mini|Jochen Busse in der Münchner Lach- und Schießgesellschaft (2017) Jochen Busse (* 28. Januar 1941 in Iserlohn) ist ein deutscher Schauspieler, Kabarettist, Fernsehmoderator und Autor.
Seine Schauspielkarriere in Theater, Film und Fernsehen erstreckte sich von 1960 bis 2026 und umfasst über 120 Film- und Fernsehproduktionen. Von 1976 bis 1991 gehörte er zum Ensemble und Autorenteam der Münchner Lach- und Schießgesellschaft. Als Moderator wurde er vor allem durch die Comedy-Sendung 7 Tage, 7 Köpfe bekannt.
Leben Herkunft und Ausbildung Jochen Busse wuchs in Iserlohn und in Melle bei Osnabrück auf. Sein Vater war Fabrikant und besaß eine Fabrik für Vorhanggarnituren. Nach dem Besuch der Volksschule und des Märkischen Gymnasiums Iserlohn, das er kurz vor dem Abitur verließ, nahm er privaten Schauspielunterricht in München. Seine Ausbildung finanzierte er mit Aushilfsjobs, unter anderem als Autowäscher und Lagerarbeiter.
Theater und Kabarett Sein Bühnendebüt gab Busse im Alter von 19 Jahren an den Münchner Kammerspielen. Erste Erfahrungen als Kabarettist sammelte er im Studentenkabarett „Die Knallfrösche“. Bereits 1962 spielte er unter der Regie von Friedrich Hollaender in Hoppla, auf’s Sofa, der umjubelten Rückkehr der Hollaender-Kabarettrevuen nach Berlin, was auch auf einer Schallplattenaufnahme dokumentiert wurde. Drei Jahre war er im Düsseldorfer Kom(m)ödchen aktiv. Von 1976 bis 1991 gehörte er zum Ensemble und Autorenteam der Münchner Lach- und Schießgesellschaft.
mini|Jochen Busse als Sprecher beim WDR-Literaturmarathon im Rahmen der Lit.Cologne am 19. März 2005 2000 inszenierte Busse am Schillertheater in Wuppertal Heinrich von Kleists Der zerbrochne Krug. Von 2007 bis 2009 tourte er mit Henning Venske und dem Programm Legende trifft Urgestein durch den deutschsprachigen Raum. Von September 2009 bis Juni 2011 folgte mit Inventur ein weiteres Bühnenprogramm von ihm und Venske. 2014 trat Busse erstmals in seiner langen Karriere mit einem Soloprogramm vor sein Publikum. In Wie komm ich jetzt da drauf? kam der Kabarettist ohne Bühnenbild, ohne Musik und ohne Kostüme aus.Interview Gereon Hoffmann/Jochen Busse: Spielen ist mein Leben, Interview in der Rheinpfalz, Lokalausgabe Unterhaardter Rundschau vom 29. März 2014. Im August 2020 spielte er im Theaterstück Komplexe Väter.
Im Juli 2026 verkündete Jochen Busse aus gesundheitlichen Gründen seinen Abschied von der Bühne.
Film und Fernsehen Sein Filmdebüt gab Busse unter der Regie von Alfred Vohrer als Heinz in dem Filmdrama Mit 17 weint man nicht. Seitdem wirkte er in über 120 Film- und Fernsehproduktionen, wo er, wie in dem Dreiteiler 11 Uhr 20, zunächst meist als eiskalter Bösewicht besetzt wurde. 1972 erhielt er die Rolle des Kriminalassistenten Siebenlist in der ZDF-Krimiserie Mordkommission, wo er, ermuntert durch den Regisseur Kurt Wilhelm, erstmals sein komödiantisches Talent zeigen konnte.
