Freiherr (?) Lothar Friedrich von Hundheim oder Hontheim (* 26. September 1668; † 25. Oktober 1723)Johann Peter von Ludewig: Erläuterte Germania Princeps. Frankfurt am Main / Leipzig 1746, S. 727; . Als Sterbedatum wird auch der 24. Oktober 1724 angegeben, aber der Sohn Ferdinand Philipp wurde bereits am 5. September 1724 „patre mortuo“ (= „nach dem Tod des Vaters“) mit Gelsdorf belehnt; vgl. Hauptstaatsarchiv Düsseldorf (Jülich, Lehen, Spezialia Nr. 79 Urk. 4). war ein Oberamtmann, General-Kriegskommissar, Staatsminister („Etatsminister“) und Diplomat der Kurpfalz.

Herkunft Lothar Friedrich von Hundheim wurde als Sohn des metternichschen Amtmanns von Neckarsteinach geboren.Heinrich Xaver von Wiser: Facti species der Abentheuerlichsten Verfolgung so jemahls in der Weldt erhört worden, o. O. 1718, S. 88. Seine Eltern waren Johann Wilhelm von Hontheim (* 19. Januar 1630; † nach 1685),Geboren im Schloss Philippsburg in Ehrenbreitstein. der dort 1677 und 1685 urkundlich belegt ist, und Maria Elisabeth von Schönberg.Hessisches Staatsarchiv Darmstadt (A 5 Aktivlehen von Hessen-Darmstadt, Nr. 253/10 und 11); vgl. auch ein Schreiben des J. W. von Hontheim 1641 über die Erbschaft seines Vaters: Hessisches Staatsarchiv Darmstadt (Bestand E 12 Adel und Standesherren, Nr. 117/16). 1661 erscheint Johann Wilhelm Hontheim als Gevollmächtigter der Gebrüder Metternich in Virneburg; 1685 ein metternichscher Amtmann „Honthumb“ in Neckarsteinach; vgl. Peter Neu: Die Arenberger und das Arenberger Land. Band II: Die herzogliche Familie und ihre Eifelgüter. (Veröffentlichungen der Landesarchivverwaltung Rheinland-Pfalz, 67). Landesarchivverwaltung Rheinland-Pfalz, Koblenz 1995, S. 53f und S. 280. Seine Großeltern waren der kurtrierische Geheimrat Johann Wolfgang (von) Hontheim (* 27. April 1588; † 23. Januar 1641) und (⚭ 1626) Margarethe Morbach († 17. Mai 1633).Hontheim. In: Annuaire de la noblesse de Belgique. 8 (1854)S. 134–140, bes. S. 135 f. Sein Bruder war Philipp Karl von Hundheim.

Die Ruine (Burgstall) einer Höhenburg unbekannten Namens, die um 1200 aufgegeben wurde und modern Burg Hundheim genannt wird, liegt bei Neckarhausen, etwa drei Kilometer flussaufwärts von Neckarsteinach auf der hessischen Seite. Dabei handelt es sich jedoch nicht um den ursprünglichen Stammsitz der Familie von Hundheim. Die von Hundheim entstammen einer Trierer bzw. Eifeler Ministerialenfamilie Hontheim, die 1622 geadelt worden war. Die von Hontheim (Hundheim) besaßen gemeinschaftlich mit den von Anethan die Burgen von Densborn in der Vulkaneifel.Johann Friedrich Schannat, Georg Bärsch: Eiflia illustrata oder geographische und historische Beschreibung der Eifel. Band II/1/4: Von den ritterschaftlichen Geschlechtern in der Eifel. 1. Abt.: A-L. J. A. Meyer, Aachen/Leipzig 1829, S. 186f.

Der Trierer Weihbischof Johann Nikolaus von Hontheim (1701–1790) war der Sohn eines Cousins von Lothar Friedrich von Hundheim und führte dasselbe Wappen.Ernst Heinrich Kneschke: Die Wappen der deutschen freiherrlichen und adeligen Familien. Band III, T. O. Weigel, Leipzig 1856, S. 219f.

