mini|Im 8. Jahrhundert wurden in Japan Pfeilspitzen, Reis und Goldpuder als Tauschmittel benutzt. mini|Ein Joachimstaler, geprägt 1525. Der Taler beeinflusste die Bezeichnung vieler europäischer Silbermünzen ähnlicher Größe. Über die niederdeutsche Bezeichnung „Daler“ bzw. die niederländische Bezeichnung „Daalder“ wurde daraus die schottische Bezeichnung Dollar, die noch heute Namensbestandteil vieler Währungen ist.Jack Weatherford, The History of Money, Crown Publishers Inc. 1997, ISBN 0-609-80172-4, S. 116
Die Geschichte des Geldes ist die Geschichte der Dokumentation ausstehender Forderungen zur Zahlung entsprechend ausstehender Verbindlichkeiten. Ihre Anfänge reichen vor allem zur Staatsentstehung zurück, wo durch Rechtsetzung Abgaben (Steuern, Tribut) erhoben und Rechtsgeschäfte (vor allem Kredite) unter Eigentümern (Staatsbürgern sowie privaten und staatlichen Unternehmen) auf Märkten ermöglicht werden. Zuvor wurden Gegenstände ohne konkrete Bepreisung und Fälligkeitstermin in losen, solidarischen Schuldbeziehungen und gegenüber Fremden in Form von Gaben und Gegengeschenken ausgetauscht. Sehr lange wurde die These vertreten, dass Geld entstanden sei, um den Tauschhandel zu erleichtern. Dieser tritt aber erst nach der Etablierung von Märkten als Randform des Handels in Erscheinung, der erst dann vermehrt genutzt wird, wenn Geldsysteme zusammenbrechen, weil er dann als einzige Möglichkeit des Warenaustauschs angesehen wird.
Ursprüngliche Naturalabgaben (vor allem Getreide, aber auch andere Formen des sogenannten „Warengeldes“) wurden im Laufe der Zeit standardisiert, d. h. mit Edelmetallen (bspw. mit Silber) gewichtet. Damit einhergehend wurden diese Metalle (auch) direkt als Abgaben erhoben, mussten aber noch umständlich gewogen und ggf. geteilt werden. Um die Abgabeneintreibung und Zahlungen zu erleichtern, kam es schließlich zur Münzprägung, wobei jedoch jeder Stadtstaat seinen eigenen Münzfuß (einen bestimmten Edelmetallgehalt zu einem bestimmten Nennwert) festlegte, um die Gültigkeit des eigenen Herrschaftsbereichs herauszustellen.
Innerhalb des jeweiligen Währungsraums dient die entsprechende Währung als gesetzliches Zahlungsmittel (d. h. Abgaben und private Schulden können damit beglichen werden). Dadurch diente das Geld nicht nur als konkretes Zahlungsmittel, sondern auch als abstrakter Wertmaßstab und Recheneinheit. Damit eng verbunden war die Entwicklung der Buchhaltung über Transaktionen und Lagerbestände zuerst in Mesopotamien und Ägypten, woraus sich wiederum Mathematik und Schrift entwickelten. So wurden bereits seit der Antike Forderungen aus Krediten in Form von sogenanntem Buchgeld (Giralgeld) dokumentiert und zur Zahlung verwendet, was durch Geldwechsler und frühe Banken ab dem 13. Jahrhundert in Europa zur doppelten Buchführung weiterentwickelt wurde.
Die Akzeptanz einer Währung (Verwendung als Zahlungs- und Wertaufbewahrungsmittel) hängt von ihrer jeweiligen Deckung ab. Da klassisches Münzgeld lediglich auf seinem Edelmetallgehalt und dessen Marktbewertung basierte, ist es höchst volatil und unterlag im Laufe der Geschichte hohen Bewertungsschwankungen. Aufgrund knapper Edelmetallvorkommen, hoher Kosten der Münzprägung und Hortung kam es zu deflationären Phasen. Inflationäre Phasen entstanden hingegen bspw. durch die europaweite Preisrevolution infolge der plötzlichen Erschließung riesiger amerikanischer Goldvorkommen in der frühen Neuzeit oder in Form von Münzverschlechterungen, die durch hohe Kriegskosten ausgelöst wurden. Bekannt ist auch der Wertverlust des goldbasierten ägyptischen Dinars Anfang des 14. Jahrhunderts als Mansa Musa bei seiner Durchreise enorm viel Gold ausgab.
