daraufhin Vorermittlungen gegen Scania ein.

Die EU-Kommission verhängte 2017 gegen Scania eine Geldbuße von etwas mehr als 880 Millionen Euro, da das Unternehmen über 14 Jahre hinweg mit seinen Wettbewerbern die Verkaufspreise für Lastwagen abgesprochen hatte und zudem vereinbarte, die Kosten für neue Technologien zur Einhaltung der strengeren Emissionsvorschriften an die Kunden weiterzugeben. Dies ist die zweithöchste Geldbuße gegen ein Unternehmen, die von der EU-Kommission im Kartellrecht verhängt wurde (Betrachtungszeitraum 1969–2023). Mit den anderen Kartellteilnehmern, darunter MAN, Daimler, Volvo und Iveco hatte die Kommission zuvor einen Vergleich geschlossen. Scania ließ sich auf den Vergleich nicht ein und klagte erfolglos gegen den Beschluss. Nach Klageabweisung rief das Unternehmen den Europäischen Gerichtshof an. Der EuGH wies dieses Rechtsmittel am 1. Februar 2024 zurück.

Unternehmensstruktur Scania bietet seit langen Jahren im Lkw-Bereich nur Lastkraftwagen für den schweren Verteilerverkehr, Fernverkehr sowie Bau- und Sonderfahrzeuge (zum Beispiel für Feuerwehren) höherer Gewichtsklassen an.

Das Programm beginnt gegenwärtig (2016) bei 18 Tonnen zulässigem Gesamtgewicht und 175 kW Motorleistung, die schwersten Solofahrzeuge für den Straßenverkehr kommen auf 40 Tonnen Gesamtgewicht (Schweiz), die Motorenpalette endete Stand 2021 bei 566 kW (). Daneben ist Scania aktiv im Bereich von Linien- und Reisebussen mit der Omni-Produktfamilie (OmniLink und OmniExpress in verschiedenen Ausführungen) für den ÖPNV sowie den Modellreihen Century und PB für den Reiseverkehr. Es sind Motoren (unter anderem das komplette V8-Programm) für die Euro-VI-Abgasnorm sowie Euro-Stufe-IV/US-Tier-4-final für Non-Road-Fahrzeuge und -Maschinen (Krane, Dumper, Brecher, Shredder, Häcksler etc.) erhältlich (Stand Dezember 2013).

mini|hochkant=1.5|Scania-Fabrik in Södertälje Im von Scania ausschließlich bedienten Markt schwerer Lkw ab 16 Tonnen Gesamtgewicht lag das Unternehmen 2006 europaweit und auch in Deutschland auf Platz 5 der Verkaufszahlen deutlich hinter den Wettbewerbern Mercedes-Benz, MAN, DAF und Volvo, vor Renault und Iveco. 2013 konnte Scania in Deutschlandsiehe auch: Scania Deutschland allerdings um 5,1 % wachsen (Lkw-Gesamtmarkt minus 8,1 %) und damit einen Marktanteil von 10,3 % erzielen. Auf dem schwedischen Heimatmarkt ist Scania nach Volvo die Nummer zwei mit nicht allzu großem Abstand (2012 wurden dort 1.747 schwere Lkw ausgeliefert). Besonders stark vertreten ist Scania in Südamerika (vor allem als Lieferant von Motoren und Fahrgestellen für Busse und Lkw), so z. B. in Brasilien (2012 wurden dort immerhin 11.820 schwere Lkw ausgeliefert) und Argentinien (2012: 1855 schwere Lkw), in den USA hingegen werden Scania-Fahrzeuge nicht angeboten. Stark ist Scania auch in Russland (2012: 5823 schwere Lkw) sowie Großbritannien (2012: 4555 schwere Lkw); vor Deutschland (2012: 4427 schwere Lkw). Ebenfalls anzutreffen ist Scania in Australien, Neuseeland, China (2012: 1798 schwere Lkw) und Südafrika, ohne dort allerdings eine nennenswerte Rolle zu spielen.

mini|Scania LE Suburban Verkehrsunternehmen WartburgmobilMit Bussen ist Scania vor allem auf den skandinavischen Heimatmärkten und in Südamerika gut vertreten, außerdem in Großbritannien und Spanien. Auf dem deutschen Busmarkt spielte Scania bisher eine Nebenrolle. Allerdings wurden bis Frühjahr 2014 rund 60 Reisebusse von Scania für ADAC-Postbus geliefert, die die 30 größten deutschen Städte verbanden. 2013 erhielten die Skandinavier zudem einen Großauftrag der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) über 156 Niederflur-Gelenkbusse, die im Zeitraum 2014 bis 2017 an die BVG geliefert wurden. Diese 18 Meter langen Fahrzeuge haben einen 5-Zylinder-Dieselmotor mit 320 PS (235 kW) und ein Automatikgetriebe. Sie erfüllen die Abgasemissionsgrenzwerte nach Euro-Stufe-VI.

Produktgeschichte Gründungsjahre und Zeit bis zum Zweiten Weltkrieg Vor der Fusion im Jahr 1911 wurden vom Vorgängerunternehmen Scania Lastwagen für 1½ Tonnen Nutzlast und von Vabis solche für 2 bis 3 Tonnen Nutzlast angeboten. Vor dem Ersten Weltkrieg reichte die Palette bereits bis 6 Tonnen Nutzlast, für damalige Zeiten ein hoher Wert. Für den Militäreinsatz entstanden erste Fahrzeuge mit Antrieb auf beide Achsen, die später auch zivil angeboten wurden und ab Mitte der 1920er Jahre mit einer zusätzlichen antriebslosen Achse zu einem Dreiachser kombiniert werden konnten.

Erste Versuche mit Dieselmotoren begannen 1927, aber erst im Jahr 1936 wurden die ersten eigenen Dieselmotoren nach einer Lizenz von Humboldt-Deutz in der Serie verwendet. Während bis dahin ausschließlich Haubenwagen gefertigt wurden, erschienen 1932 erste Frontlenker-Omnibusse und 1933 Frontlenker-Lastwagen, beide erhielten wegen ihres Aussehens den Beinamen „Bulldog“. Die Fertigung der Frontlenker-Lastwagen wurde allerdings Ende der 1930er Jahre wieder eingestellt.

1944 wurden mit den Typen Scania-Vabis F 10 und L 10 neue Modelle für 8 bis 9 Tonnen Gesamtgewicht herausgebracht, bald ergänzt um die schwereren L 20 und LS 20.

Nachkriegsjahre bis 1967: Scania-Vabis und letzte Blütezeit der Haubenwagen mini|Scania L 80 mini|Scania-Vabis LS 71 (1955) Schwerlastwagen der 1950er Jahre mini|Scania-Vabis LBS 76 (1963) erster Nachkriegs-Frontlenker Bis in die 1950er Jahre hinein verlagerte sich der Schwerpunkt der Produktion immer mehr zu schweren Fahrzeugen sowie auch weiterhin Omnibussen. Bereits in den 1950er Jahren wurden Motoren mit Direkteinspritzung nach Lizenz von Leyland eingebaut. Es folgten wie beim Wettbewerber MAN erste Versuche mit Abgasturboladern. Wichtige Modelle dieser Zeit waren ab 1949 der Typ L 40 für 9 bis 10 Tonnen Gesamtgewicht, der L 60 für 10 bis 12 Tonnen sowie der LS 60 für 16 Tonnen.