Leben Lothar Friedrich von Hundheim war von 1694 bis 1710 kurpfälzischer Amtmann zu Dilsberg. Er wurde auch zum Oberamtmann von Kreuznach bestellt. Im Oktober 1696 wurde er zum kurpfälzischen Regierungsrat mit Sitz- und Stimmrecht und noch vor 1700 zum Kriegsrat ernannt. Er ließ sich in den Ämtern Dilsberg und Kreuznach zumeist von Amtsverwesern vertreten.Rüdiger Lenz: Kellerei und Unteramt Dilsberg. Entwicklung einer regionalen Verwaltungsinstanz im Rahmen der kurpfälzischen Territorialpolitik am unteren Neckar. Kohlhammer, Stuttgart 1989, S. 101f, 104, 110 und 220.

1697/98 waren Hundheim und Regierungsrat Johann Heinrich Violät als Katholiken sowie der reformierte Regierungsrat Johann Matthias Haumüller von Mühlenthal Mitglieder einer sogenannten „Admodiationskommission“, die das linksrheinische Kirchengut in der Kurpfalz zwischen den Konfessionen aufteilen sollte.Alfred Hans: Die kurpfälzische Religionsdeklaration von 1705. (Quellen und Abhandlungen zur Mittelrheinischen Kirchengeschichte, 18). Gesellschaft für mittelrheinische Kirchengeschichte, Mainz 1973, S. 70; Christoph Flegel: Die lutherische Kirche in der Kurpfalz von 1648 bis 1716. Philipp von Zabern, Mainz 1999, S. 172.

mini|Ilvesheimer Schloss, um 1700; die Seitenflügel wurden 1750 und 1773 angebaut 1698 kaufte Lothar Friedrich von Hundheim Ilvesheim, Lützelsachsen, Hornbach und Kreidach von ihrem Pfandherren Graf Johann Jakob von Hamilton († 1717) und wurde 1700 von Kurfürst Johann Wilhelm von der Pfalz (1658–1716) damit belehnt.Akten, 1700–1805; Hessisches Staatsarchiv Darmstadt (Bestand E 14 G Lehnswesen, Nr. 75/12). Um 1700 ließ er auf den Grundmauern der 1689 zerstörten Erlenburg Schloss Ilvesheim neu erbauen, vermutlich von Johann Adam Breunig (* um 1660; † 1727). 1714 ließ Hundheim das Ilvesheimer Dorf-Weistum von 1595 und 1606 erneuern.Karl Kollnig: Das Ilvesheimer Dorfweistum. In: Mannheimer Geschichtsblätter 32 (1931), Sp. 178–188; marchivum.de (PDF; 521 kB).

Auf Anregung des Festungsbauingenieurs Platzmajor Francisco de Robiano schlug Hundheim dem Kurfürsten Johann Wilhelm 1699 vor, die Festungsbauten in Mannheim zur Kostensenkung künftig nicht mehr freihändig zu vergeben, sondern an „General-Entrepeneure“ zu versteigern; die öffentliche Versteigerung fand 1700 statt.Generallandesarchiv Karlsruhe (Specialia Mannheim, 2145). Max Dörner: Kommunale Submissions-Politik. Die Vergebung öffentlicher Arbeiten in Mannheim (diss. rer. pol. München). Union, Stuttgart 1908, S. 7–9.

1701 legte Hundheim im Namen des Kurfürsten zusammen mit dem Speyerer Weihbischof Peter Cornelius Beyweg (1670–1744) den Grundstein für die St. Rochus-Kirche (um 1839 niedergelegt) des Kapuzinerklosters in Mannheim.Hierotheus Confluentinus: Provincia Rhenana Fratrum Minorum Capucinorum, A Fundationis Suae Primordiis Usque Ad Annum MDCCL, Johann Jakob Häner, Heidelberg 1750, S. 426. Er wohnte in dieser Zeit in Heidelberg, wo auch mindestens eines seiner Kinder geboren wurde.

