Distanzstein ist der in Denkmalverzeichnissen häufig benutzte Oberbegriff für Steinsetzungen entlang von Wegen und Straßen, die die Entfernung zu Orten anzeigen. Es handelt sich hierbei um Verkehrsbauwerke, die durch ihr Alter erhaltenswert geworden sind und häufig unter Denkmalschutz stehen.
mini|Zum Kilometerstein umgenutzter Ganzmeilenstein bei Kleinow (Brandenburg) mini|Preußischer Halbmeilenstein und königlich-sächsischer Grenzübergangsstein bei Beersdorf (Sachsen-Anhalt) Geschichte Distanzsteine lassen sich seit dem Altertum nachweisen. Es gab sie sowohl in China und Vorderasien als auch im antiken Griechenland und im Römischen Reich. Ihre Errichtung hing maßgeblich von der Verfügbarkeit von geeigneten Steinen ab, wobei waldreiche Gegenden naturgemäß zu Holz griffen, und Steine nur dort verwendet wurden, wo eine lange Haltbarkeit erwünscht war, da die Kosten deutlich höher lagen und ein Steinmetz mit der Anfertigung beauftragt werden musste. Dies erforderte zumeist einen staatlichen Auftraggeber. Zudem war bei jeder Straßenverbreiterung oder veränderten Führung von Einzelabschnitten ihre Umsetzung notwendig, so dass die oft tonnenschweren Steine oft nur wenige Jahrzehnte in Gebrauch blieben. Heute werden Distanzsteine nur noch zu touristischen Zwecken aufgestellt, da Stein von anderen Materialien abgelöst wurde. Diese jüngeren Steinsetzungen stehen zumeist nicht unter Denkmalschutz.
Regionale Typen Distanzsteine sind häufig im Zusammenhang mit der Erbauung der Straße aufgestellt worden. Das gilt aber bei weitem nicht für alle Untergruppen, sondern ist teils sogar Unterscheidungsmerkmal zwischen ihnen. Sie lassen sich vor allem im Straßenbereich nachweisen, kommen aber auch entlang von Flüssen und Eisenbahnstrecken vor. Die wichtigsten Typen sind Meilensteine, Postmeilensäulen, Kilometersteine, Stundensteine und Wegweisersteine. Daneben gibt es regionale Besonderheiten, etwa in Indien oder Japan.
Deutschland Römische Meilensteine Die ältesten Typen von Distanzsteinen in Deutschland sind Römische Meilensteine. Sie entstanden in der römischen Zeit und befinden sich daher in Süd- und Westdeutschland. Sie sind in der Regel weit mehr als 1.500 Jahre alt. Römische Meilensteine sind nur dort erhalten, wo man sie bei Ausgrabungen wiederentdeckt hat. Auf ihnen wird die Entfernung in römischen Meilen (knapp 1,5 Kilometer) angegeben. Daneben gibt es die sogenannten Leugensteine, die ab dem zweiten Jahrhundert flächendeckend aufgestellt wurden und ebenfalls nur noch in Einzelfällen erhalten sind. Aufgrund ihres hohen Alters und der jeweiligen Wiederentdeckung befinden sie sich heute zumeist in Museen.Vgl. In Deutschland sind bisher etwas mehr als 50 solcher Steine wiederentdeckt worden, die Hälfte davon in Bayern, die anderen in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen und Hessen. Zum Teil sind sie aber bereits wieder verschollen.
Kursächsische Postmeilensäulen
mini|Arten der kursächsischen Postmeilensäulen (1747) Erst 1.500 Jahre später wurden in Deutschland wieder Distanzsteine in regelmäßigen Systemen aufgestellt. Das liegt daran, dass man sich über Jahrhunderte hinweg Baumarkierungen und später Holzwegweisern bediente, die naturgemäß keine lange Haltbarkeit hatten, so dass man nach besseren Lösungen suchte. Es handelt sich bei ihnen zugleich um Rechtsdenkmale, da sie von staatlicher Seite aufgestellt wurden und Wappen der Territorien trugen, diese also zugleich auch markierten. Das erklärt auch, warum sie nach dem Ende der jeweiligen Regierungszeit im Bestand bedroht waren und heute nur noch Bruchteile des einstigen Bestandes erhalten sind.
