mini|Illustration in Ibn Umail's Silberwasser und Sternenerde (1211)Kitāb al-Mā' al-waraqī wa-l-arḍ an-nağmīyah, Topkapı Sarayı, Ahmet III Library, Istanbul. zu Ibn Umail's Vision in einem Tempel in Busir (Ägypten). Dabei sah er eine Statue eines alten Weisen, der eine Tafel mit symbolischen Darstellungen hält – für Ibn Umail dem Kern alchemistischen Wissens. Spätere ähnliche Darstellungen, wie in der Aurora consurgensAurora consurgens, Ms. Rh. 172 (e-codices), fol. 3r-7, Zentralbibliothek Zürich. und im Theatrum ChemicumL. Zetzner: Theatrum Chemicum V., Strasbourg 1660, S. 192. wurden wohl von dieser inspiriertTheodor Abt: Book of the Explanation of the Symbols. Kitāb Hal ar-Rumūz. Psychological commentary by Theodor Abt. Corpus Alchemicum Arabicum (CALA) IB. Living Human Heritage Publications Zürich 2009, ISBN 3-9522608-8-6, S. 15–18. Ibn Umail (; lebte um 900–960), eigentlich , auch mit den Beinamen „al-ḥakīm“ (der Weise) oder „aṣ-ṣādiq“ (der Wahrhafte) und „at-Tamīmī“ (aus dem Stamm der Tamīm) benannt, war ein vermutlich aus Ägypten stammender, arabischer Alchemist. In der lateinischen Alchemie war er auch als „Senior“ bekannt („Senior Zadith Filius Hamuel“, übersetzt: „der Weise, der Wahrhafte, Sohn des Umail“).
Ibn Umail war ein bedeutender Vertreter des allegorischen oder mystischen Zweiges der arabischen Alchemie. In der lateinischen Alchemie wurde er häufig zitiert und als Autorität anerkannt.Th. Abt, W. Madelung, Th. Hofmeier (Eds.): Book of the Explanation of the Symbols. Kitāb Ḥall ar-Rumūz by Muḥammad Ibn Umail (Corpus Alchemicum Arabicum I(=CALA I)). Living Human Heritage Publications, Zürich 2003, ISBN 3-9522608-1-9, S. XIII. Dafür spricht, dass bekannte lateinische Traktate in Teilen oder als Ganzes Übersetzungen seines al-Mā' al-waraqī enthalten, wie Clavis Sapientiae von Artefius, sowie Mangetus’ Bibliotheca Chemica Curiosa und Zetzners Theatrum Chemicum.
Nach H.E. Stapleton und M. Hidāyat Ḥusain lebte Ibn Umail zwischen 900 und 960.H.E. Stapleton: Three Arabic Treatises on Alchemy by Muḥammad Bin Umail (10th Century A.D.). Excursus on the Writings and Date of Ibn Umail with Edition of the Latin Rendering of the al-Mā' al-waraqī. Memoirs of the Asiatic Society of Bengal 12.1. Calcutta 1933, S. 123 ff. Nachdruck in: F. Sezgin (ed.) et al.: Ibn Umayl Abū 'Abdallāh Muḥammad, Texts and Studies. Natural Sciences in Islam 75, (Publications of the Institute for the History of Arabic-Islamic Science) Frankfurt 2002. ISBN 3-8298-7081-7, EAN 9783829870818. Dafür spricht die Erwähnung seines Freundes Aš-Šaiẖ Abū al-Ḥusain (oder Hasan) ibn Waṣīf in Ibn Umails Schriften. Ebenso erwähnte er Abū al-Ḥusain 'Ali ibn Aḥmad ibn 'Umar al-'Adawī, 'Abd al-Qāsim 'Abd ar-Raḥmān sowie den Alchemisten Mahrārīs als Zeitgenossen.H.E. Stapelton: Three Arabic Treatises, p. 123ff. Nachdruck in: F. Sezgin (ed.) et al.: Ibn Umayl Abū 'Abdallāh Muḥammad, Texts and Studies. Natural Sciences in Islam 75, (Publications of the Institute for the History of Arabic-Islamic Science) Frankfurt 2002. ISBN 3-8298-7081-7, EAN 9783829870818. Fuat Sezgin datiert sein