Die Schiffswerft Clausen war eine Werft in Oberwinter, die sich vor allem auf Fähren spezialisierte.
Geschichte Die Schiffswerft Clausen hatte ihren Standort im Hafen Oberwinter. Sie lag am Kopf des Hafens, eingekeilt in der Spitze zwischen Hafendamm, Rheinufer und Schutzhafen.
Der Schutzhafen entstand in der Zeit vom 26. Juli 1888 bis zum 23. Juli 1891 durch den Bau des 800 m lange Hafendamms, dessen Höhe + 10 Meter Kölner Pegel, also 0,50 Meter über dem Hochwasserstand von 1883 liegt. Er wurde auf der Oberwinter vorgelagerten Kiesbank (dem Oberwinterer Grund) aufgeschüttet.
Das schräg abfallende Oberwinterer Rheinufer, die sogenannte Überwinterer Bucht, welches bis dahin nur aus Überflutungsfläche, Brachland und einem Leinenpfad für die Treidelschifffahrt bestanden hatte, wurde ebenfalls mit dem ausgebaggerten Kies aus dem Hafenbecken aufgeschüttet und befestigt. "Durch die Gradlegung des Stromes und Aufschüttung des gewonnenen Geländes unterhalb des Hafens in der Richtung auf Rolandseck zu ist eine Fläche von 5 Hektar gewonnen worden, welche im Anschluss an die vorbeiführende Provinzialstraße sich zu Lagerplätzen ganz vorzüglich eignet. Der Hafen hat, in der Sohle gemessen, einen Flächenraum von 6 Hektar, und bei gefülltem Becken von 7½ Hekctar= 30 Morgen, so dass derselbe 200 große und bis 300 kleinere Schiffsgelässe bergen kann.General-Anzeiger 4 (25. März 1892) März Bonn : Neusser, 1.1889, 1. Dezember - 51.1939, 30. Juni = Nr.1-16486; 51.1939, 1. August - 57.1945, 2. März = Nr. 16513-18215; 2.1949,82 (15. Juli) - 129 (30. September); 58.1949, 1. Oktober - 31. Oktober = Nr. 18216-18241; mehr nicht digitalisiert ; Düsseldorf : Westdt. Zeitungsverl., 2.1949,82-129.
Auf dem so neu errichteten Hindenburgufer, wurden am 7. April 1891 schließlich die Bäume für die Lindenallee am Hafenbecken gesetzt, die
Das Hindenburgufer war auch als Rheinalle bekannt.
Die erste Werftanlage im Hafen war eine Werft für Holzboote. Sie wurde vom Bootsbauer Josef Kessel gegründet. Ein Zeitungsbericht aus dem General-Anzeiger 6 vom 12. April 1894 berichtet:
Wann die Clausen Werft gegründet wurde, ist nicht bekannt. Gegründet wurde sie vom Schlossermeister Peter Clausen, der bis dahin seine Schlosserei-Schmiederei & Kohlenhandlung, in der Hauptstraße 125 in Oberwinter betrieben hat. Das sich Peter Clausen und Josef Kessel schon gekannt und zusammen gearbeitet haben, ist nachvollziehbar. Als Schlossermeister konnte Peter Clausen sämtliches eiserne Bootszubehör für Josef Kessel fertigen. Auch ist bekannt, das Josef Kessels Sohn Johannes, bei Peter Clausen in die Schlosserlehre ging. So verwundert es auch nicht, das sich Peter Clausen 1907 auf der Landseite des Werftgelände einrichtete, während Josef Kessel auf der Hafendammseite blieb.
Ab 1912 übernahm Peter Clausen die Werft von Josef Kessel. Dieser hatte sich, angesichts der deutlich sichtbaren Vorboten des nahenden Krieges (1. WK), dazu entschlossen, dem Militärdienst beizutreten. Er wurde Gefreiter der Reserve, wie aus einer Notiz im General-Anzeiger 26 vom 11. März 1915General-Anzeiger 26 (11.3.1915) März Bonn: Neusser, 1.1889,1.Dez. - 51.1939,30.Juni = Nr.1-16486; 51.1939,1.Aug. - 57.1945,2.März = Nr. 16513-18215; 2.1949,82(15.Juli)-129(30.Sept.); 58.1949,1.Okt.-31.Okt. = Nr. 18216-18241; mehr nicht digitalisiert; Düsseldorf: Westdt. Zeitungsverl., 2.1949,82-129 zu entnehmen ist.