Wiederholt übernahm er Gastrollen in einer Vielzahl von Fernsehserien und -reihen, so etwa 1994 mit Gerd Baltus und Karsten Speck in der Fernsehserie Drei Mann im Bett als griesgrämige Taxifahrer Gisbert oder 2005 als Außerirdischer YOK in der Comedy-Serie Nicht von dieser Welt. Seit 2023 spielt Busse in der ARD-Reihe Einspruch, Schatz! den im Altersheim lebenden resilienten Vater der Leipziger Scheidungsanwältin Eva Schatz (Christine Urspruch) zur Stammbesetzung. In Sven Unterwaldts Filmkomödie Horst Schlämmer sucht das Glück, die im März 2026 in den deutschen Kinos startete, spielte er sich selbst.
Moderationen Busse prägte die deutsche Fernsehlandschaft vor allem als schlagfertiger, ironischer und stets eleganter Moderator. Er fungierte in seinen Shows meist als der „Zirkusdirektor“, der mit pointiertem Humor, feiner Ironie und scharfem Timing durch das Geschehen führte. 1978 startete Busse mit der WDR-Serie Medienklinik seine erste eigene Sendung, später war er Dreh- und Angelpunkt der Sketchreihe Nur für Busse. In der bayerischen Comedy- und Sketch-Show Kanal fatal des Bayerischen Rundfunks war Busse von 1986 bis 1990 einer der Hauptmoderatoren und Sketch-Partner, unter anderem neben Veronika von Quast. Hier parodierte er das klassische Fernsehen und führte skurril durch das Programm. Seine bekannteste Station als Fernsehmoderator wurde die von Rudi Carrell produzierte Freitagabendshow 7 Tage, 7 Köpfe, die er von 1996 bis 2005 über 300-mal bei RTL moderierte. In der kurzlebigen, schwarze RTL-Humor-Show Nur über meine Leiche moderierte er ebenfalls, bei der Kandidaten skurrile Aufgaben bewältigen mussten.
Im April 2006 wurde er Moderator der von Hugo Egon Balder produzierten Comedy-Talkshow Der heiße Brei – Comedy Talk mit Jochen Busse auf Sat.1, in der Schauspieler die Rollen von Politikern und Prominenten spielen. Bereits Mitte Mai 2006 wurde die Sendung aufgrund von geringem Zuschauerinteresse abgesetzt. 2007 moderierte er im NDR die Sendung Lachen macht Spaß. 2022 wurde die Freitagabendshow 7 Tage, 7 Köpfe vom Fernsehsender RTL neu aufgelegt. Im Gegensatz zur Erstauflage in den Jahren 1996 bis 2005 war Busse Teil der Besetzung, während die Moderation von Guido Cantz übernommen wurde. In der siebten Ausgabe war er zu Gast.
Soziales Engagement 2012 unterstützte Busse ehrenamtlich als Rezitator das Projekt „Deutsche Winterreise“ des Autors Stefan Weiller. Website von Stefan Weiller. März 2012, abgerufen am 20. Juli 2017. In ihm wird seit 2009 städtebezogen in Zusammenarbeit mit Einrichtungen wie beispielsweise dem Diakonischen Werk bei Benefizveranstaltungen in einem Lieder- und Textzyklus insbesondere auf die Situation von Wohnungslosen aufmerksam gemacht.
Privates 1978 wurde Busses erste Ehe geschieden, anschließend war er mit einer Filmeditorin verheiratet. In dritter Ehe war er von 1994 bis 2000 mit Sabine Kersten verheiratet, aus dieser Ehe stammt ein Sohn. Von 2002 bis 2006 war er mit der Filmemacherin Bea Sommer liiert. In vierter Ehe war er seit 5. November 2007 mit Constanze Volkner verheiratet, die vierjährige Zwillinge mit in die Ehe brachte.Jochen Busse. Schauspieler heiratet wieder. Focus Online. 15. August 2008, abgerufen am 20. Juli 2017. Am 13. November 2020 erklärte Busse in der Talkshow 3 nach 9, dass er zum Ende des Jahres die Scheidung einreichen werde. Nach der Trennung von seiner vierten Ehefrau zog er von Berlin nach Düsseldorf in den Stadtteil Pempelfort. Seit Sommer 2026 lebt Busse in einer Seniorenresidenz am Kölner Dom.