Leben etwas früher und nimmt an, dass Ibn Umail seine Hauptwerke vor 920 schrieb.F. Sezgin: Geschichte des Arabischen Schrifttums IV, Alchemie – Chemie – Botanik – Agrikultur. Brill Academic Pub. 1971, ISBN 3-8298-0070-3, S. 283 ff. Da seine Schriften nicht die einschneidenden Veränderungen im philosophischen Denken um 900 spiegeln (damals führte der qarmatische Philosoph Muhammad ibn Ahmad an-Nasafi die neuplatonische ismailitische Kosmologie in das qarmatische System ein, das die früheren gnostisch-hermetischen Theorien ersetzte) sind sie wohl bereits vor 900 entstanden.Marie-Louise von Franz: Book of the Explanation of the Symbols. Kitāb Ḥall ar-Rumūz by Muḥammad Ibn Umail. Psychological Commentary by Marie-Louise von Franz. Herausgegeben von Theodor Abt. (Corpus Alchemicum Arabicum IA(=CALA IA)). Living Human Heritage Zürich 2006, ISBN 3-9522608-3-5, S. 50.
Leben Über Ibn Umails Leben ist wenig bekannt. In mehreren Abschnitten seiner Bücher empfiehlt er einen introvertierten Lebensstil, der zum Verständnis seiner Werke zentral ist, und den er vermutlich auch selbst lebte.Durra An-Naqiya, Ms Nr. 1410, Asaf. lib. Hyderabad (Indien), fol. 2f.
Ibn Umail lebte vermutlich in Ägypten (zur sogenannten „frühislamischenen Zeit“) oder war selbst ÄgypterG. Strohmaier: Ibn Umayl (Encyclopaedia of Islam 3), Leiden, London 1986, S. 961f. (Neue Auflage von Bd. 3 1998, ISBN 978-90-04-08118-5). und hielt sich vermutlich zeitweise in Achmim auf (später Panopolis genannt), einem damaligen Zentrum der Alchemie. Darauf lassen Textpassagen schließen, in denen er den alchemistischen Ofen mit ägyptischen Tempeln vergleicht, ebenso wie Zitate von Zosimos von Panopolis (um 400) und 'ū n-Nūns (796–861) Schriften. Beide Alchemisten lebten in Ägypten.Th. Abt, W. Madelung, Th. Hofmeier (Eds.): Book of the Explanation of the Symbols. Kitāb Ḥall ar-Rumūz by Muḥammad Ibn Umail, Living Human Heritage Publications, Zürich 2003, ISBN 3-9522608-1-9, S. XIV. Aus seinen Werken wird deutlich, dass Ibn Umail zur Gruppe der Ismailitischen Schia gehörte, einer spirituellen Bewegung, die einen großen Teil der hellenistischen Tradition assimiliert hatte.G.E. von Grunebaum: Medieval Islam – a Study in Cultural Orientation, Chicago University Press, Chicago 1953. p. 197f. (Verschiedene Nachdrucke, ISBN der Ausgabe von 1971: ISBN 3-436-01426-5.)
Ibn Umails Beschreibung des alchemistischen Werkes und seiner verschiedenen Substanzen macht als naturwissenschaftliche Beschreibung kaum Sinn.J.Ruska in F. Sezgin: Geschichte des Arabischen Schrifttums IV, Alchemie – Chemie – Botanik – Agrikultur. Brill Academic Pub. 1971, ISBN 3-8298-0070-3, S. 286 schreibt, „seine Arbeit ist so weit von echter Naturwissenschaft entfernt, wie Kindermärchen von echter Geschichte.“ Vielmehr beschreibt er symbolisch seine Erfahrung eines innerpsychischen Transformationsprozesses, welchen Ibn Umail als höchstes Ziel des menschlichen Lebens darstellte. Er selbst weist in seinen Büchern wiederholt darauf hin, dass seine Beschreibungen des alchemistischen Werkes nichts mit der realen, äußeren Substanz zu tun haben.
