Ottilie Reylaender (* 19. Oktober 1882 in Wesselburen; † 29. März 1965 in Berlin) war eine deutsche Malerin. Sie zählt zu den Wegbereiterinnen der modernen Kunst in Deutschland.

Leben und Wirken mini|hochkant|Ottilie Reylaender mit Franz Hessel und Wilhelm Müller-Hofmann auf einem Münchner Künstlerfest (Bauernkirchweih), 1907

Ottilie Reylaender wurde 1882 als Tochter einer kinderreichen Beamtenfamilie in Wesselburen geboren. Nach dem Schulabschluss zog sie 1898 aufgrund ihres zeichnerischen Talents nach Worpswede, wo sie Schülerin von Fritz Mackensen – Maler und Mitbegründer der Künstlerkolonie Worpswede – wurde und Freundschaft mit ihren Mitschülerinnen Paula Becker und Clara Westhoff schloss. Im Jahr 1900 reiste sie nach Paris, wo sie Unterkunft im Atelier von Paula Becker fand, die sich zu der Zeit nicht in der Stadt aufhielt. Reylaender besuchte dort die privaten Kunstschulen Académie Julian und Académie Colarossi, da bis 1918 Frauen an den staatlichen deutschen Kunsthochschulen nicht zugelassen waren. 1905 unternahm sie eine Italienreise mit den Bildhauerinnen Hedwig Woermann und Dora Herxheimer (1884–1963) und lernte in München den polnischen Glasmaler Bohdan von Suchocki (* 1863; † um 1955) kennen, der später für längere Zeit ihr Lebensgefährte wurde, nachdem dieser sich von Franziska zu Reventlow getrennt hatteFranz Löchel: Kein Geld haben ist keine Kunst. Der Briefwechsel Franziska zu Reventlows und Bohdan von Suchockis, literaturkritik.de, abgerufen am 28. Juli 2013. Im Jahr 1908 verbrachte sie die meiste Zeit in Rom und konnte im Mai ein Atelier der Villa Strohl-Fern beziehen, erhielt dort Unterstützung von Hermann Haller sowie von Paul Osswald (1883–1952)Paul Osswald. Bildhauer und Maler (* 27. Juli 1883 in Zürich; † 30. November 1952 in Locarno), doi:10.5169/seals-1746, Hans Bloesch: Plastische Arbeiten von Paul Osswald, in (Das) Werk, Band 1, Heft 4, 1914. Osswald stellte den Kontakt zu Alfred Flechtheim her, der Verkäufe ihrer Bilder bewerkstelligte und sie später in das Programm seiner Galerie aufnahm.Christoph Otterbeck: Europa verlassen. Künstlerreisen am Beginn des 20. Jahrhunderts. Ottilie Reylaender, S. 197, Böhlau, Köln, 2007, ISBN 3-412-00206-2 Auch schloss Reylaender 1908 Freundschaft mit dem Dichter Rainer Maria Rilke, aus der sich bis 1921 ein Briefwechsel entspann. 1910 ging sie mit Bohdan von Suchocki nach Mexiko und kümmerte sich später um dessen Sohn Bodzito. 1925 lernte sie Diego Rivera und Tina Modotti kennen. Reylaender kehrte erst 17 Jahre später, 1927, nach Deutschland zurück. Im folgenden Jahr traf sie Clara Westhoff wieder und besuchte die Malschule von Arthur Segal.Zitiert nach dem Weblink Biografie Christoph Otterbeck: Europa verlassen. Künstlerreisen am Beginn des 20. Jahrhunderts, S. 196 ff.