Filmografie Filme
Fernsehserien und -reihen
Moderationen 1986–1990: Kanal fatal (BR) 1986–1990: Nur für Busse (Das Erste) 1996–2005: 7 Tage, 7 Köpfe (RTL) 1997: Nur über meine Leiche (RTL) 2006: Der heiße Brei – Comedy Talk mit Jochen Busse (Sat.1) 2007: Lachen macht Spaß (NDR)
Fernsehauftritte (Auswahl) 1994: RTL Samstag Nacht 1998: Wetten, dass..? 2001: Die Harald Schmidt Show 2002: Wer wird Millionär? 2007: Zimmer frei! 2008: Verstehen Sie Spaß? 2009: Beckmann 2013: Inas Nacht 2018: Genial daneben – Das Quiz (mit Evelyn Burdecki)
Hörspiele (Auswahl) Die Hörspiele sind chronologisch nach der Erstsendung sortiert. 1975: Edward Boyd: Dachse im Eulenlicht oder Die Suche des Peter Talion (1. Teil: Dachse im Eulenlicht) – Regie: Heiner Schmidt (SWF) – Erstsendung: 16. Sep. 1975 1975: Edward Boyd: Dachse im Eulenlicht oder Die Suche des Peter Talion (2. Teil: Dachse im Eulenlicht) – Regie: Heiner Schmidt (SWF) – Erstsendung: 23. Sep. 1975 1976: Jochen Kittner: Bloß Zufall (1. Teil) – Regie: Arturo Möller, Bernd Lau (SWF) – Erstsendung: 4. Jan. 1977 1976: Jochen Kittner: Bloß Zufall (2. Teil) – Regie: Arturo Möller, Bernd Lau (SWF) – Erstsendung: 11. Jan. 1977 1977: Diethard Klante: Aktion Abendsonne – Regie: Diethard Klante (HR) – Erstsendung: 19. Dez. 1977 1977: Detlef Wolters: Datenverarbeitung – Regie: Heiner Schmidt (HR) – Erstsendung: 6. Mär. 1978 1978: Jean Bolinder: Waterloo (1. Teil) – Regie: Bernd Lau (SWF) – Erstsendung: 29. Aug. 1978 1978: Jean Bolinder: Waterloo (2. Teil) – Regie: Bernd Lau (SWF) – Erstsendung: 5. Sep. 1978 1978: Jean Bolinder: Waterloo (3. Teil) – Regie: Bernd Lau (SWF) – Erstsendung: 12. Sep. 1978 1978: Jean Bolinder: Waterloo (4. Teil) – Regie: Bernd Lau (SWF) – Erstsendung: 19. Sep. 1978 1978: Bernhard Pfletschinger: Die Versammlung – Regie: Heiner Schmidt (HR) – Erstsendung: 11. Dez. 1978 1979: Hans van Ooyen: Der letzte Fall – Regie: Bernd Lau (SWF) – Erstsendung: 20. Nov. 1979 1980: Werner Klippert, Otto Grünmandl, Dietrich W. Hübsch, Theo Peer, Rainer Puchert: Kreativer Blödsinn – Regie: ? (SR) – Erstsendung: 17. Aug. 1980 1980: Graham England: Schattenspiel – Regie: Arturo Möller (SWF) – Erstsendung: 24. Aug. 1980 1980: Burkhard Busse: Seveso und so weiter – Regie: Lutz Liebelt (SR) – Erstsendung: 30. Nov. 1980 1981: Stefan Reisner: Crash – Regie: Bernd Lau (SWF) – Erstsendung: 30. Aug. 1981 1982: Jürgen Albers: Ein Morgen im Dienste der Schule – Regie: Volker Kühn (SR) – Erstsendung: 3. Apr. 1982 1985: Peter Steinbach: Wenn der Kinomann kommt – Regie: Bernd Lau (BR / SFB / Radio Bremen) – Erstsendung: 22. Feb. 1985 1986: Ingomar von Kieseritzky: Der Bullterrier oder: Ein Kaufversuch – Regie: Bernd Lau (BR) – Erstsendung: 16. Apr. 1986 1986: Thomas Andresen: Früh übt sich ... – Regie: Werner Klein (SDR) – Erstsendung: 26. Mai 1986 1987: Erich Loest: Die Brücke am Lipper Ley – Regie: Günther Sauer (HR) – Erstsendung: 15. Juni 1987 1987: Henry Slesar: Aus der Neuen Welt – Regie: Werner Klein (SDR) – Erstsendung: 22. Juni 1987 1988: Peter O. Chotjewitz: Die Wiedergutmachung (1. Teil) – Regie: Bernd Lau (SDR) – Erstsendung: 4. Sep. 1988 1988: Peter O. Chotjewitz: Die Wiedergutmachung (2. Teil) – Regie: Bernd Lau (SDR) – Erstsendung: 11. Sep. 1988 1989: Peter Jacobi: Wo – Regie: Bernd Lau (BR) – Erstsendung: 18. Okt. 1989 1990: Michael Koser: Der letzte Detektiv (17. Folge: Eurodschungel) – Regie: Werner Klein (BR) – Erstsendung: 4. Okt. 1990 1991: Jürgen Geers: Die Frauenfrage – Berichte aus der Männergruppe (1. Teil: Kalt wie Eis) – Regie: Detlev Ihnken (SDR) – Erstsendung: 10. Okt. 1991 1991: Michael Koser: Der letzte Detektiv (22. Folge: Westfront) – Regie: Werner Klein (BR) – Erstsendung: 17. Okt. 1991 1992: Edgar Lipki: Olé, o weh, Olympia: Die Leitung steht (1. Teil) – Regie: Detlev Ihnken (SDR) – Erstsendung: 4. Juni 1992 1992: Edgar Lipki: Olé, o weh, Olympia: Die Leitung steht (2. Teil) – Regie: Detlev Ihnken (SDR) – Erstsendung: 11. Juni 1992 1992: Moacyr Scliar: Lateinamerika: Mythos und Wirklichkeit (2. Folge: Die Entdeckung Amerikas) – Regie: Klaus Mehrländer (WDR) – Erstsendung: 28. Juni 1992 1992: Jack Ritchie: Der Mitternachtswürger – Regie: Marina Dietz (BR) – Erstsendung: 10. Dez. 1992 1993: Robert Coover: Pardauz stürzt noch einmal – Regie: Wolf Euba (BR) – Erstsendung: 15. Mär. 1993 1993: Tim Heald: Arsen und Spitzenhöschen (1. Teil) – Regie: Klaus Mehrländer (SDR) – Erstsendung: 10. Mai 1993 1993: Tim Heald: Arsen und Spitzenhöschen (2. Teil) – Regie: Klaus Mehrländer (SDR) – Erstsendung: 17. Mai 1993 1993: Peter Liermann, Rainer Weiss: Die Markise von H. – Ein Stück Sommer – Regie: Klaus Mehrländer (SDR) – Erstsendung: 8. Juli 1993 1993: Martin Walser: Ohne einander – Regie: Otto Düben (SDR) – Erstsendung: 11. Juli 1993 1994: Karlheinz Knuth: Der Moormann oder Als ob der Wind weint – Regie: Klaus Wirbitzky (WDR) – Erstsendung: 19. Mär. 1994 1994: Maria Franziska Schüller, Cornelia Walter: Verdi, Würstchen und Verwirrung – Regie: Uwe Schareck (WDR) – Erstsendung: 10. Sep. 1994 1994: Ulrich Land: Herzversagen – Regie: Angeli Backhausen (WDR) – Erstsendung: 3. Okt. 1994 1994: Martin Kákos: Der Geist von Hamlets Vater – Regie: Klaus Mehrländer (WDR) – Erstsendung: 27. Nov. 1994 1993: Bob Sinfield: Taste – Alles Geschmacksache – Regie: Marina Dietz (BR) – Erstsendung: 27. Feb. 1995 1995: Hanns-Peter Karr, Walter Wehner: Jezz abba feste (5. Episode: Haste was in Aussicht?) – Regie: Marina Dietz (WDR) – Erstsendung: 17. Nov. 1995