Im 19. Jahrhundert entstand das erste globale Finanzsystem, dessen Kern der Goldautomatismus war. Die nationalen Währungen lösten sich in den 1930er Jahren jedoch vom Goldstandard als Reaktion auf die Deflation der Weltwirtschaftskrise. Das zweite Globale Finanzsystem war das Bretton-Woods-System mit dem US-Dollar als Ankerwährung. Auch dieses System fester Wechselkurse erwies sich als instabil und scheiterte. Seit Anfang der 1970er Jahre besteht ein System flexibler Wechselkurse. Dieses System ist in sich stabil, es kommt jedoch häufiger zu lokalen oder internationalen Finanz- und Währungskrisen. Deshalb blieben die für das Bretton-Woods-System geschaffenen internationalen Organisationen wie der Internationale Währungsfonds und die Weltbank bestehen. Später kam noch der Basler Ausschuss für Bankenaufsicht hinzu.
Im Gegensatz zu Münzen fußt die Besicherung von Papier- und Buchgeld in den rechtlichen Haftungsverpflichtungen ihrer jeweiligen Emittenten und deren Vermögensverhältnisse. Ein negatives Beispiel ist die durch exzessives Papiergelddrucken im Ersten Weltkrieg ausgelöste Hyperinflation im Deutschen Reich. Aus den Lehren derartiger Geldentwertungen soll die Stabilität eines Währungssystems daher durch rechtliche Besicherungsvorgaben und durch das verantwortungsvolle Handeln von Zentralbanken und Regierungen sichergestellt werden. So wird bspw. heutiges Zentralbankgeld (Zentralbankguthaben und Bargeld) gegen zentralbankfähige Sicherheiten in Rückkaufvereinbarungen mit haftenden Geschäftsbanken erschaffen, deren Vermögen wiederum größtenteils aus Kreditforderungen gegenüber ihren Kunden besteht, die ihrerseits dafür haften. Durch dieses mehrstufige Geflecht an Vertrags- und Haftungsverpflichtungen und einer hohen Durchmischung marktfähiger Vermögenswerte, die als Sicherheiten dienen, sind Währungen heute wesentlich wertstabiler als früher, insofern die Regeln zur Währungsstabilität eingehalten werden.
Die ersten Münzen prägten im 7. Jahrhundert v. Chr. die Lyder in Kleinasien. Papiergeld wurde erstmals in China während der Song-Dynastie im 11. Jahrhundert eingeführt. In Europa verbreiteten sich Banknoten ab dem 17. Jahrhundert. Die erste erfolgreiche Notenbank war die Bank of England. Als Reaktion auf die damaligen Wertverluste bei Münzen gründeten im 17. Jahrhundert Handelsstädte wie Hamburg, Nürnberg und Venedig ein Netzwerk aus öffentlichen Girobanken, die den Transfer von Buchgeld (bargeldloser Zahlungsverkehr) in großem Umfang ermöglichten. Die Digitalisierung Ende des 20. Jahrhunderts führte dazu, dass Geldgeschäfte zunehmend elektronisch abgewickelt wurden (Elektronisches Geld). Neben dem Geld können bei gegenseitiger Übereinkunft auch andere Vermögenswerte zur Zahlung verwendet werden. Dahingehend bot die Entstehung rein digitaler Vermögenswerte (insb. sogenannte Kryptowährungen, wie bspw. Bitcoin) zu Beginn des 21. Jahrhunderts wesentlich schnellere globale Zahlungsmöglichkeiten.
Geld und Geldgeschichte mini|Video: Geschichte des Geldes
Der Ursprung des Geldes liegt lange vor Beginn der Geschichtsschreibung. In wenig entwickelten Gesellschaften diente „Hortegeld“ und „Protzgeld“ in erster Linie zu repräsentativen Zwecken und wurde zur dauerhaften Vermögensanlage verwendet. In weiter entwickelten Gesellschaften erfüllt es die drei Geldfunktionen, es dient als Tausch- und Zahlungsmittel, als Recheneinheit sowie zur Wertaufbewahrung.Michael North, Kleine Geschichte des Geldes: vom Mittelalter bis heute., Beck, 2009, ISBN 978-3-406-58451-0, S. 7Egon Görgens, Karlheinz Ruckriegel, Frank Seitz: Europäische Geldpolitik. 5. Auflage, Lucius & Lucius, Stuttgart 2008, S. 60–61. Die Geschichte des Geldes umfasst Mittel, die mindestens eine jener Geldfunktionen erfüllen.Diese Definition findet sich unter anderem in Günter Kuhn, Bernhard Rabus: Geld ist, was gilt. Primärgeld: Vormünzliche Zahlungsmittel aus aller Welt. Staatliche Münzsammlung München, 2009, S. 1. Historisch waren verschiedene Geldformen im Einsatz, wie Warengeld, Münzgeld, Papiergeld und Buchgeld.Karl-Heinz Moritz: Geldtheorie und Geldpolitik. 3. Auflage, Vahlen, München 2012, S. 8–11. Welche Funktionen das Geld übernahm und welche Stoffe verwendet wurden bestimmt den Entwicklungsstand der Geldwirtschaft, also den Monetarisierungsgrad der Gesellschaft.Michael North, Kleine Geschichte des Geldes: vom Mittelalter bis heute., Beck, 2009, ISBN 978-3-406-58451-0, S. 8 Der Entwicklungsstand der Geldwirtschaft steht in enger Verbindung mit der Entwicklung der Banken, der Finanzinstrumente und der Finanzkrisen. Die Geldgeschichte ist damit ein Teil der Wirtschaftsgeschichte. Eine funktionierende Geldwirtschaft ist eine wesentliche Voraussetzung für Handel und Wirtschaft. So brachen mit dem Niedergang des Römischen Reiches Geldwirtschaft und Handel weitgehend zusammen. Mit dem Beginn der Goldmünzprägung im fränkischen Merowingerreich nahm im 8. Jahrhundert der friesische Handel seinen Aufschwung. Beides erlebte im Zuge der Wikingerüberfälle auf die Handelspartner der Friesen einen Niedergang.Michael North, Kleine Geschichte des Geldes: vom Mittelalter bis heute., Beck, 2009, ISBN 978-3-406-58451-0, S. 8, 13
Die gesamte Geldgeschichte ist durchzogen von dem unaufhörlichen Konflikt zwischen den Interessen von Geldschuldnern und Geldgläubigern, denn jede signifikante Änderung der Geldpolitik hat stets einen Einkommens- und Vermögenseffekt. Während Schuldner ein Interesse daran haben, dass Geld abwertet (Inflation), haben Gläubiger ein Interesse daran, dass sich die Geldmenge verkleinert und Geld aufwertet (Deflation). Beides hat sich in der Wirtschaftsgeschichte als schädlich für das Wirtschaftswachstum und den Wohlstand der Menschen erwiesen; die Prosperität einer Volkswirtschaft als Ganzes ist bei verlässlich kalkulierbarer Geldwertentwicklung ohne größere Schwankungen am größten. Gleichwohl können gesellschaftlich sehr einflussreiche Gruppen das Pendel in die ein oder andere Richtung schwingen lassen. Insbesondere wenn ein Herrscher oder ein Staat hoch verschuldet ist, führt das oft zu einer über das Wirtschaftswachstum hinausgehenden Ausweitung der Geldmenge und damit zu einer Abwertung des Geldes.Glyn Davies, Duncan Connors, History of Money, University of Wales Press, ISBN 978-0-7083-2379-3, S. 35 ff In der Folge erhöhen Gläubiger die Zinsraten so stark, dass es kaum noch möglich ist Geld zu leihen oder umzuschulden. Dies führt zumeist zu einer Rezession, sinkenden Steuereinnahmen und wachsender Armut. Die Geldgeschichte zeigt, dass die jeweilige Geldform ein gewisses Maß an Limitierung braucht, um begehrt zu sein. Wenn sich die Geldmenge zu schnell vergrößert und das Geld dadurch schnell abwertet, verliert die Geldform ihre Glaubwürdigkeit und damit ihre Verkehrsfähigkeit. Sie wird dann durch eine andere Geldform ersetzt bzw. in neuerer Zeit erfolgt dann eine mehr oder weniger erfolgreiche Währungsreform.Glyn Davies, Duncan Connors, History of Money, University of Wales Press, ISBN 978-0-7083-2379-3, S. 39 ff