Im März 1702 nahm Hundheim für die Kurpfalz am kurrheinischen Kreistag in Frankfurt am Main teil. Während der Kreis bisher eine neutrale bzw. frankreichfreundliche Politik verfolgt hatte, schwenkte er jetzt durch den von Hundheim vertretenen pfälzischen Kurfürsten auf die Seite des Kaisers.Winfried Dotzauer: Die deutschen Reichskreise (1383–1806). Franz Steiner Verlag, Stuttgart 1998, S. 287. In Frankfurt wurden in der Anfangsphase des Spanischen Erbfolgekrieges (1701–1714) der Beitritt zur Haager Allianz und die Aufnahme des Österreichischen Kreises beschlossen, die Aufnahme des Bayerischen Kreises dagegen abgelehnt. Anschließend unterzeichnete Hundheim noch im selben Monat als Vertreter des Kurrheinischen Kreises die Bündnisvereinbarung von vier Reichskreisen auf dem „Nördlinger Assoziationstag“.Carl Friedrich Gerstlach: Handbuch der teutschen Reichsgeseze. Band III: Sechster – Achter Theil. Christian Gottlieb Schmieder, Karlsruhe 1787, S. 1082–1085 (Google-Books).

Von Graf Joseph Philibert von Lechrain erwarb Hundheim 1702 Eppstein und 1705 als ehemals Obersteinsche Lehen Besitztümer im heutigen Rheinhessen und das halbe Gericht Edigheim. 1707 übernahm er die sogenannte „Herrenschäferei“ – den bis dahin pfalzgräflichen Schafhof – in Seckenheim mit Weiderechten in der Gemarkung Neckarau.Hansjörg Probst: Seckenheim. Geschichte eines Kurpfälzer Dorfes. Südwestdeutsche Verlagsanstalt, Mannheim 1981, S. 606 (Digitalisat).

General-Kriegskommissar und Diplomat in Düsseldorf mini|links|Hondheimsches Palais in Düsseldorf, Aufnahme von 1909

Von 1703 bis 1716 war Hundheim General-Kriegskommissar in Düsseldorf. Das 1709 bis 1713 von Matteo Alberti († 1735) erbaute General-Kriegskommissariat nahm die gesamte Südseite der Hafenstraße (heute: Akademiestraße) am alten Berger Hafen ein. Nach Schließung der kurpfälzischen Behörden in Düsseldorf erwarb Lothar Friedrich von Hundheim das Anwesen. Die Kurpfalz kaufte es 1773 von der Familie Hundheim zurück. Bis zu seiner Zerstörung 1944 wurde es als „Hondheimsches Palais“ bezeichnet.

1705 führte der Diplomat Johann Christoph von Urbich (1653–1715) in Düsseldorf unter anderem Gespräche mit dem einflussreichen Rat Hundheim, um Kurfürst Johann Wilhelm zur Zustimmung für die Anbahnung einer Ehe zwischen Elisabeth Christine von Braunschweig-Wolfenbüttel und dem späteren Kaiser Karl VI. von Habsburg zu bewegen.Wilhelm Hoeck: Anton Ulrich und Elisabeth Christine von Braunschweig-Lüneburg-Wolfenbüttel. Holle, Wolfenbüttel 1845, S. 57 und S. 63f.

Am 22. März 1709 schloss Lothar Friedrich von Hundheim für die Kurpfalz in Köln einen Unterstützungsvertrag mit dem kaiserlichen Oberkommandierenden der Alliierten im Spanischen Erbfolgekrieg, Prinz Eugen von Savoyen (1663–1736).