1929 heiratete sie den Pädagogen Traugott Böhme, der ständige Wohnsitz des Ehepaars war Berlin. Nach dem Zweiten Weltkrieg gründete sie zusammen mit Oda Hardt-Rösler die private Malschule Das Atelier im Freien.Garten der Frauen: Wegbereiterinnen der Moderne in Deutschland, 1900-1914 zu Ausstellungen im Sprengel Museum Hannover, 17. November 1996 - 9. Februar 1997, Von der Heydt-Museum Wuppertal, 2. März 1997 - 27. April 1997, Ulrich Krempel, Verlag Ars Nicolai, 1996, Seite 215 1954 starb Böhme; Ottilie Reylaender-Böhme wurde 1965 an seiner Seite beigesetzt., berlin.friedparks.de, abgerufen am 28. Juli 2013

Ottilie Reylaender schuf neben frühen Mädchen- und Bauernporträts, die unter dem Einfluss Paula Modersohn-Beckers stehen,, nordsee-zeitung.de, abgerufen am 28. Juli 2013 zahlreiche Landschaftsbilder aus der Heimat und später aus den von ihr bereisten Ländern. In Mexiko schuf sie Porträts von Indianern.

Unter dem Begriff der sogenannten „Malweiber“ wurde ihr Werk neben anderen Künstlerinnen 2013 in der Worpsweder Kunsthalle mit dem Motto „Malerinnen im Aufbruch: Frauen erobern um 1900 die Kunst“ ausgestellt.Malerinnen im Aufbruch (PDF; 1,7 MB), worpswede-museen.de, abgerufen am 28. Juli 2013

Ausstellungen (Auswahl) 1912 Sonderbundausstellung, Köln 1924: Ausstellungen Galerie Flechtheim, Berlin und Worpsweder Kunstschau H. Seekamp 1928: Kunstverein Hamburg 1929: Ausstellungen im Paula Modersohn-Becker-Haus, Bremen und im Verein der Berliner Künstlerinnen 1942: Ausstellung 75 Jahre Verein der Berliner Künstlerinnen 1943: Ausstellung im Kunstverein Hannover, Vernichtung aller Bilder durch einen Bombenangriff 1949: Ausstellung Archivarion Berlin 1957: Ausstellung im Delphi-Haus, Berlin 1959: Ausstellung im Berliner Kunstkabinett 1996/97: Garten der Frauen, Ausstellung im Sprengel Museum, Hannover, anschließend im Von der Heydt-Museum, Wuppertal. Sie zeigte Werke von sieben Künstlerinnen, klassifiziert als „Wegbereiterinnen der Moderne in Deutschland“: Erma Bossi, Käte Lassen, Paula Modersohn-Becker, Gabriele Münter, Ottilie Reylaender, Clara Rilke-Westhoff, Marianne von Werefkin 2013: Gemeinschaftsausstellung Malerinnen im Aufbruch, Worpsweder Kunsthalle 2015: Ausstellung KunstWege – LebensZeichen, Worpsweder KunsthalleOttilie Reylaender. 28. Juni bis 1. November 2015 2015/16: Ausstellung Ottilie Reylaender. Worpswede – Mexiko, Kunstkaten AhrenshoopOttilie Reylaender. 15. November 2015 bis 21. Februar 2016

Sekundärliteratur Nina Lübbren: Ottilie Reylaender. Eine Malerin in Worpswede um die Jahrhundertwende. Magisterarbeit, Kunsthistorisches Institut, Freie Universität Berlin, 1990. Brigitte Doppagne: Ottilie Reylaender: Stationen einer Malerin. Worpsweder Verlag, Worpswede 1994, ISBN 3-89299-170-7 Ulrich Krempel, Susanne Meyer-Büser (Hrsg.): Garten der Frauen. Wegbereiterinnen der Moderne in Deutschland. 1900–1914. Ars Nicolai, Berlin 1996, ISBN 3-87584-994-9 Christoph Otterbeck: Europa verlassen. Künstlerreisen am Beginn des 20. Jahrhunderts. Böhlau, Köln 2007, ISBN 978-3-412-00206-0, S. 196–206 (teilweise online) Bernd Stenzig (Hrsg.): Rainer Maria Rilke: Die Briefe an Ottilie Reylaender 1908–1921. In: Blätter der Rilke-Gesellschaft. Bd. 27/28. Frankfurt am Main u. Leipzig 2007. S. 187–232. Heiner Egge: Tilas Farben: Ein Roman über Ottilie Reylaender. Atelier im Bauernhaus, Fischerhude 2013, ISBN 978-3-88132-380-2

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Einzelnachweise

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