Bedeutung Als Beschreibung psychischer Phänomene ist sein Werk von großem Wert für die moderne Psychologie. Besonders von Interesse sei seine Beschreibung zum Umgang mit Getriebenheiten oder Begierden (Gier, Lust, Neid etc.). Das diese auslösende „höllisch-göttliche Feuer“, genannt „männliche Seele“, könne durch dessen Gegensatz „das göttliche Wasser“, genannt „weiblichen Geist“, gehalten werden.Th. Abt, W. Madelung, Th. Hofmeier (Eds.): Book of the Explanation of the Symbols. Kitāb Ḥall ar-Rumūz by Muḥammad Ibn Umail. Corpus Alchemicum Arabicum I(=CALA I)). Living Human Heritage Publications, Zürich 2003, ISBN 3-9522608-1-9, S. XIV. Für eine ausführliche Deutung siehe auch Th. Abt: Book of the Explanation of the Symbols. Kitāb Ḥall ar-Rumūz by Muḥammad Ibn Umail. Psychological Commentary by Theodor Abt (Corpus Alchemicum Arabicum IB(=CALA IB)). Living Human Heritage Publications, Zürich 2009. ISBN 3-9522608-8-6. Diese psychologische Sichtweise spiegelt auch die Notiz eines Kopisten des im Istanbuler Topkapi Palastes befindlichen Kitāb al-Mā' al-waraqī, welcher den „Brief der Sonne an den Mond“ enthält. Sie besagt, dass die Sonne den Geist (al-ruh) und der Mond die Seele (al-nafs) repräsentiert, das Manuskript folglich über die Rezeptivität der Seele für den Geist handle.Persis Berlecamp: Painting as Persuasion, a visual defense of Alchemy in an Islamic manuscript of the Mongol period. Murqarnas Volume 20, Brill Publisher 2003, p. 53–59. ISBN 90-04-13207-4.
Durch Ibn Umails Kommentare zu Bildern und Symbolen ägyptischer Tempel (wie Frosch oder Schnecke), bilden seine Werke eine Kulturbrücke zwischen der Ägyptischen Tradition sowie der Arabischen und der Lateinischen Alchemie. Ebenso wie die Ägypter mit ihrem Totenkult deren ewiges Lebens sicherstellen wollten, entspricht die alchemistische Suche nach dem Stein der Weisen und dem Wasser des Lebens der Suche nach Unsterblichkeit des Individuums.Th. Abt, W. Madelung, Th. Hofmeier (Eds.): Book of the Explanation of the Symbols. Kitāb Ḥall ar-Rumūz by Muḥammad Ibn Umail. Living Human Heritage Publications, Zürich 2003, ISBN 3-9522608-1-9, S. XIV-XV.