Das erste Großprojekt initiierte August der Starke ab dem Jahr 1722 im Kurfürstentum Sachsen. Er ließ Adam Friedrich Zürner die Poststraßen vermessen und stellte dann entlang dieser kursächsische Postmeilensäulen auf, die zwei Typen haben. Es gibt zum einen die eigentlichen Distanzsteine, die jede viertel Meile aufgestellt wurden und drei Unterkategorien aufweisen, nämlich Ganzmeilensäule (Obelisk), Halbmeilensäule (sich nach unten hin verjüngender Schaft), Viertelmeilenstein (glockenähnliches, sich nach oben hin verjüngendes Viereck), zum anderen die Distanzsäulen. Diese Distanzsäulen sollten ursprünglich vor jedem Stadttor aufgestellt werden und die Entfernung zu anderen Orten entlang der dort beginnenden Straße anzeigen. Sie werden auch Marktsäulen und Stadtsäulen genannt, weil sie vor allem in kleineren Städten im Ortszentrum aufgestellt wurden, um den Orten nicht die finanzielle Last von mehreren Säulen aufzubürden. Eine weitere Besonderheit der Distanzsäulen sind die angebrachten sächsisch-polnischen Doppelwappen.Gustav Adolf Kuhfahl: Die kursächsischen Postmeilensäulen Augusts des Starken…. Verlag des Landesvereines Sächsischer Heimatschutz, Dresden 1930.
Diese Distanzsäulen unterscheiden sich grundlegend dadurch von den Meilensteinen, dass sie die Entfernung in Stunden angeben und dies teils in komplizierten Brüchen wie „2 3/8 St.“ Das erklärt sich daraus, dass es sich hierbei um keine direkte Zeitangabe handelt, sondern vielmehr um ein Längenmaß, das zwei Wegstunden einer Postmeile gleichsetzt. Da die kursächsische Postmeile 9,062 Kilometern entsprach, ist eine Wegstunde 4,531 Kilometer lang. Die Achtelstunde entspricht also 566 Metern.Postsäulen und Meilensteine, S. 37–40. Bereits im Jahr 1815 wurde der Bestand erstmals dramatisch reduziert, nachdem das Königreich Preußen in den von Sachsen erhaltenen Gebieten den vollständigen Abbau der Postmeilensäulen anordnete. Postmeilensäulen finden sich heute dennoch nicht nur in Sachsen, sondern auch in Brandenburg, Thüringen und Sachsen-Anhalt. Da sie in Sachsen seit Jahrzehnten durch die Forschungsgruppe Kursächsische Postmeilensäulen e. V. besonders erforscht, gepflegt und teilweise wiedererrichtet werden, ist ihr Bestand mittlerweile wieder auf über 200 angewachsen. Achtzig Prozent aller erhaltenen/wiedererrichteten Steine befinden sich im heutigen Sachsen. Die Hälfte aller erhaltenen kursächsischen Postmeilensäulen sind Distanzsäulen.Postsäulen und Meilensteine, S. 61.
Preußische Meilensteine
Hintergrund des Abbaus der kursächsischen Postmeilensäulen durch Preußen war zum einen das Wappen samt den Initialen des sächsischen Regenten, zum anderen aber die Tatsache, dass Preußen seit dem Jahr 1788 eigene Meilensteine errichtete, die in anderen Abständen standen. Während in Sachsen mit den Meilensteinen vor allem die bereits vorhandenen Poststraßen markiert wurden, war es in Preußen zumeist so, dass die Meilensteine, ebenso wie Chausseehäuser, zur Grundausstattung der neu erbauten preußischen Staatschausseen gehörten. Auch sie wurden im Viertelmeilenabstand aufgestellt, jedoch entsprach eine preußische Meile 7,532 Kilometern. Entlang der Straßen waren also alle 1,883 Kilometer Distanzsteine zu finden, die sich in drei Kategorien (Ganzmeilenstein, Halbmeilenstein, Viertelmeilenstein) unterteilten. Dazu kamen noch sogenannten Wegweisersteine, die überall dort, wo Wege abgezweigt wurden, aufgestellt werden mussten. Die frühen preußischen Meilensteine sind hier Viertelmeilenwürfel, Halbmeilenobelisken und Ganzmeilenobelisken, ab den 1820er Jahren wählte man für die Viertelmeilen kleine glockenförmige Steine und für die halbe Meile große glockenförmige Steine, so dass Obelisken ausschließlich ganze Meilen anzeigten. Daneben gibt es noch zahlreiche weitere Ausprägungen, die aber eher regional zu finden sind. Später griff man vermehrt auf Rundsockelsteine zurück.