Einem Artikel aus dem General-Anzeiger 24 vom 16. November 1913 ist zu entnehmen:
Mit dem Ausscheiden von Josef Kessel, spezialisierte sich Peter Clausen auf den Bau, Wartung und Reparatur von Eisenschiffen. Er handelte aber auch mit gebrauchten Fahrzeugen, zum Beispiel Trajektschiffe, die sich für den Umbau zum als Arbeitsschiffe, Wohnschiffe oder schwimmenden Hotels, eigneten.Zu verkaufen 2 guterhaltene eiserne Trajektschiffe, Rhein- und Ruhrzeitung (15. Juli 1919) 330/331, Westdeutsche Binnenschiffahrts-Berufsgenossenschaft; Duisburg; Mülheim an der Ruhr, Duisburg a. Rhein; Mülheim a. d. Ruhr: Nieten, 1852, Nro. 2 (2. Januar 1852)-1940, Nr. 358 (30. Dezember 1940)
Aus der Zeit des 1. Weltkriegs ist leider nichts bekannt. Die ersten Verkaufsanzeigen für gebrauchte Trajektschiffe, SchiffsbrückenKölnische Zeitung (28.6.1920) 565/566/567, Köln: DuMont Schauberg, Nro. 50 (1. Janner 1803)-Nro. 182 (22. Septemb.); 1803, Nro. 8 (8. Oktober 1803)-1945, Nr. 25 (31. Januar 1945) und ein MotorbootRhein- und Ruhrzeitung (4.6.1921) 231 Westdeutsche Binnenschiffahrts-Berufsgenossenschaft; Duisburg; Mülheim an der Ruhr, Duisburg a. Rhein; Mülheim a. d. Ruhr: Nieten, 1852, Nro. 2 (2. Januar 1852)-1940, Nr. 358 (30. Dezember 1940), finden sich erst wieder ab 1919.
In den 1930er Jahren war der Standort der Werft durch Pläne für eine neue Straßenführung gefährdet. Das Hindenburgufer, später Oberwinterer Rheinallee genannt, wurde Ende 1935 für jeden Verkehr gesperrt, so dass Anfang 1936 die Bauarbeiten für die neue Straße beginnen konnten. Am Schnittpunkt zweier Bauabschnitte befand sich jedoch die Werkhalle der Schiffswerft Clausen. Sie musste in Richtung Rhein versetzt werden. Der Ortsvorsteher Hüllen wandte sich jedoch brieflich an die Eigentümerin des Geländes, die Rheinstrombauverwaltung Koblenz, um einen Verzicht auf den Wiederaufbau der Halle durchzusetzen, die seiner Meinung nach den Blick von den neuen Rheinanlagen aus verschandeln und sich negativ auf die Eignung des Ortes für den Fremdenverkehr auswirken würde. Hüllen konnte sich jedoch nicht durchsetzen. Die Halle wurde neben der Straße wieder aufgebaut.Bernd Blumenthal: „Die jetzige Straße ist für Fußgänger unpassierbar“. Die Vorgeschichte des Baus der Überwinterer Umgehungsstraße (B9) in den 30er Jahren (1991).
Während des Zweiten Weltkriegs wurde die Werft weitgehend zerstört; der Wiederaufbau erfolgte ab 1946. Ein Schwerpunkt in der Zeit nach dem Krieg war der Bau von Auto-Schnellfähren. Der Konstrukteur Ferdinand Clausen konzipierte in der Nachkriegszeit möglichst leichte Autofähren mit etwa 80 Tonnen Gewicht, die leicht zu manövrieren waren. (PDF; 2,0 MB)
mini|Konrad Adenauer
Clausen-Fähren wurden unter anderem in Speyer, auf den Strecken Bingen–Rüdesheim, Bad Honnef–Rolandseck und Bad Godesberg–Niederdollendorf verwendet. Neben Fähren baute Clausen auch Fahrgastschiffe.
1990 mietete der Maritim-Service Groten die ehemalige Werft und renovierte sie. Er hatte ab 1991 seinen Sitz auf dem Gelände, bis er 2002 auf das Gelände der einstigen Schiffswerft Oberwinter GmbH umzog.Maritim-Service Groten.
Bauliste (Auswahl) Die Liste enthält eine Auswahl von Fahrzeugen, die auf der Werft gebaut wurden.Werften am Rhein von Km 155 bis Km 976 mit Datenstand 10. Januar 2021 (18:50). Wagenfähren sind in der Liste mit der Rumpflänge angegeben. Die Abkürzung „LüK“ in den Anmerkungen steht für Länge über Klappen.