Werke Arabische Werke Ad-Durra an-Naqīya (die reine Perle)Ms. Āṣafīya Library 887/1, Hyderabad (Dekkan) und Ms Tashkent Institute for Oriental Studies 562/I und 5602/14. Veröffentlichung des arabischen Textes mit englischer Übersetzung in: Wilferd Madelung (ed.): The Pure Pearl and other texts by Muhammad Ibn Umail. Ad-Durra an-naqīya, As-Sīra an-naqīya, Al-Qașīda al-Mīmīya, Al-Mabāqil as-sab'a (= CALA V = Corpus Alchemicum Arabicum. Bd. V). Arabic Edition by Wilferd Madelung with an Introduction by Theodor Abt. Translation by Salwa Fuad and Theodor Abt. Living Human Heritage Publications, Zürich 2019, ISBN 978-3-9524468-3-6. As-Sira an-Naqīya (die reine Lebensführung)Ms. Istanbul Baĝdatlı Vehbi 2248/2 und 2277/I sowie MS Vienna Nationalbibliothek Codex Vindobonensis Palatinus Mixt. 1350/I. Veröffentlichung des arabischen Textes mit englischer Übersetzung in: Wilferd Madelung (ed.): The Pure Pearl and other texts by Muhammad Ibn Umail. Ad-Durra an-naqīya, As-Sīra an-naqīya, Al-Qașīda al-Mīmīya, Al-Mabāqil as-sab'a (= CALA V = Corpus Alchemicum Arabicum. Bd. V). Arabic Edition by Wilferd Madelung with an Introduction by Theodor Abt. Translation by Salwa Fuad and Theodor Abt. Living Human Heritage Publications, Zürich 2019, ISBN 978-3-9524468-3-6. Al-Qasida Nuniya (Gedicht, das sich auf den arabischen Buchstaben Nun reimt), mit einem Kommentar von Ibn Umail. Ms. Beşir Ağa (Istanbul) 505. Das Gedicht ohne Kommentar findet sich in Stapeltons Three Arabic TreatisesH.E. Stapleton und M. Hidayat Husain: Three Arabic Treatises on Alchemy by Muḥammad Bin Umail (10th. Century A.D.) (Memoirs of the Asiatic Society of Bengal 12.1.), Calcutta 1933. Nachdruck in: F. Sezgin (ed.) et al.: Ibn Umayl Abū 'Abdallāh Muḥammad, Texts and Studies. Natural Sciences in Islam 75, (Publications of the Institute for the History of Arabic-Islamic Science) Frankfurt 2002. ISBN 3-8298-7081-7, EAN 9783829870818. Al-Qasida al-mīmīya (Gedicht, das sich auf den arabischen Buchstaben Mīm reimt), mit einem Kommentar von Ibn UmailMs. Beşir Ağa (Istanbul) 505, Ms. Istanbul Baĝdatlı Vehbi 2277/2, MS Vienna Nationalbibliothek Codex Vindobonensis Palatinus Mixt. 1350/2; MS Tashkent 562/K und MS Gotha MS 1257. Veröffentlichung des arabischen Textes mit englischer Übersetzung in: Wilferd Madelung (ed.): The Pure Pearl and other texts by Muhammad Ibn Umail. Ad-Durra an-naqīya, As-Sīra an-naqīya, Al-Qașīda al-Mīmīya, Al-Mabāqil as-sab'a (= CALA V = Corpus Alchemicum Arabicum. Bd. V). Arabic Edition by Wilferd Madelung with an Introduction by Theodor Abt. Translation by Salwa Fuad and Theodor Abt. Living Human Heritage Publications, Zürich 2019, ISBN 978-3-9524468-3-6. Kitāb Hal ar-Rumūz (Buch der Erklärung der Symbole)Th. Abt, W. Madelung, Th. Hofmeier (Eds.): Book of the Explanation of the Symbols. Kitāb Ḥall ar-Rumūz by Muḥammad Ibn Umail (CALA I = Corpus Alchemicum Arabicum I), Translated by Salwa Fuad and Theodor Abt, with an Introduction by Theodor Abt. Living Human Heritage Publications, Zürich 2003. ISBN 3-9522608-1-9. Kitāb al-Mā' al-waraqī,H.E. Stapleton und M. Hidayat Husain: Three Arabic Treatises on Alchemy by Muḥammad Bin Umail (10th. Century A.D.). Excursus on the Writings and Date of Ibn Umail with Edition of the Latin Rendering of the Mā' al-waraqī (Memoirs of the Asiatic Society of Bengal 12.1.), Calcutta 1933. Nachdruck in: F. Sezgin (ed.) et al.: Ibn Umayl Abū 'Abdallāh Muḥammad, Texts and Studies. Natural Sciences in Islam 75, (Publications of the Institute for the History of Arabic-Islamic Science) Frankfurt 2002. ISBN 3-8298-7081-7, EAN 9783829870818. welches folgende Texte enthält: