mini|Ansicht von Norden mini|Ansicht von Südwesten mini|Dreifaltigkeitskirche, Ansicht von Südosten mini|Der Kirchturm mini|Innenansicht mini|Verkündigungsszene am Seitenaltar mini|Decke, Detailaufnahme mini|Wandbemalung im Kirchenschiff, Detailaufnahme mini|Wandbemalung, Detailaufnahme mini|Hl. Laurentius, früherer Stadtpatron von Bülach, Detailaufnahme vom Seitenaltar mini|Schutzengel-Gruppe von Adolf Vogl (1850–1924) mini|Krypta mini|Späth-Orgel von 1990 Die Dreifaltigkeitskirche ist die römisch-katholische Pfarrkirche von Bülach im Zürcher Unterland. Sie steht an der Spitalstrasse in der Nähe vom Bahnhof Bülach und gilt, weil sie durch die Zeit hindurch kaum verändert wurde, als beispielhaftes Gesamtkunstwerk einer katholischen Diasporakirche der vorletzten Jahrhundertwende.Christian Renfer: Katholische Kirche Bülach. S. 12 Die Kirchgemeinde, zu der die Dreifaltigkeitskirche gehört, ist zuständig für die Orte Bülach, Bachenbülach, Hochfelden, Höri und Winkel.
Geschichte Vorgeschichte und Namensgebung Im Mittelalter wurde die erste Kirche am Standort der heutigen Reformierten Kirche Bülach bereits um das Jahr 650 erbaut, wie Ausgrabungen gezeigt haben.Evangelisch-reformierte Kirche Bülach (Hg.): Unsere Kirche. S. 2 Damit gilt Bülach als einer der ältesten Standorte einer Kirche im ganzen Kanton Zürich. Erstmals erwähnt wird die Kirche von Bülach in einer Urkunde aus dem Jahr 811. Als Kirchenpatron wird der Hl. Laurentius von Rom genannt, weshalb sein Attribut, der Laurentiusrost, noch heute das Wappen der politischen Gemeinde Bülach schmückt und die 1902 erbaute katholische Kirche neben der Hl. Dreifaltigkeit auch den Hl. Laurentius zum Kirchenpatron hat. Die Reformation erfolgte in Bülach durch die Absetzung von Pfarrer Ulrich Rollenbutz im Jahr 1528.Bischöfliches Ordinariat Chur (Hg.): Schematismus des Bistums Chur. S. 194 Johannes Haller, nach dem heute eine Gasse in der Altstadt benannt ist, wurde der erste reformierte Pfarrer von Bülach. Als Weggefährte von Huldrych Zwingli starb Johannes Haller im Zweiten Kappelerkrieg im Jahr 1531.Evangelisch-reformierte Kirche Bülach (Hg.): Unsere Kirche. S. 2 Die Kirche im Zentrum der Altstadt wurde fortan als reformierte Kirche genutzt.
In der Zeit nach der Reformation bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts waren katholische Gottesdienste im Kanton Zürich verboten. Das Toleranzedikt des Zürcher Regierungsrats vom 10. September 1807 erlaubte erstmals wieder eine katholische Gemeinde in Zürich.Henri Truffer: Verband der römisch-katholischen Kirchgemeinden der Stadt Zürich. Zürich 1989, S. 192 Das sog. Erste zürcherische Kirchengesetz im Jahr 1863 anerkannte die katholischen Kirchgemeinden neben Zürich auch in Winterthur, Dietikon und Rheinau (die letzten beiden waren traditionell katholisch geprägte Orte). Auf Grundlage des Vereinsrechts konnten daraufhin im ganzen Kanton katholische Niederlassungen gegründet werden. Mit Hilfe von Fördervereinigungen wie dem Piusverein (gegr. 1857) und der Katholischen Gesellschaft für inländische Mission (gegr. 1863) entstanden in den 1860er Jahren in kurzer Folge weitere Seelsorgestationen und spätere Pfarreien im Kanton Zürich: Männedorf (1864), Gattikon-Thalwil/Langnau (1864), Horgen (1865), Pilgersteg-Rüti/Wald (1866), Wald und Bubikon (1873), Uster (1876), Langnau (1877), Rüti (1878), Wädenswil (1881), Bülach (1882), Wetzikon (1890), Bauma (1894), Adliswil (1894), Pfungen (1895), Dübendorf (1897) und Küsnacht (1901). So kam es, dass um 1900 im Kanton Zürich bereits 20 katholische Pfarreien existierten, unter anderem auch die in Bülach.Christian Renfer: Katholische Kirche Bülach. S. 4–5
Entstehungs- und Baugeschichte Die Gründung der katholischen Pfarreien im Kanton Zürich widerspiegelt die wirtschaftliche Entwicklung und die mit ihr einhergehende gesellschaftliche Umschichtung. Im Zuge der Industrialisierung wurden in Bülach Fabriken erbaut, die von der Wasserkraft der Glatt (Jakobstal), aber auch vom Strassen- und Eisenbahnbau profitierten. Aus der Ost- und Innerschweiz, bald aber auch aus Italien zogen katholische Arbeiter mit ihren Familien nach Bülach, weshalb die katholische Seelsorge immer vordringlicher wurde. Der katholische Bevölkerungsanteil in Bülach lag im Jahr 1880 mit ungefähr 6 % zwar noch wesentlich tiefer als das kantonale Mittel von 13,5 %, war aber bereits deutlich höher als die 2,6 % im Bezirk. In Bülach wurden damals bei einer Gesamtbevölkerung von 1851 Personen 111 Katholiken gezählt. Massgeblich für den Standort Bülach als erste katholische Seelsorgestelle in der Region waren auch die politische Bedeutung des Bezirkhauptortes und der regionale Eisenbahnknotenpunkt, dank dem die Katholiken des Umlandes rasch zur Seelsorgestelle gelangen konnten.Christian Renfer: Katholische Kirche Bülach. S. 5–6
Am 4. Juni 1882 fand im Tanzsaal des Restaurants Rössli in Bülach die erste Messe nach der Reformation im Zürcher Unterland statt. Während zwei Jahren bewohnte ein erster katholischer Seelsorger ein Privathaus auf der Frohburg, bevor 1884 der definitive Pfarreisitz an der Schaffhauserstrasse bezogen werden konnte.Pfarrkirchenstiftung Bülach (Hg.): Pfarrei Bülach 1882-1982. 100 Jahre katholische Seelsorge im Zürcher Unterland. S. 13 Das hierfür umgebaute Neuhaus lag in der Nähe des Bahnhofs Bülach und war eine zweckmässige Vereinigung von Profan- und Sakralbau. Drei krabbenbesetzte Spitzbogenfenster im Erdgeschoss und der Dachreiter mit kleinem Glöcklein wiesen auf den kirchlichen Verwendungszweck des Gebäudes hin. Zu dieser Zeit war die katholische Seelsorgestelle Bülach für über 40 Gemeinden in der Region zuständig.Christian Renfer: Katholische Kirche Bülach. S. 6–7 Der 1893–1920 in Bülach tätige Pfarrer Robert Bässler und der 1892 gegründete Stationsverein Bülach mit Sitz in Zug trieben den Kirchbau in Bülach und den Aufbau des kirchlichen Lebens voran. So kaufte der Stationsverein Bülach im Jahr 1899 den Baugrund für die Dreifaltigkeitskirche auf der Sollizelg im Westen des Städtchens, in der Nähe des Bahnhofs Bülach. Das Gelände lag, wie sich später zeigen sollte, ausgesprochen günstig. Auf dem damals erst wenig bebauten Gelände wurden in unmittelbarer Nachbarschaft zur katholischen Kirche 1900 das Kreisspital und 1925 das Bezirksgebäude erbaut. Die heutige Dreifaltigkeitskirche wurde in den Jahren 1901–1902 nach Plänen des erfolgreichen Kirchenarchitekten August Hardegger in neugotischem Stil erbaut. Die Aushubarbeiten begannen im Oktober 1901, die Grundsteinlegung erfolgte am 20. April 1902 durch Augustin Stöckli, den damaligen Abt des Klosters Mehrerau. Am 22. November 1902 weihte der Bischof von Chur, Johannes Fidelis Battaglia die neue Kirche auf die Hl. Dreifaltigkeit und den Hl. Laurentius, den Ortspatron von Bülach.Christian Renfer: Katholische Kirche Bülach. S. 8–9 Gleichzeitig mit der Kirche wurde auf deren Ostseite unmittelbar an der Strasse auch ein Pfarrhaus in neugotischer Formensprache errichtet, das mit einem Krüppelwalmdach gedeckt ist und 1903 bezugsbereit war. 1973 erhielt die Pfarrei Bülach eine damals zeitgemässe Ergänzung durch ein Kirchgemeindezentrum samt Pfarramt mit Pfarrwohnung, nach Plänen des Architekten E.G. Streiff, Zürich erbaut. Die beiden Flachdachbauten in Betonbauweise umschliessen einen neu geschaffenen Platz auf der Ostseite der Kirche im rechten Winkel und bilden zusammen mit dem Pfarrhaus von 1903 einen quadratischen Innenhof, in dem sich die Eisenplastik Meerauge von Ernst Burgdorfer, Zürich befindet.Christian Renfer: Katholische Kirche Bülach. S. 16 Im Jahr 2007–2009 wurde das Pfarreizentrum samt Pfarramt und altem Pfarrhaus durch den Architekten Walter Hollenstein saniert, wobei im Pfarramt die Pfarrwohnung zu Büros umgebaut wurde; das Pfarrhaus aus dem Jahr 1903 erhielt seine ursprüngliche Bestimmung als eigentliches Pfarrhaus wieder zurück. Zusätzlich wurde in das Untergeschoss des Pfarrhauses eine Krypta eingebaut.