Conrad Reiser († nach 1750)Johann Conrad Reiser, 1709 juristische Disputation an der Universität Mainz unter dem Professor der Pandekten Georg Ferdinand Honkamp (1657–1718), Dr. jur., wurde kurbayerischer Regierungssekretär (Lehn-Secretarius); vgl. Chur-Bayrischer Hof-Calender und Schematismus. Martin Fischer, München 1747, S. 144; München 1750, S. 142. aus Schnaittach widmete Hundheim 1710 seine juristische Disputations-Schrift Difficilis conditionum materia Juridicè expensa.Difficilis condictionum Materia. Ingolstadt, Thomas Graß (books.google.de). In der Zueignung wird Hundheim unter anderem als „Commendatorus in Waldeck“ bezeichnet.

1711 amtierte Lothar Friedrich von Hundheim einige Monate in Düsseldorf und im Schloss Schwetzingen kommissarisch als Reichsvizekanzler, als Kurfürst Johann Wilhelm nach dem Tod von Kaiser Joseph I. von Habsburg (17. April) das Amt des Reichsvikars wahrnahm. Nach Gesprächen in Düsseldorf zwischen Eugen von Savoyen und Johann Wilhelm von der Pfalz Anfang Mai 1711 begleitete Hundheim den Prinzen im Auftrag des Kurfürsten auf seiner Weiterreise mit der „Yacht“ nach Den Haag, um mit ihm die Stellung der Truppen abzusprechen.Bericht an die Kaiserin Eleonore Magdalena. Haag, 5. Mai 1711 (Vormittag). In: Abtheilung für Kriegsgeschichte des K. K. Kriegs-Archives (Hrsg.): Militärische Correspondenz des Prinzen Eugen von Savoyen 1711, Bad XIII. Supplement. Gerold, Wien 1887, S. 26–29 (Google-Books); Alfred von Arneth: Prinz Eugen von Savoyen. Nach den handschriftlichen Quellen der kaiserlichen Archive, Band II 1708–1708. Typographisch-literarisch-artistische Anstalt, Wien 1858, S. 171, vgl. S. 310–312, 324 und 327 (Google-Books). Am 12. Oktober 1711 nahm Freiherr von Hundheim mit der kurpfälzischen Delegation im Kaiserdom St. Bartholomäus zu Frankfurt am Main an der Wahlhandlung von Karl VI. zum römisch-deutschen Kaiser teil.Eigentliche Beschreibung Deren zu Franckfurth am Mayn Anno 1711 vollzogenen Wahl- und Crönungs-Actuum … Caroli VI. Mayer, Mainz 1712, S. 28 (Google-Books). Hundheim und der kurmainzische Großhofmeister Johann Philipp von Stadion-Warthausen (1652–1741) loteten einem Austausch der Ämter und Orte Hirschhorn und Budenheim aus, der jedoch nicht zu Stande kam.Konzept über Verhandlungspunkte, 16. Oktober 1711; Staatsarchiv Würzburg (Mainzer Regierungsarchiv, Nr. 9565).

Mit dem Gesandten der Spanischen Niederlande, Hofkanzler Graf Philipp Ludwig Wenzel von Sinzendorf (1671–1742), schloss er am 29. Dezember 1711 für die Kurpfalz den Vertrag von Frankfurt am Main über die Herrschaft Obergeldern. In ihm war ein Tausch der pfälzischen Besitzungen in Italien, die durch die Heiraten mit Anna Katharina Konstanze von Polen-Litauen (1619–1651) und Schweden und Anna Maria Luisa de’ Medici (1667–1743) an Jülich-Berg bzw. an Pfalz-Neuburg gelangt waren, gegen Erkelenz und Viersen vorgesehen.Heinrich Benedikt: Das Königreich Neapel unter Kaiser Karl VI. Manz, Wien/Leipzig 1927, S. 361. Die beiden Delegationen trafen sich in Frankfurt anlässlich der Kaiserkrönung von Karl VI.