Meilensteine der Kleinstaaten Auch in den anderen deutschen Kleinstaaten in Nord-, Mittel- und Westdeutschland gab es Setzungen von Distanzsteinen. Im größeren Umfang erfolgte die Setzung von Meilensteinen in Anhalt (Rundsockelsteine), Mecklenburg-Schwerin (Obelisken), Mecklenburg-Strelitz (Rundsäulen), Vorpommern (Obelisken), Hessen (Obelisken, Stelen), Hannover (Obelisken), Oldenburg (Steine), Lippe (Stelen). Teilweise übernahmen Aktiengesellschaften den Bau und die Finanzierung der Straßen und Steinsetzungen, die aber auch andere Steinformen wählten. Diese Meilensteine werden alle von der Forschungsgruppe Meilensteine e. V. mit erfasst und teilweise auch in der Restaurierung betreut.Die verschiedenen Formen kann man sich auf der Seite der Forschungsgruppe Meilensteine in der Rubrik Meilensteine einzelner Regionen und Bundesländer anzeigen lassen. In Sachsen, das durch den Wiener Kongress deutlich dezimiert worden war, gab es Mitte des 19. Jahrhunderts mit den königlich-sächsischen Meilensteinen ein zweites Meilensteinsystem, das die Meile nun mehr mit 7,5 Kilometern bemaß. Es bestand aus Ganz- und Halb-Meilensteinen, Stationssteinen und Abzweigsteinen sowie Grenzübergangssteinen.Postsäulen und Meilensteine, S. 65–73. Auch die freien Hansestädte errichteten eigene Meilensteine. Von Hamburg ist für das Jahr 1843 die Zahl 693 Meilensteinen belegt, da sie in sehr viel engerem Abstand gesetzt wurden (Hundertstel Meilen), Lübeck war am Chausseebau beteiligt und ließ auch Meilensteine setzen.Brumm, Meilensteine & Co, S. 15–36. Ähnliche Unterteilungen gab es auch bei den preußischen und anhaltischen Meilensteinen, dort wurden die Steinsetzungen an den Hundertstel Meilen aber Nummernsteine, Ruthensteine, Sektionssteine oder auch Stationssteine genannt.
Stundensteine In Süd- und Westdeutschland gibt es zudem Stundensteine, die auch Stundensäulen genannt werden, vor allem in Bayern und Hessen, aber auch in Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg. Ähnlich wie bei den Distanzsäulen in Sachsen wurde hier die Stunde als Längenmaß gewählt. Sie entsprach in Bayern 3,7 Kilometern. Auch diese Steine wurden durch die Obrigkeit gesetzt, zum Beispiel an der Poststraße Koblenz-Frankfurt durch den letzten kurtrierischen Bischof im Jahr 1789.
Wegweisersteine Wegweisersteine sind nur regional gut erforscht, was daran liegt, dass sie sich der Systematisierung der anderen Systeme entziehen. Während die Meilensteine sofort Steinsetzungen waren, sind die Wegweisersteine Nachfolger der Wegweisersäulen, die aus Holz angefertigt wurden. Sie unterscheiden sich also nicht nur nach Auftraggeber und Form massiv, sondern zudem noch nach dem Material. Eine echte Systematik ist hier noch nicht erzielt worden. Grob kann man aber sagen, dass bis ins 19. Jahrhundert hinein Holz-Wegweiser häufiger waren, wobei sogenannte Armsäulen besonders beliebt waren, dann kamen Wegweisersteine zunehmend in Gebrauch und werden bis heute gern errichtet, heute allerdings zumeist als Wegzeichen und teils ohne Distanzangabe, so dass nicht alle Wegweisersteine auch Distanzsteine sind. Eine staatliche Lenkung ist dabei mittlerweile nicht mehr üblich, da im Straßenraum andere Materialien Stein abgelöst haben. Neben Meilen und Stunden finden sich auch Kilometerangaben auf den Steinen sowie reine Richtungsangaben, teils verdeutlicht durch richtungsweisende Hände oder Pfeile.
Kilometersteine Eine weitere Gruppe von Distanzsteinen sind die Kilometersteine. Mit der Gründung des Deutschen Reiches im Jahr 1871 wurde beschlossen, die Meile überall in Deutschland durch Kilometer abzulösen, was bis zum Jahr 1875 schrittweise umgesetzt wurde. In den folgenden Jahrzehnten wurden Straßen häufig mit Kilometersteinen ausgestattet, die teils sogar im Abstand von 100 Metern (auch Hektometersteine genannt) standen. In anderen Fällen wurden Meilensteine in die neuen Abstände gerückt und mit Kilometerangaben versehen. In diesen Kontext gehören auch die sogenannten Myriametersteine in Anhalt und Preußen, die aller zehn Kilometer aufgestellt wurden.