Die stark anwachsende katholische Bevölkerung im Bezirk Bülach machten in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts den Bau weiterer Seelsorgestationen nötig, aus denen vier Pfarreien entstanden. In Bülach selber wurde mit der Schaffung der privatrechtlichen Katholischen Kirchgemeinde Bülach im Jahre 1943 und deren staatlicher Anerkennung 1963 die konstitutionelle Entwicklung der Pfarrei Bülach formal abgeschlossen.Christian Renfer: Katholische Kirche Bülach. S. 7
Tochterpfarreien und heutige Kirchgemeinde Aus der Pfarrei Bülach gingen im 20. Jahrhundert vier Tochterpfarreien hervor: Die erste war die Pfarrei St. Pirminius (Pfungen). In Pfungen bestand seit 1895 eine Seelsorgestation, die bereits in den Jahren 1900–1901, also ein Jahr vor der Mutterpfarrei Bülach, ihre heutige Kirche St. Josef und St. Primin erhielt. Im Jahr 1901 wurde Pfungen Pfarr-Vikariat und 1902 eine selbständige Pfarrei, weshalb sie von der Pfarrei Bülach abgetrennt wurde. Die treibende Kraft für die Entwicklung der Pfarrei von Pfungen war der 1896 gegründete Männerverein.Bischöfliches Ordinariat Chur (Hg.): Schematismus des Bistums Chur. S. 233 und Pfarrkirchenstiftung Bülach (Hg.): Pfarrei Bülach 1882-1982. 100 Jahre katholische Seelsorge im Zürcher Unterland. S. 14
Die heutige Kirchgemeinde Dielsdorf/Niederhasli ist die zweite Gründung von Bülach. Am 20. September 1896, dem Eidgenössischen Bettag, fand in Dielsdorf der erste katholische Gottesdienst statt und zwar wegen der zahlreichen katholischen Arbeiter in den Steinbrüchen, hauptsächlich aus Italien. Bei schönem Wetter wohnten der Messfeier bis zu 500 Leute unter freiem Himmel bei. Wegen Problemen, einen geeigneten Raum für die Gottesdienste zu finden, richtete sich das Augenmerk der Seelsorge im südwestlichen Teil des Zürcher Unterlandes für die kommenden Jahrzehnte schwerpunktmässig auf Niederhasli. Die dort im Jahr 1925 errichtete Kapelle – die heutige Pfarrkirche St. Christophorus – war zunächst der Schmerzhaften Muttergottes geweiht und wurde zu einem Pfarr-Vikariat erhoben.Pfarrkirchenstiftung Bülach (Hg.): Pfarrei Bülach 1882-1982. 100 Jahre katholische Seelsorge im Zürcher Unterland. S. 14 und 18 Mit Aussicht auf den Neubau der Kirche St. Paulus in Dielsdorf (erbaut 1960–1962 durch den Architekten Justus Dahinden) wurde Niederhasli zusammen mit Dielsdorf im Jahr 1954 zur Pfarrei erhoben und von Bülach abgetrennt. Der Hauptsitz der Pfarrei war fortan Dielsdorf; die Kapelle in Niederhasli wurde dabei der Pfarrei St. Paulus Dielsdorf zugeschlagen. Im Jahr 1996 wurde die Niederhasli schliesslich zu einer eigenen Pfarrei erhoben und von Dielsdorf abgetrennt. Der neue Namenspatron der Kapelle von Niederhasli ist der Hl. Christophorus.Bischöfliches Ordinariat Chur (Hg.): Schematismus des Bistums Chur. S. 200 und Abgerufen am 26. Juli 2013.
Die dritte Gründung von Bülach ist die Pfarrei St. Petrus Embrachertal, welche im Jahr 1966 zu einem Pfarrvikariat und per 1. Januar 1967 zu einem Pfarrrektorat erhoben wurde. Per Ostersonntag, den 14. April 1974, wurde St. Petrus Embrachertal vom Churer Bischof Johannes Vonderach schliesslich zur Pfarrei erhoben und von Bülach abgetrennt.Pfarrkirchenstiftung Bülach (Hg.): Pfarrei Bülach 1882-1982. 100 Jahre katholische Seelsorge im Zürcher Unterland. S. 204 Die erste katholische Kirche in Embrach, heute die Kapelle St. Petrus, stammt aus dem Jahr 1924, die zweite Kirche mit Pfarreizentrum wurde in den Jahren 1979–1980 erbaut.